Opel Astra K/BMW 1er/A-Klasse 220 d: Vergleich Großer Erfolg für den Opel Astra

von AUTO ZEITUNG 22.11.2017
Inhalt
  1. Test: Opel Astra gegen 1er und A-Klasse
  2. Sitze des Opel Astra überzeugen im Test
  3. BMW 1er punktet auch ohne adaptive Dämpfer
  4. Opel Biturbo-Diesel zeigt sich sparsam
  5. Fahrdynamik bleibt Paradedisziplin des BMW 1er
  6. Technische Daten

Mit 160-PS-Diesel wildert der Opel Astra K 1.6 Biturbo CDTI ganz ungeniert im Revier der Premium-Kompakten BMW 118d und Mercedes A 220 d und kann sich sogar behaupten.

Der seit einem knappen Jahr erhältliche Opel Astra soll mit verbesserter Funktionalität, aber auch mehr Noblesse Boden in der Kompaktklasse gutmachen. Mit dem neuen, 160 PS starken Biturbo-Diesel wagt der Rüsselsheimer nun die direkte Konfrontation mit den Premium-Modellen des Segments. Ob er wirklich reif für diesen illustren Zirkel ist, muss er im Vergleichstest gegen den 150 PS starken BMW 118d und den 177 PS starken Mercedes A 220 d aber erst beweisen. Obwohl die drei Testkandidaten außen recht ähnliche Abmessungen haben, gibt es bei der Raumausnutzung große Unterschiede. So weist der Opel Astra seine beiden Kontrahenten, was das Platzangebot angeht, klar in die Schranken. Vorn bietet er erheblich mehr Kopffreiheit und auch die spürbar luftigere Innenbreite, während BMW 1er und Mercedes A-Klasse knapper geschnitten sind. Noch offensichtlicher sind die Größenvorteile des Rüsselsheimers im Fond. Aufgrund der wesentlich üppigeren Bein- und Kopffreiheit ist es keineswegs übertrieben, von einem Klassenunterschied zu sprechen. Außerdem lässt sich die zweite Sitzreihe des Opel leichter erreichen als bei den Wettbewerbern, die aufgrund der kleineren Türausschnitte ein gewisses Maß an Gelenkigkeit von den hinten mitreisenden Passagieren einfordern.

Fakten zum Opel Astra im Video:

 
 

Test: Opel Astra gegen 1er und A-Klasse

In Sachen Gepäck sollte man sich in allen dreien etwas zurückhalten – jedenfalls wenn die Urlaubsfahrt mit mehr als zwei Personen über die Bühne gehen soll. Die Kofferräume bieten mit 341 (Mercedes) bis 370 (Opel) Litern lediglich ein klassenübliches Stauvolumen. Allerdings verträgt der Opel Astra die größte Zuladung und darf als einziger im Test mehr als 500 Kilogramm mitschleppen. Alles andere als durchschnittlich ist hingegen die Sicherheitsausstattung, mit der die drei Rivalen aufwarten. Vor allem die Mercedes A-Klasse beeindruckt mit einer schieren Fülle an optionalen Assistenzsystemen, die für die meisten Modelle in diesem Segment nicht verfügbar sind. In der umfangreichen Preisliste finden sich beispielsweise ein Abstandsregel-Tempomat, ein Einparkassistent oder eine Crash-Früherkennung (Presafe), die im Fall eines drohenden Unfalls die Gurte strafft und selbstständig die Fenster sowie das Schiebedach schließt. Ein Müdigkeitswarner ist serienmäßig an Bord. Aber auch der BMW 1er und der Opel Astra lassen sich auf Wunsch mit vielen sicherheitsfördernden Systemen wie zum Beispiel einem Spurhalteassistenten, LED-Scheinwerfern samt Kurvenlichtfunktion oder einem Auffahrwarner ausstatten. Die Steuerung dieser und zahlreicher anderer Funktionen gelingt übrigens im BMW am einfachsten. Der intuitive und gut erreichbare iDrive-Controller auf dem Mitteltunnel sorgt im Verbund mit dem großen, gestochen scharfen Bildschirm dafür, dass die Bedienungsanleitung in den seltensten Fällen aus dem Handschuhfach genommen werden muss. Grundsätzlich gilt dies auch für den Mercedes A 220 d und den Opel Astra 1.6 Biturbo CDTI, deren zuweilen leicht verschachtelte Menüs allerdings eine etwas längere Lernphase voraussetzen. Was bei den immensen Preisunterschieden etwas überrascht: Der Astra kann bei der Innenraumqualität mit leichten Zugeständnissen an die Materialauswahl durchaus mit den teureren Premium-Kompakten mithalten, wenngleich die A-Klasse durch ihre sorgsame Verarbeitung und die weitgehend handschmeichelnden Materialien am solidesten wirkt.

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Sitze des Opel Astra überzeugen im Test

Nicht nur für Menschen mit Rückenleiden sind die hervorragenden Ergonomiesitze des Opel Astra eine klare Empfehlung. Sie sind je nach Ausstattungsniveau ab 690 Euro erhältlich und tragen das Gütesiegel der Aktion Gesunder Rücken e.V., deren Mitglieder aus medizinischen Fachleuten und Instituten bestehen. Die gut konturierten Sitze haben eine sehr komfortable Polsterung, bieten dem Oberkörper viel Seitenabstützung und lassen sich weitreichend an jede Statur anpassen. Die fast schon sportwagenmäßig tief positionierten Sportsitze des BMW sind gleichfalls vielfach justierbar und angenehm gepolstert, können breit gebauten Personen jedoch etwas zu schmal sein. Die bequemen Optionssitze des Mercedes sehen indes sportlicher aus als sie tatsächlich sind. Es fehlt ihnen gerade im oberen Rückenbereich etwas an Seitenhalt. Außerdem lassen sich die nach vorn geneigten Kopfstützen nicht einstellen. Personen, die vorzugsweise kerzengerade im Auto sitzen, werden dadurch gezwungen, den Kopf stets leicht nach vorn zu schieben.

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Fakten zum BMW 1er im Video:

 
 

BMW 1er punktet auch ohne adaptive Dämpfer

Dafür bietet der Mercedes A 220 d, der mit den 1238 Euro teuren adaptiven Dämpfern an den Start geht, den besten Federungskomfort im unbeladenen Zustand. Im Normalmodus überzeugt der Stuttgarter durch sein sanftes Ansprechverhalten und die satte Straßenlage auf der Autobahn. Aber auch dem BMW 118d gelingt der schwierige Spagat aus sportlicher Straffheit und Langstreckenkomfort-förderndem Schluckvermögen sehr ordentlich – und das, obwohl der Bayer nicht mit den optional erhältlichen adaptiven Dämpfern antritt. Beladen wirkt er sogar noch eine Spur souveräner auf schlechten Straßen als der Daimler, der mit zulässigem Maximalgewicht doch recht hölzern auf Querfugen und Kanten reagiert. Der Opel Astra 1.6 Biurbo CDTI verfügt in diesem Vergleich über die straffste Grundabstimmung. Dies führt dazu, dass sein Aufbau auch auf der Autobahn stets leicht in Bewegung ist. Dafür bietet sein konventionelles Feder-/Dämpfer-Setup auf extrem schlechten Straßen jede Menge Reserven.

 

Opel Biturbo-Diesel zeigt sich sparsam

Wenig überraschend trumpft der Mercedes A 220 d mit den flottesten Fahrleistungen auf. Sein 177 PS starker Turbodiesel ermöglicht eine Beschleunigung von 7,5 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h. Allerdings entwickelt der Schwabe, den es in dieser Motorisierung ausschließlich mit einem flott schaltenden Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe gibt, eine recht kernige Stimme. Anders der Biturbo-Diesel des Opel, der auch unter Volllast angenehm leise seiner Arbeit nachgeht. Mit 160 PS beschleunigt der Astra eine halbe Sekunde langsamer auf Landstraßentempo als der Mercedes. In der Praxis ein vernachlässigbarer Wert, zumal der CDTI spontan am Gas hängt und mit 5,4 Litern je 100 Kilometer am wenigsten Kraftstoff verbraucht. Der kultivierte Vierzylinder-Turbodiesel des 118d, den BMW für diesen Test mit Automatik-Getriebe zur Verfügung stellte, bringt in etwa die gleichen Fahrleistungen wie der Opel. Der Verbrauch liegt wiederum auf dem Niveau des Mercedes (5,9 zu 5,8 Liter je 100 Kilometer).

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Fahrdynamik bleibt Paradedisziplin des BMW 1er

Der 118d hinterlässt in den Dynamik-Prüfungen einen der Marke BMW angemessenen Eindruck. Das bedeutet, dass der fein ausbalancierte Münchner mit seinem spontanen Einlenkverhalten, der herrlich präzisen Lenkung und der unbeirrbaren Traktion viel Freude am (Kurven-)Fahren bereitet. In Summe erreicht der 1er deshalb die schnellste Rundenzeit auf unserem Handlingkurs. Der Handlingsieger der Herzen heißt dennoch Opel Astra. Mit seinem fast schon wieselflinken Einlenkverhalten und hohen Kurventempi pirscht er sich auf der Rundstrecke bis auf eine Zehntelsekunde an den 118d heran. Mit etwas besserer Traktion wäre der agile Fronttriebler vermutlich sogar vor dem heckgetriebenen BMW gelandet. Darüber hinaus glänzt der Rüsselsheimer mit den kürzesten Bremswegen – im warmen wie kalten Zustand. Begünstigt wird die gute Vorstellung in den fahrdynamischen Disziplinen auch durch das geringe Gewicht. Immerhin ist der Opel rund 100 kg leichter als der BMW und satte 200 kg leichter als der Mercedes. Letzterer schafft es trotz seiner motorischen Power und der straffer einstellbaren adaptiven Dämpfer, zu deren Umfang auch eine direkter ausgelegte Sportlenkung gehört, nicht, den beiden nahezu gleichauf liegenden Konkurrenten auf dem Handlingkurs zu folgen. Beim Einlenken wirkt der Daimler kopflastig, und auch das im Vergleich zu den beiden anderen Kompakten ausgeprägtere Untersteuern hilft dem narrensicher zu fahrenden Schwaben nicht gerade weiter.

Dass die beiden Premium-Modelle von BMW und Mercedes im Kostenkapitel gegen die volkstümliche Preisgestaltung des Opel keine Chance haben würden, lag von vornherein auf der Hand. Satte 10.777 Euro trennen den bodenständigen Astra vom A 220 d mitsamt der testrelevanten Ausstattung. Und auch der 118d ist ganze 7200 Euro teurer. Die Unterschiede bei den laufenden Betriebskosten sind hingegen gering. So kann man beim BMW insgesamt mit den niedrigsten Wartungs- und Versicherungskosten rechnen, während der Opel durch den maßvollen Durst seines Motors seine markante Nase bei den Kraftstoffaufwendungen leicht vorn hat. Das Gleiche gilt für den Wertverlust. Mit einem prognostizierten Restwert von 58,5 Prozent ist der Rüsselsheimer obendrein tatsächlich etwas wertstabiler als die teuer bezahlten Premium-Kompakten.

 

Technische Daten

BMW 1er
118d
Mercedes A-Klasse
A 220 d
Opel Astra
1.6 BiTurbo CDTI
Zylinder/Ventile p.Z.R4/4; TurbodieselR4/4; TurbodieselR4/4; Biturbodiesel
NockenwellenantriebKetteKetteKette
Hubraum1995 cm³2143 cm³1598 cm³
Leistung
bei
110 kW/150 PS
4000 /min
130 kW/177 PS
3600 - 3800 /min
118 kW/160 PS
4000 /min
Max. Drehmoment
bei
320 Nm
1500 - 3000 /min
350 Nm
1400 - 3400 /min
350 Nm
1500 – 2250 /min
Getriebe8-Stufen-
Automatik
7-Gang,
Doppelkupplung
6-Gang, manuell
AntriebHinterradVorderradVorderrad
0 - 100 km/h8,1 s7,5 s8,0 s
Höchstgeschw.212 km/h224 km/h220 km/h
Handling1:49,8 min1:51,0 min1:49,9 min
Testverbrauch5,9 l D / 100 km5,8 l D / 100 km5,4 l D / 100 km
Grundpreis29.200 Euro34.647 Euro24.250 Euro
Platzierung231

von AUTO ZEITUNG von AUTO ZEITUNG
Unser Fazit

Bravo Opel, der Astra 1.6 BiTurbo CDTI schafft es tatsächlich, seine Premium-Gegner in die Schranken zu weisen. Selbst wenn wir das komplette Kostenkapitel ausklammern, sammelt er am meisten Punkte. Die geräumige Karosserie, der sparsame Motor und die standfeste Bremsanlage sind seine größten Stärken. Außerdem macht der Opel auf kurvigen Strecken richtig Laune. Damit greift er klar die Kernkompetenz des BMW 118d an, der sich auf dem zweiten Platz einfindet. Mit dem Heckantrieb und der frei von Antriebseinflüssen agierenden Lenkung ist der Münchner immer noch eine Ausnahmeerscheinung, die aber in Sachen Raumangebot und nicht zuletzt auch beim Preis Kompromissbereitschaft fordert. Die Bronzemedaille sichert sich der spurtstarke und komfortable Mercedes A 220 d, der aber nicht nur deutlich enger ist als der Opel, sondern auch mehr als 10.000 Euro teurer.

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