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BMW 220d Gran Tourer/Ford S-Max: Vergleich

Der S-Max holt sich die Wertung

Die zweite Generation des Ford S-Max geht mit mehr Platz, Komfort und Dynamik an den Start. Im ersten Vergleichstest erwartet ihn der BMW 2er Gran Tourer.

Dass Familien-Vans keineswegs unförmige und spaßbefreite Lastesel sein müssen, hat bereits die erste Generation des Ford S-MAX eindrucksvoll bewiesen. Mit gefälligem Design, kräftigen Dieselmotoren und einem Schuss Fahrdynamik stand der sportliche Van in der Gunst von Familienvätern weit oben – auch deshalb, weil er dank üppigen Platzverhältnissen und riesigem sowie variablem Laderaum das Kerngeschäft eines Familienautos bestens beherrschte. Die zweite S-MAX-Generation soll das alles noch ein bisschen besser können und muss sich im 
ersten Vergleichstest gleich dem BMW 2er Gran Tourer stellen. Die Münchener sind erst in diesem Jahr ins Van-Geschäft eingestiegen. Trotz Vorderradantriebs und ebenfalls großzügigem Raumangebot bringt der Gran Tourer die markentypische Freude am Fahren mit ins 
Segment. Beide Kontrahenten fahren mit den beliebten 2,0-Liter-Dieselmotoren mit 190 (BMW) respektive 180 PS (Ford) vor.

Bildergalerie: Ford S-Max im Vergleich mit dem BMW 2er Gran Tourer

Ford S-Max bietet mehr Platz als der BMW 2er Gran Tourer

Mit einer Außenlänge von knapp 4,80 Metern überragt der Ford S-MAX sein bayerisches Pendant um 24 Zentimeter. Zudem ist er elf Zentimeter breiter. Dieser Größenunterschied macht sich bei der Parkplatzsuche in engen Tiefgaragen zwar negativ bemerkbar, kommt Mitreisenden jedoch zugute: Fahrer und Beifahrer erfreuen sich fürstlicher Platzverhältnisse, und gerade in puncto Ellenbogenfreiheit liegt der Ford klar vorn. Auch in Reihe zwei geht es im Vergleich zum keineswegs engen BMW ein ganzes Stück luftiger zu. Knie- und Kopfraum sind über jeden Zweifel erhaben und die Füße lassen sich bequem unter die hoch montierten Vordersitze schieben. Das Gepäckraumabteil des Kölners fasst zwischen 700 und 2020 Liter und damit jeweils ein bis zwei Reisetaschen mehr als das des BMW (645 bis 1905 Liter). Dafür patzt der über 1,8 Tonnen schwere S-MAX bei der Zuladung: Seine 482 Kilogramm werden schon mit fünf kräftig gebauten Passagieren erreicht. In den leichteren BMW dürfen immerhin 46 Kilogramm mehr eingeladen werden. Vorteile hat der Gran Tourer dank 
seines einwandfrei funktionierenden iDrive-Systems auch bei der Bedienung, denn der Touchscreen des Ford arbeitet bisweilen nicht besonders reaktionsschnell. Weich unterschäumte und sauber eingepasste Kunststoffe findet man in beiden Vans, auch wenn der BMW im Detail noch eine Spur feiner wirkt. Erfreulich ist die fast lückenlose Sicherheitsausstattung der beiden Kontrahenten, die sich jeweils mit Abstandsregeltempomat, Spurhalteassistent oder Verkehrszeichenerkennung noch besser ausstaffieren lassen.

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Auf den 2500 Euro teuren und nur für die Titanium-Ausstattung erhältlichen Multikontursitzen des S-MAX lässt es sich auch auf langen Reiseetappen bestens aushalten. Sie bieten 
einen ähnlich guten Seitenhalt wie die Sportsitze (490 Euro) des BMW, sind jedoch etwas weicher und damit angenehmer gepolstert. Hervorzuheben ist zudem die exzellente Dämmung des Fords gegen Wind-, Abroll- und Motorgeräusche, während der Geräuschpegel des BMW gerade bei Autobahntempo vernehmlich 
höher ausfällt. Gleichstand herrscht dagegen beim Federungskomfort ohne Beladung. Obwohl der getestete S-MAX im Gegensatz zum Gran Tourer ohne adaptive Dämpferregelung auskommen musste, spricht sein Fahrwerk selbst auf grobe Unebenheiten sanft und ohne Karosseriezittern an. Die tendenziell straffere Grundabstimmung des 2er Gran Tourer erweist sich ebenfalls als sehr komfortabel, und die gelungene Balance zwischen Vorder- und Hinterachse verdient Lob. Der Ford wirkt dagegen dank des langen Radstands auf Wellen sowie  auf Kopfsteinpflaster noch eine Spur harmonischer als sein bayerischer Kontrahent. Beladen rollt dagegen der BMW nochmals satter und feinfühliger ab als der dann subjektiv etwas poltriger und straffer wirkende Ford.

Kräftige Dieselmotoren mit massig Drehmoment, die auch mit Urlaubsgepäck an Bord nicht schlapp machen, sind der Traum vieler Familienväter. Das 180 PS starke Aggregat des Ford legt nicht nur kultivierte Manieren an den Tag, sondern bietet in jeder Lebenslage genug Punch und lässt den Kölner bei Bedarf bis zu 211 km/h rennen. Noch fixer geht es jedoch im BMW zu: In unter acht Sekunden ist das Landstraßentempo und ohne viel Anlauf die Spitze von 220 km/h erreicht. Hinzu kommen die souverän agierende Acht-Stufen-Automatik und die Drehfreude des 190-PS-Triebwerks. Die Gänge des manuellen Sechsgang-Getriebes im Ford flutschen präzise durch die Gassen. Oberhalb von 4000 Touren wirkt sein Selbstzünder jedoch zäher als der des S-MAX. Verbräuche von 7,1 (BMW) und 7,6 Litern (Ford) gehen angesichts von Größe, Gewicht und Fahrleistungen absolut in Ordnung.

Ford S-Max und BMW 2er Gran Tourer bremsen sehr gut

Auch bei engagierter Gangart bieten die beiden Großraum-Dynamiker Genuss ohne Reue. Das beginnt bei den Top-Bremswegen. So steht der Ford mit warmer Bremse aus 100 km/h nach nur 33,9 Metern. Der BMW braucht nur einen halben Meter mehr. Bei der Handling-Prüfung glänzen beide mit hoher Fahrsicherheit. Selbst von extremen Manövern lassen sie sich nicht aus der Ruhe bringen. Speziell der Grand Tourer wird aber von seinem DSC an der kurzen Leine gehalten. Es greift früh ein und nimmt dem Münchener etwas von seinem Dynamikpotenzial, was speziell im Slalom erkennbar ist. Der Schleuderschutz des S-Max lässt etwas mehr Eigenleben zu und regelt dann, wenn es nötig ist, auch etwas feinfühliger als das System im BMW. Mit seiner optionalen variablen Sportlenkung lässt sich der Münchener zwar zackig über den Kurs scheuchen, doch wirkt sie im Gegensatz zu der des Ford etwas synthetisch. Für den innerstädtischen Alltag dürfte der Wendekreis des Ford von 12,2 Metern allerdings etwas kleiner ausfallen.

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Mit bewerteten Testwagen-Preisen um die 40.000 Euro sind S-MAX und 2er Gran Tourer keine Schnäppchen. Wer fleißig Kreuze in den umfangreichen Preislisten setzt, erreicht sogar die 50.000-Euro-Marke. Der BMW punktet mit  besserer Komfort- und Multimedia-Ausstattung sowie günstigeren Versicherungseinstufungen, während der Ford das umfangreichere Garantiepaket bietet. Die Kosten für Kraftstoff, Steuer und Reparaturen liegen mit leichten Vorteilen für den BMW auf ähnlichem Niveau.   

Technische Daten BMW 220d Gran Tourer Ford S-Max 2.0 TDCi
Zylinder/Ventile pro Zylin. 4/4; Turbodiesel 4/4; Turbodiesel
Hubraum 1995 cm³ 1997 cm³
Leistung
bei
140 kW/190 PS
4000 /min
132 kW/180 PS
3750 /min
Max. Drehmoment
bei
400 Nm
1750 /min
400 Nm
2000 – 3250 /min
Getriebe 8-Stufen-Automatik 6-Gang,
manuell
Antrieb Vorderrad Vorderrad
Höchstgeschwindigkeit 220 km/h 211 km/h
Grundpreis 38.200 € 34.450 €
Elmar Siepen, Caspar Winkelmann
Fazit

Schön, dass es Automobile gibt, die hohen Nutzwert bieten, aber dennoch nicht freudlos daherkommen. Das verfängt bei der Kundschaft, wie die Verkaufszahlen der "Sportvans" zeigen. Mit der Neuauflage ihres Fahrspaß-orientierten Familientransporters zeigen die Kölner, wie es geht. Das üppige Platzangebot, viel Komfort und ein beachtliches Fahrdynamik-Potenzial küren den Ford S-Max 2.0 TDCi zum Testsieger. Hinzu kommen ein geringerer Wertverlust und ein besseres Garantiepaket als bei seinem Kontrahenten. Der BMW 220d Gran Tourer liefert die "Freude am Fahren" mit besseren Fahrleistungen, dem sparsameren Motor und verbucht auf der Kostenseite günstigere Versicherungstarife. 
Fahrdynamisch verschenkt er jedoch einige Zähler bei den Bremswegen und durch seinen zuweilen etwas übereifrig agierenden Schleuderschutz.