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Dodge Charger SRT Hellcat (2016): Test

Charger Hellcat im Power-Test

Mit 717 Kompressor-PS und 881 Newtonmeter Drehmoment kürt sich der Dodge Charger SRT Hellcat zum stärksten jemals gebauten Muscle-Car der Welt. Wir haben die Höllenkatze zum Test gebeten.

Der Dodge Charger Hellcat liefert in unserem Test ein Schlüsselerlebnis der besonderen Art. Und das gleich in zweifacher Hinsicht. Wenn du den roten Schlüssel einsetzt, entfacht ein wahres Inferno, das du so und in dieser Form noch nicht erlebt hast. Und richte dich darauf ein, dass dir und deinen Begleitern angesichts der durch den roten Zünder aktivierten 717 Pferdestärken im Ernstfall schnell ganz anders wird. Mit dem zweiten, schwarzen Schlüssel ist hingegen alles nur halb so wild: 500 alltagskonform dargereichte PS: Das ist genug, um das notwendige Fahrprogramm – etwa Brötchen holen oder die Kinder zum Kindergarten bringen – souverän zu meistern. Mit ordentlich bemessenem Kofferraumvolumen von 467 Litern und einem beachtlichen Radstand von über drei Metern erscheint einem diese schwarze, respekt einflößende Limousine typisch amerikanischer Prägung ebenso praktisch und vernunftbeflissen wie die bekannten Power-Limousinen aus Europa. Erst recht bei hoher Affinität zum American Way of Drive, denn der Charger SRT – das zeigt unser Test – ist alltagstauglich, offeriert jede Menge Platz und bietet außerdem noch viel Show fürs Geld.

Bildergalerie starten: Dodge Charger SRT Hellcat (2016)

Dodge Charger SRT Hellcat im Video

 

Dodge Charger SRT Hellcat macht uns im Test sprachlos

Nach amerikanischer Definition haben wir es in unserem Test nicht nur mit dem stärksten und schnellsten Muscle-Car, sondern auch der stärksten Serienlimousine der Welt zu tun. Mit der ungezügelten Kraft von 717 Pferden und einem gewaltigen Drehmoment von 881 Newtonmetern ausgestattet, schafft die mehr als fünf Meter lange und weit über zwei Tonnen schwere Limousine die Viertelmeile in elf Sekunden und lässt sich laut Hersteller lässig und bequem auf eine Spitze von 328 km/h treiben. Sofern sie denn mit dem ominösen roten Schlüssel aktiviert worden ist. Bei der Bewältigung derartiger Großtaten ist dem 6,2 Liter großen, von nur je zwei Ventilen pro Zylinder und einer zentralen untenliegenden Nockenwelle gesteuerten HEMI-V8 ein stattlicher Kompressor behilflich, der sich – gleichsam um Anerkennung heischend – auch akustisch sehr dominant in Szene setzt. Der 90-Grad-V8 dreht zwar kaum über seinen Leistungszenit bei 6000 /min hinaus, erledigt dies im Test aber mit einer Drehfreude, Eleganz und Durchsetzungskraft, die selbst Kenner der Materie sprachlos macht. So wie dieser in seiner Machart herkömmlich erscheinende Small-Block im perfekten Zusammenspiel mit der Achtstufen-Automatik zu Werke geht, könnte man meinen, es mit einem renntauglichen Antriebsstrang neuester Art zu tun zu haben. Der ZF-Automat schaltet hoch wie runter fast so schnell wie ein Renngetriebe, dafür aber deutlich eleganter. Das Ganze untermalt von all jenen akustisch so reizvollen Intermezzi, die man im Umfeld eines veritablen Ami-V8 erwarten darf. Bevor wir das Konsumverhalten dieses von 95-oktanigem Superkraftstoff angeheizten Kraftwerks interpretieren und womöglich noch eine betrübliche CO2- Diskussion anzetteln, richten wir unser Augenmerk lieber auf die übrigen Fahrfreude generierenden und Fahrsicherheit belegenden Aspekte, die in einem umfänglich ausgestatteten, geräumigen und auch gewichtigen Umfeld gewiss nicht selbstverständlich sind. Die Bremsanlage mit Brembo-Komponenten etwa ist imstande, den verlockenden Avancen des jederzeit im Nu mit bulligem Antritt aufwartenden Motors energische Verzögerungsleistungen und ein verlässliches Durchhaltevermögen entgegenzusetzen. Weder die Kompressor-geladene V8-Power noch das massige Gewicht – vollgetankt 2104 Kilogramm – können ihr im ersten Anlauf etwas anhaben.

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Der Dodge Charger SRT Hellcat überzeugt auch im Alltag

Den in unserem Test ermittelten Messwert von 4,5 Sekunden auf 100 km/h passt nur ungefahr in die Gefühlswelt, in die sich die Besatzung katapultiert sieht, wenn bei vollem Leistungseinsatz die Tachonadel über die Skala huscht. Das Gebrüll des Motors und die im Nacken spürbare Trägheit der Masse haben speziell in Verbindung mit dem ansonsten limousinenhaften Auftritt fast etwas Apokalyptisches. Ungeachtet der Launch-Control mag sich die Hellcat-Variante offenbar keiner elektronischen Maßregelung beugen, was im Test dazu führt, dass die 275er-Pirelli auf der allein angetriebenen Hinterachse angesichts des riesigen Drehmomentbergs leicht zum Durchdrehen neigen – natürlich nur dann, wenn der Gasfuß die nötige Sensibilität vermissen lässt. Elektronik-Beihilfen und langer Radstand hin oder her: Die offenkundige Traktionsschwäche des Hecktrieblers spiegelt letztlich nur die Gewaltausbrüche des Triebwerks wider. Das adaptive, von Bilstein mitentwickelte Fahrwerk ist ein Muster an Angepasstheit. Es hält gemäß seiner drei anwählbaren Modi Street, Sport und Track Dämpfer-Kennlinien parat, die sich gut voneinander unterscheiden lassen: angemessen komfortabel einerseits, betont straff und die Wankneigung verhindernd im anderen Extrem. Auch die elektrisch unterstützte Lenkung, im Test anfangs von erstaunlicher Direktheit geprägt, zeigt über den Tempobereich von null bis weit über 300 km/h ein so adaptives Wesen, dass man angesichts der Agilität auf der einen und der von nichts und niemanden zu irritierenden Geradeauslaufsicherheit auf der anderen Seite des Fahrdynamik-Spektrums von einem in jeder Hinsicht ausgewogenen, sicheren und gutmütigen Fahrverhalten dieser Höllenkatze sprechen kann.

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Horst von Saurma
Fazit

Dank des Imports durch die Firma AEC (aeceurope.com) ist es uns möglich, ein Extrem zu erleben, das zwar der Vernunft wenig dienlich ist, Fans amerikanischer Kultur aber all jenes geballt unter die Nase reibt, was sie automobiltechnisch antreibt und begeistert. Welcher Petrolhead kann sich solcher Überredungskunst entziehen? CO2-Werte haben in diesem Umfeld keine Relevanz.