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Mercedes A-Klasse/Audi A3/BMW 1er: Vergleich

A-Klasse am A3 und 1er vorbei?

Beim Facelift der A-Klasse hat Mercedes Komfort und Sicherheit weiter verfeinert. BMW 1er und Audi A3 legen die Messlatte allelrdings sehr hoch. Vergleich!

Mögen die traditionellen A-Klasse-Käufer beim Erscheinen der aktuellen Baureihe W176 vor drei Jahren auch geschimpft haben – Mercedes hat sein Ziel mit der Konzeptänderung beim kleinsten Stern erreicht. Die dynamisch flache Form, der Verzicht auf die Sandwichbauweise und die betont sportliche Auslegung bescherten den Schwaben nämlich vor allem jüngere Neukunden, die vorher Konkurrenz- modelle anderer Premiumhersteller fuhren. Und die A-Klasse ist nach wie vor so gefragt, dass die Produktion in Rastatt sogar auf den finnischen Spezialisten Valmet Automotive ausgeweitet wurde. Mit dem Facelift soll nun nicht nur die Motorenpalette erweitert (neues Basismodell ist der A 160 mit 102 PS), sondern auch der Fahrkomfort durch optionale adaptive Dämpfer gesteigert werden. Ein Vergleichstest des beliebten A 180 mit 122 PS gegen den Audi A3 1.4 TFSI und den BMW 118i zeigt, wer das beste deutsche Premiumauto in der Kompaktklasse baut.

BMW 1er gewinnt Komfortwertung

Gut verarbeitet sind zweifellos alle drei süddeutschen Kandidaten. Bei einigen Details ist das beim Audi aber einen Tick liebevoller gelungen. Das merkt man spätestens bei der Geräuschdämmung. Vom Abrollen der Reifen, dem Motor oder dem Fahrtwind hört man hier am wenigsten. Die A3-Sitze sind zwar sehr bequem, könnten bei sportlicher Fahrweise aber durchaus mehr Seitenhalt bieten. Viel mehr gibt es im Ingolstädter kaum zu meckern – zumal er auch beim Federungskomfort eine satte und sehr homogene Vorstellung abliefert. Etwas feiner und insgesamt gedämmter wirkt der BMW, dessen Hinterachse auf schlechten Straßen allerdings mit Beladung schnell überfordert ist. Die neuen adaptiven Dämpfer (1238 Euro) machen die A-Klasse zwar immer noch nicht zur Sänfte, können aber in ihrem Charakter über den neuen Dynamic-Select-Schalter zwischen sportlich und komfortabel variiert werden. Die straffe Grundabstimmung lässt Fahrbahnkanten oder Gullideckel aber immer noch deutlich vernehmbar über die Hinterachse zu den Insassen poltern. Zudem dringen bei bestimmten Motordrehzahlen auch Dröhnfrequenzen in den Innenraum, die aber bei gleichmäßiger Fahrt kaum den Langstreckenkomfort auf den bequemen Sitzen mildern. Die Sitzkomfortwertung gewinnt jedoch der BMW mit seinem vorbildlich einstellbaren Sportgestühl. Zudem ist der Einser als einziger serienmäßig mit einer Klimaautomatik bestückt.

Bilder: Mercedes A-Klasse Facelift im Vergleichstest

Auch bei der Motorisierung hebt sich der Münchener von seinen Konkurrenten ab. Sind der Audi A3 1.4 TFSI (150 PS, mit Zylinderabschaltung) und der Mercedes A 180 (1,6 Liter Hubraum) mit aufgeladenen Vierzylindern unterwegs, versteckt sich weit hinter den BMW-Nieren im 118i ein kleiner Dreizylinder-Motor mit immerhin 1,5 Liter Hubraum. Der Langhuber – der auch im 116i verbaut ist und dort 109 PS leistet – wird ebenfalls von einem Turbolader, aber darüber hinaus noch von einer variablen Nockenwellensteuerung (Doppel-Vanos) sowie der variablen Ventilsteuerung (Valvetronic) unterstützt und kann zumindest auf dem Papier mit den Vierzylindern mithalten (136 PS, 220 Nm). Angesichts der recht kräftigen Motoren darf man auch von der Fahrdynamik der Kompakten einiges erwarten. Hier enttäuscht der heckgetriebene BMW subjektiv zunächst nicht. Mit toller Lenkung, viel Rückmeldung und Heckantrieb steht bei ihm der Fahrspaß im Vordergrund. Dass er dabei keine besseren Zeiten auf den Asphalt legt, überrascht etwas. Doch die weit gespreizte Getriebeauslegung verhindert schnellere Rundenzeiten. So muss sich der ansonsten agile Einser dem Mercedes auf dem Rundkurs geschlagen geben. Dessen Vorderräder beginnen in Kehren zwar früh mit dem Untersteuern, das gute Traktionsvermögen am Kurvenausgang und der stämmige Antritt sorgen am Ende aber für einen recht deutlichen Abstand zum Münchener. Nochmals schneller geht es im Audi zur Sache. Der A3 wirkt wegen des hohen Gripniveaus wie auf den Asphalt genagelt und wieselt dank direkter Lenkung auch flink um engste Kurven.

Neue Motoren, knallige Farben: Mercedes A-Klasse 2015

Der Blick auf die Ausstattungsliste (nächste Seite) zeigt es recht eindeutig – kaum eine der attraktiven Ausstattungen ist serienmäßig. Jedes kleinste Extra lassen sich die süddeutschen Hersteller auf ähnlich teurem Niveau bezahlen. Dabei liegen die Einstiegspreise der kleinen Benziner schon bei etwa 25.000 Euro – wohlgemerkt ohne Leichtmetallräder, Bluetooth-Freisprecheinrichtungen oder Einparkhilfen. Mit teuren Navigationssystemen, großen Alu-Rädern, Soundanlagen und jeder Menge Sicherheitsassistenten übersteigen die üppig bestückten Testwagen so schnell die 40.000-Euro-Grenze. Dass der Audi am Ende auch im Kostenkapitel punktet, liegt zum einen am niedrig kalkulierten Wertverlust, zum anderen an den umfangreichsten Garantiebedingungen.

Technische Daten Audi A3 Sportback BMW 1er Mercedes A-Klasse
Motor 1.4 TFSI COD ULTRA 118i A 180
Zylinder/Vent. pro Zylin. 4/4; Turbo 3/4; Turbo 4/4; Turbo
Hubraum 1395 cm³ 1499 cm³ 1595 cm³
Leistung
bei
110 kW/150 PS
bei
5000 - 6000 /min
100 kW/136 PS
bei
4500 - 6000 /min
200 kW/122 PS
bei
1250 - 4000 /min
 
Max. Drehmoment
bei
250 Nm
bei
1500 - 3500 /min
 
220 Nm
bei
1250 - 4000 /min
 
200 Nm
bei
1250 - 4000 /min
 
Getriebe 7-Gang, Doppelkup. 6-Gang, manuell 7-Gang, Doppelkup.
Antrieb Vorderrad Hinterrad Vorderrad
0 - 100 km/h 8,2 s 9,1 s 8,3 s
Höchstgeschwindigkeit 220 km/h 210 km/h 202 km/h
Bewerteter Preis 27.670 Euro 27.770 Euro 29.477 Euro
Platzierung 1 2 3

Markus Schönfeld
Fazit

Auch wenn die überarbeitete Mercedes A 180 in vielen Details verbessert wurde und die nun adaptiven Dämpfer mehr Komfort bringen – einem Sieg im Vergleichstest stehen nach wie vor das enge Platzangebot und die hohen Kosten im Weg. Der BMW 118i liefert nicht nur die besseren Kosten-Argumente, er besticht auch mit seinen Bremsen und Fahrspaß. Obendrein verbraucht der 118i mit dem einzigen Dreizylinder im Trio auch den wenigsten Kraftstoff. Er fährt in diesem Test auf den zweiten Rang. Erster wird der Audi A3 1.4 TFSI ultra, der mal wieder durch die beste Raumausnutzung und perfekte Verarbeitungsqualität überzeugt. Er ist nicht teurer als die Konkurrenten, liefert eine schonungslose Vorstellung bei der Fahrdynamik ab und gewinnt obendrein mit der vorbildlichen S-Tronic die Motor-Getriebe-Wertung.