BMW-Chef Norbert Reithofer im Interview über die Pläne des Autobauers

"Neuland betreten"

BMW-Chef Norbert Reithofer erläutert im Interview die Bedeutung der Elektromobilität und Pläne zu einem neuen Sportwagen

Herr Reithofer, wissen Sie , bei welchem Kurs die BMW-Aktie stand, als Sie den Vorstandsvorsitz übernommen haben?

Nicht genau, aber er dürfte sich irgendwo zwischen 35 und 40 Euro bewegt haben.

Die Aktie stand bei 40,48 Euro – das ist eine Steigerung um rund 80 Prozent. Damit sind Sie der erfolgreichste BMW-Chef aller Zeiten. Sind Sie zufrieden?

Das Unternehmen hat sich hervorragend entwickelt, insofern könnte man schon zufrieden sein. Aber Zufriedenheit ist auch gefährlich. Ich blicke immer einige Jahre in die Zukunft und stelle mir die Frage: Was müssen wir tun, um auch dann noch so erfolgreich zu sein? Das hat uns auch im Jahre 2007 getrieben, die Strategie "Number One" zu starten.

Number One ist ein gutes Stichwort. BMW ist derzeit die Premium-Marke Nummer eins auch bei den SUV.

Ja, insbesondere die Entwickung der SUVVerkäufe begeistert uns. Im vergangenen Jahr haben wir allein über 550.000 SUV – einschließlich des MINI Countryman – verkauft. Als wir 1999 mit dem BMW X5 gestartet sind, befürchteten damals einige im Vertrieb, dass es für dieses Fahrzeug nicht genug Käufer geben werde. Insgesamt haben wir bislang weit über 2,7 Millionen BMW X-Modelle ausgeliefert. 2014 werden wir diese Erfolgsgeschichte mit dem BMW X4 fortschreiben.

Sie haben die Marke BMW stark verändert: Bald wird es den ersten BMW mit Frontantrieb geben, Sie haben frühzeitig auf Downsizing gesetzt und auch auf Elektromobilität. Müssen sich Marken vor dem Hintergrund der Globalisierung im Markenkern verändern und neu aufstellen?

Nicht nur allein wegen der Globalisierung, das Umfeld wird sich zukünftig stark verändern. Nehmen Sie zum Beispiel die CO2-Regularien, die weltweit auf uns zukommen werden. Deshalb müssen wir uns überlegen, wie wir unsere Kernwerte in die Zukunft transportieren können.

Wie würden Sie den Markenkern von BMW beschreiben?

BMW wird immer für Dynamik und Freude am Fahren stehen. Wir haben uns dabei zudem auf die Fahne geschrieben, Sportlichkeit mit Effizienz und Nachhaltigkeit zu verbinden. BMW steht natürlich auch für zukunftsweisendes Design, höchste Produktsubstanz und Innovationen. Ich halte es auch für wichtig, sich in neue Produktbereiche vorzuwagen, beispielsweise den Frontantrieb, der auf einer Front- und Allrad-Architektur für BMW und MINI aufbaut. Aber auch die Entwicklung einer Motorenfamilie, die neben Sechs- und Vier- auch aufgeladene Dreizylindermotoren beinhaltet. Und natürlich BMW i mit den beiden Modellen BMW i3 und i8. Das hat die Marke BMW noch weiter nach vorne gebracht. Die i-Modelle sind eine Investition in die Zukunft.

Was soll BMW für Sie in der Zukunft sein: die "grünste“ oder die sportlichste Premium-Marke?

Das eine schließt das andere nicht aus. BMW ist und wird auch in Zukunft eine sportliche und effiziente Premium-Marke sein. Unser Ziel ist es auch, die zukünftigen gesetzlichen CO2-Vorgaben zu erfüllen. Zum Beispiel die 95 Gramm CO2 pro Kilometer, die die Europäische Union 2020 im Durchschnitt als Flottenziel für die Industrie vorgibt. Ohne alternative Antriebe oder Dreizylinder-Turbomotoren werden wir das nicht schaffen. Aber die 68 bis 78 Gramm CO2 pro Kilometer für das Jahr 2025, die nun im Raum stehen, sind aus meiner Sicht politisches Wunschkonzert und haben mit technischer Analyse oder Machbarkeit nicht das Geringste zu tun.

>> Teil 2: Reithofer über Erwartungen an BMW i und die Kooperation mit Toyota