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Skoda Superb im 100.000-Kilometer-Dauertest

Skoda Superb 1.8 TSI

Nach 100.000 Kilometern mit dem großen Skoda Superb sind wir gut angekommen. Nur ein einziges Mal brauchte der Tscheche eine OP

Eckdaten
PS-kW160 PS (118 kW)
AntriebVorderrad, 7-Gang-Doppelkupplung
0-100 km/h8.50 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit220 km/h
Preis27.450,00 €

Galt der erste Skoda Superb noch als Geheimtipp für Kenner, die einen VW Passat mit mehr Platz haben wollen, ist die zweite Generation längst ein Erfolgsmodell. Mit rund 15.000 Zulassungen hat sich der 4,84 Meter lange Tscheche im vergangenen Jahr zur erfolgreichsten Mittelklasse-Importlimousine auf dem deutschen Markt gemausert. Seine Rivalen wie Mazda 6, Renault Laguna oder Toyota Avensis verkaufen sich höchstens halb so oft. Und selbst Kompaktwagen wie der Toyota Auris erreichen deutlich weniger Zulassungen in Deutschland als der Superb. Grund genug, dem Skoda im 100.000-Kilometer-Dauertest der AUTO ZEITUNG gründlich auf den Zahn zu fühlen.

Die Reise begann der Superb am 29. Januar 2009 mit einem aufgeladenen, 160 PS starken 1.8 TSI Motor und dem seit August 2008 erhältlichen Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe (DSG). In der Topausführung Elegance, gekoppelt mit einigen weiteren Komfortund Sicherheitsausstattungen wie Radio-Navigationssystem mit TV-Tuner, Solardach, Standheizung, Parklenkassistent und hinteren Seiten-Airbags, repräsentierte die tschechische Limousine einen Gegenwert von 40.430 Euro – und sah sich in der Redaktion einer großen Erwartungshaltung gegenüber. Hatte der Superb doch einerseits in diversen Vergleichstests die Konkurrenz geradezu gedemütigt, während sich auf der anderen Seite die Automobilbauer aus Mlada Boleslav in den vergangenen Jahren einen exzellenten Ruf in Sachen Qualität erworben haben.

Entsprechend positiv fallen auch die ersten Fahrtenbucheintragungen aus: „Sehr angenehmes Langstreckenauto, komfortabel, gute Sitze, viel Platz, gutes Navigationssystem und sehr sparsam.“ Oder wie ein anderer Kollege schreibt: „Der hat hinten so viel Platz – da hat man fast ein schlechtes Gewissen, wenn man allein unterwegs ist.“ Auch Art Director Andreas Schulz schließt sich diesem Lob an und notiert: „Schönes Langstreckenauto. Ich bin von der wertigen Verarbeitung positiv überrascht, und die zweifach öffnende Heckklappe ist echt innovativ.“ Doch wie in Beziehungen so häufig zu beobachten, folgt auf die Phase der frischen Verliebtheit mehr oder weniger zügig eine etwas kritischere Betrachtungsweise. So moniert etwa der Stellvertretende Chefredakteur Klaus Uckrow, dass der 60-Liter-Tank bei schneller Autobahnfahrt zwischen 160 und 200 km/h gerade mal für 400 Kilometer reiche.

KULTIVIERTER UND SPARSAMER MOTOR
Ansonsten überwiegen die positiven Anmerkungen zum Antriebsaggregat, das – dank Abgasturbolader – seine Spitzenleistung von 160 PS zwischen 4500 und 6200 Touren bringt und auch sein maximales Drehmoment von 250 Newtonmetern über den breiten Bereich von 1500 bis 4500 /min. zur Verfügung stellt.

So vermerkt etwa Testredakteur Elmar Siepen: „Die Motorleistung ist auch in voll beladenem Zustand – und hier reden wir von deutlich über zwei Tonnen – nicht zuletzt wegen der hohen Drehfreude ausreichend.“ Des Weiteren ist für Siepen „der Verbrauch des sehr gut schallgedämmten Aggregats mit 8,5 bis 10,0 Litern, angesichts der Fahrzeuggröße, durchaus akzeptabel“. Was auch ein weiterer Eintrag bestätigt: „Kultivierter, kräftiger und sparsamer Motor, der sich bei Landstraßenfahrt laut Bordcomputer mit 7,8 Litern begnügt.“

Zwiespältiger sind da schon die Anmerkungen zum Fahrkomfort. So nörgelt etwa Testredakteur Michael Godde darüber, dass das „Fahrwerk poltert“. Und mit dieser Ansicht steht er nicht allein da. „Mäßiger Federungskomfort, , stößig“ sind weitere Beiträge im Fahrtenbuch. Doch das wäre noch kein Grund, einen Skoda Superb nicht in die engere Wahl zu nehmen. Denn die tschechischen Ingenieure haben in der laufenden Serie längst nachjustiert – wie wir bei Testwagen neueren Geburtsdatums feststellen konnten, die deutlich geschmeidiger mit den Unbilden der Straßenoberfläche umgingen.

Wobei das erwähnte Manko auch beim Dauertest-Superb lediglich für die Besetzung mit maximal zwei Leuten galt. Denn wie Redakteur Elmar Siepen stellvertretend für die meisten Fahrer feststellt: „Beladen spricht die Federung viel sensibler an, und der Superb rollt wesentlich satter ab.

Gespannt waren wir auf das Doppelkupplungsgetriebe (DSG), das die meisten Wettbewerber des Superb gar nicht anbieten. Allerdings erntete es bald Kritik, wie ein Blick ins Fahrtenbuch zeigt. Diese zweite Generation von Doppelkupplungsgetrieben aus dem Volkswagen-Konzern ist für Autos mit einem Drehmoment von unter 300 Newtonmetern konzipiert, hat sieben Gänge und verfügt über zwei Trockenkupplungen. So vermelden diverse Einträge schon zu Beginn des Dauertests: „Das Getriebe schaltet beim sanften Anfahren nicht immer ruckfrei!“ Oder: „Kupplung ruckt beim normalen Anfahren – kein Kavaliersstart! – zu zackig ein.“ Oder: „Automatik schaltet zu nervös zwischen den kleinen Gängen“. Und: „Das Anfahrruckeln nervt zunehmend.“

Noch eine weitere Eigenschaft des Doppelkupplungsgetriebes stieß nicht auf sonderliche Gegenliebe. So bemängelt Andreas Schulz: „Die Automatik schaltet im D-Modus zu früh hoch. Ich bin deshalb im Stadtverkehr lieber im S-Modus gefahren.“ Und Elmar Siepen ergänzt: „Das DSG arbeitet zwar sehr aufmerksam, dürfte aber im D-Modus speziell an Steigungen gern etwas früher zurückschalten.“ Die negativen Anmerkungen zum Doppelkupplungsgetriebe im Fahrtenbuch enden schlagartig, nachdem Skoda das DSG auf Garantie getauscht hat – ab diesem Moment funktionierte alles, wie es sein sollte.


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Wie der Superb auch ansonsten völlig unbeeindruckt seine Bahn zieht. Die Worte Streik oder Arbeitsverweigerung kommen in seinem Lastenheft nicht vor. Der Skoda ist während des fast zweijährigen Dauertests kein einziges Mal liegengeblieben und hat auch nur einmal außerplanmäßig die Werkstatt aufgesucht, als die Abgas-Kontrolllampe aufleuchtete und nicht wieder erlosch. Beim Check war jedoch kein Fehler festzustellen, und das Lämpchen zog es dann doch vor, wieder auszugehen. Der Superb brauchte ansonsten Sprit und sporadisch mal ein bisschen Öl. Von Letzterem verlangte er außerplanmäßig 2,1 Liter auf 100.000 Kilometern. Im Hinblick auf Benzin zeigte er sich naturgemäß deutlich trinkfreudiger. Wenngleich es für den Einwand, 9,66 Liter pro 100 Kilometer über die gesamte Dauertestdistanz seien ja nun nicht besonders sparsam, durchaus handfeste Gegenargumente gibt: Aufgrund ihres Raumangebots, ihrer reichlichen Zuladung – und nicht zuletzt ihres Fahrkomforts bei voller Beladung – war die große Limousine häufig erste Wahl, wenn es darum ging, mit komplettem Foto- und Testequipment 1000-Kilometer-Ritte zu absolvieren. Und das treibt den Verbrauch nun einmal hoch. Im Familienalltag dürften anderthalb Liter weniger locker möglich sein. Ein Problem hatten indes einige Kollegen mit dem COLUMBUSNavigationssystem. So kreidete Klaus Uckrow dem DVD-Navi an: „Es ist sehr langsam. Bei schneller Folge von Richtungswechseln fährt man leicht falsch.“

Elmar Siepen hingegen lobt: „Das Navigationssystem ist kinderleicht zu bedienen und arbeitet schnell.“ Wobei er allerdings einschränkt: „Wer mit der Touchscreen-Funktion für die Landkarte arbeitet (Verschieben der Karte mit dem Finger), stellt fest, dass es mitunter lange dauert, bis der neue Kartenausschnitt dargestellt wird.“

Dabei ist auch hier Schnelligkeit relativ. Wer es vorher mit einem Festplatten-Navi zu tun hatte, wird das DVD-Navi möglicherweise als langsam empfinden. Andere, die nur Baumarkt-Systeme kennen, sind vom Tempozuwachs wahrscheinlich sehr angetan. Ähnlich kontrovers wird auch die eingangs erwähnte „innovative“ Heckklappenlösung gesehen. Während ein Eintrag schmäht: „Die doppelte Heckklappenöffnung erweist sich einmal mehr als Gimmick. Warum nicht einfach eine große Klappe?“, antwortet ein anderer: „Der Twindoor-Klappendeckel ist praktischer als gedacht, zum Beispiel bei montiertem Fahrradträger.“

WENIGE VERSCHLEISSERSCHEINUNGEN
Wie intensiv insbesondere der Kofferraum genutzt wurde, zeigten gegen Ende des Dauertests erste Verschleißerscheinungen im Ladeabteil. Wobei aber auch diese eher dem Einsatz des Superb als „Lastesel“ geschuldet sein dürften. Denn das häufige Ein- und Ausladen von großen und vor allem kantigen Aluminium-Koffern gehört eher nicht zum deutschen Familienalltag. So löste sich die innere Abdeckung eines Rücklichts, die Kofferraumdeckelverkleidung verlor ihre Befestigungs-Clips, die Verzurrösen gingen kaputt, und der Griff des praktischen doppelten Ladebodens bekam einen Riss.

Eher unbedeutende Kleinigkeiten, die sich für vergleichsweise wenig Geld wieder richten lassen und die den sehr positiven Gesamteindruck des Skoda im harten Dauertesteinsatz daher nicht schmälern können. Denn auch nach 100.000 Kilometern steht der Skoda Superb buchstäblich immer noch gut da. Und auch seine Kostenbilanz fällt positiv aus: Trotz seines häufigen Einsatzes als schnelles Langstreckenauto liegen die Kosten pro Kilometer inklusive Wertverlust bei günstigen 0,39 Euro. Der kleinere VW Tiguan mit sparsamem Turbodiesel lag in Heft 15/2010 beispielsweise bei gut 0,37 Euro pro Kilometer. Auch das erklärt zum Teil die Erfolgsgeschichte des großen Tschechen.

Fazit

Der Skoda Superb 1.8 TSI hat den 100.000 Kilometer langen Dauertest der AUTO ZEITUNG, abgesehen von einem kleinen Fleck auf der Weste (Tausch des Doppelkupplungsgetriebes), überaus souverän absolviert – ohne ein einziges Mal liegenzubleiben! Sein überzeugender Motor, Raumangebot und Fahrkomfort machen den Tschechen zur mehr als überlegenswerten Alternative für das nächste Familienauto. Zumal sich sein Verbrauch und die übrigen Betriebskosten in einem Rahmen halten, den das Familienbudget gut verkraften kann.

Gebhard Cramm

Inhaltsübersicht

Autos im Test

Skoda Superb 1.8 TSI

PS/KW 160/118

0-100 km/h in 8.50s

Vorderrad, 7-Gang-Doppelkupplung

Spitze 220 km/h

Preis 27.450,00 €