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VW Golf VI GTD: Dauertest

Sommerfrische im Golf GTD

Dem Werkstattpersonal nahezu unbekannt, auf dem Redaktionsparkplatz selten zu sehen, sammelte der Golf GTD seine Kilometer im Zeitraffer. Trotzdem nahm unser Dauertest ein vorzeitiges Ende.

Eckdaten
PS-kW170 PS (125 kW)
AntriebVorderrad, 6-Gang-Doppelkupplung
0-100 km/h7.70 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit220 km/h
Preis29.350,00 €

"Wo ist der GTD?" "Schon wieder weg!" "Mist!" Dialoge wie diese gehören für Fuhrparkleiter Sebastian Koch zum Alltag, denn der Wolfsburger Kompakte ist stets begehrt, wenn es darum geht, eilige Redakteure und Fotografen zu Terminen zu transportieren. Den Golf VI, das meistverkaufte Auto in Deutschland, auf seine Dauerhaltbarkeit zu überprüfen, gehört für Automobilzeitschriften zweifelsohne zur Chronistenpflicht. In Zeiten explodierender Kraftstoffpreise ist ein Dieselantrieb die Entscheidung der Vernunft. Doch auch ein bisschen Spaß muss sein, und so fällt unsere Wahl auf den VW Golf GTD – gleichsam der GTI unter den Dieseln. Das Studium des Datenblatts schürt die Vorfreude auf rasches Fortkommen mit seltenen Tankunterbrechungen: 2.0 TDI-Motor mit 170 PS und 350 Nm Maximaldrehmoment zwischen 1750 und 2500 /min sowie 220 km/h Höchstgeschwindigkeit lassen für unseren Dauertest Fahrspaßpotenzial vermuten. Ein EU-Normverbrauch von 5,4 Liter Diesel auf 100 Kilometern scheint das Ganze mit Spatzendurst zu kombinieren.

VW Golf GTD mit 170 PS im Dauertest


Am 6. Mai 2010 rollt schließlich ein viertüriger Golf GTD in "Shadow blue Metallic" auf den Redaktionsparkplatz, um sich unserem Dauertest zu stellen. Abgesehen von den 18-Zoll-Leichtmetallrädern tritt der Wolfsburger eher zurückhaltend auf. Dennoch hat er es in sich: Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe, Navigationssystem RNS 510, adaptive Fahrwerksregelung DCC oder Xenon-Schein-werfer mit Kurvenlicht sind nur einige der zahlreichen Extras, die den ohnehin nicht gerade bescheiden kalkulierten Einstiegstarif von 29.350 Euro am Ende auf einen Testwagen-Gesamtpreis von 38.459 Euro verdichten. Was zusätzlich entsprechend hohe Erwartungen für den Dauertest weckt. Es dauert nicht lange, bis sich die ersten Einträge im Dauertest-Buch finden. Michael Godde, stellvertretender Testchef, hebt beispielsweise die perfekte Ergonomie und das Platzangebot des Wolfsburgers hervor, vor allem im Fond. Ein besonders aussagekräftiges Urteil, denn der Mann misst über zwei Meter. "Mehr braucht kein Mensch", resümiert der Kollege schließlich. Wenig später schildert Jürgen Voigt, Geschäftsführender Redakteur, seine Eindrücke von einer Frankreich-Tour. Er lobt den kraftvollen und kultivierten Diesel und die sehr guten Sitze, die den Golf GTD zu einem angenehmen Reiseauto machen.

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Dazu tragen zweifelsohne auch die guten Fahrleistungen bei. Nur 7,7 Sekunden dauert es aus dem Stand, bis der VW die 100-km/h-Marke passiert. Die 220 km/h Höchstgeschwindigkeit werden ohne großen Anlauf erreicht. Auf der AUTO ZEITUNG-Verbrauchsrunde ermitteln wir einen Testverbrauch von 6,4 Litern. Über die gesamte Testdistanz sind es jedoch 7,5 Liter. Dies ist einerseits dem hohen Autobahnanteil geschuldet, andererseits dem vergleichsweise hohen Drehzahlniveau. Bei 200 km/h liegen fast 4000 /min an. Darüber hinaus arbeitet das Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe (Aufpreis: 1.900 Euro) aufgrund seiner beiden im Ölbad laufenden Kupplungen nicht so effizient wie eine konventionelle Schaltbox. Dies zeigen auch die EU-Norm-Verbräuche (Handschalter: 5,1 Liter Diesel auf 100 km, DSG-Version: 5,4 Liter). Dennoch signalisiert der Bordcomputer bei Geschwindigkeiten zwischen 130 und 140 km/h auf leeren Autobahnen nur 5,8 Liter Durchschnittsverbrauch. Genau richtig für einen ausgibigen Dauertest. Grundsätzlich überzeugt auch die Qualität der Kraftübertragung. Sanfte, aber blitzschnelle Schaltvorgänge machen den Umgang mit der Box zum Vergnügen. Der Automatikmodus bedeutet vor allem im Stop-and-go-Verkehr einen deutlichen Komfort-Gewinn. Ein Schönheitsfehler: Unter Teillast oder zum Beispiel beim Heranrollen an eine Ampel werden die automatisch vorgenommenen Gangwechsel von gelegentlichem Rucken begleitet. Inzwischen hat VW die Steuerungssoftware überarbeitet. Freunde in der Redaktion macht sich der Golf mit seinem knackigen, aufpreispflichtigen "DCC"- Fahrwerk (945 Euro), das zum Kurvenräubern wie geschaffen ist.

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Mit den Einstellungen "Normal", "Comfort" und "Sport" lassen sich die Dämpferkennlinien per Tastendruck an den jeweiligen Bedarf anpassen. Insgesamt gelingt dem Fahrwerk der Spagat zwischen Dynamik und Komfort recht gut. Das Ansprechverhalten könnte dagegen im Komfort-Modus noch etwas sensibler ausfallen. Doch werden GTD-Fahrer weiterhin damit leben müssen. Und wir im Dauertest auch. Darüber hinaus verhilft die serienmäßige Differenzialsperre XDS dem Golf zu einer für drehmomentstarke Fronttriebler ausgezeichneten Traktion. Freuen können sich die Fans des Ölbrenners über den geringen Motorölkonsum. Nur einmal bei Kilometerstand 22.369 muss Fotochef Willy Bister einen Liter VW-Longlife-Öl der Viskositätsklasse 5W30 nachfüllen. Inzwischen ist es Herbst geworden, und die Quecksilbersäule wandert Richtung Nullpunkt. Höchste Zeit also, für unseren Dauertest Winterreifen umzurüsten. So erhält der VW Golf GTD bei Kilometerstand 28.727 einen Satz Winterräder vom Typ Dunlop Winter Sport 3D in der Dimension 225/45 R 17 V auf formschönen, sieben Zoll breiten Original-VW-Felgen, die als Satz allerdings mit happigen 2.075 Euro zu Buche schlagen und in der Betriebskostenberechnung den Kilometerpreis nach oben treiben. Die Umrüstung selbst kostet bescheidene 22,85 Euro. Der Fairness halber sei darauf hingewiesen, dass wer sparen möchte, aktuell den Golf GTD auch mit Stahlrädern der Dimension 6 x 16 und Reifen im Format 205/55 R 16 V für deutlich günstigere 615 Euro ordern kann.

Auf Winterschuhen durch den Dauertest

Mit "Winterschuhen" bestückt, geht der vielseitige Wolfsburger nun wieder auf Langstreckentouren. Besonders bei Fahrten durch Schmuddelwetter und Dunkelheit erweist sich das bei Testbeginn 1.295 Euro teure Bi-Xenon-Kurvenlicht als sinnvolle Investition, denn die helle und gleichmäßige Fahrbahnausleuchtung ist ein echter Sicherheitsgewinn. Bei Tag allerdings leuchten die hellen Scheinwerfer als Dauerfahrlicht. Das dient zwar einerseits der Verkehrssicherheit, wird aber andererseits von vielen entgegenkommenden Verkehrsteilnehmern als zu hell empfunden. VW hat hier Abhilfe geschaffen und liefert den GTD bei Bestellung mit Bi-Xenon-Scheinwerfern seit Kalenderwoche 45 des Jahres 2010 mit LED-Tagfahrleuchten aus. Apropos gutes Sehen: Bei Regenwetter kritisierte Art Director Andreas Schulz, dass sich der Regensensor zu viel Zeit lässt, die Scheibenwischer zur Arbeit zu animieren. Bei Kilometerstand 29.723, unterwegs mit Technik-Redakteur Holger Ippen, signalisiert der Dauertest-Kandidat einen zu niedrigen Kühlmittelstand. Einmalig werden daher 0,5 Liter aufgefüllt, den Flüssigkeitspegel behalten wir anschließend penibel im Auge. Eine Sichtprüfung auf Undichtigkeiten bleibt aber ohne Befund – und der Kühlmittelstand fortan im grünen Bereich. Auch eine Überprüfung im Rahmen des Intervallservice bei Kilometerstand 34.642 km, zu der die Multifunktionsanzeige mahnt, fördert keine Auffälligkeiten zu Tage. Von der Rechnung in Höhe von 332,82 Euro entfallen allein 113 Euro auf das teure vollsynthetische Öl.

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Bei der Gelegenheit werden auch die Wischblätter und zwei Glühbirnen (Standlicht, Kennzeichen) ersetzt. Bemerkenswert: Trotz des häufigen Autobahneinsatzes während des Dauertests müssen weder Bremsbeläge noch Scheiben getauscht werden. Verbesserungsfähig: Zwar zeigt die Multifunktionsanzeige auf Wunsch die Öltemperatur an, den genauen Ölstand aber nicht. Danach gefragt, erklärt Volkswagen, dass man den Fahrer nicht mit Informationen "überhäufen" möchte. Dass die Ölstandsanzeige auch ohne "Informationsüberhäufung" funktioniert, ist bei anderen Herstellern allerdings durchaus festzustellen. Unabhängig davon verlaufen die folgenden Kilometer unseres Dauertests absolut problemlos. Bei Tachostand 48.742 erfolgt lediglich die Rückrüstung auf Sommerreifen. Es hätten sicherlich noch weitere störungsfreie Kilometer dazu kommen können. Doch bei Kilometerstand 54.127 übt der am Straßenrand parkende Dauertester offenbar eine geradezu magische Anziehungskraft auf einen mit hoher Geschwindigkeit vorbeifahrenden Pkw aus, der ihn prompt rammt. Dabei werden die Fahrertür, der Schweller und der linke Vorderwagen erheblich beschädigt, was laut Gutachten über 7.400 Euro Reparaturkosten bedeutet. Erneuert werden müssen im Rahmen der Instandsetzung auch diverse Fahrwerksteile. Eine Fortsetzung des Dauertests bis zur 100.000-km-Marke ist damit nicht mehr gegeben, da das Endergebnis verfälscht wäre. So bleibt der Golf GTD bis dahin als solides, problemloses, aber auch teures Auto in Erinnerung. Allein der Wertverlust schlägt laut DAT bei dem üppig ausgestatteten VW während der Testdauer mit über 18.000 Euro ins Kontor. Neulich in der Redaktion: "Wo ist denn der Golf GTD?" "Hatte einen Unfall, ist weg – endgültig." "Schade!"

Historie Golf VI (3-/5-Türer)
08/2008: Einführung, 2- u. 4-Türer, Motoren 1,4 bis 2,0 Liter (80 bis 160 PS)
02/2009: Golf GTI (2.0 TFSI, 211 PS)
03/2009: Golf BiFuel (1.6, 75 kW/ 102 PS), Golf 1.6 TDI (66 kW/90 PS)
04/2009: Golf GTD (2.0 TDI, 170 PS)
06/2009: Golf 1.6 TDI BlueMotion Technology (BMT)
11/2009: Golf R (2.0 TFSI, 270 PS), Golf TSI 1.2 (77 kW/105 PS, BMT)
06/2010: 2.0 TDI (103 kW/140 PS, BMT), 1.2 TSI (63 kW/85 PS) 06/2011 Golf GTI „Edition 35“ (2.0 TFSI, 23 5 PS)

DAS SAGT VW …
… ZUR STRAFFEN ABSTIMMUNG DES DCC-FAHRWERKS IM COMFORT-MODUS:
Das ist immer eine Frage der persönlichen Empfindung. Die heute in Serie verbaute Abstimmung scheint zu passen, da keine auffallenden Kundenbeschwerden aufgetaucht sind. Änderungen am DCC sind beim Golf VI nicht mehr geplant.

… ZUR RUCKELNEIGUNG DES DSG BEI NIEDRIGER ODER NULL-LAST:
Auch das DSG wird ständig weiterentwickelt und optimiert. Dazu gehört die Steuerungssoftware. Im speziellen Fall könnte im Rahmen einer Inspektion der Softwarestand des DSG überprüft werden und gegebenenfalls ein Update erfolgen.

… ZUR TRÄGEN REAKTION VON REGENSENSOR BZW. WISCHAUTOMATIK:

Dieses Verhalten ist in der technischen Entwicklung bekannt. Hintergrund ist die sehr unregelmäßige Verteilung der Tropfen auf der Scheibe. Gerade bei einsetzendem Regen wird der Sensor einfach sehr spät getroffen. Ziel der Entwicklung des Regensensorsystems war es, den bestmöglichen Kompromiss zwischen Bauraum, Design und regensensitiver Fläche zu finden. Beim Golf VII wird die regensensitive Fläche um zehn Prozent vergrößert.

… ZUR FEHLENDEN ÖLSTANDSANZEIGE PER DISPLAY:
Die Ölstands-Kontrolle im Display beschränkt sich lediglich auf den Hinweis "Gelb – zu niedrig, bitte Ölstand kontrollieren" und "Rot – zu niedrig, bitte sofort Motor abstellen." Eine allgemeine Anzeige im Display oder der Multifunktionsanzeige ist auch im künftigen Golf nicht vorgesehen, da man den Fahrer nicht mit Infos "überhäufen" will.

Fazit

Über die gezwungenermaßen verkürzte Dauertest-Distanz zeigte sich der VW Golf GTD als Alleskönner. Schnell, mit knackigem Fahrwerk, toller Verarbeitung und hohem Alltagsnutzen hat er sich bestens bewährt und blieb von außerplanmäßigen Werkstattaufenthalten verschont. Unterwegs ging er sparsam mit Öl und Reifengummi um. Der relativ hohe Verbrauch ist den Einsatzbedingungen geschuldet. Einzige Wermutstropfen: Anschaffungspreis und Unterhaltskosten.

Elmar Siepen

Inhaltsübersicht

Autos im Test

VW Golf GTD

PS/KW 170/125

0-100 km/h in 7.70s

Vorderrad, 6-Gang-Doppelkupplung

Spitze 220 km/h

Preis 29.350,00 €