M760Li xDrive/Panamera Turbo Executive: Test Luxuslimos von BMW und Porsche treten an

von Paul Englert 03.08.2017
Inhalt
  1. Test: M760Li xDrive gegen Panamera Turbo Executive
  2. Fahrkomfort ist in beiden Autos extrem hoch
  3. Motor/Getriebe: M760Li mit Leistungs-Hammer
  4. Fahrdynamik: Panamera liegt wie ein Brett
  5. Umwelt/Kosten: Luxus kostet entsprechend

Test: Die Endstufe der BMW 7er-Reihe trägt erstmals das berühmte M-Abzeichen und wird von einem V12-Biturbo angetrieben. Reicht dieses Paket gegen den Porsche Panamera Turbo Executive mit V8-Aggregat? Der Vergleich klärt's!

Langer Radstand plus Benzinmotor heißt bei BMW Li. Klingt irgendwie chinesisch und ist im Falle der neuen 7er Speerspitze vielleicht ganz praktisch, denn China soll einer der Hauptabsatzmärkte für den M760Li xDrive werden, der ersten Münchner Luxuslimousine mit M-Signet auf Heck, Flanke und Motor. Doch wie viel M steckt wirklich im Top-7er? Eine spannende Frage, die wir im Vergleichstest mit dem Porsche Panamera Turbo klären wollen, dem Chefdynamiker in der Luxusklasse. Und weil’s auf der einen Seite ein Li ist, steht auf der anderen ein Executive – was in Zuffenhausen langer Radstand heißt.

Der BMW M760Li xDrive im Video:

 
 

Test: M760Li xDrive gegen Panamera Turbo Executive

Von den in die Länge gezogenen Karosserien spürt man vorn nichts, dafür aber, dass der M760 etwas mehr Raum für die Ellenbogen bietet und der Panamera eine etwas wuchtigere Mittelkonsole hat. Außerdem ist das Raumgefühl im lichtdurchfluteten BMW angenehmer. Hinten ist das Platzangebot ebenfalls sehr ähnlich, obwohl man sich von außen betrachtet fragt, wie man unter der flachen Porsche-Karosserie so viel Platz schaffen kann. Ganz einfach, indem man die Einzel-Sitze recht tief installiert. Im BMW sitzt man höher und kann deshalb das Verkehrsgeschehen besser überblicken – übrigens auch aus der Fahrerperspektive. Praktiker kommen mit dem Panamera auf ihre Kosten, denn die Sport-Limo kommt als Fließheck mit dreigeteilt umklappbaren Fondlehnen und maximal knapp 1500 Litern Kofferraumvolumen. BMW bietet hier lediglich eine Durchladeöffnung, zum Beispiel für Skier. Auf der anderen Seite darf der Münchner rund 130 Kilogramm mehr Gewicht an Bord und zur Not auch noch einen Hänger an den Haken (Option) nehmen. Das Thema Bedienung und Funktion lösen beide Premium-Hersteller auf ihre ganz eigene Art. Gemein haben beide, dass eine dreistellige Zahl von Knöpfen, Schaltern und Tasten in Fahrerreichweite liegt und viele Funktionen über berührungssensitive Oberflächen (Touch) gelöst sind, die unnötig vom Verkehrsgeschehen ablenken. Und wenn die Aufmerksamkeit mal nachlässt, erinnert der 7er daran, doch mal eine Pause zu machen. Wenn das nicht ausreicht, warnt er vor Hindernissen im Toten Winkel, lenkt dezent gegen, sollte man aus Unachtsamkeit die Spur verlassen, oder bremst automatisch, wenn plötzlich Hindernisse vor, hinter oder seitlich vom Fahrzeug auftauchen. Mit anderen Worten: Der M760Li bietet ab Werk quasi alles, was es an serienreifen Assistenzsystemen auf dem Markt gibt – der Porsche dagegen nur einen Bruchteil davon und oft nur gegen Aufpreis (z.B. Matrix-LED-Licht, Abstandsregler, Notbremsassistent).

Messe BMW M760Li xDrive (2016)
BMW M760Li xDrive (2016): Preis (Update)  

Preis M760Li ab 166.300 Euro

 

Fahrkomfort ist in beiden Autos extrem hoch

Weil der stärkste 7er aller Zeiten kein echter M ist, ist seine Fahrwerksabstimmung höchst komfortabel, spricht sensibel an und entkoppelt die Karosserie sehr effizient. Nur selten wird klar, dass man die ungefederten Massen in Form von großen 20-Zöllern nicht vollständig kaschieren kann. Allerdings wirkt der M760Li zeitweise etwas schwammig, bewegt sich auch dann noch sanft, wenn die Unebenheit längst passé ist. Abhilfe schafft eine straffere Dämpferkennlinie, die per Knopfdruck aktiviert wird. Das geht auch im Panamera, wobei dieser ohnehin straffer ausgelegt ist, auf noch größeren Rädern rollt (Option), seine Karosserie schneller und stärker angeregt wird, die Straßenlage dafür aber satter ausfällt. Apropos: Liegen kann man auf den elektrisch verstellbaren Fondsitzen (Option) in beiden Limos nicht, jedoch findet der Manager hier wie dort sehr bequeme Ruhepositionen zwischen zwei Terminen oder nach einem langen Arbeitstag. Der Chauffeur hingegen kann wählen zwischen einem bequemen Sportsitz mit integrierter Kopfstütze im Panamera oder einem noch bequemeren Komfortsitz mit zig Verstellmöglichkeiten für jede Körperform im 7er. Für die richtige Temperatur im Innenraum und auf den Sitzen des Münchners sorgt ein Heer von serienmäßigen Ventilatoren und Heizdrähten. Allein ein auf Knopfdruck warmes Lenkrad kostet extra, bei Porsche auch, genauso wie die Sitzbelüftung vorn und hinten. Mehr zum Thema: Panamera sportlicher denn je

 

Motor/Getriebe: M760Li mit Leistungs-Hammer

V12, 6,6 Liter Hubraum, zwei Turbolader. Das kommt Ihnen bekannt vor? Stimmt, dieses Aggregat wird auch in Modellen von Rolls-Royce verbaut. Speziell für den M760Li entwickelt (z.B. neue Pleuel und Zylinder), leistet der N74B66TÜ genannte V12-Biturbo 610 PS, stemmt bereits ab 1550 Touren 800 Newtonmeter Drehmoment und hält dieses Niveau bis 5000/min. Dank dieser Power sprintet der Top-7er in 3,7 Sekunden auf 100 km/h – ohne Launch-Control, denn die kostet den 2267-Kilo-Brocken ein bis zwei Zehntel. Im 72 Kilo leichteren Panamera arbeitet das Sprint-System dagegen perfekt, katapultiert die Limousine in 3,5 Sekunden auf Tempo 100 – dank Biturbo-V8 mit vier Litern Hubraum und 550 PS. Erstmal auf Landstraßentempo, packt der M760Li aber den Leistungs-Hammer aus, zieht am Panamera Turbo bis 200 km/h langsam vorbei und ist maximal 305 km/h schnell (Option). Noch überzeugender als das Sprintvermögen ist die Art der Leistungsentfaltung des V12 in Kombination mit der Acht-Stufen-ZF-Automatik, die nicht bei jedem kleinen Zucken im Gasfuß gleich hektisch zurückschaltet sondern den Gang hält und das Drehmoment nutzt. Auch die Laufkultur des seidenweich drehenden Aggregats ist beeindruckend. Jedoch hat jede Medaille ihre Kehrseite und die zeigt sich an der Tankstelle: 16,1 Liter Super braucht der BMW-Motor, 13,8 Liter Super Plus das Porsche-Aggregat, wobei das Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe (ebenfalls von ZF) im Schiebebetrieb in den Leerlauf geht (Segeln) und bei leichtem Gaseinsatz oft etwas voreilig zurückschaltet.

Messe Porsche Panamera Executive (2016)
Porsche Panamera Executive (2016): Preis  

Das kostet der lange Panamera

 

Fahrdynamik: Panamera liegt wie ein Brett

Den Rückstand, den sich der Porsche in den Kapiteln Karosserie und Komfort einfängt, holt er sich bei der Fahrdynamik doppelt zurück: So präzise, sicher und schnell wie der Panamera fährt sonst keine Luxuslimousine. Und dabei es ist egal, ob man durch eine langgezogene Autobahnkurve mit weit über 200 km/h pfeilt oder durch die schnelle Kurvenkombination auf der Teststrecke wedelt. Der Panamera macht genau das, was man erwartet, lenkt exakt ein – Korrekturen sind nicht nötig –, stützt sich mit der Hinterachse exzellent ab, verzeiht auch mal Fehler, hat selbst nach vielen Runden auf dem Handling-Parcours einen konstanten Pedaldruck, bremst objektiv wie ein Supersportler und liegt dabei wie das sprichwörtliche Brett. Und was lernen wir daraus? Einen Panamera mit langem Radstand kann man sich eigentlich sparen, denn wer dieses Auto nicht selber fahren will, der sollte zu Fuß gehen. Die Performance des M760Li liegt auf hohem Niveau, erreicht aber nicht den extrem hohen Panamera-Level. Besonders der teils etwas nervöse Geradeauslauf, die leichtgängige, zu wenig Gefühl vermittelnde Lenkung und das unter Belastung leicht schwammige Gefühl auf dem Bremspedal lässt Spielraum für Verbesserungen. Allerdings muss der BMW auch ohne Karbon-Keramik-Bremsscheiben auskommen, die den hohen Belastungen im harten Vergleichstest besser standhalten würde. Mehr zum Thema: Neuer M760Li als Sportler im Smoking

 

Umwelt/Kosten: Luxus kostet entsprechend

Wer redet in dieser Preisklasse schon über Kosten? Teuer sind beide Luxus-Limos – doch das weiß man spätestens dann, wenn der Kaufvertrag unterschrieben ist.

Technische DatenBMW M760Li xDrivePorsche Panamera Turbo Executive
MotorV12, Bi-TurboV8, Bi-Turbo
Hubraum6592 ccm3996 ccm
Leistung610 PS550 PS
Max. Drehmoment800 Nm770 Nm
Getriebe8-Stufen-Automatik8-Gang, Doppelkupplung
AntriebAllrad, permanentAllrad, permanent
0-100 km/h3,7 s3,5 s
Höchstgeschw.250 km/h (305 km/h opt.)306 km/h
Leergewicht2180 kg2100 kg
Kofferraum515 l495-1483 l
L/B/H in mm5238/1902/14795199/1937/1432
Testverbrauch16,1 l S/100 km13,8 l SP/100 km
Grundpreis171.800 Euro169.195 Euro
Testwagenpreis171.800 Euro188.217 Euro
Platzierung21

von Paul Englert von Paul Englert
Unser Fazit

Sie haben sich schon etwas dabei gedacht, die Marketing-Mannen von BMW, den stärksten 7er aller Zeiten nicht M7 zu nennen. Denn ein echter M ist der BMW M760Li nicht – sollte er aber auch nie werden. Das Münchner Flaggschiff gibt vielmehr die hypersouveräne Chauffeurslimo, die dem Boss im Fond mit niedrigem Geräuschpegel sowie komfortabler Fahrwerksabstimmung schmeichelt und den Fahrer immer wieder dazu verführt, die 800 Nm Drehmoment vollständig auszukosten. Doch das reicht nicht gegen den Porsche Panamera Turbo Executive, in dem der Chef ein paar (wenn auch nur kleine) Kompromisse in Sachen Komfort eingehen muss – alleine schon deshalb, weil sein Chauffeur wahrscheinlich jedes Autobahnkreuz zur Rennstrecke erklärt. Ein Hoch auf den 911 im Luxuslimousinen-Gewand.

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