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Audi A4 1.4 TFSI/BMW 318i: Vergleich

Welcher Basismotor ist besser?

Luxus-Karosse mit Vierzylinder, Start-Stopp im Sportwagen – das gibt es alles schon. Jetzt wagt BMW mit dem 318i den Schritt zum Dreizylinder in der Mittelklasse. Der neue Audi A4 1.4 TFSI kontert mit vier Töpfen, aber kleinerem Hubraum. Passt das wirklich?

Ja, haben die denn gar keinen Respekt mehr? Der Reihensechser ist quasi tot, 1er und 2er haben bereits den Einstiegs-Dreizylinder unter der Haube – und jetzt kommt der auch noch im BMW 318i. Zur Erinnerung: Das hier ist die Premium-Mittelklasse! Naja, die BMW-Leute aus München werden sich schon was dabei gedacht haben, als sie den 318i entwickelten. Also fragen wir als Gegenspieler den brandneuen Audi A4 1.4 TFSI an, Basismotorisierung vier Zylinder, bloß 450 Euro teurer. Erstaunlich, wie rund das BMW-Aggregat läuft. Nervige Vibrationen wurden weitestgehend eliminiert, der Klang ist kernig, stört aber nicht, passt irgendwie zur Freude-am-Fahren-Marke aus München. Die Gasannahme ist im Normal-Modus und in Verbindung mit der Acht-Stufen-Automatik immer leicht verzögert und es braucht kurz, bis der Turbolader des BMW 318i Druck aufgebaut hat. Dann jedoch legt sich das 136 PS-Motörchen mächtig ins Zeug, dreht recht linear hoch und bei Kickdown im Sport-Programm bis über 6500 Touren. Aber er kann auch anders, zum Beispiel mit rund 2250 Umdrehungen bei 130 km/h im achten Gang. Gut, beim Sprint auf Tempo 100 fehlt es dem 318i im Vergleich zum Audi etwas an Leistung und den paar entscheidenden Newtonmetern, doch flott 
voran kommt man bei Bedarf auch mit diesem Triebwerk, das im Test 7,5 Liter Superbenzin auf 100 Kilometer aus dem 60-Liter-Tank braucht.

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Audi A4 1.4 TFSI & BMW 318i betreiben Downsizing

Bloß ein Wasserglas mehr Sprit trinkt der Vierzylinder-TFSI im Audi A4, wobei das Ingolstädter Aggregat mit besserer Laufruhe sowie spontanerem Ansprechverhalten auffällt. Und weil der neue Audi A4 auch noch 85 Kilo leichter ist als der BMW 318i, setzt er sich von diesem mit zunehmendem Tempo immer weiter ab. Allerdings ist für den Audi A4 ebenfalls bei 210 km/h Schluss – hier wie dort elektronisch abgeregelt. Auffällig ist bei beiden Motoren, dass sie schön rund laufen, wenn man mit ihnen aus dem Drehzahlkeller heraus beschleunigt und darauf wartet, dass das volle Drehmoment (BMW 3er: ab 1250/min; Audi A4: ab 1500/min) einsetzt.

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Es muss nicht immer der Super-Komfortsitz mit allem Schnick-Schnack sein, auch die Standard-Bestuhlung im Audi A4 passt in jeder Lebenslage. Den BMW 3er sollte man allerdings nicht ohne die 500 Euro teuren Sportsitze mit verstellbaren Wangen und tollem Seitenhalt ordern. Hinten ist’s im BMW 3er eh bequemer, dank langer Schenkelauflage, nach hinten leicht abfallender Rückbank und leichter Konturierung. Bis auf den mittleren Fond-Platz kann man in A4 und 3er übrigens alle Sitze beheizen (optional), und auch ein auf Knopfdruck warmes Lenkrad steht für beide Limousinen im Programm. Wälzt man die langen Preislisten, stößt man beim Punkt „Fahrdynamik“ auf die Fahrwerke mit adaptiven Dämpfern – bei diesem Vergleich in beiden Testwagen eingesetzt. Der A4 verarbeitet Unebenheiten jedweder Art spürbar souveräner, die Karosserie bleibt ruhiger, das ganze Fahrzeug liegt satter als der BMW. Der etwas straffer abgestimmte 3er lässt sich schon von kleinen Fugen und Kanten im Asphalt anregen, und Stöße dringen deutlicher bis in den Innenraum vor. Mit maximaler Beladung an Bord wirkt der BMW 3er zwar etwas ruhiger und gesetzter, kommt auf Buckelpisten jedoch früher an seine Dämpfungsreserven als der Audi A4. Dessen Fahrwerk reicht unter maximaler Zuladung, besonders durch kleine Unebenheiten angeregt, dafür eine Spur mehr Bewegung an den Aufbau weiter als unbeladen. Eine Stärke des A4 ist sein Geräuschkomfort, im Testauto mit 150 Euro teurer Akustikverglasung für Fahrer- und Beifahrerfenster verbessert. Diesen Eindruck honoriert das Schalldruck-Messgerät jedoch nicht und attestiert dem Audi Werte auf BMW-Niveau. Subjektiv aber dringen Wind- und Abrollgeräusche beim 318i deutlich ungefilterter in den Innenraum.

Die Bedienung im BMW ist besser

Das Raumangebot ist im 318i ausreichend groß und liegt quasi auf A4-Niveau. In den vorderen Fußräumen bietet der Ingolstädter etwas mehr Platz, dafür kann man im Fond des Müncheners besser die Beine lang machen. In Sachen Übersichtlichkeit sind wir zunächst vom rahmenlosen Innenspiegel des A4 angetan (165 Euro), allerdings blendet dieser bei Dunkelheit immer etwas verzögert ab. Die Sicht ist dadurch nicht eingeschränkt – dafür aber durch die kleinen, tropfenförmigen Außenspiegel, die noch dazu einen gefühlt größeren toten Winkel zulassen als die Spiegel im 3er. Bei möglicher Zuladung und dem Kofferraumvolumen macht keiner dem anderen etwas vor, wenn’s um Bedienung und Funktion geht, allerdings schon. Denn noch immer findet man sich mit dem BMW 
iDrive im Menü-Dschungel des Navi- und Multimedia-Systems besser zurecht. Der Aufbau ist geordneter, teils logischer, und man muss mit der rechten Hand nicht nach Tasten und Schaltern suchen – alles ist kompakt um den großen Dreh-Drück-Steller angeordnet. Einziger Kritikpunkt: Unterbricht eine Staumeldung etwa die aktuelle Radiosendung, kommt man nur per Tastendruck zurück zum eingestellten Programm – und die Taste liegt aus Sicht des Fahrers vom Lenkrad verdeckt. Im „Virtual Cockpit“ des Audi A4 (3180 Euro mit Navi) sind fast schon zu viele Infos auf engem Raum gebündelt. So manche Einstellung nimmt man intuitiv lieber über den großen Zentralbildschirm vor. Die ansprechendere Materialauswahl findet man im Audi A4. Leichte Knister- und Klappergeräusche aus dem Armaturenträger beim Überfahren von Buckelpisten kosten den BMW 3er ein paar weitere Zähler. Bei der Sicherheitsausstattung liegen beide übrigens etwa gleichauf. Mit serienmäßigem Notbrems-Assistenten holt sich der Audi A4 hier einen hauchdünnen Zwei-Punkte-Vorsprung.

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Auch wenn sie antriebstechnisch den letzten Punch vermissen lassen, so machen das beide Testwagen mit ihren Fahrtalenten wieder wett. Dabei fährt der BMW 318i im Handling vorneweg. Der Audi A4 wiederum wedelt fixer durch den Slalom und bremst in bester Sportwagen-Manier. Insgesamt gefällt der Audi mit der satteren Straßenlage. Dass sein Bremspedal bei Schwerstarbeit verhärtet, ist verschmerzbar. Beim Grundpreis gleichauf, distanziert sich der BMW 318i vom Audi A4 1.4 TFSI mit der teureren, testrelevanten Ausstattung. Vor allem Automatik-Getriebe und Mischbereifung gehen ins Geld. Beide Limousinen werden ab Werk mit USB-Anschluss (im Audi nur mit Ladefunktion serienmäßig) und Bluetooth-Schnittstelle ausgeliefert. Die unbegrenzte Audi-Mobilitätsgarantie kostet ebenfalls nichts.

Technische Daten Audi A4 1.4 TFSI BMW 318i
Zylinder/Ventile pro Zylin. 4/4 3/4
Hubraum 1395 cm³ 1499 cm³
Leistung
bei
110 kW/150 PS
5000 – 6000 /min
100 kW/136 PS
4400 – 6000 /min
Max. Drehmoment
bei
250 Nm
1500 – 3500 /min
220 Nm
1250 – 4300 /min
Getriebe 6-Gang,
manuell
6-Gang,
manuell
Antrieb Vorderrad Hinterrad
Höchstgeschwindigkeit 210 km/h 210 km/h
Grundpreis 30.650 € 30.200 €
Paul Englert
Fazit

Zwei Drittel seines Punkte-Vorsprungs holt der Vergleichstest-Sieger Audi A4 1.4 TFSI mit seinen ultrakurzen Bremswegen und dem niedrigeren bewerteten Preis. In den Kapiteln Karosserie, Fahrkomfort sowie Motor/Getriebe liegt der BMW 318i allerdings auf Augenhöhe mit seinem Konkurrenten aus Ingolstadt. Die Stärken des Müncheners sind seine konkurrenzlos gute Bedienung, der hohe Sitzkomfort und sein fahraktiver Charakter. Der A4 kontert außer mit seiner Bremse mit der komfortableren Fahrwerksabstimmung, guter Geräuschdämmung und der gefühlvolleren Lenkung.