Lexus GS 450h 2012 - Hybrid-Version im Test

Lexus GS 450h

Mit der vierten Generation des Lexus GS wollen die Japaner aus dem Schatten der deutschen Konkurrenz treten. Im Test die Hybrid-Version

Eckdaten
PS-kW292 PS (215 kW)
AntriebHinterrad, Planetensätze, stufenlos
0-100 km/h6.50 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit250 km/h
Preis80.500,00 €

Wer Großes schaffen möchte, muss sich hohe Ziele setzen. Das dachten sich offensichtlich auch die Lexus-Verantwortlichen bei der Entwicklung des neuen GS, als sie den Fünfer von BMW als Referenzfahrzeug auserkoren. Besonders bei der Fahrdynamik sahen die Japaner Handlungsbedarf und schickten daher ihr Vollhybrid-Modell Lexus GS 450h als auf Agilität getrimmten F Sport (17.050 Euro Aufpreis) zum Einzeltest.

Das Ausstattungspaket umfasst neben einer 19-Zoll-Mischbereifung und sportlicherer Fahrwerksabstimmung inklusive adaptiver Dämpfer sogar eine Allradlenkung sowie eine variable Lenkübersetzung. Und in der Tat, die Maßnahmen zeigen Wirkung. Satt liegt die 1,9 Tonnen schwere Limousine auf der Straße, durcheilt schnelle Kurvenpassagen unaufgeregt und ohne großes Wanken. Der Lenkbedarf bleibt selbst in spitzen Kehren angenehm niedrig. An das Zusammenspiel der mitlenkenden Hinterräder mit der variablen, mäßig mitteilsamen Lenkung gewöhnt man sich im Nu. Weiterer Vorteil der aufwändigen Technik: Der Wendekreis fällt mit knapp über elf Metern für eine 4,85 Meter lange Limousine recht klein aus.

Auch was die Bremsperformance angeht, kann der Lexus überzeugen. Neben der guten Verzögerungsleistung (kalt: 34,8 m; warm; 36,2 m) fällt besonders die gute Dosierbarkeit positiv auf. Nur bei wenigen Hybriden ist die Abstimmung zwischen Hydraulik und E-Motor-Bremse so gut gelungen wie hier. Was die Fahrdynamik angeht, hat der Lexus also einen großen Sprung nach vorn gemacht. Doch geht so viel Sportlichkeit zu Lasten des Komforts? Nun, die Einbußen halten sich in Grenzen. Zwar leidet die harmonische Fahrwerksabstimmung bei niedrigen Geschwindigkeiten etwas unter dem steifbeinigen Abrollen der Niederquerschnittsbereifung, doch ansonsten gibt sich der Lexus GS 450h auch in diesem Punkt keine Blöße. Zum guten Komfortniveau tragen darüber hinaus die bequemen, wenn auch etwas seitenhaltarmen Sitze sowie die wirkungsvolle Geräuschdämmung ihren Teil bei.

ordentlIch plAtZ FÜr Gepäck und pAssAGIere

Obwohl weder die Fahrzeuglänge noch der Radstand des GS im Vergleich zum Vorgänger zulegten, bietet er den Insassen in beiden Reihen nun mehr Platz. Auch der Kofferraum wuchs um mehr als die Hälfte auf nunmehr 482 Liter. Bei der Gestaltung des Innenraums sowie den verwendeten Materialien haben sich die Designer ebenfalls große Mühe gegeben – mit Erfolg. Das edel anmutende Armaturenbrett wird dominiert vom riesigen 12,3-Zoll-LCD-Display und weckt auch deshalb Assoziationen an den 5er BMW. Auch bei der Bedienung stand der Münchner offensichtlich Pate. Diese erfolgt nun mittels eines mausartigen Controllers, mit dem der Fahrer einen Cursor auf dem hochauflösenden Bildschirm navigiert. Und in der Tat fühlt man sich sogleich an den PC versetzt. Für den Einsatz im Auto eignet sich ein Dreh-Drück-Steller, wie er bei der einschlägigen Konkurrenz zum Einsatz kommt, sicherlich besser. Zu groß ist die Ablenkung, ehe man aufgrund der gewöhnungsbedürftigen Steuerung das gewünschte Feld angeklickt hat. Die Menüstruktur kann mit dem logischen Aufbau des BMW iDrive-Systems ebenfalls nicht mithalten.

kraftvolle und harmonische antriebseinheit

Den Hybridantrieb des GS 450h hat Lexus gezielt überarbeitet. Zwar blieb die Systemleistung von 345 PS identisch, dafür wurde der Verbrauch laut Hersteller um rund ein Fünftel auf nun 6,2 l/100 km gesenkt. Allerdings übertraf der Japaner die Werksangabe im Test mit 8,3 Litern deutlich, dennoch ist dieser Wert eine mehr als respektable Leistung. Immerhin beschleunigt die Stufenhecklimousine in 6,5 Sekunden auf Tempo 100 und knackt geradezu spielerisch die 250-km/h-Grenze. Dabei geht das Zusammenspiel des 200 PS leistenden Synchron-E-Motors mit dem 3456 cm3 großen V6-Benziner (292 PS) so unauffällig vonstatten, dass der Fahrer nur noch anhand der Anzeige im Display mitbekommt, welche Maschine gerade für Vortrieb sorgt.

Eines gibt aber dennoch Abzüge in der B-Note: Ruft der Fahrer auf der Autobahn die volle Leistung des Hybridantriebs ab, powert der E-Motor ordentlich mit und es geht auch zügig vorwärts, doch das Aufheulen des V6-Motors sowie das Verharren der Drehzahlnadel bei der 6000er-Marke passen nicht so ganz zum ansonsten hohen Antriebskomfort. Das elektrische Fahren beschränkt sich hingegen auf entspanntes Dahingleiten bis maximal 64 km/h. Wer das Gaspedal auch nur halbherzig durchdrückt, erweckt umgehend den Benziner zum Leben.

54.750 Euro ruft Lexus für den üppig ausgestatteten Vollhybriden auf. Beim Blick auf die Rivalen von Audi (245 PS, 53.300 Euro) und BMW (340 PS, 62.900 Euro) wird schnell klar, dass der Preis fair kalkuliert ist. Gegen Aufpreis gibt es von LED-Scheinwerfern über die gängigen Fahrerassistenzsysteme bis hin zum Head-up-Display alles – auch hier spielt der Lexus GS nun vorn mit.

Fazit

Mit dem neuen Lexus GS 450h hat Toyotas Edelmarke einen großen Sprung nach vorn gemacht und begegnet der deutschen Hybrid-Konkurrenz mindestens auf Augenhöhe. Die harmonische Antriebseinheit ist kraftvoll und sparsam zugleich. Zudem verbindet das mit allerlei Fahrwerks-Features ausgestattete F Sport-Modell fahrdynamisches Talent mit guten Komforteigenschaften. Bei der Bedienung sind die Japaner allerdings etwas übers Ziel hinausgeschossen.

Alexander Lidl

Inhaltsübersicht

Autos im Test

Lexus GS 450h

Lexus GS 450h

PS/KW 292/215

0-100 km/h in 6.50s

Hinterrad, Planetensätze, stufenlos

Spitze 250 km/h

Preis 80.500,00 €