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VW XL1 – Einliter-Auto im Fahrbericht

Ein Liter bitte

VW forciert das ultimative Sparauto: Der zweisitzige Prototyp XL1 soll nur knapp einen Liter Sprit für 100 Kilometer brauchen. Erste Fahrt im fast serienreifen Diesel-Hybrid

Dieses Auto bringt unsere Sicht der Dinge durcheinander. Es rauscht an uns vorbei wie ein Ufo. Verkleidet wie ein Raumschiff, vorn breit, aber hinten sehr schmal. Unter Wasser würde dieser Flutsch glatt als Delphin durchgehen.

Guten Tag XL1, wir grüßen das Auto der Zukunft, mit dem VW zeigen will, dass die Spritsparfahrzeuge der Konkurrenz nur Schnee von gestern sind. Dieser Zweisitzer, bei Bedarf bis zu 160 km/h fix, soll nämlich auf 100 Kilometern nur 0,9 Liter Diesel schlucken. Wenn nichts dazwischen kommt, beginnt 2013 seine Serienproduktion – bis zu 5000 Exemplare sind mittelfristig geplant. Alles weitere hängt von der Nachfrage ab. Vielleicht wird das später sogar eine Modellfamilie, ist zu hören.

KAMERAS STATT AUSSENSPIEGEL
Langsam, vor uns hält erst mal der Prototyp – das aktuelle Kristallisat aus der Kohlefaser-Zigarre, mit der im April 2002 der heutige VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch und der damalige VW-Lenker Bernd Pischetsrieder von Wolfsburg nach Hamburg den Verbrauchsschnitt von 0,89 Liter Diesel fuhren. Zwischendurch, auf der Frankfurter IAA 2009, gab es dann noch die Studie L1 zu sehen, die uns schon im Groben die Technik des XL1 vorführte.

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Piëch, 73, immer noch leidenschaftlicher Autotechniker, wollte 2002 die Alltagstauglichkeit des Ein-Liter-Konzepts beweisen. Das Thema hat er nicht mehr aus den Augen verloren. „Dieses Auto ist schon näher, als Sie denken“, verriet er im Herbst letzten Jahres.

Deshalb lädt uns nun der XL1 zum Fahren ein. Aber nicht in Wolfsburg, sondern im Emirat Katar, wo ein Liter Benzin nur 20 Cent kostet und in der Hauptstadt Doha gerade eine Automesse läuft. Katar, das auf riesigen Öl- und Ergasvorkommen sitzt – und seit 2009 mit rund 17 Prozent der Stammaktien ein Großaktionär bei VW ist. Daher weht der Wind. Die FIFA hat dem reichen Wüstenstaat für 2022 sogar die Fußball-Weltmeisterschaft gegeben. Aber das wissen Sie vielleicht schon. Sensationeller ist der Luftwiderstandsbeiwert dieses nur 1,16 Meter hohen Autos, das auch Nichteingeweihte sofort als VW erkennen. 0,186! Windschlüpfiger geht es kaum. Sogar die Hinterräder sind verkleidet, ebenso der Unterboden. Windwirbelige Außenspiegel gibt es nicht, ihre Aufgaben erfüllen digitale Kameras – die Verkehrswelt von draußen gibt es in Echtzeit links und rechts auf den Türdisplays. VW verhandelt mit dem Kraftfahrt-Bundesamt über eine Serienzulassung. Geformt für den Wind, leicht wie ein Topmodel: Monocoque und Anbauten des XL1 bestehen aus kohlefaserverstärktem Kunststoff (CFK). Alle Teile entstehen in einem superschnellen Press-Injektionsverfahren (RTM) in nicht einmal einer Stunde – theoretisch könnte VW so täglich 24 CFK-Karossen produzieren.