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Mercedes E-Klasse/VW Passat: Test

Ein Passat fordert die E-Klasse

Der ehrgeizige VW Passat will nicht nur in der Mittelklasse den Ton angeben, sondern im Vergleichstest auch den aktuellen Oberklasse-Primus Mercedes E-Klasse vom Thron stoßen.

An der neuen Mercedes E-Klasse haben sich die bayerischen Oberklasse-Rivalen bereits im ersten Vergleichstest die Zähne ausgebissen. Aber auch Grenzgänger aus der Mittelklasse wie der VW Passat drängen ins Oberhaus der deutschen Premiumliga und stehen bei privaten Kunden und Firmenwagendisponenten auf der Liste möglicher Alternativen. Schließlich kostet ein VW Passat 1.8 TSI mit 34.625 Euro über 10.000 Euro weniger als ein Mercedes E 200. Ist die Stuttgarter Limousine mehr Geld wert oder lässt sich der Aufpreis besser investieren? Dass eine geräumige Limousine nicht unbedingt an der Fünf-Meter-Marke kratzen muss, zeigt der 4,77 Meter lange Passat. Er bringt Fahrer und Beifahrer ähnlich luftig unter und bietet in Fond und Gepäckabteil sogar mehr Platz. Hinzu kommt die serienmäßige Möglichkeit, die Fondlehnen asymmetrisch umzuklappen oder die Armlehnenöffnung als Durchreiche zu nutzen. Bei Mercedes muss bereits hier das erste Häkchen im Konfigurator gesetzt werden, und der ohnehin happige Basispreis erhöht sich um weitere 517 Euro für die dann allerdings dreiteilig klappbare Lehne. Das gleiche Prinzip gilt auch für die Sicherheitsausstattung: Während sich Mercedes Features wie die Einparkhilfe oder Nebellampen bezahlen lässt, sind diese Ausstattungen beim VW Passat 1.8 TSI serienmäßig an Bord. Das führt dazu, dass sich Mercedes hier trotz mehr möglicher Optionen wie einem Lenkassistenten, der teilweise autonomes Fahren erlaubt, auf Grund der Aufpreise nicht vom Volkswagen absetzen kann. Das gilt auch für die Verarbeitungsqualität: Der VW Passat zeigt die gleiche Sorgfalt und Materialgüte wie die Mercedes E-Klasse.

Bildergalerie: Mercedes E-Klasse und VW Passat im Vergleich

VW-Modellpalette im Video:

 

Neuer VW Passat bietet der Mercedes E-Klasse die Stirn

Dass große Räder eine grundsätzlich gute Feder- und Dämpferabstimmung negativ beeinflussen, beweist dieser Vergleichstest erneut. Vor allem bei langsamer Fahrt in der Stadt stehen die mächtigen 18-Zöller der Mercedes E-Klasse mit 275er-Reifen auf der Hinterachse einem eleganten Anfedern der optionalen Luftfederung im Wege. Auch das Abrollen dürfte geschmeidiger ausfallen. Ähnlich hölzern agiert der ebenfalls mit 18-Zoll-Rädern ausgestattet VW Passat auf Unwegsamkeiten. Erst mit steigendem Tempo und vollbesetzt zeigt der Schwabe die Vorteile seiner Luftfederung. Die E-Klasse schwebt dann über Landstraßen und Autobahnen, gleicht Wellen sanft aus und hält die Karosserie ruhig auf einem Niveau. Vor allem bei hohen Geschwindigkeiten strafft der Passat seine Dämpferelemente im Komfort-Modus nach und nimmt Fahrbahnunebenheiten etwas unruhiger als die E-Klasse. Bei den Sitzen dreht sich der Wohlfühlfaktor zugunsten des Niedersachsen. Seine Ergo-Comfort-Sitze mit Massagefunktion verwöhnen mit einer anschmiegsamen Kontur, perfekter Schulterabstützung und Massagefunktion. Den gut geschnittenen Mercedes-Komfortsitzen fehlt dieses Wellness-Programm. Hier massieren erst die noch teureren Multikontursitze. Was dem Passat im Vergleich zur E-Klasse serienmäßig fehlt, ist eine Klimaautomatik. Mit 575 Euro extra ist sie aber günstig zu haben.

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Mercedes-Modellpalette (Basis) im Video:

 

Der VW Passat präsentiert sich im Vergleich dynamisch

Kultiviert, spritzig und immer – je nach aktiviertem Fahrmodus – vom serienmäßigen Doppelkupplungsgetriebe optimal in Szene gesetzt, zeigt der VW Passat 1.8 TSI, dass in dieser Klasse auch Benziner eine gute Wahl sein können. Ihm genügen kurze 7,8 Sekunden, um Tempo 100 zu erreichen. Auf der anderen Seite begnügt sich der Niedersachse mit 8,2 Litern Superkraftstoff auf 100 km. Auch der Mercedes E 200 bleibt mit einem Verbrauch von 8,5 Litern bescheiden. Ähnlich, aber weniger positiv wirkt sich sein allgemein zurückhaltendes Wesen in Sachen Kraftentfaltung aus. Die im Vergleich zum Passat-Vierzylinder-Turbo knurrige E-200-Maschine tritt zwar aus dem Stand heraus noch energisch an, verliert aber mit steigender Geschwindigkeit schnell ihr Temperament und muss den über 254 Kilogramm leichteren VW nicht nur ziehen lassen, sondern verfehlt mit 8,4 Sekunden auch die Werksangabe für den Sprint auf 100 km/h deutlich.

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VW Passat leichter als Mercedes E-Klasse

Dank seines geringen Gewichts und seines spritzigen Antriebs hat der Passat auch im Slalom und auf dem Handlingparcours leichtes Spiel gegen die E-Klasse. Mit lockerem Schwung wedelt die norddeutsche Limousine zackig durch die Slalom-Pylonengasse. Das ESP unterstützt die Linie dabei optimal, ohne die Dynamik einzubremsen. Die gelungene Gesamtabstimmung zahlt sich auch beim Handling aus. Trotz Frontantrieb bringt der Passat seine Kraft ohne große Verluste auf den Asphalt, übermittelt von der Vorderachse eine gute Portion Rückmeldung in die Hände seines Fahrers und untersteuert im Grenzbereich sogar weniger als die E-Klasse. Der schwere Schwabe muss vor allem im Slalom langsamer machen, um nicht über die Vorderräder aus der Spur zu drücken. Auch im Handling muss er den quirligen Passat ziehen lassen. Dem Mercedes fehlt die Leichtigkeit sowie die klare Kommunikation zwischen Lenkung und Fahrer, die den VW auszeichnet.

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Kaufpreis und Kosten des VW Passat sind deutlich niedriger

Was dem Passat im Fahrdynamik-Kapitel zum Verhängnis wird, sind die im Vergleich zum Mercedes nur mäßigen Verzögerungswerte. Ob mit kalten oder warmen Bremsen: Der Mercedes kommt jeweils gut zwei Meter vor dem VW zum Stehen – das ist ein deutliches Plus an aktiver Sicherheit. Dass der VW Passat 1.8 TSI im Grundpreis günstiger ist als der Mercedes E 200, überrascht nicht. Dass sich die Differenz aber inklusive aller testrelevanten Ausstattungsdetails auf über 14.000 Euro zugunsten des Volkswagen summiert, macht den Passat zum Kostenkapitel- und auch zum Vergleichstestsieger. Auch alle anderen Kosten fallen bei dem Niedersachsen geringer aus. Die etwas bessere Multimedia-Ausstattung des Mercedes kann am Sieg des VW nichts mehr ändern. Unser Gesamtfazit lesen Sie unterhalb der Tabelle mit den technischen Daten und Messwerten.

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Technische Daten Mercedes E-Klasse
E 200
VW Passat
1.8 TSI
Zylinder/Ventile p.Z. R4/4; Turbo R4/4; Turbo
Nockenwellenantrieb Kette Zahnriemen
Hubraum 1991 cm³ 1798 cm³
Leistung
bei
135 kW/184 PS
5500 /min
132 kW/180 PS
5100 – 6200 /min
Max. Drehmoment
bei
300 Nm
1200 – 4000 /min
250 Nm
1250 – 5000 /min
Getriebe 9-Stufen-
Automatik
7-Gang,
Doppelkupplung
Antrieb Hinterrad Vorderrad
0 - 100 km/h 8,4 s 7,8 s
Höchstgeschw. 240 km/h 232 km/h
Handling 1:52,7 min 1:51,7 min
L/B/H in mm 4923/1852/1468 4767/1832/1456
Gepäckraum 540 l 582 l
Testverbrauch 8,5 l S / 100 km 8,2 l S / 100 km
Grundpreis 45.303 Euro 34.625 Euro
Platzierung 2 1

Michael Godde
Fazit

Der VW Passat 1.8 TSI bringt das Machtgefüge im Oberhaus kräftig durcheinander. Er bietet Platz auf dem Niveau der Oberklasse, einen gelungenen Komfort bei gleichzeitig agilem Handling sowie einen temperamentvollen und ausreichend sparsamen Antrieb. Nur bei der günstigen Preisgestaltung bleibt er seiner Klasse treu und gewinnt daher auch das Duell gegen den Schwaben. Der Mercedes E 200 punktet mit gediegenem Langstreckenkomfort, guter Sicherheitsausstattung und vorbildlicher Bremsleistung. Sein Preis verhindert jedoch eine bessere Platzierung.