Opel-Verkauf an Peugeot PSA: Verträge abgeschlossen Opel-Übernahme durch PSA perfekt

von Lena Reuß 01.08.2017
Inhalt
  1. Opel-Verkauf an PSA abgeschlossen
  2. Michael Lohscheller neuer Opel-Chef
  3. Verkauf an PSA: Opel bangt um Jobs
  4. PSA kauft Opel – welche Infos gibt es?
  5. Was sagt PSA dazu?
  6. Was sagt GM dazu?
  7. Was sagt Opel dazu?
  8. Wie ist es um Opel gestellt?

Opel spricht ab sofort französisch! Der Verkauf zum PSA-Konzern sei abgewickelt, gibt der deutsche Autobauer am 1. August 2017 bekannt. Unter dem neuen Chef Michael Lohscheller soll Opel zeitnah saniert werden und schon bald wieder Gewinn abwerfen.

Der Autobauer Opel gehört nun zum französischen PSA-Konzern. Die Verträge mit dem Verkäufer General Motors seien abgeschlossen, teilte am Opel am Dienstag, 1. August 2017, in Rüsselsheim mit. Mit der Übernahme entsteht gemessen an den Absatzzahlen der nach Volkswagen zweitgrößte Autokonzern Europas mit einem Marktanteil von rund 17 Prozent. Opel hatte seit 1929 zu General Motors gehört und war zeitweise der größte Autobauer in Deutschland. Seit 1999 hatten die Rüsselsheimer mit ihrer britischen Schwestermarke Vauxhall allerdings keinen operativen Jahresgewinn mehr abgeliefert. Bei Opel steht jetzt eine Sanierung an, die PSA-Chef Carlos Tavares dem deutschen Management überlassen will. Die Neuaufstellung werde nicht von Paris aus gesteuert, hatte Tavares stets betont. Der Sanierungsplan werde unter Aufsicht des neuen Opel-Chefs Michael Lohscheller erstellt und soll innerhalb von 100 Tagen vorliegen. 

Das neue Opel-Logo im Video erklärt:

 
 

Opel-Verkauf an PSA abgeschlossen

Ab 2020 soll eine Gewinnspanne von zwei Prozent erreicht werden, die bis 2026 auf sechs Prozent ansteigen soll. Der bisherige Vorstandschef Karl-Thomas Neumann verlässt das Unternehmen. Für seinen Nachfolger Lohscheller kommt der bisherige PSA-Controller Philippe de Rovira als Finanzchef in den Vorstand. Auch drei neue Bereichsvorstände wurden berufen. "Opel bleibt deutsch und Vauxhall bleibt britisch. Sie ergänzen unser bestehendes Portfolio aus den französischen Marken Peugeot, Citroën und DS Automobiles perfekt", erklärte Tavares. Es entstehe ein "europäischer Champion". Die EU-Kommission hat der seit März 2017 verhandelten Übernahme kartellrechtlich zugestimmt. PSA zahlt für das GM-Europa-Geschäft inklusive der britischen Opel-Schwester Vauxhall und der Finanzsparte rund 2,2 Milliarden Euro. GM-Finanzvorstand Chuck Stevens hat die Kosten für den Verkauf auf 5,5 Milliarden Dollar (4,7 Mrd Euro) beziffert, weil GM noch Pensionsverpflichtungen für die Mitarbeiter übernimmt. Opel/Vauxhall beschäftigt etwa 38.000 Mitarbeiter in sieben europäischen Ländern, die Hälfte davon in Deutschland.

 

Michael Lohscheller neuer Opel-Chef

Der bisherige Opel-Chef Dr. Karl-Thomas Neumann ist am 12. Juni 2017 von seinem Amt als Sprecher der Geschäftsführung bei der Adam Opel GmbH zurückgetreten. Zur Begründung hieß es, der Automanager wolle nur so lange an der Opel-Spitze bleiben, bis der Verkauf der bisherigen GM-Tochter an den französischen Konzern in trockenen Tüchern sei. Davon scheint man bei Opel nun abgerückt zu sein. Neumann bleibt aber weiterhin Mitglied der Geschäftsführung, bis die Übernahme abgeschlossen ist. Sein Nachfolger ist Michael Lohscheller, seit September 2012 Chief Financial Officer und Geschäftsführer Finanzen von Opel. Er wurde am 12.  Juni einstimmig vom Opel-Aufsichtsrat gewählt und soll die Kontinuität für das Geschäft und alle Stakeholder des Automobilherstellers sichern sowie einen nahtlosen Übergang des Unternehmens an PSA bewerkstelligen. Zu seinen wichtigsten Aufgaben gehört außerdem, einen neuen strategischen Plan für Opel zu erarbeiten. Im gleichen Atemzug stellte Opel sein neues Logo und einen neuen Markenspruch vor. Der Wandel von "Wir leben Autos" hin zu "Die Zukunft gehört allen" und das minimalistischere Logo sollen die Entwicklung Opels vom Autohersteller zum "Mobilitätsdienstleister" unterstreichen.

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Verkauf an PSA: Opel bangt um Jobs

Beim Verkauf von Opel an PSA hatte sich auch der Opel-Betriebsrat eingeschaltet: Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Wolfgang Schäfer-Klug hatte in einem Interview der Konzernmutter General Motors vorgeworfen, die Arbeitnehmer von wichtigen Informationen abzuschneiden und anstehende Investitionen zu verzögern. Das Unternehmen wies diese Darstellung zurück und erklärte, dass das Komitee nicht in die Gespräche eingreife. Schäfer-Klug hatte auch eingeräumt, dass bei einer Opel-Übernahme durch PSA zahlreiche Jobs auf dem Spiel stehen könnten. Auch wenn es auch keinen Grund für "Horrorszenarien" gebe. Eine konkrete Zahl von gefährdeten Jobs nannte Schäfer-Klug nicht. Es sei aber klar, dass PSA-Chef Carlos Tavares Produktivitätsthemen erkennen werde, wenn er Opel betrachte. "Besonders im letzten halben bis dreiviertel Jahr" habe GM es versäumt, in die Automation der deutschen Werke zu investieren. Kritisch zeigte sich der Betriebsrat mit Blick auf freiwillige Abfindungsprogramme, die der neue Eigner PSA bei Opel einleiten könnte. "Das kostet erstmal viel Geld und allzu oft bezahlt das Unternehmen Menschen, die das Unternehmen verlassen, um zu Wettbewerbern zu gehen. Und das sind oft die qualifiziertesten Mitarbeiter", sagte Schäfer-Klug.

 

PSA kauft Opel – welche Infos gibt es?

PSA-Chef Carlos Tavares möchte Opel als eigentständiges Unternehmen weiterführen: In einem Telefonat noch vor Abschluss der Übernahme hatte Carlos Tavares Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zugesichert, dass laufende Vereinbarungen über Standorte und Arbeitsplätze in Deutschland bei einem Kauf von Opel weiterhin Bestand hätten. Die Franzosen wollen die Eigenständigkeit von Opel erhalten. Damit sind unter anderem die 19.000 Opel-Arbeitsplätze, die noch bis 2018 vertraglich vor betriebsbedingter Kündigung geschützt sind, sowie von GM geplante Investitionen in den deutschen Opel-Werken bis 2020 gemeint. Opel und Peugeot Citroën arbeiten seit 2013 insbesondere bei SUV und Crossovern zusammen: So ist beispielsweise der Opel Crossland X ein Produkt der Kooperation und nutzt die gleiche Plattform wie der Citroën C3 Picasso. Opel ist für den amerikanischen Konzern General Motors bereits seit Jahren kein Gewinnbringer mehr. Auch der Wegfall des russischen Marktes und der Brexit machen Opel und Vauxhall aktuell schwer zu schaffen. Nachdem Werke in Antwerpen und Bochum geschlossen wurden, sind erst für 2018 wieder schwarze Zahlen geplant. Schon 2009 wollte sich der Mutterkonzern von Opel trennen und die Rüsselsheimer als Konzern auf eigenen Beinen stehen, doch in letzter Minute entschloss sich GM, Opel zu behalten. Auch PSA schlug einen strengen Sarnierungskurs ein. Um das Unternehmen zu retten stieg unter anderem der französische Staat mit ein und hielt zuletzt rund 14 Prozent der Anteile.

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Was sagt PSA dazu?

Gemeinsam mit General Motors hatte der französische Autohersteller PSA am 6. März 2017 den Kauf von Opel/Vauxhall sowie GM Financial erstmals bekannt gegeben. Carlos Tavares, Vorstandsvorsitzender der Groupe PSA, sagt dazu: "Wir sind stolz darauf, mit Opel/Vauxhall zusammenzuarbeiten und sind zutiefst bestrebt, dieses großartige Unternehmen weiterzuentwickeln und seinen Turnaround zu beschleunigen. Wir schätzen die Leistungen der hochqualifizierten Mitarbeiter von Opel/Vauxhall, die starken Marken des Unternehmens und ihre lange Tradition. Wir haben vor, auf den Markenidentitäten von PSA und Opel/Vauxhall aufzubauen und die Unternehmen in diesem Sinne zu führen. Wir haben bereits gemeinsam ausgezeichnete Produkte für den europäischen Markt entwickelt. Daher wissen wir, dass Opel/Vauxhall der richtige Partner ist."

 

Was sagt GM dazu?

GM hattet sich in seiner ersten offiziellen Pressemitteilung dem Statement von PSA angeschlossen. GM-Chefin Mary Barra hatte darin verlauten lassen: "Wir freuen uns sehr, dass wir gemeinsam – GM, unsere geschätzten Kollegen bei Opel/Vauxhall und PSA – die Möglichkeit geschaffen haben, die langfristige Leistung unserer jeweiligen Unternehmen zu stärken, indem wir auf dem Erfolg unserer vorherigen Allianz aufbauen. Für GM bedeutet dies einen weiteren wichtigen Schritt in unserer laufenden Arbeit, die unsere verbesserte Leistung vorantreibt, und unsere Dynamik verstärkt. Wir gestalten unser Unternehmen neu und liefern konsequent Rekordergebnisse für unsere Eigentümer. Wir sind überzeugt, dass dieses neue Kapitel Opel und Vauxhall langfristig in eine noch stärkere Position bringen wird."

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Was sagt Opel dazu?

Der ehemalige Opel-Chef Karl-Thomas Neumann hatte schon vor der Übernahme von Opel durch PSA optimistisch entgegen geblickt. Eine solche Konstellation wäre aus seiner Sicht "prinzipiell sinnvoll". In einem Tweet hatte er sich über die Zugeständnisse von PSA, bestehende Vereinbarungen einzuhalten, erfreut gezeigt. Auch die Opel-Betriebsräte hatten sich eingeschaltet. Während zunächst angeprangert wurde, dass die Verhandlungen ohne die Einbindung der IG Metall begonnen hatten, hatte sich der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Thorsten Zangerle zuversichtlich gezeigt. Da die gültigen Tarifverträge sowie die Beschäftigungs- und Kündigungsschutzzusagen "die Grundlage" für die Gespräche seien, habe er ein gutes "Bauchgefühl".

Opel-Modellpalette im Video:

 
 

Wie ist es um Opel gestellt?

Opel schreibt bereits seit Jahren rote Zahlen und hat trotz der Schließung zweier Werke weiterhin am Wegfall des russischen Marktes und dem Brexit zu knabbern. Der Verkauf der GM-Tochter schürt erneut Sorgen um die Arbeitsplätze beim Autobauer. 38.200 Jobs hängen an den europäischen Standorten von Opel und Vauxhall. Gerade Werke in Eisenach oder Kaiserslautern wären gefährdet. Würden mehr Autos verkauft werden, müssten letztlich aber auch keine Stellen gestrichen werden. PSA-Chef Carlos Tavares kündigte bereits an über die Zusammenlegung von Plattformen insgesamt 1,7 Milliarden Euro jährlich einsparen zu wollen: "Wir glauben, dass wird mit diesem Deal die Effizienz auf ein höheres Level bringen können." Gleichzeitig möchte er Opel aber als eigenständiges Unternehmen weiterführen, was auch bedeute, dass Opel seine Sanierung selbst in die Hand nehmen müsse: "Die Kehrtwende von Opel muss von den Opel-Leuten und dem Opel-Management geschaffen und umgesetzt werden." Die Arbeitnehmervertretung und die Gewerkschaft IG Metall wollten vor dem Übergang das Arbeitsvolumen für das firmeneigene Entwicklungszentrum (ITEZ) mit rund 7700 Mitarbeitern in Rüsselsheim festschreiben. Dazu gehörten auch Entwicklungsaufträge des Noch-Eigentümers General Motors, die bis 2020 rund 30 Prozent des Auftragsvolumens ausmachen könnten. Dem Vernehmen nach fehlten dazu noch belastbare Serviceverträge zwischen GM und dem künftigen Eigentümer PSA. Der geplante Betriebsübergang auf die Opel Automobile GmbH sollte zunächst noch innerhalb des GM-Konzerns stattfinden und sozusagen das zum Verkauf stehende "Opel pur" abbilden. Die Pensionslasten sollten bei GM verbleiben, wie bereits in den Verkaufsgesprächen vereinbart worden war. Es herrsche kein Dissens zwischen den Verhandlungspartnern, sagte eine Sprecherin des Betriebsrats. Es sei lediglich noch nicht gelungen, die sehr komplexen Beziehungen vertraglich abzubilden.

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