Momo Mirage Coupe: Seltene Autos Fata Morgana

14.02.2015

Der Momo Mirage blieb eine Sinnestäuschung am Supercar-Horizont: fast so kultiviert wie ein Rolls-Royce, fast so temperamentvoll wie ein Ferrari

Ein großes Comeback feierte der Momo Mirage auf dem Concorso d’Eleganza Villa d’Este 2009: Der glamouröse Italo-Amerikaner aus New York, ein 2+2-Coupé mit einem amerikanischen V8 unter der Fronthaube, erinnerte an ein ebenso mutiges wie leider an der Klippen der Wirtschaftlichkeit gestrandetes Projekt von Anfang der Siebzigerjahre.

Zwei Amerikaner waren seinerzeit ausgezogen, das Luxussegment um eine wahre Diva zu bereichern, um Komfort und Dynamik zu einer bis dato nicht gekannten Synthese zu verschmelzen.

Dazu sollte das Beste aus den beiden automobilen Kulturkreisen Europa und USA zusammengeführt werden: europäische Eleganz des Karosseriebaus und amerikanische Antriebstechnik, die Design- und Ingenieurskunst der alten mit dem Pragmatismus der neuen Welt.

 

ZWEI MACHER UND IHR TEAM

Die beiden Hauptakteure der Operation Mirage: Alfredo Momo und Peter S. Kalikow, Rennwagenbauer der eine, Multiunternehmer der andere. Momo hatte sich einen Namen gemacht als Teamchef der amerikanischen Rennlegende Briggs Cunningham.

Kalikow kam durch sein ererbtes Immobiliengeschäft, seine Verlegertätigkeit und sein wirtschaftspolitisches Engagement zu Berühmtheit – und nicht zuletzt als (Ferrari-)Sammler. Der eine brachte Knowhow und Netzwerk ein, der andere das Geld.

Ultimatives Design hatten die beiden ihrem Mirage ins Lastenheft geschrieben, nur das Beste kam in Betracht. Nachdem man bei einer Reihe italienischer Karossiers vorstellig geworden war, etwa bei Michelotti, Ghia und Pininfarina, wurde man mit Pietro Frua handelseinig, dem Couturier, der so unterschiedlichen Wagen unverwechselbare Form verliehen hatte wie dem Glas V8, dem Maserati Mistral, dem Monteverdi oder der Renault Floride.

Dieser Maestro lieferte eine Stahlkarosserie von klassischer Eleganz, die auf Entwürfen des New Yorker Designers Gene Garfi nkle beruhte. Der Gestalter kam aus dem Studio der amerikanischen Design-Legende Raymond Loewy, dem Schöpfer der Coca-Cola-Flasche. Garfinkle reiste 1970 zu Frua nach Turin. Dort entstand unter seiner maßgeblichen Mitarbeit das erste Modell.

Die verwindungssteife Plattform, auf der Frua seine Karosseriearchitektur errichtete, stammte aus der Modeneser Werkstatt der Formel-Junior-Legende Vittorio Stanguellini, einem alten Bekannten Momos.

Der Einfachheit hal-die Doppelquerlenker-Mechanik des Jaguar Mk II zurück. Für die Hinterachse entwarf Stanguellini eine dem entsprechende Aufhängung.

Für den Antrieb sah das Konzept amerikanische Kraftwerkstechnik vor: den seinerzeit brandneuen LT1 von GM, einen V8-Poltergeist mit 304 PS, wie er auch in der Chevrolet Corvette Verwendung fand. Er übertrug sein strammes Drehmoment auf ein Fünfgang-Schaltgetriebe von ZF.

Der 1972 auf der New York Auto Show vorgestellte Prototyp – vom Fachmagazin Road & Track euphorisch besprochen – verfügte aber über eine GM-Dreistufen-Automatik. Die Freundschaft von Momo zu GM-Top-Designer Bill Mitchell hatte technisch wie finanziell die Wege für diese Lösung geebnet.


CHASSIS VOM RENNWAGENBAUER


Verfeinerung erfuhr der Produktionsprototyp gegenüber dem Showcar durch eine Batterie von vier Weber-Doppelvergasern. Gemessen daran erschien der originale Quadrajet-Vierfach-Fallstromvergaser wie Landmaschinentechnik.

Der Kursverfall des Dollars und wirtschaftliche Schwierigkeiten in Italien ließen die Kostensituation 1972 aus dem Ruder laufen. Kalikow zog noch im gleichen Jahr den Stecker – gerade als es richtig losgehen sollte. 500.000 Dollar Miese standen zu Buch.

Insgesamt wurden fünf Mirage hergestellt, von denen sich drei in Kalikows Sammlung befinden. Einer ging an Stanguellini, einer an GM. Kalikows für den Villa-d’Este-Concorso feingemachter Momo demonstriert, was der Automobilwelt mit ihm entging. Sein Name enthielt, unfreiwillig, bereits sein Omen:  Mirage bedeutet Fata Morgana.

MOMO MIRAGE (Bj.: 1971-72): Technische Daten und Fakten
Antrieb
V8-Zylinder; Hubraum: 5736 cm3; Leistung: 224 kW/305 PS bei 5600/min; max. Drehmoment: 480 Nm bei 4000/min; Fünfgang-Getriebe; Hinterradantrieb
Aufbau und Fahrwerk
Ganzstahlkarosserie mit zwei Türen; Radaufhängung: v./h. doppelte Dreieckquerlenker, Teleskopstoßdämpfer, Schraubenfedern; Bremsen: v./h. innenbelüftete Scheiben; Reifen: k. A.
Eckdaten
L/B/H: 4958/1778/1334 mm; Radstand: 2639 mm; Leergewicht: 1633 kg; Bauz.: 1971 bis 1972; Stückz.: 5; Preisziel (1972): 12.900 USD
Fahrleistungen
Beschleunigung: 0 bis 100 km/h: ca. 6 s; Höchstgeschw.: ca. 250 km/h

Klaus Rosshuber

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