Dashcam-Videos: Beweismittel vor Gericht (Update!) OLG lässt erneut Dashcam-Video zu

von Alexander Koch 18.07.2017

Dashcam-Videos in Autos können bei Unfällen als Beweismittel dienen. So hat das Oberlandesgericht (OLG) Stuttgart entschieden, Aufnahmen bei einer Schadensersatzklage zuzulassen. Schon 2016 hat das OLG Dashcam-Videos in einem Bußgeldverfahren zugelassen.

Dürfen Dashcam-Videos – also die Aufnahme mit einer kleinen Videokamera in der Windschutzscheibe – vor Gericht als Beweismittel bei Schadenersatzklagen herangezogen werden? Das Oberlandesgericht (OLG) Stuttgart hat das in einem konkreten Einzelfall (Az. 10 U 41/17) bejaht, wie die Behörde am Dienstag, 18. Juli 2017, bestätigte. Zuvor hatte die "Süddeutsche Zeitung" berichtet. In dem Fall ging es um einen Verkehrsunfall. Die Unfallgegner einigten sich auf einen Vergleich. Das Landgericht Rottweil hatte die Aufnahmen zuvor nicht als Beweismittel zugelassen, da sie demnach gegen das Selbstbestimmungsrecht anderer Verkehrsteilnehmer verstießen. Das Oberlandesgericht hingegen zog die Aufnahmen als Beweismittel heran, betonte aber, dass es den sogenannten Dashcam-Mitschnitt des Klägers aufgrund einer Interessenabwägung "im konkreten Einzelfall tendenziell für verwertbar" hält. Nach dem Vergleich zahlt die Unfallverursacherin zwei Drittel der Schadenssumme, der Kläger ein Drittel. Das OLG wies in der Verhandlung beide Seiten darauf hin, dass bei einer etwaigen Revision vor dem Bundesgerichtshof dieser das Ganze anders sehen könnte. Eine veröffentlichte Entscheidung eines höheren Gerichts zur Verwertbarkeit von Dashcam-Aufnahmen im Zivilprozess gebe es bisher nicht, hieß es.

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OLG Stuttgart lässt Dashcam-Video als Beweismittel zu

Schon im Mai 2016 hatte das Oberlandesgericht Stuttgart (Az. 4 Ss 543/15) entschieden, dass Videos in einem schwerwiegenden Bußgeldverfahren zulässig seien. Als Beispiel nannte das Oberlandesgericht, wenn ein Verkehrsteilnehmer die mindestens sechs Sekunden lange Rotphase einer Ampel missachtet. So geschehen im vorliegenden Fall: Hier hatte das Amtsgericht Reutlingen gegen einen Autofahrer eine 200-Euro-Strafe verhängt, weil er über eine rote Ampel gefahren war. Das aber konnte nur mit einem Dashcam-Video eines anderen Verkehrsteilnehmers beweisen werden. Mit seiner Entscheidung bestätigte das Oberlandesgericht Stuttgart nun die Entscheidung des Amtsgerichtes. Das war nach eigener Angabe zugleich die erste obergerichtliche Entscheidung zur viel diskutieren, aber bislang noch unbeantworteten Frage, ob Dashcam-Videos als Beweismittel zugelassen werden können. Bereits seit Jahren wird juristisch wie datenschutzrechtlich stark diskutiert, ob die Dashcam-Videos bei der Rekonstruktion von Unfällen Hilfe leisten dürfen. Auf dem deutschen Verkehrsgerichtstag Anfang 2016 haben sich Experten mit dem Thema befasst und eine klare gesetzliche Regelung gefordert.

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Dashcam-Videos vor Gericht verwenden

Die Aufzeichnungen ermöglichten demnach durchaus die Aufklärung von strittigen Unfallhergängen und Straftaten, führten aber auch zur Beeinträchtigung von Persönlichkeitsrechten. Derzeit fehle es in Deutschland und den Nachbarländern an einer klaren Rechtsgrundlage zur Verwendung der Kameras, beklagten die Experten. Sie empfahlen anstelle eines generellen Verbotes oder einer generellen Zulassung einen "Ausgleich zwischen Beweisinteresse und Persönlichkeitsrecht" auf "der Basis des europäischen Datenschutzrechtes". Aufnahmen sollten "anlassbezogen" zulässig sein, etwa bei einem drohenden Unfall. Sonst sollten sie kurzfristig automatisch überschrieben werden. Die Verfolgung von Verkehrsverstößen ohne gravierende Folgen dürfe weiterhin nicht auf Dashcam-Aufnahmen gestützt werden. Der Missbrauch von Aufzeichnungen mit personenbezogenen Daten, etwa durch eine Veröffentlichung im Internet, sei zu bestrafen. Außerdem wurden auf dem Verkehrsgerichtstag einige Themen besprochen, die vor allem den Umgang mit Alkohol am Steuer betreffen. So wird die Zahl der sogenannten Idiotentests in Deutschland voraussichtlich stark steigen. Der Verkehrsgerichtstag empfahl, dass Alkoholsünder bei der ersten Auffälligkeit künftig bundesweit einheitlich schon ab einem Promillewert von 1,1 die MPU absolvieren müssen, wenn sie den Führerschein zurückerhalten wollen.

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