Opel-Verkauf an Peugeot PSA: Erster Stellenabbau Erstes Opel-Werk baut Stellen ab

von AUTO ZEITUNG 17.10.2017
Inhalt
  1. Opel-Verkauf an PSA: Erster Stellenabbau
  2. PSA-Verkauf: Tina Müller (Marketing) verlässt Opel
  3. Verkauf an PSA: Diese Probleme gab es
  4. PSA kauft Opel – welche Infos gibt es?
  5. Was sagt PSA dazu?
  6. Was sagt GM dazu?
  7. Was sagt Opel dazu?
  8. Wie ist es um Opel gestellt?

Da der Opel Astra offenbar nicht die Erwartungen erfüllt, streicht PSA im Opel-Werk Ellesmere Port (Großbritannien) erste Stellen. Für die deutsche Belegschaft ein beunruhigendes Signal, da der französische Konzern über 2018 hinaus keine Arbeitsplatzgarantie aussprechen möchte. Alle Informationen zum Opel-Verkauf an PSA.

Schon kurz nach der Übernahme Opels durch den französischen PSA-Konzern bauen die Franzosen erste Stellen ab. Wie Medien übereinstimmend berichten, sollen im britischen Werk Ellesmere Port erste Jobs gestrichen werden. Dort wird der Astra gebaut, der sich trotz guter Vergleichstests, Testberichte und Kritiken nur mäßig verkauft. Doch auch der baldige Brexis nagt am Absatz in Großbritannien, weshalb PSA in Ellesmere Port nun 400 Jobs Stellen einsparen möchte. Hatten zuvor 1800 Mitarbeiter jährlich 126.000 Autos gebaut, soll der Astra künftig nur noch in einer Schicht gebaut werden, wie ein Vauxhall-Sprecher sagt. Die Einsparungen sollen durch freiwillige Abfindungen umgesetzt werden. Welche Konsequenzen der Sparkurs auf Deutschland hat, ist noch unklar. Bislang hatte PSA-Chef Carlos Tavares stets betont, alle von General Motors gemachten Beschäftigungs- und Standortzusagen einzuhalten. Bis 2018 darf es demnach keine betriebsbedingten Kündigungen geben, für die Standorte gilt ein Bestandsschutz bis 2020.

Das neue Opel-Logo im Video erklärt:

 
 

Opel-Verkauf an PSA: Erster Stellenabbau

Seit dem 1. August 2017 gehört Autobauer Opel zum französischen PSA-Konzern. Mit der Übernahme entstand gemessen an den Absatzzahlen der nach Volkswagen zweitgrößte Autokonzern Europas mit einem Marktanteil von rund 17 Prozent. Im Zuge anstehender Umstrukturierung und verschlankter Organisation legt Opel Marketing und Vertrieb zusammen. Die bisherige Chefin des Opel-Marketings, Tina Müller, wechselte daher Ende September 2017 zur Parfümierkette Douglas. Die zusammengelegten Abteilungen Marketing und Vertrieb wurden von Vertriebschef Peter Küspert übernommen. Tina Müller hatte bei Opel vor allem die erfolgreiche Markenkampagne "Umparken im Kopf" geprägt. Trotz weitreichender Maßnahmen zur Verschlankung des Unternehmens, schaut man in Rüsselsheim mit Sorgen in die Zukunft, denn eine Arbeitsplatzgarantie möchte PSA für die Opel-Angestellten derzeit nicht aussprechen. "Der Status Quo ist keine Option. Der beste Weg, unser Unternehmen und unsere Belegschaft zu schützen, ist, profitabel zu sein. Das müssen alle verstehen", sagte PSA-Konzernchef Carlos Tavares am 10. September 2017 in einem gemeinsamen Interview mit dem seit Mitte Juni amtierenden Opel-Chef Michael Lohscheller. "Wir müssen anpassungsfähiger und schneller sein. Dann sind Arbeitsplätze automatisch sicher." Lohscheller betonte, er wolle Opel schnell zurück in die Gewinnzone führen: "Opel muss wieder profitabel sein. Ich verlange das. Das muss mir PSA nicht sagen." Dafür würden bis 2026 jährliche Synergien in Höhe von 1,7 Milliarden Euro genutzt, etwa bei Entwicklung und Einkauf. Mit der Übernahme stellte Opel auch sein neues Logo und einen neuen Markenspruch vor. Der Wandel von "Wir leben Autos" hin zu "Die Zukunft gehört allen" und das minimalistischere Logo sollen die Entwicklung Opels vom Autohersteller zum "Mobilitätsdienstleister" unterstreichen.

 

PSA-Verkauf: Tina Müller (Marketing) verlässt Opel

Opel hatte seit 1929 zu General Motors gehört und war zeitweise der größte Autobauer in Deutschland. Seit 1999 hatten die Rüsselsheimer mit ihrer britischen Schwestermarke Vauxhall allerdings keinen operativen Jahresgewinn mehr abgeliefert. Bei Opel steht jetzt eine Sanierung an, die PSA-Chef Carlos Tavares dem deutschen Management überlassen will. Die Neuaufstellung werde nicht von Paris aus gesteuert, hatte Tavares stets betont. Der bisherige Vorstandschef Karl-Thomas Neumann hatte das Unternehmen zuvor verlassen. Für seinen Nachfolger Lohscheller kommt der bisherige PSA-Controller Philippe de Rovira als Finanzchef in den Vorstand. Auch drei neue Bereichsvorstände wurden berufen. "Opel bleibt deutsch und Vauxhall bleibt britisch. Sie ergänzen unser bestehendes Portfolio aus den französischen Marken Peugeot, Citroën und DS Automobiles perfekt", erklärte Tavares. Es entstehe ein "europäischer Champion". Die EU-Kommission hatte der seit März 2017 verhandelten Übernahme kartellrechtlich zugestimmt. PSA zahlte für das GM-Europa-Geschäft inklusive der britischen Opel-Schwester Vauxhall und der Finanzsparte rund 2,2 Milliarden Euro. GM-Finanzvorstand Chuck Stevens hatte die Kosten für den Verkauf auf 5,5 Milliarden Dollar (4,7 Mrd Euro) beziffert, weil GM noch Pensionsverpflichtungen für die Mitarbeiter übernimmt. Opel/Vauxhall beschäftigt etwa 38.000 Mitarbeiter in sieben europäischen Ländern, die Hälfte davon in Deutschland.

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Verkauf an PSA: Diese Probleme gab es

Beim Verkauf von Opel an PSA hatte sich auch der Opel-Betriebsrat eingeschaltet: Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Wolfgang Schäfer-Klug hatte in einem Interview der Konzernmutter General Motors vorgeworfen, die Arbeitnehmer von wichtigen Informationen abzuschneiden und anstehende Investitionen zu verzögern. Das Unternehmen wies diese Darstellung zurück und erklärte, dass das Komitee nicht in die Gespräche eingreife. Schäfer-Klug hatte auch eingeräumt, dass bei einer Opel-Übernahme durch PSA zahlreiche Jobs auf dem Spiel stehen könnten. Auch wenn es auch keinen Grund für "Horrorszenarien" gebe. Eine konkrete Zahl von gefährdeten Jobs nannte Schäfer-Klug nicht. Es sei aber klar, dass PSA-Chef Carlos Tavares Produktivitätsthemen erkennen werde, wenn er Opel betrachte. "Besonders im letzten halben bis dreiviertel Jahr" habe GM es versäumt, in die Automation der deutschen Werke zu investieren. Kritisch zeigte sich der Betriebsrat mit Blick auf freiwillige Abfindungsprogramme, die der neue Eigner PSA bei Opel einleiten könnte. "Das kostet erstmal viel Geld und allzu oft bezahlt das Unternehmen Menschen, die das Unternehmen verlassen, um zu Wettbewerbern zu gehen. Und das sind oft die qualifiziertesten Mitarbeiter", sagte Schäfer-Klug.

 

PSA kauft Opel – welche Infos gibt es?

PSA-Chef Carlos Tavares möchte Opel als eigentständiges Unternehmen weiterführen: In einem Telefonat noch vor Abschluss der Übernahme hatte Carlos Tavares Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zugesichert, dass laufende Vereinbarungen über Standorte und Arbeitsplätze in Deutschland bei einem Kauf von Opel weiterhin Bestand hätten. Die Franzosen wollen die Eigenständigkeit von Opel erhalten. Damit sind unter anderem die 19.000 Opel-Arbeitsplätze, die noch bis 2018 vertraglich vor betriebsbedingter Kündigung geschützt sind, sowie von GM geplante Investitionen in den deutschen Opel-Werken bis 2020 gemeint. Opel und Peugeot Citroën arbeiten seit 2013 insbesondere bei SUV und Crossovern zusammen: So ist beispielsweise der Opel Crossland X ein Produkt der Kooperation und nutzt die gleiche Plattform wie der Citroën C3 Picasso. Opel ist für den amerikanischen Konzern General Motors bereits seit Jahren kein Gewinnbringer mehr. Auch der Wegfall des russischen Marktes und der Brexit machen Opel und Vauxhall aktuell schwer zu schaffen. Nachdem Werke in Antwerpen und Bochum geschlossen wurden, sind erst für 2018 wieder schwarze Zahlen geplant. Schon 2009 wollte sich der Mutterkonzern von Opel trennen und die Rüsselsheimer als Konzern auf eigenen Beinen stehen, doch in letzter Minute entschloss sich GM, Opel zu behalten. Auch PSA schlug einen strengen Sarnierungskurs ein. Um das Unternehmen zu retten stieg unter anderem der französische Staat mit ein und hielt zuletzt rund 14 Prozent der Anteile.

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Was sagt PSA dazu?

Gemeinsam mit General Motors hatte der französische Autohersteller PSA am 6. März 2017 den Kauf von Opel/Vauxhall sowie GM Financial erstmals bekannt gegeben. Carlos Tavares, Vorstandsvorsitzender der Groupe PSA, sagt dazu: "Wir sind stolz darauf, mit Opel/Vauxhall zusammenzuarbeiten und sind zutiefst bestrebt, dieses großartige Unternehmen weiterzuentwickeln und seinen Turnaround zu beschleunigen. Wir schätzen die Leistungen der hochqualifizierten Mitarbeiter von Opel/Vauxhall, die starken Marken des Unternehmens und ihre lange Tradition. Wir haben vor, auf den Markenidentitäten von PSA und Opel/Vauxhall aufzubauen und die Unternehmen in diesem Sinne zu führen. Wir haben bereits gemeinsam ausgezeichnete Produkte für den europäischen Markt entwickelt. Daher wissen wir, dass Opel/Vauxhall der richtige Partner ist."

 

Was sagt GM dazu?

GM hattet sich in seiner ersten offiziellen Pressemitteilung dem Statement von PSA angeschlossen. GM-Chefin Mary Barra hatte darin verlauten lassen: "Wir freuen uns sehr, dass wir gemeinsam – GM, unsere geschätzten Kollegen bei Opel/Vauxhall und PSA – die Möglichkeit geschaffen haben, die langfristige Leistung unserer jeweiligen Unternehmen zu stärken, indem wir auf dem Erfolg unserer vorherigen Allianz aufbauen. Für GM bedeutet dies einen weiteren wichtigen Schritt in unserer laufenden Arbeit, die unsere verbesserte Leistung vorantreibt, und unsere Dynamik verstärkt. Wir gestalten unser Unternehmen neu und liefern konsequent Rekordergebnisse für unsere Eigentümer. Wir sind überzeugt, dass dieses neue Kapitel Opel und Vauxhall langfristig in eine noch stärkere Position bringen wird."

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Was sagt Opel dazu?

Der ehemalige Opel-Chef Karl-Thomas Neumann hatte schon vor der Übernahme von Opel durch PSA optimistisch entgegen geblickt. Eine solche Konstellation wäre aus seiner Sicht "prinzipiell sinnvoll". In einem Tweet hatte er sich über die Zugeständnisse von PSA, bestehende Vereinbarungen einzuhalten, erfreut gezeigt. Auch die Opel-Betriebsräte hatten sich eingeschaltet. Während zunächst angeprangert wurde, dass die Verhandlungen ohne die Einbindung der IG Metall begonnen hatten, hatte sich der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Thorsten Zangerle zuversichtlich gezeigt. Da die gültigen Tarifverträge sowie die Beschäftigungs- und Kündigungsschutzzusagen "die Grundlage" für die Gespräche seien, habe er ein gutes "Bauchgefühl".

Opel-Modellpalette im Video:

 
 

Wie ist es um Opel gestellt?

Opel schreibt bereits seit Jahren rote Zahlen und hat trotz der Schließung zweier Werke weiterhin am Wegfall des russischen Marktes und dem Brexit zu knabbern. Und der neue Opel-Eigner PSA will die Jobs bei dem Autobauer derzeit nicht über 2018 hinaus garantieren. 38.200 Jobs hängen an den europäischen Standorten von Opel und Vauxhall. Gerade Werke in Eisenach oder Kaiserslautern wären gefährdet. Würden mehr Autos verkauft werden, müssten letztlich aber auch keine Stellen gestrichen werden. PSA-Chef Carlos Tavares kündigte bereits an über die Zusammenlegung von Plattformen insgesamt 1,7 Milliarden Euro jährlich einsparen zu wollen: "Wir glauben, dass wird mit diesem Deal die Effizienz auf ein höheres Level bringen können." Gleichzeitig möchte er Opel aber als eigenständiges Unternehmen weiterführen, was auch bedeute, dass Opel seine Sanierung selbst in die Hand nehmen müsse: "Die Kehrtwende von Opel muss von den Opel-Leuten und dem Opel-Management geschaffen und umgesetzt werden." Die Arbeitnehmervertretung und die Gewerkschaft IG Metall wollten vor dem Übergang das Arbeitsvolumen für das firmeneigene Entwicklungszentrum (ITEZ) mit rund 7700 Mitarbeitern in Rüsselsheim festschreiben. Dazu gehörten auch Entwicklungsaufträge des Noch-Eigentümers General Motors, die bis 2020 rund 30 Prozent des Auftragsvolumens ausmachen könnten. Dem Vernehmen nach fehlten dazu noch belastbare Serviceverträge zwischen GM und dem künftigen Eigentümer PSA. Der geplante Betriebsübergang auf die Opel Automobile GmbH sollte zunächst noch innerhalb des GM-Konzerns stattfinden und sozusagen das zum Verkauf stehende "Opel pur" abbilden. Die Pensionslasten sollten bei GM verbleiben, wie bereits in den Verkaufsgesprächen vereinbart worden war. Es herrsche kein Dissens zwischen den Verhandlungspartnern, sagte eine Sprecherin des Betriebsrats. Es sei lediglich noch nicht gelungen, die sehr komplexen Beziehungen vertraglich abzubilden.

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