Renault Laguna Grandtour im 100.000-km-Dauertest Renault Laguna Grandtour 2.0 dCi

05.09.2011

Der Renault Laguna Grandtour mit 173-PS-Diesel zeigt im 100000- Kilometer-Test, was in ihm steckt

Eckdaten
PS-kW173 PS (127 kW)
AntriebVorderrad, 6 Gang manuell
0-100 km/h8.9 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit215 km/h
Preis36.500,00€

Das Kind hat viele Namen. Die einen nennen es Variant, die anderen Avant oder Touring. Gemeint ist aber immer das Gleiche, nämlich der Kombi. Der Laguna mit Rucksack läuft bei Renault unter der Bezeichnung Grandtour. Treffender könnte es in unserem Fall auch gar nicht sein, denn auf großer Tour war der Laguna in unserem Dauertest über 100 000 Kilometer des Öfteren.

Die Verbindung von einer geräumigen Kombi-Karrosse mit einem starken und dennoch sparsamen Diesel ist perfekt für einen Reisewagen. Dass der Renault Laguna für längere Fotofahrten oftmals bevorzugt wurde, liegt nicht zuletzt an der reichhaltigen Ausstattung des Testfahrzeugs, das in der höchsten Ausstattungsvariante Initiale zur Redaktion rollte. Beheizbare Lederpolster, Klimaautomatik, Tempomat, Bi-Xenonscheinwerfer sind nur einige der serienmäßigen Annehmlichkeiten dieser Version.

Was noch fehlt, etwa ein Navigationssystem, getönte Seiten- und Heckscheiben oder die separat zu öffnende Heckscheibe, haben wir zusätzlich geordert. So komplett ausgestattet verging die Zeit wie im Flug: Für die 100 000 Kilometer benötigte der französische Kombi nur 20 Monate.

ANGENEHMER REISEWAGEN
Den größten Pluspunkt verbucht der Laguna unter der Motorhaube. Der Zweiliter-Diesel mobilisiert muntere 173 PS. Das reicht bei Bedarf laut Tacho locker für über 220 km/h, was echten 215 km/h entsprechen soll. Unangenehm bei so einem hohen Tempo sind aber der nur mäßige Geradeauslauf und die indirekte, schwammig wirkende Lenkung.

Wer diesen Situationen entgehen will und nahe der Richtgeschwindigkeit bleibt, der freut sich über einen Durchschnittsverbrauch von nur 6,5 Litern pro 100 km. Damit unterbot unser Testwagen sogar den EU-Verbrauch von 6,6 Litern und ermöglichte Reichweiten von über 900 Kilometern.

Im Durchschnitt kamen wir über die 100 000 Kilometer auf 8,3 Liter – ein akzeptabler Wert in Anbetracht der vielen Vollgasanteile, des Hängerbetriebs und der oft vollen Beladung. Das Tankvolumen genau auszuloten, hat sich allerdings keiner getraut, da die Restreichweite nur bis 80 Kilometer angezeigt wird und danach direkt auf Null springt.

Sehr angenehm ist die niedrige Geräuschkulisse. Der laufruhige und kultivierte Motor ist ein Grund, ein weiterer dürften die Seitenfenster aus Verbundglas sein. Diese sollen die Geräuschentwicklung um bis zu fünf Dezibel verringern. Anscheinend mit Erfolg, allerdings verringern sie den Kontostand um weitere 520 Euro, da sie auch in der Initiale-Ausstattung Aufpreis kosten. Die Ledersitze sind auf langen Strecken zwar bequem, die Sitzposition ist aber nicht immer optimal.

Obwohl sich Lenkrad und Sitz in einem weiten Bereich einstellen lassen, finden nicht alle Fahrer die passende Haltung. Ein weiterer Minuspunkt ist die Sitzheizung. Wer den Schalter vorn links am Stuhl gefunden hat, der wird selbst auf der höchsten Stufe nach längerer Zeit gerade mal von einem Wärmegefühl sprechen. Eine richtige Heizleistung ist aber nie zu spüren. Da funktioniert die Klimaautomatik schon besser – einfach in puncto Bedienung und mit guter Heiz- und Kühlleistung, erfüllt sie sämtliche Temperaturwünsche.

Praktisch sind neben dem Automatikmodus die Varianten „soft“ und „fast“. So kann man die Stärke des Gebläses gleich mitbestimmen. Recht großzügig ist das Raumangebot im Laguna Grandtour. Sowohl in der ersten als auch in der zweiten Reihe herrscht keine Enge. Man wünscht sich lediglich mehrere und vor allem größere Ablagemöglichkeiten. Für einen dicken Atlas oder eine Einliter- Wasserflasche findet man nirgendwo einen geeigneten Platz. Besser sieht es im Heck aus.

Der Kofferraum ist über die große Luke und die niedrige Ladekante leicht zu beladen, und die Rücksitze lassen sich auch von hinten einfach umklappen. Ein Nachteil ist die stark abfallende Dachlinie, die den Stauraum nach oben eingrenzt. Da hilft es wenig, dass sich die Heckscheibe separat öffnen lässt.

Ein hilfreicher Begleiter ist immer wieder das Navigationsgerät. Die Bedienung mit dem Joystick in der Mittelkonsole ist einfach und geht schnell in Fleisch und Blut über. Die Kartendarstellung ist übersichtlich, zudem verfügt das Navi über sinnvolle Extras, zum Beispiel die spezielle Suche nach Hotelketten, italienischen oder Fast-Food-Restaurants.

Negativ sind nur – wie übrigens bei vielen anderen Systemen auch – die schlechte Ablesbarkeit bei direkter Sonneneinstrahlung und die Warnungen vor Staus, obwohl es dort längst keine mehr gibt. Zuverlässig arbeitet dagegen der schlüssellose Zugang mittels Keycard, die immer in der Hosentasche bleiben kann. Gestartet wird der Motor dann mit Starterknopf am Armaturenbrett. Beim Verlassen des Wagens bestätigen ein kurzer Hupton und das Anklappen der Außenspiegel die Verriegelung. Ein bequemes Extra, an das man sich schnell und gern gewöhnt.

Solch einen Luxus würde man sich auch von einem simplen Bauteil wie dem Blinker wünschen. Dieser nervt bei Betätigung leider mit einem ständigen und unüberhörbaren „Klick-Klack“, zudem fehlt eine Tip-Funktion, bei der nach dem dritten Blinken automatisch Schluss ist.

Von Anfang an war die Schaltung unseres Renault Laguna Grandtour unpräzise und hakelig. Zwischendurch notierte dies sogar ein Kollege im Fahrtenbuch als so auffällig, dass der Franzose deswegen bei Kilometerstand 57 471 in die Werkstatt kam. Diese bestätigte jedoch die einwandfreie Funktion und sah keinen Anlass zu einer Reparatur.

Nach 100 000 Test-Kilometern müssen wir der Werkstatt teilweise Recht geben: Mechanisch ist die Schaltung in Ordnung, doch ihre Bedienung ist mangelhaft. Bei dem Werkstattbesuch standen aber noch zwei weitere Punkte auf der Mängelliste: zum einen seltsame Surrgeräusche im Innenraum, zum anderen ein Knacken und Knarzen aus dem Armaturenbrett und der Mittelkonsole. Für das Surren war ein defekter Temperaturfühler im Innenraum verantwortlich, der auf Garantiekosten getauscht wurde.

Die Knack- und Knarzgeräusche konnten in der Werkstatt nicht festgestellt werden. Bei der Nachfrage im Werk stellte sich heraus, dass es sich hierbei um ungünstige Befestigungen im Armaturenbrett handelt, die mittlerweile schon in der Produktion geändert wurden. Hier und da bestätigten weitere Details den Eindruck einer verbesserungswürdigen Verarbeitung und Materialauswahl: So öffnete sich schon mal eine Klappe des Seitenfachs im Kofferraum von selbst, da die Verriegelung nicht passgenau sitzt.

Und jeder, der den Ölstand kontrolliert, ärgert sich über den billigen Ölmessstab aus Plastik, der sich nur fummelig einführen lässt und nicht gut ablesbar ist. Bei zu niedrigem Ölstand warnt allerdings der Bordcomputer automatisch. Billig und instabil wirkt auch die Tankklappe aus Kunststoff, die sehr wackelig in ihrem Scharnier sitzt. Alles nur Kleinigkeiten, die aber den wertigen Gesamteindruck des Laguna unnötig trüben.

TADELLOSER ZUSTAND
Die Strapazen des Dauertests merkt man dem Laguna nicht an – die Lederausstattung und der Innenraum sind in gutem Zustand. Gleiches Bild von außen: Der Lack glänzt wie am ersten Tag. Und wie bei der teilweise lieblosen Verarbeitung sind es auch hier nur Kleinigkeiten, denen man die letzten 20 Monate ansieht. So ist zum Beispiel der Joystick in der Mittelkonsole etwas ausgeleiert, und die hinteren Türen halten beim Öffnen nicht mehr so selbstverständlich in ihren Positionen wie am Anfang. Ansonsten ist alles tiptop.

Auch der Gesamtverschleiß hält sich in Grenzen: Einmal neue Bremsbeläge vorn sowie neue Scheiben und Beläge hinten sind ebenso gängig wie zweimal neue Wischerblätter. Zwei Sätze Sommer- und ein Satz Winterreifen sind an sich ebenfalls nicht erwähnenswert, wäre da nicht die fehlende Traktion. Die Winterreifen Michelin Pilot Alpin 3 können auf dem Laguna kaum überzeugen. Bei Schnee finden die Vorderräder nur wenig Grip und machen jedes Beschleunigen zur Gefühlsprobe mit dem Gasfuß. Auch mit den Sommerreifen Vredestein Sporttrac kommt der Renault nicht zurecht: Sobald die Straße feucht wird, fehlt es ihm an ausreichend Reibung auf dem Asphalt.

Das lässt die Vermutung zu, dass es nicht an den Reifen liegt, sondern dass der Fronttriebler einfach zu wenig Grip auf der Vorderachse aufbaut. Positiv sieht das Kostenkapitel nach dem Testende aus. Der Wertverlust nach knapp zwei Jahren beträgt zwar happige 21 475 Euro, doch das ist bei einem Fahrzeug dieser Klasse normal. Reparaturkosten sind in dieser Zeit nicht aufgetreten, da der defekte Innenraum- Temperatursensor von der Garantie abgedeckt wurde.

Die Inspektionskosten fallen mit gut 300 bis 400 Euro inklusive Ölwechsel zwar nicht gerade preiswert aus, dafür muss der Laguna aber nur alle 30 000 Kilometer zum routinemäßigen Check in die Werkstatt. Ein kleiner Wermutstropfen zum Schluss: die recht hohen Versicherungseinstufungen mit Typklasse 25 in der Vollkasko und 23 in der Teilkasko.

MODELLPFLEGE
11/2007/ IAA-Weltpremiere des Renault Laguna 3
01/2008 Markteinführung der dritten Generation des Renault Laguna Grandtour 11/2008 Start der V6-Motorisierungen mit 3.5 V6-Benziner mit 238 PS und 3.0-Diesel dCi FAP (235 PS)
06/2009 Sondermodell Emotion als neues Einstiegsmodell – als Limousine und Grandtour erhältlich. Generation 2010 beim Laguna: mehr Ausstattung ohne Aufpreis, alle Dieselmotoren (außer V6 dCi 235 FAP) efüllen Euro 5, Carminat TomTom ist Serie bei Dynamique und GT, sonst optinal erhältlich
11/2009 Einführung des Renault Laguna Grandtour GT dCi 150 FAP mit Sechsstufenautomatik in Verbindung mit der Allradlenkung 4Control

DAS SAGT RENAULT ...
ZU DEN KNISTERGERÄUSCHEN IM ARMATURENBRETT UND DER MITTELKONSOLE:
Die von Ihnen geschilderten Knistergeräusche resultieren aus schlecht gezogenen Befestigungspunkten am Armaturenbrett. Dies wurde von Renault erkannt und produktionstechnisch ab Februar 2008 geändert.
… ZU DER HAKELIGEN UND UNPRÄZISENSCHALTUNG:
Das Testfahrzeug ist mit dem intern als „PK4“ bezeichneten Sechsganggetriebe ausgestattet, zu dem es bislang keine Kritik gab. Eine Kontrolle in der Werkstatt bestätigte zudem die einwandfreie Funktion.
… ZU DEM FUMMELIG ZU BEDIENENDEN UND BILLIG WIRKENDEN ÖLMESSSTAB AUS KUNSTSTOFF:
Die Zweckmäßigkeit der Ölkontrolle wird erfüllt. Und die gelbe Farbe des Messstabs erleichtert das Ablesen des Ölstands.
… ZU DER SCHWACHEN SITZHEIZUNG DER VORDERSITZE:
Bislang gab es zu der Sitzheizung der Vordersitze keine Kundenbeanstandungen.

Fazit

Aus der Sicht eines Dauertesters verlässt der Renault Laguna Grandtour unseren Hof erhobenen Hauptes. Technisch leistete sich der Franzose über die 100 000 Kilometer keinen großen Schnitzer. Der kraftvolle und sparsame Diesel macht ihn zudem zu einem beliebten Reisewagen. Schwächen im Detail, wie etwa die hakelige Schaltung und die manchmal billige Verarbeitung, trüben aber den ansonsten guten Gesamteindruck.

Technische Daten
Motor 
Zylinder4-Zylinder, 4-Ventiler, Turbodiesel, Partikelfilter
Hubraum1995
Leistung
kW/PS
1/Min

127/173
3750 U/min
Max. Drehmom. (Nm)
bei 1/Min
380
2000 U/min
Kraftübertragung 
Getriebe6 Gang manuell
AntriebVorderrad
Fahrwerk 
Bremsenv: innenbelüftete Scheiben
h: Scheiben
Bereifungv: 215/50 R 17
h: 215/50 R 17
Messwerte
Gewichte (kg) 
Leergewicht (Werk)1513
Beschleunigung/Zwischenspurt 
0-100 km/h (s)8.9
Höchstgeschwindigkeit (km/h)215
Verbrauch 
Testverbrauchk.A.
EU-Verbrauch6.6l/100km (Diesel)
Reichweitek.A.
Abgas-Emissionen 
Kohlendioxid CO2 (g/km)k.A.

Tags:
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