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VW Golf I vs. Käfer 1303: Cabrio-Vergleich

In aller Offenheit

Das VW Golf Cabriolet feiert in diesen Tagen seinen 35. Geburtstag. Wie schlägt sich das „Erdbeerkörbchen“ im Vergleich mit dem Käfer Cabrio?

Käfer wie auch Golf sind absolute Wolfsburger Bestseller. Einen guten Teil zum Verkaufserfolg haben die offenen Modelle der beiden Langläufer beigetragen. Zwischen März 1979 und Januar 1980 entstanden die Frischluftversionen von VW Käfer und Golf parallel bei Karmann in Osnabrück.

Im 35. Jahr nach der Premiere des Open Air Golf vergleichen wir den luftgekühlten Oldtimer in seiner letzten Ausbaustufe und mit dem wassergekühlten Youngtimer der ersten Generation. Youngtimer? Längst sind Golf I Limousine und Cabrio in der Riege der Oldtimer angekommen. So recht wahrhaben will das aber niemand, denn das Cabriolet ist immerhin noch bis 1993 gebaut worden.

BEIDE VW CABRIOLETS LIEFEN BEI KARMANN VOM BAND

Seit 1949 fertigte Karmann im Auftrag von Volkswagen viersitzige Cabriolets auf Basis der jeweils stärksten und am besten ausgestatteten Limousine. Auf das 1200er Cabrio folgte 1965 der VW 1300 mit 40 PS. Ab 1966 sorgte der VW 1500 mit 44 PS für Frischluftvergnügen. 1970 debütierte das Cabrio mit langem Vorderwagen als VW 1302 LS und 50 PS.

Die weitreichenden Konstruktionsänderungen waren nötig, um den lukrativen Export in die USA zu gewährleisten. Nach nur zwei Jahren Bauzeit läutete ab 1972 der VW 1303 LS mit ebenfalls 50 PS aus 1,6 Litern das Ende der Käfer-Entwicklung ein. Das 1303 Cabriolet ist äußerlich an der gewölbten Frontscheibe und den „Elefantenfußrückleuchten“ zu erkennen.

Die strengeren Abgas - und Crash-Regelungen in den USA sowie die hohen Produktionskosten bedeuteten Ende der 70er das absehbare Aus für den offenen Käfer. Für viele treue Fans brach eine Welt zusammen. Zwar war die Golf Limousine bereits seit sechs Jahren erhältlich und als Nachfolger akzeptiert, aber so einfach ließen die Deutschen ihren Käfer nicht sterben. Hunderte Bitt- und Protestbriefe gingen bei VW-Chef Toni Schmücker ein. In Hamburg organisierte sich eine Vereinigung mit dem Ziel „Rettet das Käfer Cabrio“.

Doch auch durch die jeweils steigende Nachfrage, wenn Gerüchte über die Einstellung des 1303 Cabrios kursierten, ließ sich das Ende des Käfers nicht verhindern. Mit dem hier gezeigten Käfer Cabriolet endete am 10. Januar 1980 um 10:28 Uhr, zwei Jahre nach der europäischen Fertigungseinstellung der Limousine, endgültig die Käfer-Produktion in Deutschland.

Über den Nachfolger machte sich seit Anfang 1976 ein kleiner Kreis um Wilhelm Karmann Gedanken – obwohl es aus dem Wolfsburger Werk hierzu keinen offiziellen Auftrag gab. Mit Blick auf das Fortbestehen des eigenen Unternehmens konnte so kurz nach dem erwarteten Auftrag im Frühjahr 1977 der erste, übrigens henkellose Prototyp auf Golf I-Basis im kleinen Kreis präsentiert werden. Die Reaktion aus Wolfsburg überraschte die Karmänner.

„Nicht ohne Bügel“, forderte der Leiter der Hauptabteilung Fahrzeugsicherheit, Ulrich Seiffert. Volkswagen hatte – wie schon beim Käfer – die strikten US-Sicherheitsauflagen vor Augen, die einen Bügel zum Schutz vor Unfällen mit Überschlag vorschrieben.

Dass der Überrollbügel aus Stabilitätsgründen im Cabriolet eingebaut wurde, stimmt also nur bedingt. Er verbesserte aber zur Freude der Karmann-Entwickler nebenbei die Seitenscheibenführung, diente gleichzeitig als Verdeckauflage und erleichterte den Gurtzugang. War der offene Käfer ein Vollcabrio, dominierte seitdem ein starrer Bügel, der für den unauslöschbaren Kosenamen „Erdbeerkörbchen“ verantwortlich ist.

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Fazit

Mit oder ohne Bügel? Luft- oder Wasserkühlung? Wenn diese zwei VW-Klassiker im Vergleich gegeneinander antreten, kann es streng genommen keinen Sieger und Verlierer geben. Der erste offene Golf ist in jedem Fall der fahraktivere, sicherere und alltagstauglichere Begleiter für sonnige Tage. Aber dem vertrauten Anblick, Klang und Geruch des Käfers kann man einfach nicht widerstehen. Das spiegelt sich auch in den Preisen für gut erhaltene Exemplare

Ingo Eiberg