BMW 3er (320d) Touring: Dauertest 100.000 Kilometer im 320d Kombi

von Marcel Kühler 29.11.2017
Inhalt
  1. BMW 3er: 100.000 Kilometer im 320d Kombi (F31)
  2. 3er Touring zeigt als Musterschüler
  3. Komfortabel und praktisch für Langstrecken
  4. EcoPro-Modus harmonischste Abstimmung
  5. Hohe Zuverlässigkeit des BMW 320D
  6. TECHNIK
  7. KOSTEN & REIFEN

Der BMW 320d Touring gehört zu dem beliebtesten deutschen Kombis. Wie ist es um die Langzeitqualitäten des Mittelklässlers bestellt? Die Antwort liefert unser 100.000 Kilometer-Dauertest

Der BMW 3er Touring gehört seit vielen Jahren zu den beliebtesten Mittelklasse-Kombis überhaupt. Die Gründe für seinen Markterfolg liegen auf der Hand: Kaum ein anderes Fahrzeug vereint die markentypische Freude am Fahren derart geschickt mit Nutzwert wie der dynamische 3er mit der großen Heckklappe. Dies gilt vor allem für die aktuelle Generation, die im Vergleich zu den Vorgängern einen spürbar größeren Innen-, erst recht aber einen üppigeren Gepäckraum bereitstellt. Galten die frühen Modelle noch als Lifestyle-orientierte Pseudokombis, können dem aktuellen BMW 3er Touring durchaus anspruchsvollere Transportaufgaben zugemutet werden. Schließlich entsprechen 495 bis 1500 Liter Ladevolumen dem klassenüblichen Standard.

Fakten zum BMW 3er (Video):

 
 

BMW 3er: 100.000 Kilometer im 320d Kombi (F31)

Und auch das relativ großzügig bemessene Interieur ist für längere Reisen mit vier erwachsenen Personen geeignet. Für ein standesgemäßes Fortkommen sorgen effiziente, durch die Bank aufgeladene Benzin- und Diesel-Aggregate mit einer Leistungsspanne von 116 bis 306 PS. Für den Langstreckentest haben wir den 184 PS starken Selbstzünder 320d gewählt – die hierzulande beliebteste Motorisierung. Unser individuell zusammengestellter, mit reichlich Extras bestückter Touring rollte im Februar 2014 auf den Redaktionsparkplatz. Zu den beinahe zahllosen enthaltenen Ausstattungsumfängen gehörten unter anderem ein Sportfahrwerk mit adaptiven Dämpfern (1100 Euro), das Achtstufen-Automatik-Getriebe mit Schaltpaddles am Lenkrad (2350 Euro), Sportsitze (550 Euro) mit elektrischer Einstellung (1100 Euro), Lederpolster (1820 Euro), Head-up-Display (980 Euro), Umgebungskameras (740 Euro), diverse Sicherheitsassistenten und auch das große Navigationssystem  mit Internetzugang (3100 Euro), das im Lauf des Tests noch für Aufsehen sorgen sollte. All diese und viele weitere Optionen erhöhten den ohnehin schon nicht gerade günstigen Grundpreis von 38.250 Euro drastisch – auf satte 64.860 Euro. Angesichts der gebotenen Komfort-Goodies war es wahrlich kein Wunder, dass sich der luxuriöse, in schickem Saphirschwarz Metallic lackierte 3er vom Start weg zu einem der begehrtesten Fortbewegungsmittel innerhalb des AUTO ZEITUNG-Teams entwickelte und den Dauertest in lediglich zwölf Monaten absolvierte. So lautete einer der ersten Einträge im Fahrtenbuch, verfasst von Verlagsleiter Roman Trunz: „Der Touring ist ein angenehmes Reiseauto. Der Federungskomfort und die bequeme Sitzposition überzeugen.“ Der Innenraum, der den harten Testalltag übrigens ohne sichtbare Verschleißerscheinungen überstand, glänzte durch seine tadellose Ergonomie und die intuituve Bedienung. Das iDrive genannte Bedienkonzept, das BMW über die Jahre immer weiter verfeinerte, ist vielen Konkurrenzsystemen mittlerweile deutlich überlegen. Ebenfalls bei einem familientauglichen Kombi nicht unwichtig: Die meisten Fahrer und Beifahrer empfanden das Platzangebot als absolut ausreichend. Selbst unser über zwei Meter großer Testchef Michael Godde hatte nichts an der Raumausnutzung auszusetzen: „Die weitreichende Sitzeinstellung und das ordentliche Platzangebot ermöglichen mir eine bequeme Sitzposition. Sogar hinten kann ich noch ordentlich sitzen.“

Vergleichstest BMW 3er Touring/BMW 2er Gran Tourer: Vergleichstest
BMW 2er Gran Tourer/3er Touring: Vergleichstest  

Mehr Raum im Van?

 

3er Touring zeigt als Musterschüler

Chef vom Dienst Philipp Kesternich entdeckte jedoch einen Schwachpunkt an der komfortablen und im Rückenbereich ausreichend konturierten Rückbank: „Die  Gurtschlösser der äußeren Fondsitze sind zu tief versenkt, sodass der Gurt mit einer Hand kaum geschlossen werden kann. Das ist äußerst unpraktisch – auch für die Verwendung von Isofix-Kindersitzen.“ Dagegen lobte Roman Trunz stellvertretend für alle Vieltelefonierer ausdrücklich die Smartphone-Anbindung des BMW: „Das Koppeln des Handys via Bluetooth klappt schnell und unkompliziert. Die Sprachqualität und auch die Qualität der kabellosen Musikwiedergabe ist sehr gut.“ Ebenfalls nicht mehr missen wollten wir das optionale Head-up-Display, das wesentliche Informationen wie die aktuelle Fahrgeschwindigkeit oder Richtungsanzeigen des Navigationssystems direkt ins Sichtfeld des Fahrers projiziert. Lediglich die ganz hochgewachsenen Mitglieder des AUTO-ZEITUNG-Teams monierten die etwas eingeschränkten Einstellmöglichkeiten der digitalen Windschutzscheiben-Anzeige. Auch bei unserem Fotografen-Team, das in der Regel mit viel sperrigem Gepäck auf Dienstreise geht, erfreute sich der 320d großer Beliebtheit.

 

Komfortabel und praktisch für Langstrecken

Das lag neben dem guten Langstreckenkomfort an der ausgeprägten Praktikabiliät des edlen Kombis. „Der Gepäckraum lässt sich dank der niedrigen Ladekante gut nutzen. So kann ich meine schwere Foto-Ausrüstung ohne große Verrenkungen verstauen“, notierte Chef-Fotografin Daniela Loof als Wortführerin für ihre kreativen Lichtbildner-Kollegen im Fahrtenbuch. Eine weitere praktische Spezialität des Touring: Die Heckscheibe lässt sich separat öffnen. „Das ist prima, um kurzerhand etwas Kleinkram in den Kofferraum zu legen oder eben herauszuholen“, bemerkte beispielsweise Testwagen-Disponentin Stephanie Lohskamp. Absolute Einigkeit herrschte innerhalb der Redaktion auch, was die Beurteilung des Fahrverhaltens angeht. Das einhellige Fazit: Dieser BMW macht einfach Spaß! Und das auf engen Landstraßen gleichermaßen wie auf langen Autobahnetappen. Test-Experte Alexander Lidl brachte es auf den Punkt: „Mir haben die präzise, rückmeldungsfreudige Lenkung und der kräftige, drehfreudige Diesel gut gefallen. In Kurven ist der Touring trotz des hohen Leergewichts so agil, wie man es von einem BMW erwartet. Wirklich exzellent ist auch das Automatik-Getriebe.

Test BMW M3 (F80)
BMW M3 (F80): Test (Update!)  

Der M3 kostet 71.500 Euro

 

EcoPro-Modus harmonischste Abstimmung

Es schaltet im EcoPro-Modus am harmonischsten, da es dann das üppige Drehmoment des Motors nutzt und nicht unnötig herunterschaltet.“ Ein weiterer Garant für Fahrspaß ist das ausgewogene Sportfahrwerk mit adaptiven Dämpfern, dass sich als sinnvolle Option entpuppt. Es überspielt im Comfort-Modus kompetent schlechte Straßen und zeigt selbst im Sportmodus keinen Hang zu übertriebener Härte. Die Fahrleistungen des 320d gaben naturgemäß ebenfalls keinerlei Anlass zum Nörgeln – im Gegenteil. In nur 7,6 Sekunden beschleunigt er laut Werksangabe aus dem Stand auf 100 km/h, ohne darüber hinaus wesentlich weniger druckvoll zur Sache zu gehen. Und dank einer Spitzengeschwindigkeit von 226 km/h gehört man jederzeit zu den schnelleren Verkehrsteilnehmern auf der Autobahn. Allerdings gab es auch einige kritische Anmerkungen: Die meisten betrafen das doch recht hohe Geräuschniveau im Inneren des Bajuwaren. Test-Redakteur Paul Englert: „Der 3er zeigt bei hohem Tempo ein überdurchschnittlich hohes Abrollgeräusch, gerade auf Winterreifen.“ Dem pflichtete Chefreporter Stefan Miete bei und ergänzte: „Ab etwa 150 km/h branden die Windgeräusche schon recht heftig um die Karosserie.“ Zudem störte sich der Neuheiten-Experte an einer elektronischen Sicherheitsvorkehrung: „Dass das Getriebe im D-Betrieb bei geöffneter Fahrertür umgehend und eigenständig in den Park-Modus wechselt, nervt mich. Schließlich kann es im Rangierbetrieb durchaus sinnvoll sein, die Tür einen Spalt zu öffnen – beispielsweise um seitliche Parkplatzmarkierungen sehen zu können.Nicht jeder verlässt sich gern nur auf den Monitor!“ Und auch der Vierzylinder-Turbodiesel, der über den gesamten Testzeitraum lediglich einen Liter Öl zwischen den Serviceintervallen benötigte, war nicht gänzlich frei von Kritik. Ungeteiltes Lob gab es zwar für die bullige Kraftentfaltung und den geringen Durst von durchschnittlich sieben Litern je 100 Kilometer. Aber die rustikale Klangkulisse gefiel nicht allen Fahrern. „Die Laufkultur des Triebwerks überzeugt mich nicht. Gerade bei niedrigen Geschwindigkeiten knurrt der BMW zu aufdringlich – egal ob kalt oder betriebswarm.

 

Hohe Zuverlässigkeit des BMW 320D

Das laute Nageln ist in der Stadt allzeit präsent. Immerhin ist der Turbodiesel sehr sparsam. Voll beladen kam ich auf einen Autbahnschnitt von rund 6,5 Litern bei zurückhaltender Fahrweise“, befand beispielsweise der stellvertretende Chefredakteur Klaus Uckrow. Als eher unangenehm wurde darüber hinaus mehrheitlich die Start-Stopp-Automatik bewertet: „Das System arbeitet ziemlich unsanft. Besonders beim Starten geht ein spürbarer Ruck durchs Auto. Deshalb habe ich es meistens direkt beim Losfahren ausgeschaltet“, hielt Alexander Lidl im Fahrtenbuch fest. Von derlei Kritik unbeeindruckt zog der Münchner Marathonläufer seine – zumeist eiligen – Bahnen. Bei rund 30.000 Kilometernfolgte der erste planmäßige Besuch in der Werkstatt. Die fällige Inspektion inklusive Ölwechsel schlug mit vergleichsweise günstigen 301,06 Euro zu Buche. Ohne Zwischenfälle ging es weiter bis zum nächsten Boxenstopp bei Kilometerstand 55.241, in dessen Rahmen neben dem Motorschmierstoff auch sämtliche Filter gewechselt wurden. Kostenpunkt: 610,47 Euro. Der letzte und mit 1185,48 Euro gleichzeitig kostspieligste Service, der zusätzlich zum vorgegebenen Ölwechsel vier neue Bremsbeläge und vorn neue Bremsscheiben umfasste, erfolgte nach 79.315 Kilometern. Von der Zuverlässigkeit her behielt unser Touring seine blütenweiße Weste also bis zum Schluss. Lediglich zwei unplanmäßige, gänzlich unverschuldete Werkstattaufenthalte hatten wir zu verzeichnen. Zuerst mussten wir nach einem Steinschlag die Windschutzscheibe erneuern lassen. Der zweite Zwangsstopp hatte einen noch unangenehmeren Hintergrund: Kriminelle brachen eines Nachts unseren Dauertestwagen auf und stahlen das gesamte Infotainment-Modul samt Bildschirm. Dass das Navigations- und Entertainmentsystem vom Typ Professional zum Besten gehört, was man derzeit auf dem Markt kaufen kann, hat sich wohl leider auch bei Autoknackern herumgesprochen.

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Das kostet der aufgefrischte 4er (Preis)

 

TECHNIK

 
 BMW 320D TOURING
Motor4-Zylinder, 4-Ventiler, Turbodiesel
Hubraum1995 cm³
Leistung
bei
135 kW / 184 PS
4000 /min
Max. Drehmoment
bei
380 Nm
1750 - 2750 /min
Getriebe8-Stufen-Automatik (opt.)
AntriebHinterradantrieb
Fahrwerkvorn: McPherson-Federbeine, Querlenker, Zugstreben, Stabi., hinten: Mehrfachlenkerachse, Federn, Stabi., rundum: adaptive Dämpfer (opt.); DSC (ESP)
Bremsenrundum innenbelüftete Scheiben; ABS, Bremsassistent
Bereifungrundum: 225/50 R 17, Bridgestone Potenza S001
Felgenrundum: 7,5 x 17
L / B / H4624 / 1811 / 1429 mm
Radstand2810 mm
Leergewicht / Zuladung²1633 / 417 kg
Kofferraumvol.495 – 1500 Liter
  
FAHRLEISTUNG /
VERBRAUCH
 
0-100 km/h17,6 s
Höchstgeschwindigkeit¹226 km/h
EU-Verbrauch¹4,6 l D / 100 km
CO2-Ausstoß122 g/km
AbgasnormEuro 6
AZ-Normrunde²6,3 l D / 100 km
Dauertest-Verbrauch²7,0 l D / 100 km

¹ Werksangaben; ² Messwert


 

KOSTEN & REIFEN

 
Neupreis Testwagen164.860 Euro
Schätzpreis nach 100.000 km26.150 Euro
Neuwagenpreis heute65.060 Euro
 FIXKOSTEN PRO JAHR
Steuer244 Euro
Haftpflichtversicherung (HP 16)401 Euro
Vollkasko (VK 24)920 Euro
Teilkasko (TK 25)293 Euro
 TESTBETRIEBSKOSTEN
Kraftstoff: 6807,91 Liter Diesel
Durchschnittspreis: 1,41 Euro / Liter
9599,15 Euro
Ölverbrauch: 1,0 Liter
(ca. 15,49 Euro / Liter)
15,49 Euro
Wartung, Ölservice,
Verschleißteile, Reifen
2698,97 Euro
Reparaturen0 Euro
Wertverlust38.710 Euro
Kosten pro km ohne Wertverlust0,14 Euro
Kosten pro km mit Wertverlust0,54 Euro

¹ Werksangabe Februar 2014

von Marcel Kühler von Marcel Kühler
Unser Fazit

Der BMW 320d Touring ist zu Recht einer der beliebtesten Mittelklasse-Kombis überhaupt. Schließlich verkörpert er mit seinem sportlichen Handling und dem kraftvollen wie sparsamen Motor Freude am Fahren in Reinkultur. Im Dauertest überzeugte der Bajuware zudem mit seinen Langzeitqualitäten. Defekte? Fehlanzeige! Deshalb führt er nun – gemeinsam mit dem VW Passat Variant – unsere Dauertest-Bestenliste an. Allerdings hat der flotte BMW seinen Preis: Die 38.250 Euro teure Basis ist nicht eben üppig ausgestattet. Und für die vielen zur Verfügung stehenden Extras langt der Hersteller traditionell ordentlich hin – wie der Gesamtpreis unseres Testwagens zeigt.

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