Reifendruck-Kontrollen: Nicht immer zuverlässig

Acht Modelle im Praxistest

Wenn der Reifen Luft verliert, kann es schnell gefährlich werden. Moderne Reifendruck-Kontrollsysteme sollen den Fahrer rechtzeitig warnen. Doch wie zuverlässig arbeitet die Technik? Acht Modelle von Audi bis Volkswagen im Praxistest

Es ist nur ein wenig fehlende Luft, und doch kann ein zu geringer Reifendruck gefährliche Auswirkungen haben. Bereits bei 0,4 bar weniger Druck sinkt die Lebensdauer eines Reifens um 30 Prozent. Der Bremsweg wird länger, und der Reifen erwärmt sich schnell. Die mögliche Folge: Er verliert seine Lauffläche und kann sogar platzen.

Daher empfehlen die Hersteller, den Reifendruck alle zwei Wochen zu kontrollieren. Bequemer sind jedoch Reifendruck-Kontrollsysteme, die von der EU ab November 2012 für alle neu auf den Markt kommenden Autos vorgeschrieben sind. In einem Praxistest haben wir untersucht, was die modernen Systeme leisten. Bereits beim Preis zeigen sich deutliche Unterschiede: Während Audi beim A6 die Reifendruck-Kontrollanzeige serienmäßig anbietet, kostet diese beim Porsche Boxster 643 Euro.

Technisch lassen sich die Reifenwarner in direkte und indirekte Systeme unterteilen. Im Test erwiesen sich die direkten Modelle von BMW 5er, Mercedes, Porsche und Opel als überlegen. Sie zeigten den genauen Reifendruck für jedes Rad an und bemerkten Abweichungen sofort. Hier können die Drücke auch kontinuierlich abgerufen werden – etwa während einer längeren Urlaubsfahrt.

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Die indirekten Systeme des BMW 7er sowie von Audi und VW brauchten dagegen mehr Zeit, einen Druckverlust festzustellen. In unserem Test starteten wir mit 1,0 bar Druck auf dem hinteren rechten Rad. Während der Audi und beide VW nach maximal vier Kilometern Alarm schlugen, ließ uns der BMW 26 km weiterfahren – teilweise mit Tempo 120. Laut BMW ein realistisches Ergebnis, die Runflat-Reifen des 7er reagieren weniger empfindlich auf Minderdrücke. Dennoch sollte der Fahrer früher gewarnt werden: Mit Runflat-Reifen ist nur eine Weiterfahrt mit höchstens 80 km/h erlaubt. Weiterer Nachteil der indirekten Systeme: Der Fahrer kann den aktuellen Reifendruck versehentlich über einen Reset als Standard speichern, selbst wenn dieser zu niedrig oder ungleichmäßig ist.
Markus Bach/Holger Ippen