Felgenreiniger im Test Putz-Munter

26.05.2011

Wer verschmutzte Felgen säubern und eingebrannten Bremsstaub beseitigen will, braucht einen wirkungsvollen Reiniger. Wir unterzogen zwölf gängige Produkte einem ausführlichen Labor- und Praxistest

Um Autoräder vom Winterschmutz oder gar von eingebranntem Bremsstaub zu befreien, bedarf es besonderer Hilfsmittel, denn Tankstellen-Waschanlagen sind meist überfordert, und auch Wasserschlauch, Bürste und Seifenlauge bescheren nur mäßigen Erfolg. Hier taugen am besten spezielle Felgenreiniger. Mit ihren ausgetüftelten Rezepturen sollen sie selbst hartnäckigen Schmutz entfernen können. Wie erfolgreich sie dabei sind, zeigt unser aktueller Felgenreiniger-Test. Wir wählten aus dem breit gefächerten Angebot kleiner Reinigungsmittelhersteller und großer Chemieunternehmen ein Dutzend der meistverkauften Felgenreiniger aus und orderten Stichproben an Tankstellen, Discountern, in Auto-Teileläden und beim Internet-Versandhandel.
Große Preisunterschiede
Die Kostenspanne reicht von unter zwei bis knapp 18 Euro pro 100-Milliliter- Flasche. Während Billiganbieter auf eine Umverpackung verzichten, stecken die teuren Produkte samt Scheuerschwämmchen und Bürste in schützenden Kartons. Das hat in diesem Fall einen klaren Vorteil: Die Pappe saugt die Chemikalien nachtropfender Sprühköpfe oder undichter Verschlüsse auf und verschmutzt nicht den Teppichboden des Kofferraums. Denn läuft das Reinigungsmittel aus, kann es hässliche Flecken und sogar Materialauflösungen durch die aggressiven Bestandteile der Chemie verursachen. Als äußerst unangenehm erweisen sich gerade bei Felgenreinigern undichte Flaschen und sabbernde Sprühköpfe: Schon ein simpler Hautkontakt kann zu Verätzungen, Juckreiz oder Hautaustrocknungen führen. Auch unter unseren Testkandidaten befand sich eine Probe mit undichtem Verschluss: Punktabzug gab es deshalb für Velind. Das wichtigste Kriterium bei unserem Zubehörtest war die Reinigungswirkung. Dazu überprüften wir die Produkte sowohl im Labor als auch im Praxistest. Wir besprühten zunächst bereits gebrauchte und somit leicht verwitterte, also in der Oberfläche angegriffene Stahl- und Alu-Felgen sowie fabrikneue Leichtmetallfelgen mit realem Straßenschmutz und genormtem Testschmutz. Dann wurde der Dreck im Trockenschrank bei 140 Grad Celsius eingebrannt.
Praxisnahe Prozedur
Beim anschließenden Reinigen gingen wir strikt nach Herstellerangaben vor. Nach vorgeschriebener Einwirkzeit und Abspülen mit klarem Wasser beurteilten wir die Ergebnisse. In einem weiteren Durchgang ermittelten wir die Reinigungswirkung mit zusätzlicher manueller Nachbehandlung. Dazu verwendeten wir einen normalen Auto- Waschschwamm und begrenzten die Prozedur auf praxisnahe 20 Sekunden pro Rad. Das Ergebnis: In Kombination mit mechanischer Nachbehandlung registrierten wir bei allen Produkten akzeptable Ergebnisse. Doch auf die bequemere Art, also ohne mühsames Rubbeln, liefern nur die Reiniger von Arexons, Sonax, Dr. Wack Chemie und Einszett den gewünschten Erfolg.
Gefährliche Säuren
Interessant und erfreulich ist, dass die Gesamtsieger Sonax Xtreme und Wack P21 S Power Gel frei von aggressiven Säuren sind. Moderne Rezepturen mit einem Cocktail aus Tensiden, Phosphaten und Aromaten sowie reinigungsunterstützenden Korrosions- inhibitoren leisten hier ganze Arbeit und sorgen zusätzlich dank eines neutralen pH-Werts für gute Umweltverträglichkeit. Doch das hat sich leider noch nicht bei allen Herstellern herumgesprochen. Den Produkten von Aral, Autosol und Einszett sind sogar bis zu 25 Prozent Phosphor- und Salzsäuren beigemischt. Damit sollen nach nur kurzer Einwirkzeit auch hartnäckiger Winterdreck, Öl und Bremsstaub abgelöst werden können. Der Nachteil: Solche chemischen Keulen greifen das Material an. Verchromte Schrauben werden blind, Radmuttern korrodieren, werden unansehnlich und lassen sich schwer lösen. Lässt man solche sauren Reiniger zu lange einwirken, dann kriechen sie sogar unter den Schutzlack und greifen die Alu-Legierung direkt an.
Schwarze Stellen
Die Folge sind schwarze Stellen, die die Alu-Räder verunzieren. Schlimmer noch: Beim Felgenreiniger Autosol von der Solinger Dursol-Fabrik fanden die Ingenieure der DEKRA Umwelt GmbH neben neun Prozent Salzsäure sogar über zwei Prozent Flusssäure. Das ist als äußerst bedenklich einzustufen. Denn Flusssäure gilt nicht nur als hochaggressiv, sie ist auch sehr giftig. Zwar warnt ein Etikettaufdruck mit rotem Hinweis und dem Schriftzug "Gesundheitsschädlich". Doch einen kindersicheren Verschluss sucht man vergebens. Auch die technische Wirkung mussten die Prüfingenieure als äußerst fragwürdig einstufen, da die Rezeptur mit aggressiver Flusssäure Schwermetalle aus stabilen Verbindungen löst. Werden beispielsweise beim Einsprühen der Räder die Bremsbeläge mit eingenebelt, dann können sich hier Zink, Kupfer und andere Metalle auslösen und anschließend ins Grundwasser gelangen. Die Reinigungswirkung dieses Produkts lässt obendrein zu wünschen übrig. Mit 105 von 200 möglichen Punkten rutschte der Autosol Felgenreiniger in dieser Disziplin auf den letzten Platz. Ohne Säuren, aber mit viel zu starken alkalischen Eigenschaften, fiel der Felgenreiniger von Arexons auf. Durch eine basische Reaktion kann auch dieses Produkt Schwermetalle freisetzen und somit der Umwelt schaden.
Lohnt Billig?
In puncto Ergiebigkeit schnitten die Felgenreiniger von Velind, Sonax, Arexons und Kärcher gut ab. Zur angenehmeren Verarbeitung trägt ein Sprühkopf mit bequemer Handhabung und gleichmäßigem Sprühstrahl bei. Einszett, Sonax Xtreme und Dr. Wack Chemie setzen ein System mit gleichmäßigem Sprühbild ohne unnötige Vernebelung ein. Die langen und wenig Handkraft erfordernden Hebel von Kärcher, Arexons und Caramba erleichtern die Arbeit. Einige Hersteller, darunter Dr. Wack Chemie, das Premiumprodukt von Sonax, Caramba und Kärcher setzen eine gelige Flüssigkeit ein. Diese haftet besser an verschmutzten Felgen und lässt die Chemie effizienter einwirken. Durch eine spezielle Einfärbung erkennt man beim P21 S Power Gel von Wack viel besser als bei anderen Produkten bereits besprühte Bereiche. Das erspart eine lästige Nachbehandlung. Viele Hersteller haben auch Billigprodukte im Programm. Ob es sich hier um Mogelpackungen für Discounter oder um abgespeckte oder andere Rezepturen handelt, wollten wir an einem Beispiel ermitteln. Dazu wählten wir das preiswerte Pendant zum Testsieger Sonax Xtreme aus. Das schlicht Sonax Felgenreiniger genannte Produkt wird in doppelter Menge, also in Ein-Liter-Flaschen abgefüllt, zum halben Preis angeboten und verfügt über einen chemisch anderen Aufbau. Allerdings zeigten die Testergebnisse, dass man mit dem Preisbrecher nur durchschnittliche Reinigungsergebnisse erreichen kann - das Produkt landete auf Platz vier .

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