Audi/Skoda/VW: Vergleichstest TDI-Kombis im Klassenkampf

11.01.2017

Audis A4 Avant, die VW Golf Variant und Passat Variant, sowie Skoda Superb Combi und Octavia Combi treffen sich zum großen Kombi-Vergleich. Dabei kommt es auf die Größe an! Und komfortabel müssen sie auch sein. Oder reicht vielleicht trotzdem ein Kompakter?

Früher waren Kombis nicht wirklich cool. Die Designer tobten sich viel lieber beim Zeichnen schnittiger Sportwagen und eleganter Limousinen aus, als sich mit den Pampers-Bombern zu beschäftigen. Doch am Kombi-Land Deutschland kamen die Kreativen auf Dauer nicht vorbei. Schließlich sollte niemand dafür belächelt werden, dass er – meist familienbedingt – das schicke Coupé gegen einen praktischen Lastesel tauschen muss. Plötzlich fiel das Heck nicht mehr vertikal von der Dachkante zur Stoßstange ab. Nun war Lifestyle angesagt – und die Kofferräume schrumpften. Einen ziemlich überzeugenden Kombi-Kompromiss fand derVolkswagen-Konzern: Schicke Karosserien? Na klar! Aber bitte mit einem Schuss Pragmatismus. Egal ob praktisch veranlagter Combi, edler Avant oder der Variant irgendwo dazwischen: Kombis sind Verkaufsschlager. Im Test treten fünf Modelle mit 150 PS starkem Turbodiesel an: Golf Variant, Octavia Combi, Passat Variant, Superb Combi und A4 Avant.


VW-Modellpalette im Video:

 

 

Fünf Kompakte und Kombis aus dem VW-Konzern im Vergleich

Beginnen wir mit dem Punkt, der bei einem Kombi besonders interessiert: Was geht rein in den Kofferraum? Am meisten natürlich in die Mittelklässler Skoda Superb Combi und VW Passat Variant, die bei aufgestellten Fondsitzlehnen und bis zur unteren Fensterkante 660 respektive 650 Liter Gepäckvolumen schlucken. Die Nummer drei in diesem Segment, der Audi A4 Avant, fällt mit 505 Litern deutlich aus dem Rahmen – obwohl seine Außenmaße klassentypisch sind. Umso erstaunlicher ist es, dass die beiden Kompakten Skoda Octavia und VW Golf nicht nur mehr Gepäckraum bieten, sondern auch 50 Kilo mehr an Bord nehmen dürfen. Praktisch sind Durchlademöglichkeiten in der Rücksitzlehne (Serie: Passat), ein Fach unter dem herausnehm- oder klappbaren Ladeboden (Serie: A4, Passat), umlegbare Beifahrersitzlehnen (optional; nicht für den A4) und die bei umgeklappten Fondsitzlehnen nur leicht ansteigenden Ladeflächen. Am meisten Platz vorn bieten Passat und Superb, knapp gefolgt vom nicht nur gefühlt enger geschnittenen A4. Platzangst bekommt man aber auch im Golf und Octavia nicht: Für ihre Klasse bieten beide enorm viel Raum. Allerdings rangieren sie ein Segment tieferund das merkt man auch – genau wie im Fond. Hier bieten die beiden Kompakten zwar erstaunlich viel Raum zwischen Rückbank und Fahrer-/Beifahrersitzlehnen, aber die nutzbare Ellenbogenfreiheit fällt geringer aus als in der Mittelklasse. Innerhalb dieser gibt es ebenfalls große Unterschiede: Der Superb bietet verschwenderisch viel Beinfreiheit wie ein Luxusauto, doch auch der Platz im Passat ist mehr als ausreichend bemessen. Schlusslicht unter den Mittelklässlern ist auch hier der A4 Avant, dessen Karosserie – bedingt durch kleinere Fensterflächen und die schräg verlaufenden D-Säule – weniger gut überschaubar ist als bei den anderen Kombis.

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Der Passat Variant kommt mit integrierten Kindersitzen

Die Abmessungen von Golf und Octavia lassen sich besser einschätzen, zudem bieten beide serienmäßige Parksensoren hinten (Ausstattung Comfortline bzw. Ambition), der Wolfsburger sogar vorn. Die kosten in der Mittelklasse ab 400 Euro aufwärts und sind teils nur mit höheren Ausstattungslinien kombinierbar. In Sachen Bedienung und Funktion gefallen die beiden Tschechen am besten, zum Beispiel mit ihrer Tempomat-Bedienung per Hebel am Lenkrad. Dasselbe Prinzip findet man im Ingolstädter, dessen Instrumentenbeleuchtung mit einem kleinen Drehknopf neben der Fahrlichtbedienung dimmbar ist. In den Fahrzeugen aus Mladá Boleslav und Wolfsburg muss man sich dafür via Touchscreen in fünf Schritten durch das Menü arbeiten. Aber auch der A4 verliert bei der Bedienung wertvolle Punkte, weil sein System für Einstellungen am Fahrzeug oder Infotainment sehr komplex wirkt und man nicht immer sofort die gewünschte Funktion findet. Vorbildlich hingegen sind die edle Materialauswahl, die Verarbeitungsqualität und die verfügbare Sicherheitsausstattung des A4, der allerdings kein Angebot für pragmatische Sparfüchse ist. Vom Band rollt der Avant zum Beispiel immer mit Bi-Xenon-Scheinwerfern und autonomer Notbremsfunktion. Der Passat Variant kontert mit integrierten Kindersitzen im Fond (520 Euro; Isofix-Halterungen hinten sind in allen getesteten Kombis Standard) sowie selbstversiegelnden Sicherheitsreifen (1210 Euro für Trendline). Netze zur zusätzlichen Sicherung der Ladung sind bei A4 und Passat inklusive, in den Aufpreislisten von Golf, Octavia und Superb steht dieses bei Urlaubsfahrten wichtige Feature mit 180 Euro.

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Audi-Modellpalette im Video:

 

Der Audi A4 Avant bietet viel Platz für Kleinkram

Nicht nur der Geräuscheindruck ist im Audi am besten, auch die Anzeige des sensiblen Schalldruckpegel-Messgeräts bestätigt die subjektive Wahrnehmung, begünstigt durch die spezielle Akustikverglasung vorn (480 Euro). Im Octavia merkt man dagegen deutlich, dass weniger Augenmerk auf die Lärmisolierung gelegt wurde. Allerdings ist das Klagen auf hohem Niveau: Auch hier stören die Antriebs- und Windgeräusche nicht wirklich, denn selbst nach langen Vollgasstrecken hat man kein Rauschen im Ohr. Außer den beiden Tschechen treten alle Testwagen mit optionaler Sitzkonfiguration an; im Passat kann man sich sogar massieren lassen. Doch schon der Standardsitz des großen Variant passt gut, wie die quasi baugleiche Serienbestuhlung im Superb beweist. Zahlreiche, gut erreichbare und ausreischend dimensionierte Ablagen findet man in allen fünf Langheck-Fahrzeugen. Nur im A4 finden Flaschen und größere Pappbecher mit Strohhalm vom Fastfood-Restaurant in maßgeschneiderten Haltern vor dem Schalthebel ihren Platz. Die niedrigste Ladekante hat der Superb Combi, womit er abermals seine Transporter Talente unterstreicht. Doch der Tscheche ist nicht nur ein praktischer Schlepper, sondern auch komfortabel: Das adaptiv gedämpfte Fahrwerk (910 Euro) entkoppelt die nur mit einer Person besetzte Karosserie am besten und reagiert sehr sensibel auf kantige Gullideckel oder viele, dicht aufeinander folgende Unebenheiten. Mit fünf Personen und zusätzlichen Sandsäcken an Bord für die maximale Beladunggibt sich nur der ebenfalls mit adaptiven Dämpfern ausgestattete A4 Avant (980 Euro) einen Tick komfortabler. Richtig gut gefällt der Octavia Combi mit herkömmlichem Fahrwerk – adaptive Dämpfer sind nicht im Angebot. Allerdings ist hier der Unterschied zwischen den Fahrten ohne und mit Ballast am größten. Gut 1900 Kilo schwer, quittiert die Verbundlenker-Hinterachse Kanten und Fugen ziemlich trocken.

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In allen fünf Testwagen arbeitet der bewährte, aufgeladene Vierzylinder-Selbstzünder mit 150 PS. Das intern EA288 genannte, turbodiesel-typisch hoch verdichtende Aggregat (16,2 : 1) mit 1986 Kubikzentimetern Hubraum entwickelt 340 Newtonmeter Drehmoment und wirkt stets spritzig – außer im A4 Avant. Das liegt nicht daran, dass der Ingolstädter als einziger mit manuellem Getriebe zum Test antritt, sondern an der im Vergleich trägen Leistungsentfaltung und einer mangelnden Drehfreudigkeit. Das maximale Drehmoment steht zwar über ein breiteres Drehzahlband zur Verfügung (1500 – 3250 /min), liegt aber um 20 Newtonmeter tiefer als bei Octavia, Superb, Golf und Passat. Laut Audi hat man sich dazu bewusst entschieden, um die Abgrenzung zum 190 PS starken Diesel deutlich zu machen. So ist es nicht verwunderlich, dass der A4 – mit 1620 Kilogramm der Schwerste in diesem Vergleichstest – als letzter Landstraßentempo erreicht. Dafür bietet der Audi zwei entscheidende Vorteile: Der Diesel läuft angenehm kultiviert, mit zurückhaltendem Geräuschbild bis zur höchstmöglichen Drehzahl (knapp über 5000 Touren). Und er ist besonders sparsam: Glatt sechs Liter Diesel genügen dem Avant im Test für 100 Kilometer Strecke, der 50 Kilo schwerere Passat verlangt 0,7 Liter mehr. Allerdings nutzt dem A4 seine Effizienz auf langen Etappen nicht viel, weil nur 40 Liter Kraftstoff in den Tank passen. Ohne Mehrpreis gibt es allerdings auch einen 54-Liter-Tank. Golf und Octavia können jeweils 50 Liter Sprit aufnehmen und kommen deutlich über 100 km weiter als der Audi. Langstreckensieger aber sind der Passat und der Superb mit 66-Liter-Reservoir und Reichweiten von knapp unter respektive knapp über 1000 km. Die Testwagen aus Mladá Boleslav und Wolfsburg sind mit Sechsgang-Doppelkupplungsgetrieben ausgestattet (Aufpreis: zwischen 1800 und 2225 Euro), deren Bedienung sich nicht von einer herkömmlichen Automatik unterscheidet.

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VW kann sich fahrdynamisch nicht absetzen

Bei Familienkombis geht’s nicht um Rundenzeiten, Slalomgeschwindigkeiten oder wilde Ausweichmanöver. Bei diesen Disziplinen steht nicht so sehr der Fahrspaß im Vordergrund, sondern die Fahrsicherheit. Und die überprüfen wir bis in den Grenzbereich und darüber hinaus, um das Leistungsvermögen in Gefahrensituationen einschätzen zu können. Welches Kurventempo ist möglich? Wie reagiert das Testfahrzeug auf plötzliche Lastwechsel? Wie gut ist im Extremfall die Rückmeldung der Lenkung ? Und: Wie stark verzögern die Bremsen? All diese und noch eine Reihe weiterer Fragen stellen wir uns bei den Dynamiktests, überprüfen objektiv mit GPS-gestützter Messelektronik sowie subjektiv beistandardisierten Fahrmanövern. Bis auf die relativ langsame Handling-Zeit – abermals bedingt durch den Antrieb – legt hier der Audi A4 Avant seine Trägkeit aus dem Antriebskapitel komplett ab, pfeilt Hankook-bereift am schnellsten durch die 180 Meter lange Slalomstrecke, verhält sich dabei angenehm neutral und schafft mit seiner satten Straßenlage Vertrauen auf dem Fahrersitz. Dabei profitiert er leicht von seinem komplett deaktivierbaren ESC (ESP). Bei den Vollverzögerungen aus 100 km/h überzeugt der A4 insbesondere mit einem konkurrenzlos kurzen Bremsweg von 32,8 Metern, der auf Sportwagen-Niveau liegt. Der Skoda Superb Combi benötigt für diese Übung 2,6 Meter mehr Asphalt, die VW jeweils nur 1,2 Meter. Dafür holt der lange Tscheche mit ausgesprochen ruhiger Straßenlage selbst bei ständigen Richtungswechseln im Slalom wichtige Punkte und fährt dem kürzeren Octavia davon. Die beiden Wolfsburger können sich in dieser Disziplin nicht absetzen – trotz ihres adaptiven Sportfahrwerks mit sogenannter Progressivlenkung (Bestandteil des R-Line Sportpakets; Golf: 450 Euro, Passat: 695 Euro). Diese hilft beim Rangieren mit kleineren Lenkwinkeln und überzeugt im Alltag mit besserem Lenkgefühl, schnellerem Ansprechverhalten und direkterer Übersetzung.

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Skoda-Modellpalette im Video:

 

Skodas Preis ist unschlagbar

Die preiswertesten Kombi-Angebote in diesem Vergleich kommen von Skoda: Rund 2000 Euro günstiger sind Octavia und Superb Combi im Vergleich zu den Variant-Derivaten. Vom A4 Avant trennen den großen Tschechen sogar fast 7500 Euro. Dafür ist die Serienausstattung des Bayern großzügiger (zum Beispiel Leichtmetallräder, Kofferraum-Netz-Trennwand, Bluetooth-Schnittstelle zum Musikhören und Freisprechen sowie diverse Sicherheitsassistenten). Auch die Multimedia-Aufrüstmöglichkeiten für den A4 Avant sind vielfältiger. Trotzdem ist auch der Superb Combi ein modernes Auto, und die Preis- und Zubehörlisten lassen kaum Wünsche offen. Weil wir nicht nur den Listenpreis bewerten, sondern auch alle testrelevanten Extras, ist der Audi A4 Avant in diesem Vergleich nicht das teuerste Fahrzeug, sondern wird vom Passat Variant um 40 Euro übertroffen. Der Grund: Den Wolfsburger mit 2.0-TDI-Motor gibt es bereits in der Ausstattung Trendline; viele der Testwagen-Extras sind aber erst mit der nächsthöheren Ausstattung Comfortline (Mehrpreis: 2275 Euro) kombinierbar. Ähnliches trifft auch auf den Superb Combi 2.0 TDI zu (Grundmodell Active), dessen DCC-Fahrwerk erst ab der Ambition-Variante (2500 Euro) angeboten wird.

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TechnikAudi A4 Avant 2.0 TDISkoda Octavia Combi 2.0 TDISkoda Superb Combi 2.0 TDI
Motor2.0 TDI2.0 TDI2.0 TDI
Hubraum1986 cm³1986 cm³1986 cm³
Leistung
bei
110 kW/150 PS
3250 – 4000 /min
110 kW/150 PS
3500 – 4000 /min
110 kW/150 PS
3500 – 4000 /min
Max. Drehm.
bei 
320 Nm
1500 – 3250 /min 
340 Nm
1750 – 3000 /min 
340 Nm
1750 – 3000 /min 
Getriebe6-Gang,
manuell 
6-Gang,
Doppelkupplung 
6-Gang,
Doppelkupplung 
AntriebVorderradVorderradVorderrad
0 - 100 km/h9,0 s8,3 s8,5 s
Höchstgeschw.215 km/h213 km/h216 km/h
Testverbrauch6,0 l D / 100 km6,3 l D / 100 km6,3 l D / 100 km
Grundpreis36.900 Euro26.250 Euro29.490 Euro
Platz 123

TechnikVW Golf Variant 2.0 TDI BMTVW Passat Variant 2.0 TDI BMT
Motor2.0 TDI BlueMotionTech.2.0 TDI BlueMotionTech.
Hubraum1986 cm³1986 cm³
Leistung
bei
110 kW/150 PS
3500 – 4000 /min
110 kW/150 PS
3500 – 4000 /min
Max. Drehm.
bei
340 Nm
1750 – 3000 /min
340 Nm
1750 – 3000 /min
Getriebe6-Gang, Doppelkupplung6-Gang, Doppelkupplung
AntriebVorderradVorderrad
0 - 100 km/h8,3 s8,7 s
Höchstgeschw.216 km/h216 km/h
Testverbrauch6,3 l D / 100 km6,7 l D / 100 km
Grundpreis28.400 Euro31.575 Euro
Platz45



Unser Fazit

Trotz des klassenübergreifenden Vergleichs liegen Octavia, Golf, Superb, Passat und A4 in vielen Disziplinen sehr eng beieinander. Den ersten Platz teilen sich aufgrund ihrer Größe erwartungsgemäß zwei Mittelklässler. Dass es sich neben dem Top-Allrounder VW Passat Variant dabei um den Audi A4 Avant handeln würde, haben wir nicht erwartet. Der Ingolstädter überzeugt mit hohem Komfort, starken Bremsen und effizientem Antrieb. Raumangebot und Preis kosten ihn allerdings Punkte. Knapp dahinter rangiert der Skoda Superb Combi, dessen größte Stärke sein Raumangebot ist. Zudem überzeugt der Tscheche mit seinem Preis, hoher Effizienz und gutem Federungskomfort. Der beste Kompakt-Kombi heißt VW Golf Variant. Seine Stärken im Vergleich zum Skoda Octavia Combi: Komfort, Ausstattung und Dynamik. Allerdings sichert sich der Golf diese Vorteile mit Extras, die es für den Octavia nicht gibt. Unterm Strich hängt die Entscheidung für einen der fünf Kombis aber wohl vor allem von zwei Faktoren ab: Platzangebot und Preis.

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