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NSU Wankel Spider RS: Unterwegs im Wankelsportler

Im Frühtau zu Berge

1967 und 1968, zwei Jahre in Folge, wurde Siegfried Spiess im NSU Wankel Spider Deutscher Bergmeister aller Klassen. 45 Jahre später sind wir erneut am Schauinsland unterwegs, auf der berühmten Bergrennbahn im Südschwarzwald. Attacke mit Wankel-Gebrüll

Du lieber Herr Gesangsverein, ist das laut! Gerade haben die hilfreichen Herren von der Audi Tradition den NSU Wankel Spider hier oben an der Talstation der Schauinslandbahn aus dem Transporter gelassen, jetzt steht das kleine Autochen am Parkplatz und soll sich ein wenig warmlaufen dürfen. Der 500-Kubik-Einscheiben-Wankel schmettert aber ein so durchdringendes Knattern in die umliegenden Berghänge, dass uns Angst und Bange wird. Voluminös blechern, regelrecht physisch präsent, eine sägende Wand aus Metall.

NSU Wankel Spider: Unterwegs am Schauinsland

„Das ist die leise Version mit straßenzugelassen zeitgenössischer Auspuffanlage“, freut sich Albert Keicher, Hüter der Neckarsulmer Auto Union-Preziosen. Den Sinn seiner Worte können wir ihm aber gerade einmal an den Lippen ablesen, so markdurchdringend fräst sich der Sound des Kreiskolben-Renners in unsere Gehörgänge. – „Schnell ausmachen!“, brüllen wir in die akustische Apokalypse, vor unserem inneren Auge spielen sich dramatische Szenen ab, in denen die Ausrottung gefährdeter Käferarten durch Akustik-Terror und vor allem blutrünstige, zum äußersten bereite Anwohner eine dominierende Rolle spielen.

Das hier ist Freiburger Gemarkung, und Freiburg ist fest in grüner Hand. Motorrad- oder Autolärm schaltet sofortigen Wutbürger-Modus frei. Wenn wir dem Treiben des Wankel Spider also auch nur ein paar Sekunden länger freien Lauf lassen, dürfte die geplante Ausfahrt am Schauinsland zu Ende sein, bevor sie begonnen hat. Schließlich haben Bürger-Proteste bereits schon einmal eine Schauinsland-Legende verstummen lassen: Das berühmte Europameisterschafts-Bergrennen auf der kurvigen Strecke hinauf zur Passhöhe wurde auf Druck von Naturschützern nach fast 60-jähriger Geschichte 1984 gestoppt. Zeitenwende.

Und irgendwie haben wir im Moment dagegen überhaupt nichts einzuwenden – der Heavy Metal-Sound des zierlichen NSU treibt uns den Schweiß aus allen Poren. Also: „Ausschalten!“ Der Herr Rennmechaniker nickt freudig ergriffen, interpretiert unser wildes Gestikulieren und Brüllen allerdings als Ausdruck freudiger Ergriffenheit und wärmt den Wankel mit kräftig pumpenden Gasstößen auf, dass die Heide wackelt …

Dann endlich, endlose Sekunden später, ist die Zeremonie beendet. Mit einem letzten Aufbrüllen verstummt der NSU  – die nun folgende Stille ist ohrenbetäubend. Albert Keicher strahlt: „Wollt ihr offen fahren oder mit Dach? Siegfried Spiess ist bei den Rennen in den 60ern ja immer mit Hardtop gefahren, das hat zusätzliche Steifigkeit ins Chassis gebracht.“ Eine erste Sitzprobe unter der penibel verarbeiteten und in elegantem Schwarz lackierten Dachschale diktiert aber das weitere Vorgehen – ich bin deutlich zu groß, um den Spider geschlossen zu fahren.

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Johannes Riegsinger