Euro 6 nachrüsten bei Dieselmotoren (SCR): So geht's! So erhält der Diesel die blaue Plakette

von Alexander Koch 30.08.2017
Inhalt
  1. Euro 6 bei Diesel-Pkw mit SCR-System nachrüsten
  2. Wie teuer wäre die Euro-6-Nachrüstung?
  3. Wie funktioniert die Euro-6-Nachrüstung von Twintec?
  4. Welchen Vorteil bietet Twintec gegenüber SCR-Anlagen?
  5. Hätte eine Euro-6-Nachrüstung auch Nachteile?

Euro 6 bei Diesel-Autos nachrüsten und die blaue Plakette ermöglichen: Systeme wie das von Twintec können das! Das BNOx-SCR-System umgeht die Nachteile von reinen SCR-Anlagen und erzielt teils deutlich bessere Stickoxid-Werte. So geht die Euro-6-Nachrüstung!

Um den drohenden Diesel-Fahrverboten in deutschen Großstädten zu entgehen, können Diesel-Pkw auf Euro-6-Norm umgerüstet werden. Neben der von der Autoindustrie bevorzugten Software-Lösung gibt es mittlerweile auch technische Möglichkeiten zur Umrüstung: So hat Katalysator-Hersteller Twintec ein Euro-6-Nachrüstsystem (BNOx-SCR-System) für Neu- und Gebrauchtwagen entwickelt, das den Ausstoß von Stickoxiden (NOx) deutlich senkt. Insgesamt kann das BNOx-SCR-System von Twintec die Stickoxide um 99 Prozent auf dem Prüfstand und um 94 Prozent unter realen Bedingungen auf der Straße reduzieren. So wäre auch nachträglich eine Euro-6-Einstufung möglich – die Grenzwerte für Euro 6 werden durch Twintec teils deutlich unterschritten. Warum "wäre"? Ganz einfach: Noch wird das System nicht angeboten. Es müssen entsprechende gesetzliche Rahmen geschafft werden, etwa durch eine blaue Plakette. Für diesen Fall plant Twintec, das BNOx-SCR-System für alle relevanten Fahrzeugtypen anzubieten. Das wäre besonders für Fahrer von Autos mit Euro-5-Einstufung interessant, die von einer möglichen Einführung der blauen Plakette und den damit verbundenen Fahrverboten betroffen wären. 

News AUTOZEITUNG.de per Whatsapp auf dein Handy!
Whatsapp: AUTOZEITUNG.de abonnieren  

So funktioniert Whatsapp!

Blaue Plakette für Dieselfahrzeuge (Video):

 
 

Euro 6 bei Diesel-Pkw mit SCR-System nachrüsten

Neben der Twintec-Nachrüstlösung bietet auch oft ein Software-Update die Möglichkeit, einen Euro-5-Diesel auf Euro 6 umzurüsten. Dabei geht es vor allem darum, die sogenannten "Thermofenster" abzuschaffen, in denen die Abgasnachbehandlung aufgrund zu tiefer Temperaturen aussetzt: "Diesen Begriff hat die Industrie ohnehin erst vor einigen Monaten erfunden, um Temperaturbereiche zu erklären, in denen die Abgasrückführung einfach abgeschaltet wird, um den Motor zu schonen", erklärte Thomas Burkhardt, ADAC-Vizepräsident für Technik, gegenüber der Welt am Sonntag. Die Stickoxid-Emissionen werden einem ADAC-Test zufolge bei einer Software-Lösung um durchschnittlich 60 Prozent verringert. Aber auch der Verbraucht steigt: Gut vier Prozent mehr Diesel benötigt der Pkw nach dem Software-Update. Außerdem könne es sein, dass sich der Motorverschleiß erhöhe, da Abgase bei zu niedrigen Temperaturen zurück in die Verbrennungskammer geleitet werden.

News VW Passat im Abgastest
Neue Abgastests Deutschland & EU (2018): Kfz-Steuer steigt  

Höhere Kfz-Steuer durch neue Abgastests

 

Wie teuer wäre die Euro-6-Nachrüstung?

Entgegen vieler Befürchtungen soll die Nachrüstung laut Twintec nicht nur mit überschaubarem Aufwand, sondern auch mit vertretbaren Kosten zu bewältigen sein. 1500 bis 2000 Euro stehen für solch eine Umrüstung im Raum, die laut Hersteller etwa einen halben Tag in einer AU-berechtigten Fachwerkstatt benötigt. Allerdings müsste der Umbau durch den Gesetzgeber auch anerkannt werden. Zur Zeit ist eine Zulassung der Euro-6-Nachrüstung - wenn überhaupt - nur in einem teuren und komplizierten Einzelverfahren möglich, so Baumot-Geschäftsführer Henning Middelmann. Ob die Kfz-Steuer, die sich unter anderem auch an dem Schadstoffausstoß der Autos bemisst, durch die Umrüstung sinkt, lässt sich zum aktuellen Stand ebenfalls nicht sagen. Derweil präferieren die Autohersteller die Lösung eines Software-Updates: So haben sich die teilnehmenden Autobauer beim Diesel-Gipfel am 2. August 2017 dazu bereit erklärt, insgesamt 5,3 Millionen Diesel-Fahrzeuge umzurüsten. Komplexere Nachrüstlösungen werden abgelehnt, sodass die Kosten einer aufwändigeren Abgasnachbehandlung – etwa die von Twintec – wohl beim Verbraucher hängen bleiben.

BNOx-SCR-System von Twintec
Twintec bietet Euro-6-Nachrüstungen für Dieselfahrzeuge an. © VW/Twintec
 

Wie funktioniert die Euro-6-Nachrüstung von Twintec?

Das BNOx-SCR-System von Twintec spritzt das AdBlue in einen separat verbauten, elektrischen Generator ein, der über den Turbolader mit Energie versorgt wird. Der Generator verdampft das AdBlue und leitet es dann in den Abgasstrang weiter. In einer chemischen Reaktion entsteht dabei neben CO2 vor allem Ammoniak und CO2, das mit den Stickoxiden reagiert. Beim üblichen SCR-Katalysator wird die Harnstofflösung AdBlue direkt in den Antriebsstrang eingespritzt. Da für den Betrieb des SCR-Kats allerdings Temperaturen von 220 Grad notwendig sind, funktioniert die übliche Abgasreinigung bei wenig Motorlast, in der Kaltstartphase oder im Kurzstreckenbetrieb nicht optimal.

News Blaue Plakette: Neue Umweltzonen
Blaue Plakette (Wann, Kosten, Wer): Das muss man wissen!  

VW-Chef fordert blaue Plakette

 

Welchen Vorteil bietet Twintec gegenüber SCR-Anlagen?

Die Lösung zur Euro-6-Nachrüstung von Twintec umgeht die Nachteile herkömmlicher SCR-Anlagen: Sie erzeugt bereits ab Abgastemperaturen von 150 Grad Ammoniak und hat zusätzlich einen Heizkatalysator verbaut, der bei zu niedrigen Temperaturen Energie zuführt. Daher kann die NOx-Reaktion laut Twintec schon bei deutlich niedrigeren Abgastemperaturen stattfinden. Das kommt den Straßenbedingungen entgegen, bei denen die Abgastemperaturen zum Teil deutlich niedriger sind als bei Prüfstandtests. Das ist insbesondere für die zukünftigen Abgasmessungen bei Neuwagen ab 2017 relevant, bei denen die Werte im Straßenverkehr erfahren werden müssen.

Ratgeber AdBlue Technik
Wozu brauchen Diesel AdBlue? Das ist zu beachten!  

So wird "Adblue" angewendet

 

Hätte eine Euro-6-Nachrüstung auch Nachteile?

Ohne Nachteile kommt auch die Euro-6-Nachrüstung mit dem Update für die SCR-Anlage nicht aus: Ein erster ADAC-Test eines auf Euro 6 nachgerüsteten VW Passat (1,6-Liter-TDI) hat einen Anstieg des Kraftstoffverbrauchs ergeben. Demnach ist der Diesel-Verbrauch etwa fünf Prozent höher als vor der Umrüstung. Die Lichtmaschine muss zusätzliche Energie bereitstellen, die das Nachrüstsystem zur Dosierung und Heizung benötigt. Allerdings ist der Rückgang des Schadstoffausstoßes immens: "Die Stickoxidwerte sinken um deutlich mehr als 90 Prozent", erklärt Thomas Burkhardt, ADAC-Vizepräsident für Technik. Der AdBlue-Verbrauch betrug beim getesten Prototypen circa zwei Liter auf 1000 Kilometer. Im ungünstigsten Falle steigt der Verbrauch auf drei Liter AdBlue je 1000 Kilometer. Die Kosten für den AdBlue-Einsatz belaufen sich dann auf etwa 20 Cent je 100 Kilometer.

News Schärfere CO2-Werte bis 2030
Verbot von Benzin- und Dieselautos (Update!)  

Grüne rücken von Verbrenner-Verbot ab

Tags:

Wirkaufendeinauto

So verkauft man Autos heute!

Copyright 2017 autozeitung.de. All rights reserved.