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Opel-Chef Karl Thomas Neumann im Interview

"Noch viel Potenzial"

Karl-Thomas Neumann hat Großes vor. Der neue Opel-Chef will die 151 Jahre alte Marke auf Erfolg trimmen und spricht im Interview über Pläne, neue Märkte und Modelle

Herr Neumann, General Motors hat Opel Investitionen in Höhe von vier Milliarden Euro zugesichert. Der VW-Konzern investiert allein elf Milliarden in seinen Modularen Längsbaukasten. Reicht das GM-Investment?

Absolut. In der Bewertung darf man Opel nicht isoliert betrachten, da müssen Sie auf den Gesamtkonzern schauen. General Motors investiert als Konzern jährlich in einer ähnlichen Größenordnung. Wir sind Teil eines weltweiten Verbundes, in der unsere mehr als 6000 Ingenieure wichtige Entwicklungsleistungen einbringen. Von 2012 bis 2016 starten wir 23 neue Modelle. Adam, Mokka und Cascada sind nur der Anfang.

Im Gegensatz zu Konkurrenten wie Skoda produzieren Sie nahezu ausnahmslos in Hochlohnländern. Experten sehen bei den Tschechen einen Kostenvorteil von bis zu 1500 Euro pro Auto. Wie wollen Sie dagegenhalten?

Indem wir unsere hiesigen Kapazitäten anpassen und dafür sorgen, dass wir unsere Fabriken füllen. Wir holen die Fertigung des hervorragend gestarteten Mokka in der zweiten Jahreshälfte 2014 nach Europa und sichern dadurch 5800 Arbeitsplätze in Saragossa. Übrigens: Etwa 38 Prozent der Neuzulassungen hierzulande entfallen auf Importeure, die kein einziges Werk in Deutschland betreiben. Wir werden auch nach der Schließung von Bochum noch drei deutsche Werke haben. Deutschland ist und bleibt unser wichtigster Markt, unser Rückgrat, unsere Heimat.

GM ist eine Entwicklungskooperation mit dem angeschlagenen PSA-Konzern eingegangen. Was passiert, wenn PSA in Konkurs geht, bevor die neuen Modelle fertig entwickelt wurden?

Wir kooperieren mit PSA erfolgreich in den Feldern Logistik, Einkauf und Fahrzeugarchitekturen. Die Kooperation ist für beide Seiten vorteilhaft. Sie erlaubt uns, auch solche neuen Autos kostengünstig zu entwickeln, für die wir im Konzern nicht die optimale Architektur haben. Zum Beispiel anspruchsvolle, kompakte Modelle, wie sie in Europa stark gefragt sind. Natürlich haben wir unsere Investition rechtlich abgesichert.

Zu den vereinbarten Projekten gehört auch eine Plattform für den nächsten Zafira. Weshalb haben Sie das Projekt gestoppt?

Das Projekt wurde neu bewertet und niemals komplett gestoppt. Korrekt ist, dass es jetzt in einer geänderten Richtung fortgeführt wird. Der heutige Zafira ist ein wunderbares Auto. Aber der Zafi - ra ist mit jeder Generation größer und auch teurer geworden. Der Fokus des Marktes liegt derzeit auf etwas kleineren, kostengünstigeren Modellen. Wir passen den Nachfolger diesen Erfordernissen an. Wir machen keine schwachen Kompromisse mehr, sondern positionieren jedes künftige Modell im Sweet Spot des Marktes.

Gestoppt haben Sie aber das Engagement in Australien. Wie wichtig ist Ihnen die Expansion in andere Märkte, etwa China?

Wir trimmen Opel auf Rendite – und korrigieren Fehler aus der Vergangenheit. In Australien haben sich die Rahmenbedingungen dramatisch verschlechtert. In China haben wir 25 Händler, die pro Jahr 5000 Autos verkaufen. Um richtig erfolgreich zu sein, müsste man 1000 Händler haben, die eine Million Autos verkaufen. Diesen Weg kann und will Opel nicht gehen, zumal GM mit unserer Schwestermarke Buick dort extrem stark ist. Wir konzentrieren uns auf Europa. Polen und die Türkei entwickeln sich sehr gut für uns. Und dann sehe ich noch viel Potenzial auf dem riesigen Markt in Russland.

Dort ist Chevrolet ebenfalls stark engagiert. Auch Chevy will wachsen. Droht ein Kollisionskurs?

Im Gegenteil. Wir stimmen uns mit den Kollegen immer besser ab. Unklarheiten wie etwa die Überlappung in der Modellpalette werden korrigiert.

Sie haben den früheren Daimler-Manager Peter Christian Küspert zum neuen Vertriebsvorstand berufen. Was erwarten Sie von ihm?

Peter Christian Küspert ist ein ausgewiesener Vertriebsexperte und bringt unter anderem 20 Jahre Erfahrung von Mercedes und Smart mit. Das wird unserer Modelloffensive weiteren Schwung verleihen und ist ein wichtiger Schritt in unserer Comeback-Strategie. Unsere Führungsmannschaft ist jetzt komplett.

Welche Ideen der auf der IAA gezeigten Studie Monza wollen Sie auf künftige Opel-Modelle übertragen?

Der Monza Concept ist ein Opel zum Träumen. Er symbolisiert unsere Markenwerte und unsere Zukunft. Vor allem die Formensprache des Monza gibt einen Ausblick auf die Serienmodelle der Zukunft.

Das Gespräch führten Volker Koerdt und Stefan Miete