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A4 Avant/3er Touring/Mercedes T-Modell: Vergleich

A4 Avant düst dem 3er und C davon

Mittelklasse-Premium-Kombis erfreuen sich bei Dienstwagenberechtigten höchster Beliebtheit. Mit dem neuen Audi A4 Avant (2016) bekommen BMW 3er Touring und Mercedes C-Klasse T-Modell starke Konkurrenz. Vergleichstest!

Es ist die Psychologie des ersten Eindrucks, die das Ergebnis weiterer zwischenmenschlicher Kontakte oftmals entscheidet. Das gilt im Privaten ebenso wie im Geschäftlichen. Zum gelungenen Business-Auftritt gehört daher auch ein entsprechender Dienstwagen. Hier lautet das Erfolgsrezept: nicht zu viel, aber auch bloß nicht zu wenig. Am besten etwas Seriöses, aber dabei wertiges Understatement. Folglich fühlen sich Außendienstler mit den Mittelklasse-Kombis von Audi, BMW und Mercedes gut "angezogen". Zu Recht, vereinen Autos dieses Schlags doch ordentliche Komforteigenschaften mit noch moderaten Betriebskosten und – je nach Naturell – einer Prise Fahrspaß. Nun schickt sich die Neuauflage des Audi A4 Avant an, der Konkurrenz beim Werben um die Fuhrparkleiter die Hölle heiß zu machen. Mit welchem Erfolg, zeigt unser Test.

Bilder: Audi A4 Avant/BMW 320d Touring/Mercedes C 250 d T-Modell

A4 Avant und Mercedes T-Modell vor BMW

Vorn wie hinten vermittelt der zu uns gerollte Testwagen des Audi A4 Avant (2016) das beste Raumgefühl. Im Mercedes fühlt man sich dagegen beengter untergebracht – nicht zuletzt wegen des wuchtigen Mitteltunnels. Wer unterwegs auf Dienstreisen oft navigieren und telefonieren muss, freut sich im BMW über die nahezu perfekte Bedienung dank des famosen iDrive-Systems, dessen Menüpunkte per Symbol alle auf dem Bildschirm angeordnet sind. Im Mercedes müssen diese je nach Bedarf erst herbeigeklickt werden – davon abgesehen gibt es an Geschwindigkeit und Qualität der Routenberechnung nichts auszusetzen. Soll der Dienstwagen für mehrtägige Reisen genutzt werden, stehen bei allen dreien vergleichbare Kofferraumvolumina zur Verfügung: Von knapp 500 bis gut 1500 Liter bei umgeklappter Rücksitzlehne reicht die Skala. Das genügt in der Regel auch für den Familienurlaub. Mit 513 Kilogramm liegt das getestete Mercedes C-Klasse T-Modell in puncto Zuladung an der Spitze. Gut: BMW und Mercedes bieten eine dreigeteilt klappbare Rücksitzlehne. Der Münchner punktet zusätzlich ab Werk noch mit einer separat öfnenden Heckscheibe, die das Einladen in engen Parklücken erleichtert. Auf hohem Niveau liegt auch die Sicherheitsausstattung der Rivalen unseres Vergleichstests. Spurhalte- und -wechselassistenten sind ebenso erhältlich wie ein Abstandsregler. Unverständlich bleibt allerdings, warum BMW den Kunden des 3er-Kombis die Option auf hintere Seitenairbags vorenthält. In Qualität und Verarbeitung liegen Audi A4 Avant 2.0 TDI und Mercedes C 250 d T-Modell ziemlich klar vor dem BMW 320d Touring.

Fahrkomfort beim neuen Audi A4 Avant am größten

Alle drei Testwagen sind mit teils aufpreispflichtigen adaptiven Dämpfern (Mercedes: Serie) ausgerüstet. Der Stuttgarter gönnt sich darüber hinaus noch die optionale Luftfederung. Auf der Autobahn überzeugt der neue Audi A4 Avant mit einer äußerst ausgewogenen Feder-Dämpfer-Abstimmung. Er liegt wie das sprichwörtliche Brett und glänzt mit dem besten Geräuschkomfort. Der Mercedes ist dem Ingolstädter hier aber dicht auf den Fersen, während der BMW 320d mit lauten Abrollgeräuschen und einem akustisch präsenten Motor auffällt, was sich in den höchsten Schalldruckpegeln niederschlägt. Auf der Marterstrecke des Testgeländes stößt der Audi im Komfort-Modus auf Bodenwellen überraschend schnell an seine Grenzen. Hier schwingt die Hinterachse stark nach, und der Federweg scheint nahezu aufgebraucht. Der Wechsel in den Auto-Modus schafft nur eine geringfügige Besserung. Der BMW 3er Touring agiert auf allen Fahrbahnprofilen souveräner, dicht gefolgt vom Mercedes, der allerdings mit gelegentlichen Poltergeräuschen aus dem Bereich der Vorderachse auffällt. An der Zuladungsgrenze fährt der A4 Avant im Komfortmodus dann wider Erwarten sehr geschmeidig und bügelt Asphalt-Unebenheiten mit beachtlicher Souveränität aus. Offenkundig hält die elektronische Dämpferregelung hier Reserven parat, die sie dem Ingolstädter im unbeladenen Zustand nicht zubilligt. BMW und Mercedes lassen auch mit voller Beladung kaum Wünsche offen.

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Siebenstufen-Automatik des C 250 d zelebriert Gangwechsel

Ärgerlich: Für eine Wohlfühltemperatur an Bord hält in unserem Kombi-Test nur das C-Klasse T-Modell eine Zweizonen-Klimaautomatik serienmäßig bereit. Die getrennte Regelung für Fahrer und Beifahrer kostet bei BMW 650 Euro und bei Audi 685 Euro Aufpreis. Das sollte in dieser Preisklasse eigentlich nicht sein. Dafür sitzen die A4-Avant-Passagiere vorn wie hinten am bequemsten. Im Fond des C 250 d von Mercedes würden sich die Insassen über mehr Oberschenkelauflage freuen, während sich im 320d Touring beleibtere Zeitgenossen etwas breitere Vordersitze wünschen. Immerhin: Ergonomisch liegt der Münchner vorn – auch vor dem Mercedes, dem zum Beispiel eine elektronische Ölstandskontrolle fehlt. Mit jeweils 190 PS starken Vierzylinder-Turbodieseln sind A4 Avant und 3er Touring bestens motorisiert. Die 14 PS Mehrleistung des C-Klasse-T-Modell-Aggregats – Mercedes konnte nur einen 250 d für den Test bereitstellen – schlägt sich nicht in einer besseren Beschleunigung nieder. Mit 7,3 Sekunden für den Sprint von null auf 100 km/h liegt der Stuttgarter mit dem BMW gleichauf, erreicht aber eine um 15 km/h höhere Endgeschwindigkeit (241 km/h). Der Audi läuft zwar 231 km/h, beschleunigt aber mit 8,4 Sekunden von null auf 100 km/h am langsamsten. Die Werte und unsere Testerfahrungen verraten aber zweierlei: Erstens taugen diese Motoren auch locker für hohe Reiseschnitte, zweitens reichen die Unterschiede in den jeweiligen Fahrleistungen nicht aus, um einander im Verkehrsalltag davonzufahren. Beeindruckend ist, dass das Mercedes-Triebwerk mit einem Testverbrauch von nur 6,1 Liter Diesel auf 100 km zugleich am sparsamsten ist. Der A4 Avant schluckt mit 6,7 Litern am meisten (BMW: 6,5 Liter), außerdem spendiert Audi seinem Kombi nur einen mickrigen 40-Liter-Tank, der die Reichweite auf 597 Kilometer reduziert. Immerhin ist die Option auf 54 Liter Tankvolumen kostenfrei. Mercedes (Serie: 50 Liter) bietet 66 Liter Volumen für 60 Euro extra. Beachtlich ist, wie locker die Mercedes C-Klasse aufgrund seines mit 500 Nm höchsten Drehmoments im Test vor allem in höheren Temporegionen noch an Geschwindigkeit zulegt. Seine serienmäßige Siebenstufen-Automatik zelebriert die Gangwechsel allerdings geradezu. Das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe im A4 und speziell die Achtstufen-Sportautomatik des 3er agieren hier deutlich schneller. Mag der A4 Avant bei den Fahrleistungen nicht vorn liegen, so macht er das in Sachen Laufruhe wieder wett: Die Vibrationsarmut des Audi-Diesels erweist sich auf den Langstrecken als ausgesprochen nervenschonend.

Gepflegte Kurvenräuberei mit dem BMW 320d Touring

Wie nicht anders zu erwarten, zeigen sich alle drei Kandidaten in diesem Vergleichstest von der narrensicheren Seite. Sie offenbaren jedoch ein unterschiedliches Fahrspaßpotenzial. Allen voran liegt der BMW 320d Touring. Seine perfekte Gewichtsverteilung und die rückmeldefreudige, feinfühlige Lenkung verleihen ihm ein Höchstmaß an Handlichkeit und summieren sich mit dem Hinterradantrieb zu einem perfekten Paket für die gepflegte Kurvenräuberei. Der 3er-Kombi erreicht höhere Kurventempi, schafft engere Kurvenradien als die Rivalen und bietet die beste Traktion. Da lohnt es sich, langweilige Autobahndienstreisen um den einen oder anderen stimmungsaufhellenden Abstecher über kurvenreiche Landstraßen zu ergänzen. Den nicht ganz so perfekten Geradeauslauf nimmt man vor diesem Hintergrund in Kauf. Der Mercedes C 250 d als zweiter Hecktriebler wirkt spürbar weniger agil, weil Lenkbefehle hier eine Spur träger umgesetzt werden. Auch ist die Rückmeldung nicht ganz so brillant wie im BMW. Treibt es der Fahrer zu weit, meldet sich das ESP zu Wort und führt ihn fein regelnd auf den Pfad der Tugend zurück. Der Audi A4 Avant 2.0 TDI neigt im Grenzbereich zu leichtem Untersteuern. Zudem hat er bis dahin bei vollem Leistungseinsatz spürbare Probleme, seine Antriebskraft in Vortrieb zu verwandeln. Das Lenkgefühl ist etwas synthetisch, wird aber beim Wechsel in den Dynamik-Modus angenehm stramm. Ansonsten lässt sich der getestete A4-Kombi auch durch provozierte Fahrfehler nicht aus der Ruhe bringen und vermittelt eine fast schon langweilig anmutende Perfektion. In puncto Bremsen bietet der 320d Touring zwar ein sehr gutes Pedalgefühl, fällt aber mit den längsten Bremswegen negativ auf. Das T-Modell wiederum zeigt keinen so klaren Druckpunkt wie der getestete BMW, braucht für die Vollbremsung aus Tempo 100 über zwei Meter weniger Bremsweg. Doch wo in dieser Disziplin der Hammer hängt, zeigt der Testsieger von Audi: 31,9 Meter Warmbremswert kennt man sonst nur aus der Sportwagenliga. Mit der testrelevanten Ausstattung ist der Mercedes der Teuerste dieses Trios. Auch die Unterhaltskosten mit Wertverlust, Werkstatt, Versicherung und Kfz-Steuer fallen am höchsten aus. Das können die niedrigsten Kraftstoffkosten nicht ausgleichen. So bleibt dem Stuttgarter im Kostenkapitel nur der letzte Platz. Premium und trotzdem preisbewusst sind unterm Strich die Audi-Käufer unterwegs. Hinzu kommt das beste Garantiepaket – Platz eins für den A4 Avant. Der BMW ist dem Ingolstädter nur bei den Werkstattkosten voraus.

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Technische Daten Audi A4 Avant 2.0 TDI
BMW 320d Touring
Mercedes C 250 d
Zylinder/Ventile pro Zylin. 4/4; Turbodiesel 4/4; Turbodiesel 4/4; Biturbodiesel
Hubraum 1968 cm³ 1995 cm³ 2143 cm³
Leistung
bei
140 kW/190 PS
3800 – 4200 /min
140 kW/190 PS
4400 /min
150 kW/204 PS
4000 /min
Max. Drehmoment
bei
400 Nm
1750 – 3000 /min
400 Nm
1750 – 2500 /min
500 Nm
1600 - 1800 /min
Getriebe 7-Gang, Doppelkupplung 8-Stufen-Automatik 7-Stufen-Automatik
Antrieb Vorderrad Hinterrad Hinterrad
Höchstgeschwindigkeit 231 km/h 226 km/h 241 km/h
Grundpreis 42.250 Euro 41.300 Euro 45.845 Euro
Elmar Siepen
Fazit

Fuhrparkleiter, die mit Audi ins Geschäft kommen, dürften bei ihren Außendienstlern Sympathien sammeln. So glänzt der Testsieger A4 Avant 2.0 TDI mit einem sehr ausgewogenen Gesamtpaket an Eigenschaften: Das gute Komfort- und Platzangebot, der sehr kultivierte Motor, die Top-Bremsen und die günstige Kostenbilanz überzeugen. Das Mercedes C 250 d T-Modell ist die solide, zweitplatzierte Alternative. Der sparsamste Motor im Test hat zugleich das üppigste Drehmoment und ist ein überzeugendes Argument für Langstreckler. Im Soll steht der Stuttgarter allerdings mit den höchsten Kosten. Fahrspaß ist nach wie vor die Domäne des BMW 320d Touring. Sein einzigartiges Handling dürfte seine Fans über den dritten Platz entspannt hinweg sehen lassen.