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Lloyd Alexander Frua Coupé: Fahrbericht

Großer Entwurf auf kleinem Fuß

Nur 49 Mal wurde das elegante Coupé aus der Feder von Pietro Frua gebaut – sein Design findet sich in vielen Coupés wieder. Fahrbericht

Der Weg nach oben, sprich vom Motorrad zum Volkswagen, führte in den 50er-Jahren nur über die Fahrzeugklasse bis ein Liter Hubraum. Mit dem Wohlstand wuchs auch der Wettbewerb in diesem lukrativen Aufsteigermarkt.

Rund 88.000 Einheiten wurden 1957 in Deutschland abgesetzt, im Folgejahr fast 50.000 Stück mehr. Drei Marken dominierten – Lloyd, Fiat und DKW. Weitere Hersteller drängten nach. Bis 1958 kamen der NSU Prinz, der BMW 600 und das „große“ Goggomobil dazu.

Fiat baute den 600er seit 1956 auch in Heilbronn und ließ beim Karosseriewerk Weinsberg gleich noch ein paar todschicke Coupé-Karossen für seine kleinen Erfolgsmodelle schneidern. Deutschlands Klassenliebling war damals der bei der Borgward-Gruppe gefertigte Lloyd Alexander TS, doch Carl Borgward spürte, dass die führende Position in Gefahr geriet.

Die Arabella befand sich in der Entwicklung, aber würde sie rechtzeitig auf den Markt kommen? „Was Fiat kann, kann ich auch“, muss Borgward sich gedacht haben, und er ließ für den Alexander TS ein italienisches Coupé-Kleid entwerfen.

STATT EINES ZWEITEN KARMANNGHIA NUR EINE FINGERÜBUNG

Seine Wahl fiel dabei auf die Firma Ghia, stilistischer Urheber des ab 1955 bei Karmann gebauten Volkswagen-Coupés. Vielleicht erhoffte sich Borgward, diesen Coup eine Klasse tiefer mit dem Alexander TS wiederholen zu können.

Doch anstelle eines neuen Volksschlagers wurde daraus bloß eine Schaufensterpuppe für die Verkaufsräume einzelner Lloyd-Händler. Carl Borgward ging – bewusst oder unbewusst – ein hohes Risiko ein, als er dann Pietro Frua mit der Gestaltung eines Alexander TS Coupés beauftragte.

Frua war einer der talentiertesten Designer und machte auf Messen mit eleganten Umbauten kleiner Fiat-Modelle, aber auch mit Sportwagen auf Maserati-Chassis Furore. 1957 ging er als neuer Topstilist zu Ghia, setzte sich jedoch sofort bei Firmenchef Luigi Segre in die Nesseln, weil er die Gestaltung einer für die Serienfertigung gedachten Coupé- Version des Renault Dauphine eigenmächtig änderte.

Frua und Segre zerstritten sich ebenso rasch wie nachhaltig darüber, und so kam es, dass Borgwards Partner bereits wieder in seiner eigenen kleinen Firma Regie führte, als der Alexander TS ins Rollen kam.

Im Mai 1958 begann Frua mit den Zeichnungen für das Coupé auf Basis Alexander, und es ist offensichtlich, dass ihm dabei seine eigenen Entwürfe für den Renault Floride als Vorbild dienten. Technisch blieb dagegen alles beim Alten.

So kämpfte auch der Alexander TS Frua mit seinem 25 PS-Zweizylinder-Viertakter tapfer gegen zunehmend besser motorisierte Konkurrenz. Doch der brave Bremer Kleinwagen war optisch nicht wiederzuerkennen.

>>Teil 2, technische Daten & Marktlage

W. Müller, K. Rehmann, G. Reichel