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Citroën C5 Tourer HDi 140 FAP im Dauertest

Citroën C5 Tourer HDi 140 FAP

Auf dem Parkplatz war er selten anzutreffen, stattdessen machte sich der Citroën C5 Tourer als zuverlässiger und komfortabler Langläufer verdient

Eckdaten
PS-kW136 PS (100 kW)
AntriebVorderrad, 6 Gang manuell
0-100 km/h12.10 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit200 km/h
Preis29.500,00 €

Mit der 2008 präsentierten Neuauflage des C5 wollte Citroën den hierzulande wenig erfolgreichen Vorgänger vergessen machen und gleichzeitig ein Zeichen setzen. Die Franzosen besannen sich auf ihre alten Markenwerte wie extravagantes Design und überlegener Federungskomfort, zudem sollte der Neue auch in puncto Zuverlässigkeit auf Augenhöhe mit der deutschen Konkurrenz liegen. Ein Jahr nach der Markteinführung rollte ein metallic-blauer Citroën C5 Tourer auf den Redaktionsparkplatz, um den Beweis anzutreten.

DAS DESIGN DES C5 TOURER KAM AN
Der erste Eindruck war jedenfalls überzeugend. Das Design des 4,83 Meter langen Kombis stieß auf uneingeschränkte Zustimmung in der Redaktion. Schön auch, dass sich die extravagante Designlinie im Innenraum konsequent fortsetzt. Die Ausstattung des reichhaltig ausstaffierten Dauertestfahrzeugs gefiel ebenfalls. Zum Grundpreis von 32.700 Euro für das höchste Ausstattungsniveau Exclusive samt Annehmlichkeiten wie 17-Zoll-Alu-Räder, elektrische Teilledersitze inklusive Massagefunktion und eine elektrische Heckklappenbetätigung addierten sich 5329 Euro für eine abnehmbare Anhängerkupplung, Bi-Xenon-Kurvenlicht, Metalliclack und Navigationssystem. Macht summa summarum 38.029 Euro für einen nahezu komplett ausgestatteten Mittelklasse-Kombi mit 2,0 Liter großem HDi-Diesel unter der Haube. Auch wenn dessen 140 Pferdestärken im 1,6 Tonnen schweren Franzosen keine Temperamentsausbrüche versprechen, heimste das Triebwerk uneingeschränktes Lob ein. Chefreporter Stefan Miete beschrieb den Motor als akustischen Leisetreter, der auch „untenherum ordentlich Durchzug“ hat. Wie Citroën auf die Werksangabe von 12,1 s für den Standardsprint auf 100 km/h kommt, bleibt jedenfalls schleierhaft. Ein kürzlich gemessenes Exemplar schaffte das knapp zwei Sekunden schneller. Auch die angegebene Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h erreichte der Dauertester spielerisch und rannte locker Tacho 220. Dafür dass der Franzose einen Großteil seines Daseins auf der Autobahn verbrachte und hin und wieder als Zugfahrzeug herhalten musste, geht der Durchschnittsverbrauch von 7,6 Liter pro 100 km voll in Ordnung. Weniger gut kam das manuelle Sechsgang-Getriebe an, das sich etwas knorpelig anfühlt und auf recht langen Wegen schalten lässt. Test-Redakteur Michael Godde kam zu der Erkenntnis: „Eine Automatik würde besser zum gelassenen Charakter des C5 passen.“

ERSTKLASSIGES REISEAUTO MIT AUSREICHEND DAMPF
Es gibt heutzutage nur noch wenige Fahrzeuge, die so konsequent auf Komfort getrimmt sind wie die Mittelklasse von Citroën. Maßgeblichen Anteil daran hat die hydropneumatische Federung, die der C5 als HDi 140 FAP ab der Ausstattung Confort serienmäßig unter der Karosserie trägt. Damit kommt er dem geflügelten Wort „Reisen wie Gott in Frankreich“ schon recht nahe. Auf der Autobahn glänzt die Federung mit einem Komfortniveau, das so mancher Luxuslimousine gut zu Gesicht stünde. Je höher die Geschwindigkeit und je tiefer die Bodenwellen, desto gelassener gleitet der Citroën darüber hinweg. Test-Redakteur Paul Englert hält dazu fest: „Tolles Reiseauto, sehr guter Fahrkomfort, harte Stöße kommen aber hör- und spürbar durch.“ In der Tat fällt die Geschmeidigkeit der Federelemente im Stadtverkehr deutlich ab. Kanaldeckel etwa werden von der Hinterachse nur rudimentär geschluckt und polternd an die Insassen weitergereicht.

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Passend zur soften Federung, die selbst in Sport-Stellung nur wenig von ihrer Nachgiebigkeit verliert, präsentiert sich die Lenkung konsequent komfortbetont. Die Rückmeldung von der Fahrbahn geht gegen Null, zudem ist aufgrund der indirekten Übersetzung für den Fahrer fleißiges Kurbeln angesagt. Durch schnelle und enge Kurvenpassagen lässt sich der große Franzose daher nur wenig präzise zirkeln, dafür überzeugt er auf der Autobahn mit einem stoischen Geradeauslauf.

TYPISCH FRANZÖSISCH: SCHRULLIGE BEDIENUNG
Ein Kritikpunkt, der sich wie ein roter Faden über die zwei Jahre durchzog, ist die gewöhnungsbedürftige Bedienung. Dabei kristallisierte sich die von zahlreichen Schaltern – 20 an der Zahl – überfrachtete Lenkradnabe als Hauptangriffspunkt heraus. Besonders ärgerlich ist dabei, dass deshalb die sicherheitsrelevanten Knöpfe für die Hupe so klein gerieten, dass man sie im Ernstfall nur schwer findet. Weshalb die Taste für den Warnblinkschalter rechts vom Navibildschirm näher zum Beifahrer als zum Fahrer angebracht ist, wird wohl auch das Geheimnis der Citroën-Ingenieure bleiben. An einige Schrulligkeiten bei der Bedienung gewöhnt man sich, wenn man den C5 längere Zeit fährt. Die seitlich vom Sitz befindlichen Regler für die Sitzheizung oder die unlogische Bedienung des Scheibenwischers – zum Deaktivieren des Auto-Modus, der selten die passende Frequenz findet, muss man erst in den Intervall-Modus und anschließend in die Null-Stellung schalten – nervten hingegen bis zum Schluss. Während die feststehende Lenkradnabe von den meisten Fahrern als nettes, aber wenig nützliches Gimmick abgetan wurde, fand die Night-Panel-Funktion großen Anklang. Per Knopfdruck lassen sich hier die Rundinstrumente des Cockpits mit Ausnahme des Tachos ausschalten, was die strapazierten Augen bei langen Nachtfahrten sehr zu schätzen wissen. Leider strahlen die neben dem Tachometer angebrachten Anzeigen für Abblendund Standlicht munter weiter und mindern dadurch den Effekt. Auch die Türfächer, die bei Dunkelheit sensorgesteuert beleuchtet werden, fielen positiv auf. Abgesehen davon mangelt es allerdings an Ablagemöglichkeiten – besonders der unter der Mittelarmlehne angebrachte Cupholder erwies sich als reichlich praxisfremd.

Eine weitere Eigenheit des Citroën C5 Tourer: Stellt man den Motor aus, wird die Parkbremse automatisch angezogen. Beim erneuten Starten löst sich diese automatisch ohne Verzögerung – zumindest theoretisch. Denn wer zuvor nicht die Bedienungsanleitung studiert und in der Folge vor dem Anfahren mit durchgedrückter Kupplung einen kurzen Gasstoß gegeben hat, fährt gegen die Parkbremse an, die erst dann mit deutlicher Verzögerung löst.

Wer sich aber an all die kleinen Eigenheiten des C5 gewöhnt oder alternativ damit arrangiert hat, dem wächst der Kombi rasch ans Herz. Die bequemen und vielfältig einstellbaren Vordersitze nehmen auch langen Strecken den Schrecken, in unserem Dauertestwagen machte zudem eine Massagefunktion müde Gesäße wieder munter. Der gut nutzbare Gepäckraum steckt im Normalzustand mit 533 Liter ordentlich was weg, das Maximalvolumen von 1490 Litern ist jedoch nur Durchschnitt. Gut gemeint, aber in der Praxis eher kontraproduktiv sind die im Kofferraumboden eingelassenen Schienen: Durch deren glatte Plastikoberfläche werden Koffer rasch zum Geschoss und rutschen haltlos hin und her.

Pfiffiger und zudem noch nützlicher ist hingegen ein anderes Gimmick, das vor allem Rückengeschädigte sehr zu schätzen wissen: Per Tastendruck lässt sich das Fahrzeugheck um bis zu sechs Zentimeter absenken – so können schwere Gegenstände leichter über die Ladekante gewuchtet werden. Auch als Zugfahrzeug profitiert der Citroën C5 Tourer von der Hydropneumatik. Dank der integrierten Niveauregulierung bewahrt der Franzose selbst dann Haltung, wenn er einen schweren Wohnanhänger (maximale Anhängelast: 1800 kg) am Haken hat.

SOLIDE UND ZUVERLÄSSIG
Am Ende der Dauertestbilanz macht der C5 Tourer immer noch einen soliden Eindruck, auch wenn die Strapazen an ihm nicht gänzlich ohne Spuren vorübergegangen sind. Das Türscharnier der Fahrertür gibt unschöne Knarzgeräusche von sich, der Lederkranz des Lenkrads zeigt leichte Abnutzungserscheinungen, die Halterung der Fahrerfußbodenmatte ist ausgerissen, und ein Staufach in der Mittelkonsole lässt sich nicht mehr schließen. Abgesehen davon präsentieren sich Innenraum und Lack in noch bemerkenswert gutem Zustand, Klappergeräusche waren für den großen Franzosen bis zum Ende ein Fremdwort. Auch die Technik erwies sich als ausgereift und zuverlässig – mit Ausnahme der Reifendruckkontrollanzeige. Diese nervte mit permanenten Fehlermeldungen, die die zuständige Citroën-Fachwerkstatt erst nach mehreren Versuchen beseitigen konnte.

Außer zu den planmäßigen Serviceterminen bekam der Citroën C5 Tourer die Werkstatthallen nicht zu sehen. Während der 30.000er-Inspektion wurde im Rahmen einer Serviceaktion der Deckel des Getriebegehäuses getauscht sowie das rechte Federbein ausgewechselt. Bei Letzterem hatte Citroën Probleme mit der Dichtheit, das Bauteil wurde auf Garantie ausgetauscht.

Beim Wiederverkauf rächt sich die umfangreiche Ausstattung des Dauertesters, 24.779 Euro Wertverlust innerhalb von 100.000 km und zwei Jahren sind happig. Dafür zeigte sich der Citroën in puncto Reifenverschleiß von der besseren Seite: Die Winterreifen hielten drei Winter durch, erst bei Kilometerstand 69.685 zogen wir neue Sommerpneus auf.

Somit hat der Citroën C5 Tourer HDi 140 FAP den Dauertest erfolgreich absolviert und gleichzeitig den Beweis angetreten, dass die Franzosen nicht nur schöne, sondern auch zuverlässige Autos bauen.

Historie Citroën C5 Tourer
02/2008: Markteinführung Citroën C5 Limousine und Tourer
11/2008: Einführung der Traktionskontrolle „Intelligent Traction Control“
04/2009: 3.0 V6-Benziner gestrichen
09/2009: Zwei neue Motoren: HDi 165 sowie THP 155
07/2010: Neuer Basisdiesel HDi 110
10/2010: Modellpflege: LED-Tagfahrlicht, geänderte Polster, Felgen und Außenfarben; Einführung VTi120 EGS6, e-HDi 110 EGS6 und HDi 200 Automatik

DAS SAGT CITROËN …
… ZU DEM UNDICHTEN FEDERBEIN:
Dieses Problem ist uns bekannt und seit März 2011 behoben. Den betroffenen Kunden haben wir im Rahmen der Garantie geholfen.

… ZUR KRITIK, DASS DER TANKDECKEL NICHT IN DIE ZENTRALVERRIEGELUNG INTEGRIERT IST UND DER VERSCHLUSS DESHALB SEPARAT MIT DEM SCHLÜSSEL GEÖFFNET WERDEN MUSS:
Bei den neu vorgestellten Modellen bieten wir eine Tankdeckel-Öffnung durch Knopfdruck an. Dennoch hat auch die Lösung im C5 keine Nachteile. Durch das Öffnen des Tankdeckels mit dem Schlüssel ist z.B. sicher gestellt, dass dieser nicht versehentlich im Fahrzeug vergessen werden kann.

… DAZU, DASS DAS LENKRAD AUFGRUND DER ZAHLREICHEN KLEINEN TASTEN VON VIELEN FAHRERN ALS UNÜBERSICHTLICH EMPFUNDEN WURDE:

Die Anzahl der Bedienelemente am Lenkrad folgt der Philosophie, dass der Fahrer für die Bedienung der wichtigsten Funktionen während der Fahrt nicht die Hände vom Lenkrad nehmen muss. Das dient dem Komfort wie auch der Sicherheit. Die Anordnung der Bedienelemente stellt in der Praxis nach kurzer Eingewöhnung kein Problem dar.

… DAZU, DASS DIE PARKBREMSE BEIM LOSFAHREN VERZÖGERT LÖST:
Es gibt zwei Möglichkeiten, die Parkbremse zu lösen. Einerseits mit Hilfe des Schalters für die Parkbremse, andererseits im Automatik-Modus durch Anfahren des Fahrzeugs. Dann löst die Parkbremse unmittelbar automatisch und ohne zeitliche Verzögerung.

Fazit

Selten ist ein Dauertestfahrzeug der Redaktion so sehr ans Herz gewachsen wie der Citroën C5 Tourer. Nicht nur, dass er die 100.000 km nahezu ohne Klagen zurückgelegt hat, der komfortable Kombi erwies sich dank des hydropneumatischen Fahrwerks und des gleichermaßen kräftigen wie sparsamen Dieselmotors als Langstreckenauto erster Güte. Die zahlreichen Bedienschwächen verzeiht man dem Franzosen gern, denn er hat das, was vielen Konkurrenten fehlt: Charakter.

Alexander Lidl

Inhaltsübersicht

Autos im Test

Citroën C5 Tourer HDi 140 FAP

Citroën C5 Tourer HDi 140 FAP

PS/KW 136/100

0-100 km/h in 12.10s

Vorderrad, 6 Gang manuell

Spitze 200 km/h

Preis 29.500,00 €