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Mercedes S 350 BlueTec und S 300 Hybrid im ersten Fahrbericht

Als würde der VfB Meister werden

Der neue S 350 ist die günstigste S-Klasse, der S 300 Hybrid die sparsamste - ein erster Fahrbericht der beiden Modell-Neuheiten

Immer wenn Mercedes eine neue S-Klasse bringt, ist das so, als würde der VfB Stuttgart deutscher Fußballmeister werden. Denn das kommt genauso selten vor wie ein Modellwechsel bei Mercedes’ Luxusliner. In den stets kürzer werdenden Produktionszeiten der Autos sind neun Jahre, die die vergangene SKlasse gebaut wurde, sehr viel. Ein automobiler Methusalem war die S-Klasse dennoch nicht. Bis zum vergangenen Jahr gehörte sie weltweit zu den beliebtesten Luxuslimousinen.

Das neue Modell scheint die Erfolgsgeschichte fortzuschreiben. Bereits über 20.000 Vorbestellungen sollen bis Ende Juni vorgelegen haben. Die Gründe hierfür liegen auf der Hand: Komfort, Fahrdynamik, Platzangebot und vor allem die Sicherheit haben dank einer ganzen Armada an Fahrerassistenzsystemen zugelegt. Verringert wurde dagegen der Verbrauch und damit zugleich der CO2-Ausstoß. "Die S-Klasse ist der neue Maßstab für automobilen Luxus", formuliert Entwicklungsvorstand Thomas Weber den Anspruch der Stuttgarter.

Mercedes S 350 und S 300 Hybrid im ersten Fahrbericht

In Toronto fuhren wir zunächst den Mercedes S 350 BlueTEC. Die für 79.790 Euro (Langversion: 85.323 Euro) günstigste Art, eine neue S-Klasse zu steuern, bietet mit Ausnahme des Magic Body Control-Fahrwerks fast alles, was der Achtzylinder-S 500 auch offeriert. Der kräftige und kultivierte V6-Diesel leistet 258 PS und zieht vor allem mit seinem Drehmoment von 620 Nm wie der sprichwörtliche Ochse. Die Fahrleistungen – 6,8 Sekunden für den Sprint auf 100 km/h und eine Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h – passen zur gediegenen Fortbewegung dieses Luxusliners, der trotz einer neuen elektrischen Lenkung, die deutlich kleinere Lenkwinkel erfordert, in erster Linie fürs Reisen und nicht fürs Rasen gedacht ist.

Die neue S-Klasse hat in der Fahrdynamik gewonnen, keine Frage, aber die Komfort-Gene sind deutlich ausgeprägter. Dank eines cW-Werts von nur 0,24 bietet die S-Klasse dem Fahrtwind so wenig Widerstand wie möglich. Das Resultat schlägt sich nicht nur im niedrigen Verbrauch nieder, sondern auch in einem Geräuschkomfort, der wahrscheinlich zum Besten gehört, was derzeit auf vier Rädern erreichbar ist. Das Geräuschniveau ist so niedrig, dass selbst bei Tempo 180 bis 200 kein Anheben der Stimme erforderlich ist, um sich zu unterhalten. Bequeme Sitze und hervorragender Federungskomfort verstehen sich sowieso fast von selbst. Und das Standard-Luftfahrwerk des S 350 BlueTEC, so schien es uns bei der ersten Ausfahrt, ist in puncto Komfort sogar noch dem ABC-Fahrwerk des S 500 überlegen.

Doch der eigentliche Clou der S-Klasse heißt nicht mehr fahren, sondern gefahren werden. Die Flut an Assistenzsystemen und deren Bezeichnungen erfordert fast ein neues automobiles Wörterbuch. Spurwechsel- und Spurhalte- Assistent sowie Müdigkeitswarner sind fast schon Schnee von gestern. Mit der Distronic Plus fährt die S-Klasse im Stop-and-go-Verkehr nahezu allein. Bremsen und Lenken erfolgen autark, allerdings müssen die Hände nach drei Sekunden wieder ans Lenkrad – aus Sicherheitsgründen. Auch das Anfahren erledigt die S-Klasse in diesem Modus selbstständig. Vorausgesetzt, dass zwischen den einzelnen Gaswechseln nicht mehr als zwei Sekunden verstreichen, sonst muss der Fahrer wieder einschreiten. Das Ganze  funktioniert bis Tempo 60 auch eingeschränkt auf der Landstraße, hier dürfen allerdings keine zu großen Lenkwinkel auftreten, sonst setzt das System aus.

Auch wenn im Mercedes S 300 BlueTEC Hybrid all diese Systeme ebenfalls erhältlich sind, favorisiert der Hybrid neben Luxus vor allen Dingen das Sparen. Ausgestattet mit dem Vierzylinder-Diesel mit 204 PS soll er nur um die 4,4 Liter verbrauchen. Der Hybrid ist in der Lage, kurze Strecken rein elektrisch zu bewältigen. Im mittleren Drehzahlbereich, der für die meisten Fahrsituationen ausreicht, ist von dem kleinen Vierzylinder-Diesel so gut wie nichts zu hören - die Daimler-Techniker haben ihn gut gekapselt.

Wer jedoch die Leistung abruft, hört, dass der kleine Motor unter der riesigen Haube seine Mühe hat, das schwere Luxusgefährt zu beschleunigen. Außerdem muss sich der Fahrer mit etwas bescheideneren Fahrleistungen zufrieden geben. Allerdings: Wer gemütliches Cruisen bevorzugt, kann auch mit dem S 300 Hybrid gut leben.

>> Teil 2: Technische Daten