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30 Jahre VW Golf Cabrio

Happy Birthday, Henkelmann

Moment, 30 Jahre Golf Cabrio? Der offene VW mit dem Bügel hatte doch erst 1979 Premiere! Stimmt. Weil Karmann aber schon 1978 die ersten 95 Golf Cabrio gebaut hat, ist der echte Geburtstag doch schon heute, 2008

Das Golf Cabrio hatte es anfangs schwer, Sympathien zu gewinnen. Kein Wunder, bei dem Erbe. Das letzte Käfer Cabrio war gerade vom Band gelaufen, Fans hatten sich von dem Krabbler Exemplare gesichert, um es in Ruhe zum Oldtimer reifen zu lassen und auch ihren Enkeln das Rauschen des luftgekühlten Heckmotors vorführen zu können.

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Dann kam der Neue. Mit Überrollbügel. Mit Kanten, wo der Käfer noch fröhlich seine runden Kotflügel in den Fahrtwind streckte. Mit wassergekühltem Frontmotor und Vorderradantrieb. Käfermörder, Erdbeerkörbchen, Henkelmann, riefen sie dem erschütternd sachlichen Neuankömmling hinterher.

Das mit dem Erdbeerkörbchen blieb hängen und VW tat Ende der 80er-Jahre auch offensichtlich alles, diesen Begriff nicht sterben zu lassen. Da kamen Sondermodelle in diversen Hell- und Dunkelrot-Tönen auf den Markt, mit in Wagenfarbe abgesetzten Leichtmetallfelgen. Zum Golf Cabrio – das natürlich neben dem Tennisplatz oder vor der Disco parkte – passten Poppertolle und über die Schulter geschlungener Kaschmirpullover.

Und natürlich der Schwarzwald-Klinik-Darsteller Sascha Hehn, der mit Zahnpastalächeln in sein weißes Golf Cabrio sprang. Im Establishment war der offene Golf angekommen, cool war er nicht. Doch das Band lief und es lief auch noch, als der Golf II schon auf die Rente zusteuerte. Immer noch diente der Golf I als Basis.

Erst den Golf III gab es wieder offen. Auch wieder mit Henkel, sorry, Überrollbügel. Zu diesem Zeitpunkt war der zierliche Golf I trotz Kunststoff-Spoilern und breiteren Kotflügeln fast ein Oldie, optisch aus der Zeit gefallen. Die These, dass Cabrios langsamer altern, versuchte auch das zweite Golf Cabrio zu untermauern. Denn als 1998 der Golf IV auf den Markt kam, gab es kein neues Cabrio. Das alte wurde an die aktuelle Optik angepasst und hielt noch fünf Jahre durch.

Ein Golf Cabrio gibt es seit 2003 nicht mehr. Stattdessen kam 2003 das in Mexiko gebaute New Beetle Cabrio nach Europa, als die Beetle-Mania von Ende der Neunziger-Jahre schon abgeflaut war. Mit der Technik des Golf IV unter dem Blech sollte der kugelige Zweitürer nostalgische Erinnerungen wecken. Wie sein Vorläufer trägt der New Beetle das Verdeck keck auf dem Heck, doch das rauschende Triebwerk im Heck fehlt. Es sitzt vorn, wassergekühlt wie damals beim ersten Golf Cabrio.

Ein richtig neues Cabrio von VW kam 2005 mit dem Eos. Der basiert ebenfalls auf der Golf-Plattform (Golf V-Technik), ist jedoch 20 Zentimeter länger und hat kein Stoffdach mehr, sondern ein fünfteiliges Stahlklappdach. Die Motoren reichen bis zum 3,2-Liter-V6 mit 250 PS. Schon die Basisversion mit 122 PS beschleunigt fast so schnell aus dem Stand auf Tempo 100 wie es 1978 das stärkste Golf Cabrio (GLI, 110 PS) vollbrachte: In etwas über zehn Sekunden.

Heute kann man das Golf Cabrio übrigens gern haben, es kostet gar nicht viel. Und es weckt nostalgische Gefühle. Denn so schmal und leicht wie das Golf Cabrio sind neue Autos schon lange nicht mehr.
Andreas Of