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Nissan Qashqai 2.0 dCi 4X4 im 100.000-km-Dauertest

Nissan Qashqai 2.0 dCi 4X4

Als Crossover ist der Nissan Qashqai vielfach einsetzbar. Doch wie schlug er sich im 100.000-Kilometer-Test?

Eckdaten
PS-kW150 PS (110 kW)
AntriebAllradantrieb, permanent, 6 Gang manuell
0-100 km/h10.90 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit190 km/h
Preis32.590,00 €
Ein Langzeittest ist für jedes Auto die ultimative Härteprüfung. Das gilt auch für den Nissan Qashqai. Gute 100.000 Kilometer quer durch Europa, auf Autobahnen, Landstraßen und vereinzelt auch über Holperstrecken, die jede Schraube im Auto erzittern lassen, sind für sich gesehen schon eine große Herausforderung.

Dazu kommen aber noch die verschiedenen Wetterbedingungen mit fast 40 Grad in Südspanien bis hin zu weit unter null Grad bei geschlossener Schneedecke im winterlichen Schwarzwald. Dies alles mit vielen verschiedenen Fahrern, die ihre Eindrücke akribisch genau im Fahrtenbuch vermerken. Kein Wunder also, dass der Qashqai nach dieser Tortour am Ende nicht nur Glanzpunkte setzte, sondern auch einige Schattenseiten zeigte.

Nichts zu mäkeln gibt es grundsätzlich an der Ausstattung des Nissan. Mit Allradantrieb und in der Modellvariante Tekna, schrumpft die Liste der noch verfügbaren Extras auf nur drei Positionen: Neben der Metalliclackierung für 450 Euro und dem Executive-Paket inklusive DVD-Navigationssystem und Rückfahrkamera, bei unserem Testwagen beides an Bord, gibt es lediglich noch ein Sechsgang-Automatikgetriebe für 1300 Euro, auf das wir aber verzichtet haben.

HAKELIGES GETRIEBE
Keine gute Entscheidung, wie sich nach 100.000 Kilometern herausstellte. Zu Beginn des Dauertests gingen die Gangwechsel noch leise und ohne großen Kraftaufwand von der Hand. Nach gut 60.000 Kilometern häuften sich jedoch die Einträge im Fahrtenbuch, dass sich die Gänge zunehmend hakeliger wechseln lassen.

Zum Ende des Tests musste man die Gänge mit Nachdruck einfordern und erhielt die Bestätigung durch ein unangenehmes Knacken, das quasi meldete, dass der nächste Gang eingelegt wurde. Hier wäre das Automatikgetriebe wohl doch die bessere Alternative gewesen. Keinerlei Verschleißerscheinungen zeigte dagegen der Zweiliter-Diesel. Im Gegenteil: Von Testanfang bis -ende fanden sich positive Bemerkungen bezüglich der Leistung des 150 PS starken Aggregates im Fahrtenbuch.

Auf der Autobahn rennt der Nissan locker über 200 km/h, mit etwas Anlauf stehen sogar 220 km/h auf dem Tacho. Mehr als ausreichend für ein kompaktes SUV. Überraschend hoch war allerdings unser Durchschnittsverbrauch über die komplette Distanz. Mit 9,2 Liter Diesel pro 100 Kilometer lag der Nissan satte 2,3 Liter über der Werksangabe. Selbst wenn man gelegentliche Vollgasetappen über deutsche Autobahnen berücksichtigt, war dieser Mehrverbrauch auffallend hoch.

Mit verantwortlich dafür ist wohl auch der automatisch zuschaltende Allradantrieb, der zwar immer für gute Traktion sorgt, aber auch ein Schlückchen mehr an Kraftstoff verlangt. Hinzu kommt die relativ geringe Reichweite. Obwohl der Tank 65 Liter fassen soll, waren in den Protokollen selten Tankfüllungen über 55 Liter zu finden. Das könnte daran liegen, dass sich der Qashqai nur mühsam bis zum letzten Tropfen betanken lässt – oder dass die fallende Tanknadel schnell mehr Schrecken verbreitet als eigentlich notwendig wäre. So jedenfalls waren Reichweiten von nur maximal 600 km verzeichnet – für einen Diesel nicht gerade ein Top-Wert.

Unbefriedigend ist auch die Leistung der Heizung und der Sitzheizung, die den Rücken und seine Verlängerung nur sehr mäßig temperiert. Im Winter braucht die Heizung mindestens zehn Minuten, bis sich die Luft im Innenraum langsam erwärmt. Selbst dann dauert es noch einmal sehr lange, bis die Klimaautomatik für die gewünschte Temperatur gesorgt hat. Also am besten die Heizung sofort auf 28 Grad einstellen, und wenn es einigermaßen wohlig wird, die Temperatur langsam herunterdrehen. Mit Klimaautomatik hat das allerdings nur noch wenig zu tun.

Genauso schlecht funktioniert das Keyless Go-System. Den Schlüssel einfach in der Hosentasche lassen, ist praktisch und auch Sinn der Sache. Um das Auto zu öffnen, muss man dann den kleinen gummierten Taster am Griff drücken – auch das noch kein Problem. Für das Anlassen des Motors aber muss der Fahrer einen Drehschalter an der Lenksäule betätigen, wo normalerweise das Zündschloss sitzt, und das ist nicht mehr zeitgemäß. Da gibt es elegantere, komfortablere Lösungen mittels Startertaste. Noch umständlicher gestaltet sich das Verlassen des Wagens.

Zum Abstellen des Motors den „Zünddrehschalter“ eine Position zurückdrehen, anschließend die Taste hinter dem Drehschalter betätigen, den Drehschalter noch um eine weitere Position herumdrehen und dann erst aus dem Wagen steigen. Zum Verriegeln wieder den Knopf im Türgriff drücken. Befolgt man diese Vorgehensweise nicht genau, wird man auf das eigene Fehlverhalten mit einem nervigen Piepston hingewiesen.

Das klingt alles sehr umständlich und nervig – und ist es auch. Im Alltag fehlen zudem größere Ablagemöglichkeiten im gesamten Innenraum. Unverständlich ist ebenfalls die nicht weit genug öffnende Heckklappe. Crossover-Modelle haben generell eine relativ hohe Ladekante. Umso wichtiger wäre es, wenn man nahe genug an den Kofferraum herankäme, um ihn zu beladen. Mit maximal 1,77 Meter Stehhöhe können das aber die wenigsten, ohne sich den Kopf zu stoßen.

Das Konzept des Qashqai, eine Kombination aus Schräghecklimousine und SUV, hat aber auch seine starken Seiten. Dazu gehört die hohe Sitzposition, die einen guten Überblick über den Verkehr zulässt sowie das Ein- und Aussteigen komfortabler gestaltet. Sehr nützlich ist zudem die Rückfahrkamera, da das Heck des Nissan wegen der breiten C-Säulen nur schwer einzusehen ist. Obwohl die Kopffreiheit nicht üppig ist, entsteht durch das riesige Panoramaglasdach ein luftiges Raumgefühl. Pluspunkte sammeln auch die großen Rückspiegel, die einen guten Blick nach hinten bieten.

Die komplette Ausstattung mit Rückfahrkamera, Panoramaglasdach und Lederausstattung hat natürlich ihren Preis. In diesem Fall sind es über 32.500 Euro – nicht gerade wenig für ein Auto dieser Fahrzeugklasse. Enttäuschend ist dabei die Materialqualität im Innenraum, die die hohen Erwartungen an ein Auto in diesen Preisregionen nicht ganz erfüllen kann. Die Ledersitze, die Kunststoffe im Armaturenbrett und vor allem der Teppich im Kofferraum hinterlassen keinen sehr hochwertigen Eindruck.

Und nun zum wichtigen Thema Verschleiß. Die ersten Bremsbeläge und Scheiben waren bereits nach knapp 40.000 Kilometern fällig. Nicht die Abnutzung, sondern ein starkes Bremsenrubbeln wegen einer Unwucht in den Bremsscheiben machte diesen Wechsel nötig. Ansonsten nervten diverse Kleinigkeiten – wie zum Beispiel im Winter das zähe Anspringen des Motors.

Des Öfteren musste man hier etwas Geduld aufbringen, bis der Diesel einigermaßen rundlief. Ein weiterer Makel, der zwar immer wieder schnell von verschiedenen Werkstätten behoben wurde, aber insgesamt viermal auftrat, war das lose Hitzeblech am Auspuff. Zweimal befestigte die Werkstatt das Teil behelfsmäßig, damit eine zügige Weiterfahrt gewährleistet werden konnte, zweimal wurde ein neues Teil auf Garantie eingebaut.

HOHE UNTERHALTSKOSTEN
Qashqai fahren ist generell nicht preiswert. Erst recht nicht, wenn das Auto wie bei einem Dauertest viele Kilometer in kurzer Zeit abspult. Schuld daran haben die kurzen Inspektionsintervalle. Alle 20.000 Kilometer muss der Nissan zur routinemäßigen Durchsicht und zum obligatorischen Ölwechsel in die Werkstatt. Dabei schlägt eine normale Inspektion mit durchschnittlich etwa 500 Euro ein beträchtliches Loch in die Haushaltskasse. Allein für das Öl standen jedesmal fast 180 Euro auf der Rechnung. Bei insgesamt fünf Inspektionen kamen so rund 2500 Euro zusammen.

Hinzu addierten sich noch die Kosten für je einen Satz Sommer- und Winterreifen sowie die zweimal erneuerten Bremsbeläge und -scheiben vorn. Dieser Verschleiß ist zwar nicht ungewöhnlich, erhöht jedoch die Wartungskosten auf fast 4700 Euro. Zusammen mit den Kraftstoffaufwendungen für 9150 Liter Diesel ergaben sich so bei unserem Testwagen, ohne den Wertverlust zu berücksichtigen, Kosten in Höhe von 0,148 Euro pro Kilometer. Kurz nach dem Zieleinlauf machten sich auch noch die Stoßdämpfer mit nachlassender Wirkung bemerkbar. Hier wären in nächster Zeit wohl neue Dämpfer nötig.


DAS SAGT NISSAN ...

… ZU DEM IMMER WIEDER GELÖSTEN HITZEBLECH:
Uns liegen bisher keine Erkenntnisse vor, dass sich die Hitzebleche immer wieder lösen. Wir werden dies dennoch an die Produktverantwortlichen von Nissan weiterleiten.
… ZU DER HAKELIGEN SCHALTUNG:
Bis dato haben wir keine Beanstandungen zu diesem Thema bekommen.
… ZU DER SCHWACHEN HEIZLEISTUNG, BESONDERS IM AUTOMATIKMODUS:
Hier muss im Einzelfall genau überprüft werden. Generell sind uns keine Probleme bekannt. Im Beanstandungsfall sollten die Justierung der Heizungsklappen und die Einstellung der Grundtemperatur getestet werden.
… ZU DEN KURZEN WARTUNGSINTERVALLEN:
Intervalle von 20 000 Kilometern erachten wir bei Fahrzeugen mit Dieselpartikelfi lter-Regenerierungen für angebracht. Wir bewegen uns hier außerdem im Umfeld der Mitbewerber.

Fazit

Mit der erhöhten Sitzposition, dem Allradantrieb und dem guten Langstreckenkomfort geht das Konzept des Nissan Qashqai als Crossover- Modell voll auf. Der Japaner ist ein Auto für fast alle Fälle. Aber: kein Licht ohne Schatten. Die 100.000 Kilometer sind nicht spurlos an ihm vorübergegangen. Besonders die Schaltung wurde mit der Zeit immer knochiger. Und Mängel wie die schwache Heizung und das lose Hitzeblech begleiteten den Qashqai über die gesamte Testdistanz. Auch in puncto Unterhaltskosten überzeugt er nicht: Ein relativ hoher Verbrauch, kurze Inspektionsintervalle und ein saftiger Preis für ein – zugegeben gut ausgestattetes – Crossover belasten die Haushaltskasse.

Guido Stüsser

Inhaltsübersicht

Autos im Test

Nissan Qashqai 2.0 dCi 4X4

PS/KW 150/110

0-100 km/h in 10.90s

Allradantrieb, permanent, 6 Gang manuell

Spitze 190 km/h

Preis 32.590,00 €