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Audi S8 plus/Mercedes-AMG S 63: Vergleichstest

S8 trifft AMG S 63

Luxus und Komfort? Ja, auch dafür stehen der neue Audi S plus und der Mercedes-AMG S 63? Aber auch für den besten Speed und die beste Bremse – allerdings nicht im selben Auto. Vergleichstest!

Natürlich braucht niemand 600 PS in einer Limousine, aber wenn wir uns bloß mit dem begnügten, was wir unbedingt benötigen, wäre das Leben doch ganz schön langweilig. Also nehmen wir wohlwollend zur Kenntnis, dass Audi dem S8 ein "plus" verpasst hat und die Luxus-Limo nun nicht nur 605 PS statt 520 PS leistet, sondern technisch sehr gründlich überarbeitet wurde. Zeit für ein Kräftemessen mit dem 585 PS starken Mercedes-AMG S 63, den es mit Allradantrieb 4MATIC nur als Langversion gibt. Da spendieren AMG und die quattro GmbH ihren Power-Cars intensiv abgeschmeckte Abgasanlagen, verbannen deren klangliches Spektrum aber sofort mit serienmäßiger Doppelverglasung. Beim Motorstart brüllen beide V8 einmal kurz auf, um sich soundmäßig schnell wieder zu beruhigen – wie ein abziehendes Gewitter. Zwar hört man das Brüllen der Biturbos, wenn man sie fordert, jedoch immer nur so stark, dass es niemals nervt. Im Audi kann man die Sitze mit Schaltern elektrisch anpassen – inklusive Massagefunktion für 3020 Euro (vorn und hinten) grafisch begleitet über den Bildschirm. Im Mercedes gelingt die Sitzeinstellung spontaner, der Komfort ist sogar eine Spur besser, sodass man selbst nach langen Etappen völlig relaxed aussteigt. Hinten fühlt man sich besser ins Fahrzeug integriert dank tief installierter Sitzkonsole und optionaler Liegeposition. Im S8 plus sind Sitzheizung und Vier-Zonen-Klimaautomatik Standard, auch das trotz nachgestrafter Abstimmung formidabel arbeitende Luftfeder-Fahrwerk inklusive adaptiver Dämpfer gehört zum Serienumfang. Das Daimler-Fahrwerk bedient sich prinzipiell der gleichen Technik, entkoppelt aber noch einen Hauch besser.

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Audi S8 plus im Vergleichstest mit Mercedes-AMG S 63

Weil Audi in den S8 plus ab Werk quasi alle Sicherheitsassistenten packt, die im Angebot sind, holt er in diesem Punkt die meisten Zähler. Da ist es schon kleinlich, dass für die Verkehrszeichen-Erkennung 150 Euro verlangt werden. Auch der S 63 hat viele Features an Bord, unverständlich ist aber, dass für eine rund 5,25 Meter lange Limousine dieser Preisklasse Parksensoren extra kosten. Außerdem entspricht der Testwagen nicht an allen Stellen den hohen Qualitätserwartungen. Die Stärke der S-Klasse ist ihr Raumangebot hinten – hier kann man sich ausstrecken wie auf der heimischen Couch. Und auch fürs Gepäck bleibt genug Platz. Fast 600 Kilo Ballast darf der S 63 an Bord nehmen, nur für den Audi aber gibt es eine Anhängerkupplung. Obwohl der Audi das ältere Fahrzeug ist und mehr Tasten und Schalter hat, geht die Bedienung sämtlicher Funktionen leichter von der Hand als im Mercedes. Wir wollen nicht kleinlich sein: Ob eine über zwei Tonnen schwere Limousine in 3,6 Sekunden auf Tempo 100 km/h stürmt – so wie der Audi oder in 3,9 Sekunden wie der Mercedes, macht den Kohl nicht fett. Allein die Tatsache, dass selbst veritable Sportwagen Gefahr laufen, gegen solche Brummer sogar in ihren Hauptdisziplinen den Kürzeren zu ziehen, zeigt, mit was für Temperamentsbolzen wir es hier zu tun haben. Der Ingolstädter reißt die 200-km/h-Hürde in sagenhaften 11,8 Sekunden.

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Der leistungs- und gewichtsmäßig etwas benachteiligte Stuttgarter braucht für dieselbe Übung nur eine Sekunde mehr. Bei der Höchstgeschwindigkeit limitiert Audi den S8 plus bei 305 km/h, während Mercedes auch beim S 63 an der 250-km/h-Beschränkung festhält – die 300 km/h-Freischaltung gibt es gegen Aufpreis. Dass der Audi-Antrieb in Summe gepflegter wirkt, erklärt sich durch die perfekte Allianz aus V8-Biturbo und Achtstufen-Automatik. Derart sanfte, schnelle und damit kaum ins Bewusstsein tretende Gangwechsel selbst bei maximaler Eile bringt die Kraftübertragung des Mercedes vor allem dann nicht zustande, wenn – wie etwa beim Handling – die volle Leistung abgerufen wird. Weiteres Manko des S 63: Auf den ersten Zentimeter Gaspedalweg passiert quasi nichts, kurz darauf aber türmt sich schon der große Biturbo-Drehmomentberg auf. Die schlechte Gas-Dosierbarkeit stört im Alltag vor allem beim Einparken. Gut zwei Tonnen fahrfertige Masse, langer Radstand und Allradantrieb sind zwar Indizien für unbeirrbaren Geradeauslauf, sattes Abroll- und Federungsverhalten sowie müheloses Vorankommen auch bei übelster Witterung. Solche Voraussetzungen weisen aber nicht eben auf agiles Handling oder gar fahrdynamische Neutralität hin. Doch hier weit gefehlt: Wie es ausgerechnet einer Lang-Version der S-Klasse gelingt, Slalom-Parcours und Handling-Strecke ohne Untersteuerneigung geschweige denn bösartige Übersteuertendenzen hinter sich zu bringen, ist schon ein kleines Fahrdynamik-Wunder.

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Die S-Klasse ist nicht ganz so flott wie Audis S8 plus

Dass sie dabei immer eine Spur langsamer unterwegs ist als der Audi – geschenkt. Das extrem hohe Maß an Fahrsicherheit gipfelt obendrein in einer Bremsanlage, die mit besten Verzögerungsleistungen und beeindruckender Fading-Unempfindlichkeit überzeugt. Seinen temperamentvolleren Auftritt erkämpft sich der Audi mit einem Fahrverhalten im Grenzbereich, das sonst nur von routinierten Sportfahrern goutiert wird: Mit seinem konstruktiven Eindrehen beim Übergang von der Haft- in die Gleitreibung manövriert sich der S8 plus ab Kurvenscheitelpunkt so elegant und aussichtsreich auf die Ideallinie, dass ihm auch ein noch so kurvenneutral angasender Mercedes nur noch schwerlich folgen kann. Ob so ein Kurvenausgangs-Drift zum erwartbaren Fahrprogramm veritabler Luxus-Karossen gezählt werden muss, darf allerdings stark bezweifelt werden. Trotz Karbon-Keramik-Scheiben (Serie) schwächelt die S8-Bremsanlage schon nach zwei Runden auf der Handlingstrecke mit sehr weichem Pedal und leichtem Fading, sodass am Limit das Vertrauen in die Verzögerunsgleistung des Bayern nachlässt. Rund 20.000 Euro mehr für den AMG inklusive bewertungsrelevanter Extras sind auch in der 150.000-Euro-Liga kein Pappenstiel, ebenso wie der 30.000-Euro-Abstand vom normalen  S8 zum S8 plus. Dafür hat der 605-PS-Audi aber auch fast alles serienmäßig an Bord. Metalliclack ist nur bei Mercedes inklusive. Allerdings gibt es auf diesen lediglich zwei Jahre Garantie. Weil der Daimler einmal pro Jahr zur Inspektion muss, kostet die Wartung etwas mehr, bei den sündhaft teuren Versicherungsprämien liegen die zwei dafür wieder gleichauf.

Technische Daten Audi S8 plus Mercedes-AMG S 63
Zylinder/Ventile pro Zylin. V8/4; Biturbo V8/4; Biturbo
Hubraum 3993 cm³ 5461 cm³
Leistung
bei
445 kW/605 PS
6100 – 6800 /min
430 kW/585 PS
5500 /min
Max. Drehmoment
bei
700 Nm
1750 – 6000 /min
900 Nm
2250 – 3750 /min
Getriebe 8-Stufen-Automatik,
Wandler
7-Stufen-Automatik,
Nasskupplung
Antrieb Allrad, permanent Allrad, permanent
Höchstgeschw. 305 km/h 250*/300 km/h
0 - 100 km/h 3,6 s 3,9 s
Grundpreis 145.200 Euro 155.771 Euro
Platzierung 1 2
    *elektr. begrenzt

Paul Englert
Fazit

Punktsieg für den neuen Audi S8 plus, der eigentlich RS 8 heißen müsste. Doch trotz fahrdynamischer Kunststücke verwöhnt der in die Jahre gekommene Bayer seine Passagiere nach wie vor mit viel Komfort. Die Sicherheitsausstattung sucht ihresgleichen, der Antrieb ist atemberaubend stark und herrlich fein abgestimmt. Im Grenzbereich schwächelt jedoch seine Bremsanlage, sodass der S8 – obwohl er das aktivere Auto ist – das Fahrdynamik-Kapitel verliert. An dieser Stelle brilliert der Mercedes-AMG S 63 4MATIC lang mit standfester Verzögerungsleistung selbst unter höchster Belastung und sehr hoher Fahrsicherheit. Der tolle Komfort und das üppige Platzangebot stehen aber hohen Preisen und der verzögerten Gasannahme gegenüber.