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Fiat Panda 1.2 im Dauertest

Bärenstarker Fiat Panda

100.000 Kilometer oder zweieinhalb Erdumrundungen: Diese Marathon-Distanz bestand der zierliche Fiat Panda 1.2 8V im AUTO ZEITUNG-Dauertest mit Bravour – trotz bescheidener 60 PS

Eckdaten
PS-kW60 PS (44 kW)
AntriebFrontantrieb, 5 Gang manuell
0-100 km/h15.40 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit155 km/h
Preis12.040,00 €

Köln im Herbst 2004: Von der Redaktion mit Skepsis beäugt, startet der Fiat Panda aus Italien zum 100000 Kilometer langen AUTO ZEITUNG-Dauertest. Denn bis dato war seine Familie aus Turin selten durch besonders haltbare und solide Produkte aufgefallen. Hinzu kam, dass ein Dauertest keine leichte Übung ist und schon so einige Kandidaten auf der langen Strecke gescheitert waren.

Der Fiat Panda gefällt auf den ersten Blick mit seinem erwachsenes Aussehen, das nichts mehr mit dem der ersten Generation aus den 80er-Jahren gemein hat. Mit seiner kantigen Karosserie und ohne verspielte Rundungen will der Nachkomme aus dem neuen Jahrtausend Kleinwagen-Freunde ansprechen, die Wert auf kompakte Außenmaße legen, dabei aber nicht unter Platzmangel leiden wollen. Innen viel Raum, außen kompakt – das macht den kleinen Italiener zu einem stadttauglichen Begleiter, den man vollpacken kann und der auch in kleine Parklücken passt.

Fiat Panda im Re(d)aktionstest

Deswegen war er in der Redaktion besonders gefragt, wenn es in die Innenstadt ging. Die erhöhte Sitzposition, die gute Rundumsicht und die knappen Außenmaße erleichtern den alltäglichen Umgang. Ideal für Fahranfänger, bemerkte ein Kollege im Fahrtenbuch, denn nicht nur die Berganfahrhilfe, die genügend Zeit lässt, um mit dem rechten Fuß vom Brems- auf das Gaspedal zu wechseln, erweist sich als besonders hilfreich. Auch die zweistufige Lenkunterstützung mit City-Modus, mit der mehrmaliges Kurbeln am Lenkrad kein Problem mehr ist, fiel uns positiv auf. Aktiviert man den elektronischen Helfer, leuchtet das Lämpchen CITY im Display auf und man kann das Volant allein mit der Kraft des kleinen Fingers von Anschlag zu Anschlag drehen.

» Zum Fiat Panda Dauertest-Video

Aber nicht nur beim Rangieren gibt sich der Panda keine Blöße. Mit 60 Pferdestärken unter der Haube und einer guten Gasannahme kommt er an Ampeln immer gut in die Gänge. Zwar muss der Fahrer den Motor immer hochdrehen, wenn Eile angesagt ist. Um im Verkehr mitzuschwimmen, reicht es aber aus, schaltfaul dahinzugleiten. Überhaupt machte der vernünftige Motor im Test eine gute Figur. Im Schnitt genehmigte er sich über die gesamte Distanz nur 6,6 Liter Super auf 100 Kilometern und zeigte auch sonst keine Schwächen. Berücksichtigt man den harten Einsatz im Redaktionsalltag, ist diese Leistung hervorragend und wurde im Vorfeld so nicht erwartetet. Einen weiteren Punkt auf unserer Das-ist-gut-Liste markiert das knackig und präzise zu schaltende Fünfganggetriebe, dessen Schaltknauf – zum Greifen nahe – mittig und weit oben in die Mittelkonsole eingelassen ist.

Verlässt der kleine Bär aber das Stadtrevier, zeigt er ein paar Schwächen. Zwar macht er eine gute Figur beim Federungskomfort auf ruppigen Landstraßen mit geflicktem Asphalt, aber flotte Kurvenfahrten gehören nicht zu den Stärken des kleinen Italieners. Die Lenkung ist gefühllos, und das Fahrwerk reagiert relativ schwammig. Zudem neigt sich der Panda in schnell gefahrenen Kurven stark zur Seite und schaukelt leicht auf. Die 500 Euro Aufpreis für das elektronische Stabilitätsprogramm ESP lohnen sich also – so kann der Fiat nicht so aus der Spur tanzen. Auch auf der Autobahn hat man manchmal etwas Mühe, den Italiener im Zaum zu halten. Wie eine verspielte Katze der Maus, folgt der Fiat jeder Spurrille und reagiert wegen seiner hohen Statur anfällig auf Windböen. Mit ein bisschen Gefühl kann man ihn jedoch stets in der Spur halten.

Recht gut kommt der Fiat Panda beim Kapitel Innenraum weg. Passagiere auf der Rückbank haben ordentlich Kopf- und Beinfreiheit. Durch die etwas zu breit geratene Mittelkonsole zwischen den Sitzen ist der Fußraum für die vorderen Plätze allerdings etwas eingeschränkt. Besonders Fahrer mit einer Körpergröße von über 1,85 Metern stoßen an die Grenzen der Karosserie. Die entdeckt man auch bei der Beladung des Kofferraums. Zunächst einmal nervt die filzbezogene Kofferraumabdeckung, die sich schon nach kurzer Dauertest-Zeit nicht mehr in ihrer Verankerung hielt. Außerdem fehlt eine Verbindung mit der Heckklappe. Zwei einfache Bändel würden ausreichen, um beim Öffnen des Kofferraums auch die Abdeckung mit anzuheben – zwecks einfacher Be-ladung. Und die ist ohnehin nicht so leicht. Bei einem Wocheneinkauf für eine vierköpfige Familie zum Beispiel muss man sorgfältig stapeln. Will man Getränkekästen in den Panda laden, hilft jedoch die verschiebbare Version der geteilten Rückbank (250 Euro Aufpreis). Dank ihr kann man den Stauraum von mickrigen 176 erst auf 235 Liter Volumen (durch Verschieben der Bank), bei Bedarf sogar auf akzeptable 786 Liter (durch Umklappen) erweitern. Wenn nötig, ist dann sogar der Einkauf im Möbelhaus möglich.

Dass der Kofferraum gern genutzt wurde, zeigte der Defekt des Heckklappengriffs, der bei der 60000er-Inspektion für 86 Euro erneuert wurde. Was dem Panda in seinem praktischen Innenraum fehlt, sind zusätzliche Ablagen in Türen, Mittelkonsole und Armaturenbrett. Zum Beispiel vermissten mehrere Kollegen eine Aussparung für eine Einliter-Flasche. Der Fiat bietet nur drei Becherhalter.

Beim Thema Sitzkomfort hat der Spaß im Norditaliener ein Ende. Vor allem die vorderen Sitze lassen auf langer Strecke zu wünschen übrig. Unmissverständlich gab ein Redakteur zu Protokoll: Die Bestuhlung für den Fahrer ist katastrophal. Tatsächlich erhielt die dürftige Polsterung der Sitze von Fahrer und Beifahrer von fast allen Redaktionsmitarbeitern Minuspunkte. Der eine wies auf den fehlenden Seitenhalt hin, der andere auf den harten Sitzunterbau, der bei aufrechter Sitzposition in Steiß und Rücken drückt. Fiat hat hier bereits nachgebessert. Kritik musste der Panda für die hellen Sitzbezüge hinnehmen, die schnell verschmutzen. Auch die Reinigung der Stoffbezüge ist äußerst schwer. Billig und lieblos wirken zudem die grauen Plastikverkleidungen im Cockpit und an den Türen.

In den großen, grauen Kunststoffwulst unter der Windschutzscheibe ist die Kommandozentrale eingelassen. Die Bedienung ist auf Anhieb einfach, lautete eine Eintragung im Bordbuch. Stimmt: Knöpfe und Schalter sind klar verständlich gekennzeichnet und gut zu bedienen. Nur das CD-Radio bereitete dem einen oder anderen Tester Kopfzerbrechen. Beim Start sprang es immer wieder auf eine vorgegebene Lautstärke, die zu leise zum Hören, aber zu laut zum Überhören war. Ein Redakteur notierte im Fahrtenbuch: Das Radio wechselt in den CD-Modus, ohne dass man etwas macht oder überhaupt eine CD eingelegt ist.

Die Lüftung arbeitete im Testbetrieb mäßig, und bei zügiger Fahrt störten uns nervige Pfeifgeräusche aus den Lüftungsdüsen. Im Winter konnte die schwache Heizung nur mit Mühe den Innenraum gleichmäßig mit warmer Luft versorgen. Vor allem an den Außenseiten war es oft kühl. Aber kühlen, das kann der Panda. Die in der Ausstattungslinie Emotion (11750 Euro) serienmäßige Klimaautomatik funktionierte über den 100000-Kilometer-Marathon einwandfrei und machte manche Urlaubsfahrt zur entspannten Tour.

Als weiteren Schwachpunkt notierten wir das Abblendlicht. Ging es über längere Etappen durch die Nacht, war man oft in Versuchung, das Fernlicht einzuschalten, so schwach strahlte es. Auf unbeleuchteten Straßen musste man gar das Tempo drosseln, um für eine Notbremsung gewappnet zu sein.

Stehen bleiben will unser Panda aber anscheinend noch lange nicht. Bis heute läuft er wie am ersten Tag – Gratulation nach Turin. Genau deswegen ist er interessant für Familien, die ein günstiges, praktisches und langlebiges Zweitauto haben wollen. Nur ein Mal kam es zum Zwangsstopp: Ein Transponderdefekt im Schlüssel verhinderte das Entriegeln der Wegfahrsperre. Abschleppdienst und Reparatur auf Garantie – schon ging es weiter.

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Fazit

Dass der Fiat Panda ein pfiffig gemachter, praktischer Kleinwagen ist, wussten wir bereits – und dies hat sich einmal mehr im Dauertest bestätigt. Dass er überdies auch noch über eine Distanz von 100000 Kilometern ausgesprochen zuverlässig und fast ohne Probleme seinen Dienst verrichtete, war so nicht zu erwarten. Schließlich eilte bisher den Produkten der Marke Fiat nicht unbedingt der Ruf untadeliger Verlässlichkeit voraus. Was den Panda betrifft, hat sich Fiat hier voll rehabilitiert. Von der hohen Alltagstauglichkeit, der Wendigkeit, der leichten Bedienbarkeit und der Sparsamkeit des kleinen Italo-Polen (Produktion in Tychy) kann man sorglos profitieren – ohne Angst vor außergewöhnlichen Pannen und Reparaturen.

Dennoch gab es für den Fiat Panda über die Dauertest-Distanz auch Kritik. Diese betrifft vor allem die Interieurqualität und den Sitzkomfort. Hier wurde zwar im Zuge der Modellpflege nachgebessert, grundsätzlich ist der Panda jedoch ein Auto, dass sich vorwiegend für den Stadtverkehr oder gelegentliche Touren über Land eignet und weniger als Kilometerfresser. Deshalb hat es mit dem Abspulen der 100000 Kilometer diesmal auch etwas länger gedauert.

Paul Englert, Jürgen Voigt

Inhaltsübersicht

Autos im Test

Bilder: Fiat Panda 1.2

Fiat Panda 1.2 8V

PS/KW 60/44

0-100 km/h in 15.40s

Frontantrieb, 5 Gang manuell

Spitze 155 km/h

Preis 12.040,00 €