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Audi RS4 Avant/BMW Alpina B3 Biturbo: Test

RS4 Avant im Duell mit dem D3 Biturbo

Familienkombis mit mehr als 400 PS ermöglichen beim Sonntagsausflug völlig neue Erfahrungen. Im Vergleichstest trifft der Audi RS 4 Avant auf den Alpina B3 Touring. Steigen Sie ein!

Wenn die Familie wächst, der Spaß am sportlichen Fahren aber trotzdem nicht fehlen soll, ist oft guter Rat teuer – bei entsprechender Solvenz jedoch erhältlich. Kraft und eben auch ausreichend Laderaum hält für solche Fälle Audis RS 4 Avant mit 450 PS und Allradantrieb bereit. Ebenfalls aus Bayern kommt von der Edelschmiede Alpina der auf dem BMW 3er-Kombi basierende B3 Touring mit 410 PS. Optional verteilt auch er seine Kraft auf alle vier Räder. Das sind die Voraussetzungen, die hier wie dort eindrucksvolle längs- und querdynamische Erfahrungen versprechen – auf dass jede Asphaltbiegung zur Leistungskurve werde. Audi setzt beim RS 4 Avant auf einen 4,2 Liter großen Hochdrehzahl-V8-Sauger, der seinen Leistungszenit erst bei 8250/min erreicht. Unterhalb dieser Marke herrscht dank des drehzahlgierigen Charakters aber alles andere als Langeweile. Doch der 3,0-Liter-Biturbo des Alpina (410 PS bei 5500 bis 6250/min) agiert gefühlt druckvoller aus dem Keller. Kein Wunder, produziert doch der turbinenartig laufenden Reihensechszylinder unter Volllast mit 600 Nm ein um 170 Nm höheres sowie 1000/min früher anliegendes Drehmomentmaximum als das Audi-Triebwerk und tönt dabei herrlich sonor aus den serienmäßigen Akrapovic-Endschalldämpfern. Für jene, in deren Blutbahnen ein Schuss Hochoktaniges zirkuliert, liefert der Audi dafür gänsehautfördendes, bollerndes V8-Stakkato. Auch bei den Fahrleistungsmessungen verblüfft der gegenüber dem RS 4 um 40 PS schwächere Alpina.

Test Powerkombis: Alpina D3 Biturbo trifft den Audi RS4

Bis zur 100 km/h-Marke vergehen im B3 lediglich 4,0 Sekunden, im Audi dagegen 4,3 Sekunden. 200 km/h erreicht der RS 4 nach 15,1 Sekunden, der Alpina aber schon nach 14,3 Sekunden. Auch beim Spitzentempo fährt der Buchloer Sportkombi mit 302 km/h dem Audi, dessen Höchstgeschwindigkeit sich für 1500 Euro vom 250 auf 280 km/h anheben lässt, auf und davon. Dabei ist ihm die famose Achtstufen-Automatik behilflich, die vor allem im kalten Zustand mit sanfteren Gangwechseln aufwartet als das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe des Ingolstädters. Und der Verbrauch? Der Audi konsumiert auf unserer Testrunde 13,8 Liter Super Plus pro 100 Kilometer, während es der Alpina lediglich bei 10,5 Liter Kraftstoff bewenden lässt. Chapeau!

Bildergalerie: Audi RS 4 Avant vs. BMW Alpina B3 Touring

 

Sowohl beim Slalom als auch beim Handling macht sich die im Vergleich zum Alpina stark ausgprägte Kopflastigkeit stets bemerkbar. Mit 116 kg mehr auf der Vorderachse setzt der RS4 deutlich früher zum Untersteuern an als der B3. Da ist vom Fahrer eine akkurate Linie gefragt. Zwar erreicht der Audi eine minimal bessere Slalom-Zeit, was mit dem leicht verzögerten Ansprechen auf Gaspedalbefehle beim Alpina zusammenhängen dürfte. Doch wendet sich das Bild auf dem Handling-parcours, wo sich der B3 Touring neutraler gibt. Auch in Sachen Lenkung punktet der Buchloer mit den geringeren Lenkkräften, ohne sich aber eine Blöße bei der Lenkpräzision zu geben. Das Ergebnis lässt sich an der Uhr ablesen, denn der Alpina nimmt dem Audi auf dem Handling-Kurs glatte zwei Sekunden ab – eine Welt, und das nicht nur in Sportkombi-Kreisen. Das Maß der Dinge markiert der Ingolstädter aber beim Bremsen, wo er selbst mit warmer Anlage aus 100 km/h im Schnitt nach 32,9 Metern steht, während der B3 hierfür 34,2 Meter benötigt.

Serienmäßig ist der B3 mit 20-Zoll-Rädern und adaptiven Dämpfern ausgestattet, während der RS4 von Haus aus auf 19-Zoll-Rädern rollt. Für die adaptiven Dämpfer ruft Audi 1950 Euro auf. Das Alpina-Fahrwerk kennzeichnet trotz üppiger Bereifung ein unerwartet sensibles Anfedern und ein ordentliches Absorptionsvermögen. Gleichwohl produziert er auf welliger Fahrbahn reichlich Aufbaubewegungen. Demgegenüber beantwortet der RS4 kurze Bodenwellen mit teilweise kräftigen Nickschwingungen. Beladen wirkt der Alpina souveräner, da die Karosseriebewegungen abnehmen und er in der Summe eine Spur komfortabler als der RS4 daherkommt. Bei hohen Tempi punktet der Ingolstädter dagegen mit einer deutlich besseren Geräuschdämmung, während der Alpina akustisch recht präsent abrollt. Ansonsten sorgt der Audi mit einer serienmäßigen Sitzbelüftung für die Vordersitze für das Wohl der Insassen, sofern man bei der Bestellung statt der S-Sportsitze die aufpreisfreien Klimakomfortsitze gewählt hat. Allerdings bieten die S-Sportsitze unseres Testwagens im Vergleich zum Alpina-Gestühl eine etwas bessere Schulterabstützung.

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Geht die eilige Familie auf Reisen, gefällt der Alpina mit einem etwas größeren Kofferraum, mehr Zuladung sowie einer höheren Variabilität dank der serienmäßig dreigeteilt klappbaren Rücksitzlehne samt durchgängig ebenem Ladeboden. Und auch bei der Sicherheitsausstattung hat der Buchloer die Nase vor dem Ingolstädter: Er bietet unter anderem ein optionales Head-up-Display sowie serienmäßig Nebelscheinwerfer. Eine piekfeine Verarbeitung mit viel Liebe zum Detail kennzeichnet dagegen beide Kombis. Auch wenn Geld in dieser Liga kaum das Hauptargument für die Kaufentscheidung sein dürfte, ist ein Blick auf die Kosten sehr aufschlussreich. Inklusive der testrelevanten Ausstattungsdetails bleibt der Alpina über 10.000 Euro günstiger als der Audi. Auch beim Wertverlust schneidet der B3 um mehr als 4000 Euro besser ab. Hinzu kommen die günstigeren Aufwendungen für Benzin und Steuer. Nur bei den Werkstattkosten und der Versicherungsprämien fällt der Alpina klar zurück.

Elmar Siepen
Fazit

David schlägt Goliath: Die kleine Edelschmiede aus Buchloe zeigt mit dem BMW Alpina B3 Touring, wer bei den beiden Kraftkombis der Herr im Haus ist: starker, aber parsamer Motor, superbes Handling und vergleichsweise günstigere Kostenbilanz. Der komfortablere, aber angejahrte Audi RS 4 Avant kontert mit seinem charakterstarken V8-Sauger und Top-Bremsen