Porsche 944 turbo

Maximale Effizienz

Der bis 250 PS starke Porsche 944 turbo war und ist das beste Angebot seiner Baureihe – zugreifen, bitte!

Der Porsche 944 turbo war bei seinem Debüt 1985 vielleicht der beste Porsche seiner Zeit. Er war ein Sportwagen aus dem Lehrbuch des Prof. Ing. h.c. Ferdinand Porsche. Kein Boulevard-Bolide wie der 928, kein exzentrischer 911 turbo, sondern ein Auto mit maximaler Effizienz. Und das bezieht sich nicht nur auf seinen extrem souveränen Antriebsstrang, sondern auch auf das Fahrwerk. Auch gut 25 Jahre nach seiner Vorstellung ist der 220-PS-Motor der ersten Serie ein absolutes Sahnestück. Kein jähzorniges Biest wie der unter Druck gesetzte Boxer des 911 turbo, dem sein ausgeprägtes Turboloch zweifelhaften Weltruhm einbrachte.

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Der 2,5-Liter-Vierzylinder mit KKK-Lader im 944 turbo wurde schon 1985 wegen seiner sanften Leistungscharakteristik gelobt. Und das ist heute nach fast drei Jahrzehnten Motorenentwicklung nicht anders. Noch immer merkt der Fahrer beim Beschleunigen den Einsatz des Laders kaum. Bereits bei niedrigen Drehzahlen schiebt der Vierzylinder mit fülligem Drehmoment an. Ab 3000 Umdrehungen spürt man zwar, wie der Druck nochmals zulegt, aber von einem Turboloch ist nichts zu spüren.

PORSCHE 944 TURBO: 260 km/h TOPSPEED

Völlig unspektakulär schießt der turbo in 6,3 Sekunden auf Tempo 100 und erreicht nach kurzem Anlauf echte 245 km/h, wobei der Tacho bereits Tempo 270 meldet. Mit dem Turbo S (99.800 Mark), einer limitierten Sonderserie (1635 Stück), steigerte Porsche 1988 die Leistung auf 250 PS wie bei den Fahrzeugen, die im Turbo-Cup zum Einsatz kamen. Damit erreichte der S 260 km/h – exakt die Höchstgeschwindigkeit des 300 PS starken 911 turbo. Mit dem Modellwechsel 1988/89 erhielt der turbo die Spezifikationen der Sonderserie. Gelegentlich und auf besonderen Kundenwunsch sollen auch einige zwangsbeatmete 44er das Werk mit einer Leistungssteigerung auf 300 PS verlassen haben. In der Serie blieben es bis 1991 aber 250 PS.

EINFACHES HANDLING
Das Fahrwerk hätte zweifelsohne noch mehr Leistung verkraftet. Dank der extrem steifen Karosserie, dem Transaxle-Konzept mit optimaler Gewichtsverteilung und dem Fahrwerk mit Aluminiumlenkern zeigt der Porsche ein sehr fein ausbalanciertes Handling. Vor allem die Achslastverteilung von 48 Prozent vorn und 52 Prozent hinten befreien den 944 von den überraschenden Lastwechselreaktionen im Grenzbereich, von denen 911-Piloten der 80er-Jahre noch heute gern mit zittriger Stimme schwärmen. Der 944 turbo bot hingegen eine exzellente Balance.

Und das hat sich bis heute nicht geändert. Wie das Turbotriebwerk ist auch das Fahrverhalten verblüffend. Der Porsche 944 turbo lässt sich selbst heutzutage noch sicher im Grenzbereich bewegen. Neutrales Einlenkverhalten, gefühlvolle Lenkung, wirkungsvolle Bremsen: Der turbo macht Schnellfahren zum Kinderspiel. Gepriesen wurde er aber vor allem von Langstreckenfahrern, die besonders von der stoischen Ruhe seines Geradeauslaufs sogar oberhalb von Tempo 200 begeistert waren.

Bis zum Karriere-Ende 1991 verließen insgesamt 163.302 Porsche 944 das Band, 23.700 Stück davon als turbo. Genau wie damals sind es heute die Turbomodelle der 44er-Baureihe, die auf dem Youngtimermarkt Toppreise erzielen. Wechselten gute Exemplare Anfang des Jahrtausends noch für einen vierstelligen Betrag den Besitzer, sind es aktuell gut 15.000 Euro. Und die Prognosen zeigen weiter nach oben. Auch das beweist: Der 944 ist ein echter Porsche.
Michael Godde

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