Porsche 944 S2/968: Classic Cars 944 S2 oder 968 kaufen – Geschmacksfrage?

von AUTO ZEITUNG 06.09.2017
Inhalt
  1. Einen Porsche 944 S2 oder 968 kaufen?
  2. Marktlage
  3. 944 günstiger, 968 mit mehr Leistung
  4. Größere Räder machen den Unterschied
  5. Technische Daten

Der 944 S2 und sein Nachfolger 968 sind weitgehend baugleich. Im Detail offenbaren sich aber durchaus markante Unterschiede, die sich auf den Charakter dieser beiden Transaxle-Modelle auswirken.

Für viele Sportwagen-Fans stellen sie seit langem den Einstieg in die Porsche-Welt dar: Die Vierzylinder-Modelle der Baureihen 944 und 968. Die Gründe liegen auf der Hand: Brauchbare 944 gibt es schon um die 10.000 Euro, 968 Coupés waren bis vor wenigen Jahren für rund 15.000 Euro zu finden. Inzwischen liegen die Preise allerdings deutlich höher. Trotzdem bekommt der Porsche-Enthusiast nach wie vor für vergleichsweise wenig Geld Fahrleistungen geboten, die je nach Motorisierung auf ähnlichem Niveau liegen wie die eines deutlich teureren Elfers aus der gleichen Zeit. Das Fahrverhalten der Vierzylinder-Porsche ist dabei deutlich ausgewogener, das Fahrgefühl um einiges komfortabler. Bleibt eigentlich nur das Image-Manko der Transaxle-Porsche gegenüber der Ikone 911 mit heiser röchelndem Sechszylinder-Boxer im Heck. Wer bis hierher zustimmend genickt hat, wird sich, eine konkrete Kaufabsicht vorausgesetzt, irgendwann fragen: 944 oder 968? Oldtimer oder Youngtimer? Zur Beantwortung stellen wir zwei Probanden zur Wahl, die besonders eng beieinander liegen.

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Einen Porsche 944 S2 oder 968 kaufen?

Für die bereits 1981 vorgestellte Baureihe 944 haben wir ein spätes Modell gewählt, formal sogar auch noch ein Youngtimer, einen 944 S2 mit Targadach von 1990. Der Porsche Club 968 aus Nordrhein-Westfalen steuerte ein 968 Coupé von 1992 bei. Stellt man beide Autos nebeneinander, kann der 944 sein 80er-Jahre-Design nicht verhehlen: Gesichtslose Front mit versenkten Scheinwerfern, dazu ein Heck mit stark gegliederten Rückleuchten, gummiartigem Heckspoiler und schwarzer Rammleiste. Dagegen sieht der 968 schon deutlich moderner aus. Seine breiten Kotflügel fügen sich fließend in die Flanken ein, die Front lehnt sich an das Design des 993 an. Das rundliche Heck mit dem aufgesetzten Flügel trifft sicher nicht jedermanns Geschmack, wirkt aber wenigstens irgendwie zeitlos. Technisch herrscht weitgehend Übereinstimmung: Anders als die frühen 944, die noch einen 2,5-Liter-Motor besaßen, steckt bei den späten Modellen bereits der Dreiliter-Vierventiler unter der Haube, der auch im 968 Dienst tut. Mit einem Unterschied: im 968 kommt die patentierte Einlassnockenwellen-Verstellung VarioCam zum Einsatz, die den Motor vom Typ M44/43 zum damals drehmomentstärksten Serien-Vierzylinder Sauger der Welt macht.

 

Marktlage

Porsche 944 S2Porsche 968
Zustand 219.700 Euro24.500 Euro
Zustand 312.700 Euro15.000 Euro
Zustand 47000 Euro7500 Euro
Wertentwicklungleicht steigendleicht steigend
 

944 günstiger, 968 mit mehr Leistung

Unterm Strich ergibt sich durch diese Technik und weitere Feinheiten wie eine neuentwickelte Sauganlage mit Bypass-Leitung ein Leistungsplus von 29 PS zugunsten des jüngeren Transaxle-Modells. Im Innenraum hingegen sehen sich beide Porsche zum Verwechseln ähnlich. Wäre unser Foto-968 ein Schalter, würde man allerdings einen sechsten Gang im Schaltschema entdecken, während es beim 944 stets nur fünf Gänge zu schalten gab. Müsste man sich an dieser Stelle schon entscheiden, wäre der Fall klar: Der 944 ist deutlich günstiger bei annähernd gleichem Gegenwert fürs Geld. Aber natürlich sind nackte Zahlen auf dem Papier nicht alles. Im direkten Fahrvergleich wirkt der 968 nicht nur vom Motor her oberhalb von 4000 Umdrehungen bissiger. Er fühlt sich auch spürbar zackiger, direkter, sportlicher an, während der 944 mit relativ weichem Fahrwerk und deutlicher Karosserieneigung in Kurven komfortabler auftritt. Was haben wir beim Studium der technischen Daten übersehen? Ein Blick in die praktischen Typenbüchlein mit dem Titel "Typen, Maße, Toleranzen" bringt keine Erkenntnis.

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Größere Räder machen den Unterschied

Vom Durchmesser des Stabilisators über die Teilenummern der Federbeine bis hin zu den Einstellwerten fürs Fahrwerk lassen sich keine Unterschiede finden. Bleibt nur noch eine Erklärung: Der 968 rollt auf breiteren und größeren Rädern. Und das macht tatsächlich eine Menge aus. Während die Seriendimension für den 944 S2 16-Zöller mit 205er Reifen vorne und 225ern hinten vorsieht, ist so mancher 968 mit der optionalen 17-Zoll-Bereifung mit 225ern vorne und 255ern hinten ausgestattet. Wer einen 944 mit 968er-Feeling möchte, könnte es also mit einer Umrüstung auf 17 Zoll versuchen. Rost ist bei beiden Porsche Dank verzinktem Blech selten ein Thema. Ins Geld geht dafür der Ventiltrieb: Der regelmäßige Wechsel des Zahnriemens ist zeitaufwändig und kostspielig, gleichzeitig aber auch extrem wichtig. Das gilt umso mehr, als idealerweise im selben Arbeitsgang die Wasserpumpe und die Kette der Einlassnockenwelle getauscht werden sollten. Auch das Fahrwerk kann Investitionen erfordern: Falls sich ein Exemplar mit hoher Laufleistung zum Beispiel in Kurven schwammig anfühlt, liegt das vermutlich an ausgeleierten Gelenken der vorderen Querlenker.

 

Technische Daten

Porsche 944 S2Porsche 968
MotorR4R4
NockenwellenantriebZahnriemenZahnriemen
Hubraum2990 ccm2990 ccm
Leistung211 PS240 PS
Maximales Drehmoment280 Nm305 Nm
Getriebe5-Gang, Transaxle6-Gang, Transaxle
AntriebHinterradHinterrad
L/B/H in mm4200/1735/12754320/1735/1255
0-100 km/h6,4 s6,5 s
Höchstgeschwindigkeit240 km/h252 km/h
Verbrauch11,8 l/100 km14,0 l/100 km
Bauzeit1988-19911991-1995
Stückzahl93521538
Preis74.965 Mark (1988)77.500 Mark (1993)

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Unser Fazit

Für den Porsche 944 S2 spricht, dass er günstiger zu haben ist als der 968, aber eigentlich alles genauso gut kann. Im Verbrauch liegt er sogar deutlich unter seinem Nachfolger, wenn auch vermutlich nicht so viel, wie die Messwerte aus unserem Archiv suggerieren. Allerdings fährt der 968 ihm auf der Autobahn im sechsten Gang davon. Für den 968 spricht auch sein Seltenheitsfaktor, der ihm langfristig die bessere Wertentwicklung sichern dürfte. Technisch sind beide Porsche ausgereift. Die Teileversorgung ist sehr gut, bei deftigen Preisen. Und das Design? Reine Geschmackssache!

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