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VW Golf 1.2 TSI im Einzeltest

VW Golf 1.2 TSI mit 86 PS

Mit dem schwächeren 1,2-Liter-Turbo kommt der Golf dem Ideal des preisgünstigen Vollwertautos auf eindrucksvolle Weise nahe

Eckdaten
PS-kW86 PS (63 kW)
AntriebVorderrad, 5 Gang manuell
0-100 km/h11.90 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit178 km/h
Preis17.225,00 €

Es ist wie im richtigen Leben. Die GTI und die Supermodels stehen im Scheinwerferlicht, bekommen die Schlagzeilen. Den Laden am Laufen halten aber Durchschnittstypen wie Mutter Beimer, die stets müde Kinderkrankenschwester von nebenan oder eben ein stinknormaler Golf. Tausendmal gesehen, Alltag eben.

Doch unter der bekannten Karosserie mit den schmalen 195er-Serienreifen tat sich etwas. Denn wie kein anderer Automobilhersteller hat VW früh angefangen, Hubraum durch Aufladung zu ersetzen. Dieses Downsizing ist nun in der niedrigsten Leistungsklasse angekommen, beim 86 PS starken Golf 1.2 TSI. Er kostet läppische 400 Euro mehr als der absolute Basis-Golf 1.4 (ohne Turbo) mit 80 PS und 1.450 Euro weniger als der nächst stärkere Benziner, der 1.2 TSI mit 105 Turbo-PS. Wischi-Waschi-Kompromiss oder Geheimtipp?

STÄMMIGES DREHMOMENT
Die Frage beantwortet sich schon auf den ersten Kilometern. Denn gefühlsmäßig ist da kein großer Unterschied zum 105-PS-Turbo-Golf. Ganz unten im Drehzahlkeller bleibt die Leistungsentfaltung zwar kurz verhalten. Doch dann marschiert der leicht langhubige Vierzylinder unbeirrt voran und animiert schon bei 3.000 Kurbelwellenumdrehungen zum Hochschalten. Der Basis-Benziner mit 80 PS hat da in jeder Beziehung das Nachsehen, fordert erheblich öfter und länger Vollgas und hohe Drehzahlen, ohne auch nur ansatzweise so souverän im Verkehr mitzuschwimmen. Der VW Golf 1.2 TSI steht nicht für Magerkost, sondern für ein Sattmacher-Menü mit 160 Newtonmetern, die im weiten Bereich von 1.500 bis 3.500 Umdrehungen abrufbar sind.

Serviert wird das Ganze in fünf leicht und exakt schaltbaren Gängen, die tendenziell eher zu lang übersetzt sind. Das verhältnismäßig dicke Drehmoment reicht, um bei realistischem Blick auf die Dinge zu erkennen, dass mehr Leistung zwar schön wäre, im Grunde aber nicht erforderlich ist. Zu viert mit Gepäck in die Berge – da müsste man den Hubraum- Zwerg im Bug in manchen Serpentinen sicher ausquetschen. Doch dagegen spricht ja nichts, denn die Laufkultur ist gut und die Drehfreude ordentlich. Kurz bevor bei 6.200 Umdrehungen der Begrenzer einsetzt, legt der Motor zwar nur noch zäh an Leistung und Drehzahl zu. Doch in diese Regionen muss man gar nicht vordringen, solange man nicht – wie bei den Messfahrten – in 11,9 Sekunden auf 100 km/h beschleunigen will.

KEIN START-STOPP
Auch bei der Höchstgeschwindigkeit von 178 km/h ist man – Stichwort langer fünfter Gang – weit von dieser Grenze entfernt. So stellt sich sehr schnell das warme Gefühl ein, vollwertig motorisiert zu sein, ohne beim Tanken schmerzlich zur Kasse gebeten zu werden. Obwohl der 86-PS-TSI nicht mit Start-Stopp-System und anderen BlueMotion Technology-Zutaten dienen kann, genügten dem Testwagen auf der gemischten AUTO ZEITUNG-Verbrauchsstrecke 6,6 Liter Super pro 100 km. Der 105-PS-TSI BlueMotion Technology konsumierte im Vergleichstest genauso viel, kostet aber eben 1.450 Euro mehr. So ist dieser VW weit mehr als nur ein Golf für anspruchslose A-nach-B-Fahrer. Denn er zeigt sich viel flotter, als es seine 86 PS vermuten lassen. Weniger Golf möchte man nicht, mehr brauchen nur wenige.
Michael Harnischfeger

Inhaltsübersicht

Autos im Test

VW Golf 1.2 TSI

PS/KW 86/63

0-100 km/h in 11.90s

Vorderrad, 5 Gang manuell

Spitze 178 km/h

Preis 17.225,00 €