Test: Ganzjahresreifen Ganzjahresreifen

15.12.2008

Sie sollen im Sommer wie im Winter für Sicherheit sorgen und außerdem den teuren Wechsel ersparen. Im Test: 195/65 R 15 H

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Um es gleich vorweg zu nehmen: Ganzjahresreifen sind ein Kompromiss. In den kalten Monaten erreichen sie nicht die Leistungen von guten Winterreifen, und in den warmen können sie nicht mit der Performance guter Sommerreifen konkurrieren. Allerdings stechen die All-Season-Gummiprofile jeden Sommer-Pneu bei winterlichen Bedingungen aus.

Hinzu kommen zwei weitere Vorteile: Erstens gelten die Alleskönner das ganze Jahr über als angepasste Bereifung und entsprechen damit der 2006 eingeführten, so genannten situativen Winterreifenpflicht. Und zweitens entfällt das fristgerechte Umrüsten inklusive der Einlagerung der demontierten Räder.

Somit sind die Ganzjahres-Profile speziell für die Verwendung in schneearmen Regionen sowie auf Autos mit geringer Motor- und Laufleistung eine interessante Alternative. Aber natürlich nur, wenn sie auch die Erwartungen erfüllen, die man in sie setzt. Um dies zu überprüfen, haben wir die fünf wichtigsten Vertreter dieser Reifengattung intensiv in einem Vergleichstest untersucht.

Neben den beiden traditionellen Ganzjahres-Anbietern Goodyear und Vredestein traten auch Modelle von Hankook und Toyo an; dazu kam ein Produkt der hierzulande weniger bekannten Marke Matador. Dahinter verbirgt sich ein slowakischer Reifenproduzent, der zur Continental-Gruppe gehört.

Schneesichere Lösung

Bei den Testfahrten auf verschneiten Pisten in Nordschweden entpuppen sich die Testkandidaten als durchaus schneesicher. Besonders der Goodyear und der Vredestein glänzen mit einem stabilen und berechenbaren Fahrverhalten. Sie bewegen sich in etwa auf dem Niveau eines durchschnittlich talentierten Kältespezialisten, können aber wie erwartet nicht mit dem Grip eines Winterreifens der Topklasse mithalten.

Dabei belegen die Traktionswerte, dass die Lamellen im Profil nicht nur die Optik aufwerten, sondern auch für wackeren Vortrieb sorgen. Doch auch hier haben reine Winterprofile mehr zu bieten. Wirklich erfreulich ist allerdings, dass alle Ganzjahresreifen nahezu gleich gut bremsen - obwohl sie rund zwei Meter mehr benötigen als die besten Winterprofis.

Wer also nur selten auf verschneiten Straßen unterwegs ist, wird mit den Pneus von Goodyear, Hankook oder Vredestein zufrieden sein. Die Performance von Matador und Toyo lässt indes noch Wünsche offen.

Nässetest entscheidend

Eine durchweg ordentliche Vorstellung liefern die fünf Testsätze auf trockener Straße. Entsprechend nah liegen die Punktwertungen beieinander: Die Beurteilung der Reifen von Hankook, Matador und Toyo differiert jeweils nur um einen einzigen Zähler. Der Hankook baut weniger Seitenführung auf als die Wettbewerber, bremst aber gut.

Der Matador zeichnet sich durch sichere Fahreigenschaften aus, rollt jedoch unkomfortabel ab. Der Toyo ist laut und bremst schlechter, glänzt aber dafür mit sportlichen Tugenden. Vredestein und Goodyear können sich hier etwas absetzen, wobei vor allem der Eagle Vector+ mit ausgewogenen Leistungen überzeugt. Der Quatrac seinerseits bremst besser als seine Rivalen.

Die größten Unterschiede zeigen sich indes bei den Versuchen auf nasser Strecke. So dominiert der Goodyear die Aquaplaning-Tests. Außerdem wartet er einmal mehr mit sicheren Fahreigenschaften auf und sammelt so die meisten Punkte in der Nässe-Rubrik.

Ein sehr ähnliches Bild zeichnen die Ergebnisse des Hankook. Allerdings verdrängt er in tiefen Pfützen das Wasser nicht ganz so effektiv wie der Goodyear. Außerdem missfällt die vergleichsweise geringe Rückmeldung des Reifens in Längs- und Querrichtung. Dies mindert die Lenkpräzision und die Dosierbarkeit der Bremse.

Der Vredestein verdient sich insgesamt fünf Punkte mehr als der Hankook, obwohl er die schwächsten Resultate im Aquaplaning einfährt. Sein Bremsvermögen und die ebenso sicheren wie sportlichen Fahreigenschaften wiegen diese Mängel wieder auf. Auf regennasser Piste bewegt er sich ähnlich souverän wie ein reiner Sommerreifen.

Der Toyo patzt ebenfalls im Wasserbecken, wo er nur marginal besser abschneidet als der Vredestein. Überdies verbucht er den längsten Nassbremsweg, obgleich ihn nur 3,6 Meter vom Bestwert trennen. Dies entspricht jedoch einer Restgeschwindigkeit von immerhin 26,7 km/h.

Letzter nach Punkten wird der Matador, der sich im Aquaplaning kaum besser schlägt als Toyo und Vredestein. Auch auf der Bremse kann der günstigste Reifen nicht überzeugen. Schlimmer ist aber, dass der Adhessa zu wenig Nass-Grip aufbaut. So hinkt er der Konkurrenz nicht nur in den Rundenzeiten und bei der Kreisfahrt hinterher, sondern beschert dem Fahrer auch bei Erreichen der Haftgrenze Schwierigkeiten, weil er mitunter kräftig übersteuert. Hat das Auto kein ESP, verhindert nur fahrerisches Können eine drohende Schleuderpartie. Martin Urbanke

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