Reifentest: Aktuelle Sommerreifen im Test

Möchten Sie auf die mobile Seite wechseln?

JA NEIN

Sommerreifen der Dimension 225/45 R 17

Sieben neue Sommerreifen der Dimension 225/45 R 17 Y – geeignet für Kompaktautos wie den VW Golf – treten gegen neun etablierte Konkurrenten an


» zu den Testergebnissen
» so testen wir

Er ist sicher, komfortabel und sportlich - der VW Golf vereint all diese Eigenschaften. Doch wie sicher und gut ein Fahrzeug wirklich ist, hängt nicht nur vom Auto allein ab, sondern auch von der gewählten Reifengröße und Reifenmarke: Ist das montierte Modell eher komfortorientiert oder sportlich ausgerichtet, kommen die Pneus auch bei Regen klar, oder sind sie nur für Ausflüge bei schönem Wetter gedacht? Wir gehen diesen Fragen auf den Grund und testen die aktuelle Gummikollektion in der gängigen Konfektionsgröße 225/45 R 17 Y auf einem VW Golf FSI mit 170 PS.

Insgesamt müssen 16 unterschiedliche Fabrikate auf der Pirelli-Teststrecke im brasilianischen Sumare ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen - darunter sechs Neuheiten von Dunlop, Firestone, Hankook, Nokian, Pirelli und Uniroyal. In zwölf Disziplinen zeigen die Sommerreifen ihre Fähigkeiten. Und dabei haben nicht generell die Trocken- oder Nässespezialisten am Ende die Nase vorn, sondern die Pneus, deren Auslegung den besten Kompromiss für alle Bedingungen darstellt. Können die neuen Modelle ihren Kontrahenten neue Vorgaben aufdrücken, oder sind gute Pneus inzwischen so ausgereizt, dass es kein Verbesserungspotenzial mehr gibt?

###PIC[197411]###

Klare Unterschiede bei Nässe

Akribisch vorbereitet, also mit dem richtigen Luftdruck ausgestattet und säuberlich beschriftet, warten die 16 Testkandidaten auf den Start der einzelnen Prüfungen: Barum Bravuris, BF Goodrich G-force Profiler, Bridgestone Potenza RE 050 A, Continental Sport Contact 3, Dunlop SP Sport Maxx TT, Firestone Firehawk S790, Fulda Carat Excelero, Goodyear Eagle F1 A, Hankook Ventus V12 Evo, Kumho Ecsta, Michelin Pilot Sport 2, Nokian ZG2, Pirelli P Zero, Toyo Proxes T1, Uniroyal Rainsport 2 und Vredestein Ultrac Sessanta. Als erstes werden die Nässedisziplinen unter die Räder genommen. Dazu wird die Strecke künstlich bewässert, damit alle Kandidaten die gleichen Bedingungen für ihre Prüfungen haben. Bei konstanter Wassertiefe müssen die Pneus zunächst ihre Fähigkeiten beim Bremsen unter Beweis stellen.

So kann sich beispielsweise der durchschnittliche Bremsweg aus 100 km/h auf nasser Straße mit den falschen Reifen um bis zu acht Meter verlängern - eine Distanz, die im Fall eines drohenden Crashs für die Insassen lebenswichtig sein kann. Denn an der Stelle, an der der Golf mit dem Hankook schon steht, hat der mit dem Fulda bereifte Wolfsburger noch eine Restgeschwindigkeit von 40,9 km/h. Dem Koreaner am nächsten kommt der Pirelli mit 40,4 Metern. Auch beim gefürchteten Aquaplaning fördert der Test deutliche Unterschiede zutage.

###PIC[197397]###Pirelli und Fulda verdrängen das sechs Millimeter hoch stehende Wasser beim Längsaquaplaning auch noch mit über 80 km/h gut, Uniroyal und Vredestein kommen nah an die 80-km/h-Marke heran, während der Toyo schon Mühe hat, bei 70 km/h nicht den Kontakt zur Fahrbahn zu verlieren. Im Schnitt bewegt sich das Feld im Bereich von 75 km/h. Aber keine Angst, solche Wassertiefen trifft man im normalen Straßenverkehr meist nur in ausgeprägten Spurrillen an, weshalb die Aufschwimmgeschwindigkeit dort in der Regel erheblich höher liegt. Wer aber in einer Kurve unvermittelt in tiefes Wasser gerät, der ist mit dem Continental am besten bereift, und zwar mit Abstand. BF Goodrich, Kumho und Toyo verlieren da schon die Seitenführung, wo der Conti noch nicht einmal spüren lässt, dass er auf Wasser rollt.

Doch selbst wenn keine gefluteten Becken den Fahrer vor überraschende Aufgaben stellen, können sich defensiv eingestellte Piloten mit der gewählten Kurvengeschwindigkeit schnell verschätzen und die Haftgrenze überschreiten. Was dann passiert und wie der Golf wieder unter Kontrolle zu bringen ist, zeigen die Fahrten beim Handling und im Kreis. Geschwindigkeit ist hierbei nicht das ausschlaggebende Kriterium, sondern wie leicht der Golf zu beherrschen ist. Pirelli und Goodyear erzielen beim Handling zwar die schnellsten Zeiten, den sichersten und stabilsten Eindruck hinterlässt aber der Dunlop, während der Kumho und speziell der Vredestein den Golf zu hektischem Ausbrechen mit dem Heck bei Lastwechseln bringen und dem Fahrer feuchte Hände bescheren. Besonders mit dem Vredestein wechselt der VW dabei von deutlichem Untersteuern in schlagartiges Übersteuern.

###PIC[197182]###

Conti, Dunlop, Pirelli liegen vorn

Wie schon erwähnt: Für den Gesamtsieg kommt nur der Reifen in Frage, der unter allen Bedingungen vorn mitmischt. Auch bei Trockenheit gehört neben der Fahrsicherheit das Bremsen zu den höchstbepunkteten Wertungen.
Den kürzesten Bremsweg erzielt der Golf erneut mit dem Hankook (36,7 Meter). Ihm folgen Bridgestone, Kumho, Pirelli (37,5 Meter) und Nokian (37,8 Meter). Der letzte Platz geht mit 41,4 Meter an den Barum.

Beim Handling demonstriert der Pirelli P Zero, dass er der Sportlichste unter den 16 Kandidaten ist. Mit ihm und dem Dunlop umrundet der VW den Kurs am schnellsten und stellt den Fahrer dabei vor keinerlei Probleme. Beim Pirelli reagiert die Lenkung am zielgenauesten, der Pneu baut viel Seitenführung auf und ist optimal ausbalanciert. Hektische Reaktionen auf Lastwechsel sind für ihn ein Fremdwort.

###PIC[197370]###Dies gilt in ähnlicher Weise auch für den Dunlop, der in schnellen Kurven den Golf zu leichten Lastwechselreaktionen bringt. Auch der nur minimal langsamere Conti begeistert. Souverän und sicher stellt er den Kontakt zwischen Fahrzeug und Fahrbahn her. Er liegt in Sachen Fahrsicherheit auf einem Niveau mit dem Pirelli. In dieser Spitzengruppe spielen auch noch der Bridgestone und der Goodyear mit leichten Abstrichen mit. Der Goodyear reagiert stärker auf Lastwechsel, das ausbrechende Heck kündigt sich aber ganz sanft und leicht beherrschbar an. Beim Bridgestone reagiert die Lenkung nicht so direkt wie gewünscht - darum lassen sich die Reaktionen auf Lastwechsel nicht so einfach und genau ausgleichen.

Am schwierigsten zu fahren sind Fulda, Nokian und Toyo. Der Fulda ist besonders in engen Kurven ein deutlicher Untersteuerer, während in schnellen Kurven das Heck blitzartig ausbricht. Ähnliches gilt auch für den Nokian, hier bereitet ein ausbrechendes Heck echte Schwierigkeiten beim Korrigieren. Seine sonstige Untersteuertendenz ist dafür nicht so ausgeprägt wie beim Fulda. Die großen Lenkwinkel hat er gemein mit dem Toyo. Am lautesten rollen der Bridgestone und der Conti ab. Goodrich, Michelin und Uniroyal sind am komfortabelsten.

FAZIT:
Am Ende ist der neue Pirelli der Gewinner – mit Siegen in den Nässe- und Trocken-Wertungen. Auf dem zweiten Platz landet der Conti vor dem Dunlop. Die übrigen Neuheiten belegen die Plätze vier (Hankook), sieben (Uniroyal), acht (Nokian), elf (Firestone) und 14 (Kumho). Jürgen Schramek

» weiter zu den Testergebnissen