NSU Wankel Spider RS: Unterwegs im Wankelsportler Im Frühtau zu Berge

28.02.2015
Inhalt
  1. NSU Wankel Spider: Unterwegs am Schauinsland
  2. NSU Wankel Spider: Der Wankel schmettert ohrenbetäubend
  3. Wankel Spider: Mit Vollgas über die Bergstrecke

1967 und 1968, zwei Jahre in Folge, wurde Siegfried Spiess im NSU Wankel Spider Deutscher Bergmeister aller Klassen. 45 Jahre später sind wir erneut am Schauinsland unterwegs, auf der berühmten Bergrennbahn im Südschwarzwald. Attacke mit Wankel-Gebrüll

Du lieber Herr Gesangsverein, ist das laut! Gerade haben die hilfreichen Herren von der Audi Tradition den NSU Wankel Spider hier oben an der Talstation der Schauinslandbahn aus dem Transporter gelassen, jetzt steht das kleine Autochen am Parkplatz und soll sich ein wenig warmlaufen dürfen. Der 500-Kubik-Einscheiben-Wankel schmettert aber ein so durchdringendes Knattern in die umliegenden Berghänge, dass uns Angst und Bange wird. Voluminös blechern, regelrecht physisch präsent, eine sägende Wand aus Metall.

 

NSU Wankel Spider: Unterwegs am Schauinsland

„Das ist die leise Version mit straßenzugelassen zeitgenössischer Auspuffanlage“, freut sich Albert Keicher, Hüter der Neckarsulmer Auto Union-Preziosen. Den Sinn seiner Worte können wir ihm aber gerade einmal an den Lippen ablesen, so markdurchdringend fräst sich der Sound des Kreiskolben-Renners in unsere Gehörgänge. – „Schnell ausmachen!“, brüllen wir in die akustische Apokalypse, vor unserem inneren Auge spielen sich dramatische Szenen ab, in denen die Ausrottung gefährdeter Käferarten durch Akustik-Terror und vor allem blutrünstige, zum äußersten bereite Anwohner eine dominierende Rolle spielen.

Das hier ist Freiburger Gemarkung, und Freiburg ist fest in grüner Hand. Motorrad- oder Autolärm schaltet sofortigen Wutbürger-Modus frei. Wenn wir dem Treiben des Wankel Spider also auch nur ein paar Sekunden länger freien Lauf lassen, dürfte die geplante Ausfahrt am Schauinsland zu Ende sein, bevor sie begonnen hat. Schließlich haben Bürger-Proteste bereits schon einmal eine Schauinsland-Legende verstummen lassen: Das berühmte Europameisterschafts-Bergrennen auf der kurvigen Strecke hinauf zur Passhöhe wurde auf Druck von Naturschützern nach fast 60-jähriger Geschichte 1984 gestoppt. Zeitenwende.

Und irgendwie haben wir im Moment dagegen überhaupt nichts einzuwenden – der Heavy Metal-Sound des zierlichen NSU treibt uns den Schweiß aus allen Poren. Also: „Ausschalten!“ Der Herr Rennmechaniker nickt freudig ergriffen, interpretiert unser wildes Gestikulieren und Brüllen allerdings als Ausdruck freudiger Ergriffenheit und wärmt den Wankel mit kräftig pumpenden Gasstößen auf, dass die Heide wackelt …

Dann endlich, endlose Sekunden später, ist die Zeremonie beendet. Mit einem letzten Aufbrüllen verstummt der NSU  – die nun folgende Stille ist ohrenbetäubend. Albert Keicher strahlt: „Wollt ihr offen fahren oder mit Dach? Siegfried Spiess ist bei den Rennen in den 60ern ja immer mit Hardtop gefahren, das hat zusätzliche Steifigkeit ins Chassis gebracht.“ Eine erste Sitzprobe unter der penibel verarbeiteten und in elegantem Schwarz lackierten Dachschale diktiert aber das weitere Vorgehen – ich bin deutlich zu groß, um den Spider geschlossen zu fahren.

Wenige Handgriffe später verschwindet das Hardtop im Transporter, und der NSU zeigt sich von einer fast italienischen, lieblichen Seite. Kein Wunder, schließlich ist der Wankel Spider eine Ableitung des bei Bertone gezeichneten NSU Sport Prinz. Ohne Dach gewinnt das elegante Hinterteil mit den angedeuteten Heckflossen an zusätzlicher Länge, das sonst um die Körpermitte beinahe etwas pummelige Auto wird gestreckt und fließend. Allerdings konterkarieren die radkappenlosen Räder in feistem Racing-Format und die abgeschraubten Stoßstangen diesen weichen Effekt. Wie eine Baby-Bulldogge kauert der kleine NSU auf dem Asphalt – süß und sauer als herrlich trotzige Mischung.

 

NSU Wankel Spider: Der Wankel schmettert ohrenbetäubend

Und selbstverständlich brennen wir darauf, dieses sagenhafte Auto fahren zu dürfen. Einfädeln ins Cockpit, kurze Orientierungsphase, Strammziehen der Hosenträgergurte und entschlossener Dreh am Zündschlüssel. Schnell  den Berg hinauf, jetzt am Morgen ist das Schauinsland vielleicht sogar noch ausflüglerfrei. Der Wankelmotor springt an, klackend rastet der erste Gang ein.

Trotz des drehzahlhungrigen Motorkonzepts wirkt die Maschine beim Anfahren keineswegs schwachbrüstig oder kapriziös, eine perfekt eingestellte Kupplung erleichtert das Handling des kleinen Renners zusätzlich. Federleicht schnürt der Wankel Spider davon und stürzt sich auf die ersten Kehren. Nun ist die eigentliche Motorcharakteristik des Rotationskolbenmotors zu erkennen, er dreht willig ohne erkennbare Leistungssprünge über das gesamte Drehzahlband, die gleichförmige Leistungsentfaltung wirkt beinahe langweilig.

Aber die kleine Wankelmaschine hat Power: Zwar dürfte der penibel aufbereitete Renn-Oldtimer nicht die fast brutale Spitzenleistung des bis über 100 PS getriebenen NSU-Spiess-Werksrenners der 60er-Jahre haben. Doch mit den 50 PS des Serien-Autos muss sich der rüstige Rentner erkennbar ebenfalls nicht abfinden. Bellend nimmt das federleichte Auto Fahrt auf und tobt mit stürmischer Lebensfreude den Berg hinauf.

Dann naht die erste enge Kehre: Gefühlvoll anbremsen, dosiert herunterschalten, der Wankelmotor hat dabei nur wenig Bremswirkung – und am Kurvenausgang ist Schluss mit lustig. Wenig Drehmoment, die Drehzahl im Keller, kein Schwung im Nacken. Kurze Momentaufnahme: viel Lärm um nichts. Mit dieser Luftpumpe soll Siegfried Spiess zweimal Europa-Bergrennmeister geworden sein? Bergab?

Aber wie war das noch gerade eben? Flog der kleine NSU nicht verzückend handlich und stabil um die Ecke? Sollte etwa die gute alte „Wer bremst, verliert“-Regel Anwendung finden müssen? – Wird sofort ausprobiert: Mit angehaltenem Atem schlenzen wir den Wankel Spider in den Slalom, der Gasfuß bleibt tief im Bodenblech versenkt. Kreischend hämmert die kleine Rennmaschine in die erste Windung, präzise, wie auf den Asphalt geschraubt, im Richtungswechsel steckt nur gerade so viel Aufbaurollen wie nötig, um perfektes Feedback zu bekommen.

 

Wankel Spider: Mit Vollgas über die Bergstrecke

Der NSU zuckt regelrecht durch die Kehren. Das Geheimnis der überaus erfolgreichen Verbindung NSU/Spiess ist damit gelüftet: Vollgas maximal, satte Spitzenleistung, absolute Präzision – und penible Vorbereitung. Spiess soll die Bergrennstrecken im Vorfeld millimetergenau studiert und den Streckenverlauf regelrecht auswendig gelernt haben.

Als wir mit leuchtenden Augen im Frühnebel auf die Passhöhe stürmen, erwarten uns bereits die ersten Wanderer. Schuldbewusst drehen wir dem böse kläffenden Wankel-Tier die Zündung ab und rollen leise mit Rest-Schwung auf den Parkplatz. „Machen Sie doch noch mal an“, strahlt ein Rentner-Paar, „der klingt ja phänomenal!“

Rennen am Schauinsland damals
Ab 1925 wurden auf einem Holzabfuhrweg zwischen Horben und der Schauinsland-Passhöhe Bergrennen ausgetragen. Die längste und kurvenreichste Bergrennstrecke Deutschlands überwindet auf zwölf Kilometern rund 780 Höhenmeter, die Strecke besitzt Europmeisterschafts-Status. Nach Protesten durch Naturschützer und tödlichen Unfällen wurde das Rennen Mitte der 80er-Jahre aufgegeben.

Das Schauinsland lebt auch heute
Vom 30. Juli - 1. August 2015 findet rund um die legendäre Bergrennstrecke südöstlich von Freiburg im Breisgau wieder die Schauinsland Klassik Rallye statt. Oldtimer aller Epochen dürfen durch den Schwarzwald stürmen und die alten Zeiten hochleben lassen. Das sonntägliche Finale findet in Freiburg statt. Alle Infos über www.schauinsland-klassik.de

TECHNIK
 

NSU Wankel Spider RS
Antrieb 1-Scheiben-Kreiskolbenmotor, Solex-Flachstromvergaser 44HR; Verdichtung: 9,3:1, Kammervolumen: 497,5 cm 3; Leistung: ca. 74 kW/100 PS bei 10.000 /min; max. Drehmoment: 72 Nm bei 2500 /min: 4-Gang-Getriebe, manuell; Hinterradantrieb
Aufbau+Fahrwerk Zweisitziges Cabriolet mit selbsttragender Ganzstahlkarosserie, Heckmotor, Zahnstangenlenkung; Reifen: 155/70 R 12; L/B/H: 3580/1520/1260 mm; Radstand: 2018 mm; Leergewicht: 670 kg; Beschleunigung: 0 auf 100 km/h in ca. 14,5 s; Höchstgeschw.: bis 200 km/h; Grundpreis: 6990 Mark (1967)

Johannes Riegsinger

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