Toyota Mirai (2015) Rallye im Fahrbericht Rallye-Sportler der Zukunft

01.10.2015

Ein Toyota Mirai im Rallye-Trimm zeigt wie Motorsport von morgen aussehen könnte. Wir konnten den sportlichen Ableger bereits fahren.

Normalerweise kündigen sich die Rallye-Boliden der WRC schon von weitem an. Nicht so bei der Deutschland-Rallye, bei dem Toyota unlängst einen Mirai im Rallye-Trimm als Vorausfahrzeug einsetzte. Ein Brennstoffzellen-Auto, das in der zivilen Version hierzulande im Herbst auf den Markt kommt und leise sirrend Strecke macht. "Ja, Sound ist für Motorsport-Fans sehr wichtig, daran arbeiten wir," sagt Yoshikazu Tanaka, oberster Brennstoffzellen-Entwickler bei Toyota. Es ist sein Traum, eines Tages mit Brennstoffzellen-Autos im Rallye-Zirkus besonders umweltfreundlich mitzumischen. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Das Vorausfahrzeug, das sich vom Serienmobil durch Überrollkäfig, Schalensitze, Sechspunktgurte und ein anderes Fahrwerks-Setup unterscheidet, verfügt noch über Serientechnik, sprich: einen 113 kW-Elektromotor. Dieser bezieht seine Energie aus der Brennstoffzelle, wo gasförmiger Wasserstoff mit der Umgebungsluft chemisch reagiert. Dabei entstehen Strom und Wasser. Sofern der Wasserstoff mit Hilfe regenerativer Energien hergestellt wurde, stimmt auch die Ökobilanz.

 

Toyota Mirai: Ausblick auf den Rallyesport der Zukunft

Zwar sind die Fahrleistungen noch nicht mit denen moderner Rallye-Boliden vergleichbar (0 auf 100 km/h in 9,6 Sekunden, 175 km/h Höchstgeschwindigkeit), doch Besitzer und Fahrer Mitsushiro Kunisawa sieht Potenzial. Für einen Fahreindruck dürfen wir uns in die engen Schalensitze zwängen und zurren die Sechspunktgurte fest. Den Fuß auf das Bremspedal und den "Power"-Knopf gedrückt, lässt eine Armada von Kontrollanzeigen leuchten und dem Rallye-Mirai Betriebsbereitschaft signalisieren. Den zierlichen Wählhebel in der wuchtigen Mittelkonsole auf D gezogen, und per Tritt aufs Gas-, pardon Strom-Pedal, setzt sich der Rallye-Mirai lautlos in Bewegung. Zu hören sind nur Abrollgeräusche. Erst wenn das Strompedal stärker durchgetreten wird, gesellt sich ein hochfrequentes Sirren dazu. Dann beschleunigt das Zukunfts-Mobil zwar nicht vehement, jedoch immerhin mit Nachdruck, den aus dem Stand anliegenden 335 Newtonmeter Drehmoment sei Dank. Folgsam beantwortet der Vorderradgetriebene Rechtslenker die Lenkbefehle des Fahrers und wirkt dabei gut ausbalanciert.

Brennstoffzellenauto für knapp 80.000 Euro: Mirai im Fahrbericht

"Wir haben eine ausgeglichene Gewichtsverteilung erzielt", erklärt Tanaka San vom Beifahrersitz aus. "Auf der Vorderachse lasten 50,9 Prozent des Fahrzeuggewichts." Auf einem kurzen Autobahnstück erreichten wir ohne großen Anlauf bereits 150 km/h, mehr ließ der Verkehr nicht zu. Die angegebenen 175 km/h erscheinen glaubhaft. Beim Foto-Stopp kommt ein kleiner Wasserstrahl scheinbar aus dem Kofferraumboden. Das "Abfall"-Produkt der Reaktion in der Brennstoffzelle. "Da wir in Japan in Parkhäusern Autos oft auf Hebebühnen parken, haben wir eine Taste im Armaturenbrett, mit dem sich der Mirai vor dem Parken entwässern lässt, um ein eventuell darunter parkendes Auto nicht zu benässen," erklärt Chef-Ingenieur Tanaka. Höflichkeit und die Liebe zum Detail sind halt japanische Kerntugenden. So scheint das Ziel, mit einem Brennstoffzellen-Auto Motorsport zu betreiben zwar noch einige  Jahre  entfernt, aber nicht unerreichbar. Da dürfte der bekannte Toyota-Claim nachhallen: "Nichts ist unmöglich".

Mehr: Bildergalerie zum Rallye Mirai

Unser Fazit

Toyotas Brennstoffzellen-Engagement verdient Respekt. Dessen Erfolg hängt letztendlich von der Umweltfreundlichkeit der Wasserstoff-Produktion ab. Dann klappt es auch mit "sauberem" Motorsport. Nötig sind aber dann auch mehr Leistung und mehr Emotion.

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