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Vignette von der Windschutzscheibe entfernen: Test

Aufkleber lösen statt kratzen

Wenn Vignetten abgelaufen oder überfüssig geworden sind, können Aufkleber-Entferner das Ablösen erleichtern. Unser aktueller Zubehörtest zeigt, wie gut zwölf aktuelle Produkte hier abschneiden.

Jahreswechsel – und schon sind wieder Vignetten, Pickerl, Mautaufkleber oder die Sticker für die Anwohner-Parkberechtigungen abgelaufen und müssen gegen aktuelle ausgetauscht werden. Also einfach die alten Vignetten und Aufkleber abziehen und neue aufkleben? Leider klappt das meist nicht auf Anhieb. Starke Temperaturwechsel und das direkte UV-Licht der Sonne haben die Vignetten-Aufkleber aushärten lassen und den Klebstoff eingebrannt. Versuche mit Küchenmesser und Malerspachtel führen meist nur zum unbefriedigenden Teilerfolg. Vom Einsatz eines Haarföhns, Feuerzeugs oder gar der Heißluftpistole aus dem Heimwerkermarkt sei dringend abgeraten. Denn große Hitze verfärbt die Klebefolie in den Verbundglasscheiben milchig weiß. Zudem kann der Hitzestau Scheiben zerspringen lassen und die Kunststoffe der Instrumententafel verformen. Auch Pinselreiniger und Nagellack-Entferner sei zum Vignette entfernen abgeraten, denn diese hinterlassen eine zerstörende Wirkung auf den empfindlichen Oberflächen des Interieurs.

Mit Chemie Sticker, Vignetten, Aufkleber & Co entfernen

Wer in einschlägigen Web-Portalen, im Teilehandel und in Baumärkten stöbert, findet zahlreiche Hilfsmittel, die durch chemisches Anlösen Vignetten, Aufkleber und Firmenwerbe-Folien leicht entfernen und sogar Kleberreste rückstandsfrei beseitigen sollen. Wie gut diese Produkte tatsächlich sind, zeigt unser aktueller Zubehörtest. Dazu wählten wir zwölf Mittel in der Preisspanne zwischen drei und 13 Euro aus. Das klingt zwar preiswert. Doch beachtet man die unterschiedlichen Füllmengen, dann ist das teuerste Produkt im Test, der Nigrin Vignetten- und Kleber-Entferner mit nur acht Milliliter Inhalt, 40 Mal teurer als das billigste Produkt von CleanExtreme (500 ml). Der Testsieger HG Aufkleber-Entferner liegt im preislichen Mittelfeld. Hier sind 100 Milliliter also umgerechnet mehr als 70 Euro günstiger als das teure Nigrin-Produkt, das übrigens gerade einmal auf dem neunten von zwölf Plätzen landet. Die eigentliche Funktionsprüfung führten wir praxisnah auf Autoscheiben durch. Dazu besorgten wir wegen der recht unterschiedlichen Sticker-Materialien (Papier, Kunststoff, Folie, spezielle Leim-Zusammensetzung) die Originalaufkleber und befestigten die Vignetten aus der Schweiz, Österreich sowie die deutschen Abgasplaketten auf dem Glas. Die D-Schilder und verschiedenste Werbe-Aufkleber pappten wir dagegen auf Bleche mit Karosserielack.

Bilder: Vignetten- und Aufkleber-Entferner im Überblick

Kein einziges Testprodukt erreicht volle Punktzahl

Nach der künstlichen Alterung der Aufkleber im Klimaschrank mussten die Testprodukte beweisen, was sie können. Direkt vorweg: Bei der eigentlichen Funktionsprüfung erreichte kein einziges Produkt die volle Punktzahl. Es war immer nötig, zumindest mit dem Fingernagel den Sticker an einer Ecke abzufriemeln. Oft eine fummelige Angelegenheit. Das Ergebnis hing zudem stark von der Art des Aufklebers ab: Bei der Schweizer Vignette etwa – der anspruchvollste Fall im Test – war sogar stets eine stumpfe Klinge zum Abhebeln nötig. Am besten schnitten der Testsieger, der Aufkleber-Entferner von HG, gefolgt vom Zweitplatzierten, dem Meyer Chemie Problem-Löser, und dem tesa Professional Klebstoff-Entferner (Platz fünf) ab. Weit abgeschlagen mit nur 56 und 59 Prozent der möglichen Punktzahl bildeten die auch die in der Gesamtwertung letztplatzierten Aufkleber-Entferner von Wepos und UHU das Schlusslicht. Leichteres Spiel hatten die Testkandidaten dagegen mit der deutschen Schadstoffplakette und dem D-Schild sowie den meisten Werbe-Stickern.

Ratgeber: Nie wieder beschlagene Windschutzscheiben

Vignetten und Aufkleber hinterlassen hässliche Klebstoffreste

Bei allen Testprozeduren hinterließen die Aufkleber unterschiedlich viele und zum Teil recht hässliche Klebstoffreste, die dann noch einmal separat behandelt werden mussten. Akzeptable Ergebnisse lieferten in dieser Disziplin nur die Produkte von HG, Mellerud und tesa. Die meisten Rückstände verursachte der Etikettenlöser von Kontakt Chemie Solvent 50. Bei der Verträglichkeit mit anderen Materialien, die im und am Auto vorkommen, überzeugten die Testkandidaten wiederum mit einem durchweg guten Ergebnis. Abstriche mussten lediglich Meyer Chemie, UHU und Wepos hinnehmen, hier registrierten wir weiße Flecken auf den dunklen Polstern. Bei der Gesundheits- und Umweltverträglichkeit schnitten vor allem jene Produkte schlechter ab, deren Inhaltsstoffe den warnenden Etikettenaufdruck "schwere Gesundheitsschäden" erfordern. Für besonders bedenklich halten wir in diesem Zusammenhang, dass die Aufkleber-Entferner von CleanExtreme und tesa dennoch nur über einfache Verschlüsse ohne Kindersicherung verfügen. Hier sollten die Hersteller von Vignetten-Entfernern unbedingt nachbessern. Bei Auftrag, Verteilbarkeit und der generellen Anwendung haben übrigens fast alle Hersteller Nachholbedarf. Die meiste Punktzahl erreichte hier ausgerechnet das Schlusslicht UHU.

Holger Ippen
Fazit

Wirksamer als mechanisches Abfriemeln mit einem Spachtel sind alle getesteten Produkte. Am besten lösen der Testsieger HG Aufkleber-Entferner, Meyer Chemie Problem-Löser und tesa Klebstoff entferner Vignetten von Glas und Karosserieblech. Mit den Auto-Materialien gehen alle pfleglich um, doch harmlos ist keiner. Deshalb sollte man Hand- und Augenschutz tragen und die Anwendungshinweise ernst nehmen.