Einzeltest: Porsche Panamera GTS 2012 mit 430 PS

Kleines Plus

Einzeltest: Zwischen 4S und Turbo parkt Porsche den neuen Panamera GTS. Wie gut füllt die noble Sportlimousine die Lücke in der Modellpalette?

Manchmal machen die kleinen Dinge den Unterschied aus. 30 Mehr-PS und ein Drehmomentplus von 20 Nm erheben den neuen Porsche Panamera GTS über den 400 PS starken 4S. Bei Licht betrachtet sind das gerade einmal 7,5 Prozent mehr als beim schwächeren Pendant. Bleibt die Frage, ob die 12.614 Euro Mehrpreis gegenüber dem 4S sinnvoll investiert sind. zum Grundpreis von 117.906 Euro bringt der GTS immerhin ein paar Teile vom Panamera Turbo serienmäßig mit, etwa vier LED-Tagfahrlichtspots, Frontschürze und Heckspoiler.

Wichtiger aber sind die technischen Modifikationen, die den Mehrpreis relativieren: Räder und Bremsen stammen ebenfalls aus dem Turbo-Teilelager, das optimierte Fahrwerk lässt die Karosserie zehn Millimeter tiefer auf der Straße kauern.

Panamera GTS: Extrem hohes Querbeschleunigungspotenzial

Der Motor erhielt ein modifiziertes Steuergerät, eine verbesserte Ansaugluftführung und Einlassnockenwellen mit mehr Hub. In der Praxis gibt auch der leistungsgesteigerte 4,8-Liter-V8 bei Bedarf zunächst den entspannten Cruiser, der dank 520 Nm Drehmoment locker auf der Drehmomentwelle surft.

Wer aber einem sportlichen Fahrstil frönt, erlebt, wie der Achtender abgeht. Mit zunehmender Drehzahl immer leichtfüßiger, wird der Parforce-Ritt durch den blitzschnellen Gangwechsel des Siebengang-Doppelkupplungsgetriebes bei der auf 7100/min angehobenen Höchstdrehzahl unterbrochen (4S: 6700 /min). Damit wirkt der GTS fühlbar bissiger als sein schwächeres Pendant. die passende akustische Untermalung komponiert die serienmäßige Sportauspuffanlage.

Die per „Launch-Control“ erreichten 4,4 Sekunden von null auf 100 km/h übertreffen einen früher getesteten 4S um 0,5 Sekunden. Bis 200 km/h nimmt der GTS dem 4S 1,8 Sekunden ab. Die Differenz in der Höchstgeschwindigkeit beträgt in diesen Temporegionen vernachlässigbare sechs km/h (Panamera GTS: 288 km/h, 4S: 282). Auch der Verbrauchsunterschied ist nicht der Rede wert – GTS: 13,8 Liter Super Plus, 4S: 13,5 Liter.

Der agile Charakter der Antriebseinheit findet sich auch im Fahrverhalten wieder. Das Einlenken verläuft eine Spur zackiger als das eines 4S. die erzielbaren Kurvengeschwindigkeiten sind schlicht atemberaubend und verlangen nach einem stabilen Magen. Kurzzeitig signalisiert die Querbeschleunigungsanzeige 1,4 g – fast das anderthalbfache der Erdanziehungskraft.

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Auf kurvenreichem Terrain scheint der GTS seine knapp zwei Tonnen Leergewicht einfach abzustreifen. Hierfür zeichnet die "Porsche Dynamic Chassis Control" samt Wankstabilisierung und elektronisch geregelter Hinterachsquersperre mit Bremseingriff „Porsche Torque Vectoring Plus“ (4701 Euro extra) mitverantwortlich, die dem Allradler auch die letzten Traktions- und Dynamikreserven entlockt.

Zweifelsohne lohnt sich der eher puristische Panamera GTS allein schon wegen seines tollen Motors. Und auch die Frage nach dem Mehrwert für den Mehrpreis beantworten die solventen Marken-Fans erfahrungsgemäß mit einem deutlichen "Ja".
Elmar Siepen

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