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Auto in Flammen: Fahrzeugbrände passieren häufiger als gedacht

Keine Seltenheit

Autos brennen nur im Film? Das stimmt so leider nicht: Allein in Deutschland gibt es pro Jahr rund 15.000 Auto-Brände – über 40 pro Tag!

Der Motor stottert, aus den Ritzen der Motorhaube quillt plötzlich schwarzer Qualm. Wenn das Fahrzeug zu brennen anfängt, ist meist noch ausreichend Zeit für eine Rettung. Denn Fahrzeugbrände entwickeln sich langsam - dann allerdings umso heftiger. Wichtig ist Ruhe zu bewahren.

15.000 Autos in Flammen: Fahrzeugbrände keine Seltenheit

Fahrzeugbrände im Straßenverkehr sind keine Seltenheit. Laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) brannten 2012 rund 15 500 Autos, was einen Schadenaufwand von rund 61 Millionen Euro verursachte.

«Einige Brände entstehen durch technische Defekte», sagt Carsten Sammrei, Obermeister der Kfz-Innung Bochum. Das könne zum Beispiel passieren, wenn etwas nachträglich am Fahrzeug eingebaut wird. «So können Kabel durchscheuern und einen Kurzschluss verursachen», erklärt er. Gefährlich seien auch Marderbisse. Die kleinen Übeltäter knabbern gerne an den Gummischläuchen der Elektrokabel. Liegen die nach der Mahlzeit blank, kann es unter Umständen durch einen Kontakt mit der Karosserie zum Funkenschlag kommen.

Meistens sind jedoch poröse Kraftstoff- und Ölleitungen die Feuerursache. Tropft die leicht entzündbare Flüssigkeit auf den heißen Auspuff oder Motor, fängt es oft an zu brennen. «Die Leitungen werden bei jeder Inspektion auf Dichtigkeit und Verlegung geprüft, poröses Material muss sofort getauscht werden», sagt Sammrei. Deshalb sollten besonders alte Fahrzeuge regelmäßig nach dem Inspektionsplan des jeweiligen Herstellers gewartet werden.

Der Kfz-Obermeister rät bei einem Brand, das Fahrzeug sofort zu stoppen und den Motor abzuschalten. Dadurch wird in der Regel die Kraftstoffpumpe vom Stromkreis getrennt und so die Spritzufuhr unterbrochen. Dann gilt es, dass Auto zügig zu verlassen, maximal können noch die nötigsten Wertsachen eingepackt werden. «Auf keinen Fall sollte man die Motorhaube öffnen. Dem Feuer wird sonst Frischluft zugeführt und eine Stichflamme kann durch den Spalt nach vorne schießen», sagt Sammrei. «Eigenschutz geht vor. Wenn es brennt, sofort weit weg vom Auto laufen und dann erst die Feuerwehr rufen.»

Auch Jens Müller von der Berufsfeuerwehr Köln schätzt den Handlungsspielraum der Autofahrer bei einem Feuer als gering ein. «Als normaler Autofahrer kann man Fahrzeugbränden so gut wie nicht vorbeugen, zumindest nicht bei technischen Defekten als Ursache.» Und das passiert häufig: In Köln gingen vergangenes Jahr 125 Autos in Flammen auf, also etwa jeden dritten Tag eins. Die Feuerwehr kann die Flammen zwar oft eindämmen, nicht aber das Fahrzeug retten. Meist bleibt nur noch Schrott übrig.

Auch die Diskussion um das neue Kältemittel R1234yf erhitzt die Gemüter. Die Chemikalie soll das bisher verwendete, stark klimaschädliche Mittel R134a schrittweise bis Ende 2016 in den Klimaanlagen von Fahrzeugen ersetzen. Verschiedene Tests, unter anderem bei Mercedes und der Deutschen Umwelthilfe (DUH), hatten aber schwerwiegende Folgen des neuen Kältemittels nachgewiesen. Bei verschieden Crashtests entzündete sich die Chemikalie und setzte dabei ätzende Flusssäure frei. Die kann unter Umständen Insassen, Rettungskräfte und Passanten lebensgefährlich verletzen. Doch auch mit dem alten Kältemittel brennen Autos lichterloh.

Feuerwehrmann Jens Müller rät, das Auto im Brandfall schnellstmöglich zu verlassen und nur die wichtigsten Dokumente mitzunehmen. Doch anders als Kfz-Obermeister Sammrei hält er das Öffnen der Motorhaube für sinnvoll. Meist brenne es im Motorraum zuerst, wer die Flammen dort direkt mit einem ABC-Pulver-Feuerlöscher erstickt, verhindert unter Umständen schwerere Schäden. Auch könne der Seilzug durch die Hitze reißen, so dass die Haube erst nach dem Eintreffen der Feuerwehr mit einem Karosserie-Spreizer geöffnet werden kann. «Angst vor einer Explosion müssen Autofahrer nicht haben. Wenn es knallt, ist es in der Regel ein geplatzter Reifen und nicht der Tank», sagt Müller.

Die Motorhaube wird nur etwas geöffnet und das Feuer durch den Spalt mit kurzen, gezielten Stößen aus dem Feuerlöscher bekämpft. Dafür reiche ein kleiner Zwei-Kilogramm-Feuerlöscher. Ist der Brand nicht in der ersten Phase zu ersticken, dehnt er sich in der Regel zu einem Vollbrand aus, der das gesamte Fahrzeug erfasst. Dann ist das Auto verloren.

Wenn vom Auto nur noch ein Haufen verkohlter Schrott übrig bleibt, muss das für den Halter kein finanzieller Totalschaden sein. Zumindest dann nicht, wenn das Fahrzeug kaskoversichert ist. Über die Teilkasko seien die Gefahren Brand und Explosion versichert, sagt GDV-Sprecher Stephan Schweda. «Dabei handelt es sich aber nicht nur um komplett abgebrannte Fahrzeuge.»

Laut den unverbindlichen Musterbedingungen der Versicherungsbranche gilt als Brand ein Feuer mit Flammenbildung, das ohne einen bestimmungsgemäßen Herd entstanden ist oder ihn verlassen hat und sich aus eigener Kraft auszubreiten vermag. Nicht als Brand gelten dagegen Schmor- und Sengschäden. Glimmen also nur die Leitungen im Motorraum durch, bleibt der Halter auf dem Schaden meist sitzen.

Betroffene sollten einen Brandschaden laut dem GDV innerhalb weniger Tage nach dem Feuer bei ihrer Assekuranz anzeigen. Besondere Umstände können jedoch dazu führen, dass man den Schaden erst später melden kann, wenn er zum Beispiel während der Urlaubszeit erst nach Tagen oder Wochen bemerkt wird.

dpa/az