Reifentest: Aktuelle Sommerreifen im Test

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Sommerreifentest 195/60 R 15 H

Rollwiderstandsoptimierte Reifen 195/60 R 15 H


Rollwiderstandsoptimierte Reifen liegen im Trend. Doch welchen Einfluss haben sie auf die Fahrdynamik? Wir testen neun Pneus im Format 195/60 R 15 H auf dem Opel Corsa


  • SO TESTEN WIR
  • 1. AQUAPLANING: Sensoren ermitteln die Geschwindigkeit, bei der ein Reifen im Wasserbecken (sechs Millimeter tief) aufschwimmt. Dieser Test zeigt bei Geradeausfahrt, ab wann die angetriebenen Räder durchdrehen, und macht bei Kurvenfahrt deutlich, ab wann die Seitenführung nicht mehr gewährleistet ist.
  • 2. BREMSEN: Mit jedem Reifen wird mehrfach aus 100 km/h im Trockenen, aus 80 km/h im Nassen bis zum Stillstand maximal verzögert. Dabei wird sowohl die durchschnittliche Verzögerung als auch der Bremsweg ermittelt.
  • 3. HANDLING: Diese gezeitete Fahrt – auf einer trockenen und auf einer bewässerten Rundstrecke – erlaubt Rückschlüsse auf die maximale Leistungsfähigkeit eines Reifens. Die Bewertung sagt jedoch noch nichts über die Beherrschbarkeit des jeweiligen Pneus aus. Hier geht es nur um die erzielte Zeit. Dies gilt auch beim Slalom und bei der Fahrt über den bewässerten Kreis.
  • 4. FAHRSICHERHEIT: Während bei den Disziplinen Handling (nass, trocken), Slalom und Kreisbahn absolute Werte entscheiden, zählen jetzt die in diesen Disziplinen gesammelten Eindrücke. Je gutmütiger und exakter sich das Auto mit dem jeweiligen Pneu manövrieren lässt, desto besser fällt die Bewertung aus. Denn was soll man mit einem Reifen anfangen, dessen Potenzial nur ein Profi nutzen kann?
  • 5. SLALOM: Bei der gezielten Fahrt um Pylonen, die in einem Abstand von 18 Metern zueinander aufgebaut sind, ermitteln wir das durchschnittliche Tempo.
 
Heutzutage kommt es für viele  Autofahrer nicht mehr nur auf die Performance eines Reifens an, sondern auch auf dessen ökologische Auslegung. Rollwiderstandsminimierung heißt hier das Zauberwort. Trotzdem sollte die Leistungsfähigkeit nicht verloren gehen. Keine leichte Aufgabe für die Hersteller. Sparen ja, aber nicht auf Kosten der Sicherheit. Und die Optik darf auch nicht vergessen werden. Trennscheiben im 155er Format werden von den Kunden nicht akzeptiert. Wir  haben diesen Kompromiss gesucht, rollwiderstandsoptimierte Reifen in der Größe 195/60 R 15 H ausgewählt und mit Felgen von Irmscher im Format 6,5 x 15 auf einen Opel Corsa gepackt. Eine Kombination, die gut aussieht. Jetzt müssen die Pneus nur noch zeigen, was sie können.

Insgesamt stellen neun unterschiedliche Fabrikate auf der Pirelli-Teststrecke im brasilianischen Sumare bei Sao Paulo ihre Fähigkeiten unter Beweis. Die Kandidaten im einzelnen: Barum Bravuris 2, Continental Premiumcontact 2, Dunlop SP Sport Fastresponse, Fulda Carat Progresso, Kumho Ecsta HM, Michelin Energy Saver, Nokian H, Pirelli Cinturato P6 und Vredestein Hi-Trac. Als erstes werden die Nässedisziplinen unter die Räder genommen.
 
###PIC[276608]###Damit das Wasser gleichmäßig auf der Strecke steht, wird sie künstlich bewässert. Schließlich sollen alle Kandidaten die gleichen Bedingungen bei den Prüfungen vorfinden. Beim Bremsen in einem mit Wasser gefüllten Becken präsentieren sich die neun Pneus auf einem ähnlich guten Niveau. Die Bremswege aus 80 km/h bis zum Stillstand liegen zwischen 27,2 Meter für den Kumho und 28,8 Meter für den Barum.

###PIC[276611]###Deutlicher sind die Unterschiede in den gefürchteten Quer- und Längsaquaplaning-Disziplinen. Sechs Millimeter Wassertiefe bereiten einigen Pneus Probleme und machen den Vredestein zum Meister. Er verdrängt das Wasser so gut, dass keiner der Konkurrenten auch nur annähernd mithalten kann. Beim Längsaquaplaning schwimmt er erst mit 91,1 km/h auf, während dem Michelin schon bei 82,9 km/h der Kontakt zur Fahrbahn verloren geht. Lediglich der Barum kann halbwegs mithalten. Zudem erzielt der Vredestein die schnellste Zeit beim Handling. Mit ihm zieht der Corsa sicher und ohne auszubrechen seine Runden und lenkt direkt ein. Der Dunlop und der Barum zeigen sich da wesentlich nervöser und liegen am Ende des Feldes.  Mit Kumho und Conti ist der Opel ebenfalls schnell, jedoch nervöser im Fahrverhalten.

###PIC[276614]###Für den Gesamtsieg kommt aber nur der Reifen in Frage, der Nässe und Trockenheit gleichermaßen am besten meistert. Und in den Trockendisziplinen zeigen der Conti und der Michelin, was sie können. Nokian, Kumho und Pirelli folgen, während der Vredestein sein Topergebnis aus den Nassprüfungen nicht bestätigt.

Den insgesamt besten Kompromiss bietet der Conti – vor Michelin, Kumho, Pirelli und Vredestein. Der Michelin hat übrigens den besten Rollwiderstand in diesem Testfeld (Werte auf Seite 90). Der Testsieger Conti liegt in diesem Punkt – wie der Vredestein und der Pirelli – am Ende des Feldes. Es gibt also noch einiges zu tun, um gute Fahrleistungen bei gleichzeitig niedrigem Rollwiderstandswert zu erzielen. Immerhin fließt letzterer künftig in die Bewertung mit ein.   Jürgen Schramek

WAS IST ROLLWIDERSTAND?
Jeder einzelne Reifen verbraucht im Fahrbetrieb Energie. Wie hoch dieser Verbrauch ist, hängt von Profil, Gewicht und Mischung ab. Die Werte werden auf dem Prüfstand, in unserem Fall bei 80 km/h, ermittelt. Das Ergebnis – in Watt angegeben – beschreibt, wie viel Energie nötig ist, um den Reifen zu bewegen. Je niedriger die Wattzahl, desto besser. Je leichter ein Reifen abrollt, desto weniger Energie verbraucht er. Wird wenig Energie benötigt, sinkt dadurch der Verbrauch. Für die Reifenindustrie ist es grundsätzlich einfach, einen so optimierten Reifen zu produzieren – oft geht dies aber zu Lasten der fahrdynamischen Eigenschaften.