Elektroautos: Wie umweltfreundlich sind die Stromer wirklich? Heilsbringer oder Ökolüge?

31.01.2012

Millionen von umweltfreundlichen Elektroautos auf Deutschlands Straßen – das ist die Vision. Bis dahin ist es noch ein langer Weg. Viele technische Probleme sind ungelöst. Nun gibt es auch eine Debatte, wie klimafreundlich E-Autos wirklich sind

Berlin, 30. Januar 2011 – Wie "grün" sind Elektroautos? Eine Studie zur Klimabilanz von E-Autos hat am Montag Wirbel ausgelöst. Die Zeitung "taz" berichtete, ein Gutachten des Freiburger Öko-Instituts im Auftrag des Bundesumweltministeriums komme zu dem Schluss, E-Autos seien längst nicht so klimaschützend wie bisher behauptet. Im Gegenteil führe der Ausbau der Elektromobilität zu einer größeren Klimabelastung.

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) reagierte mit den Worten, erst die Nutzung zusätzlicher erneuerbarer Energien bei E-Autos ermögliche eine deutlich spürbare Verringerung der CO2-Emissionen. "Eine bloße Verlagerung des CO2-Ausstoßes vom Auspuff zum Kraftwerk ist Augenwischerei", teilte Röttgen in Berlin mit.

 

Elektroautos: Heilsbringer oder Ökolüge?

Das Öko-Institut, das die Studie bereits Mitte Januar vorgelegt hatte, distanzierte sich von der "pauschalen Behauptung, dass Elektrofahrzeuge eine "Ökolüge" darstellten". Elektromobilität sei langfristig notwendig für den Klimaschutz und könne bereits bis zum Jahr 2030 eine wichtige Option für den klimafreundlichen Verkehr sein.

Der "entscheidende" Faktor für die Klimafreundlichkeit der Elektrofahrzeuge aber sei der Bau zusätzlicher erneuerbarer Energien. Diese Frage wiederum wird von Experten seit längerem diskutiert.

In der Studie des Instituts heißt es, im Jahr 2030 könnten auf Deutschlands Straßen bis zu sechs Millionen Elektrofahrzeuge unterwegs sein. "Beziehen diese den Strom zum Fahren aus zusätzlichen erneuerbaren Energien, fahren sie emissionsfrei und können einen Beitrag zum Klimaschutz leisten." Die Millionenmarke auf dem Markt für Elektroautos könne im Szenario der Forscher im Jahr 2022 überschritten werden. Das Ziel der Bundesregierung für diese Marke ist das Jahr 2020.

Für die Frage, wie sauber E-Autos seien, sei entscheidend, welcher Strom zum Einsatz komme. Die Klimabilanz von Elektrofahrzeugen sei nur dann ausgewogen, wenn zusätzliche Kapazitäten erneuerbarer Energien in den Strommarkt gebracht werden, heißt es in der Studie. "Nur dann kann ihr Betrieb emissionsfrei erfolgen." Im Jahr 2030 könnten Elektrofahrzeuge so rund 5,2 Millionen Tonnen CO2 vermeiden. Dies entspreche einer Minderung der Gesamtemissionen des Pkw-Verkehrs um etwa sechs Prozent bis zum Jahr 2030. Würden allerdings benzinbetriebene Fahrzeuge bis zum Jahr 2030 deutlich effizienter, könnten diese allein die Treibhausgasemissionen des Pkw-Verkehrs um 25 Prozent reduzieren.

Die Bundesregierung hatte im vergangen Jahr Milliardenförderungen – vor allem bei der Batterieforschung – und Steuervergünstigungen sowie Sonderrechte für Elektroautos in Deutschland beschlossen. Damit soll das Ziel von einer Million Elektroautos bis 2020 erreicht werden. Bis 2030 soll diese Zahl auf sechs Millionen Autos steigen.

Der ADAC kommentierte am Montag, die Studie des Öko-Instituts sei "keine Überraschung". Es sei aber nicht gerechtfertigt, von einer "Elektrolüge" zu sprechen. Elektromobilität ergebe nur Sinn, wenn zusätzliche Mengen an erneuerbarer Energie in den Strommarkt eingeführt werden.

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Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer verwies darauf, Elektroautos seien bereits heute "deutlich klimafreundlicher" als Fahrzeuge mit Verbrennungsantrieb. In einer Versuchsreihe mit Diesel-Antrieben und rein Batterie-elektrischen Antrieben hätten sich unter Grundlage des Strom-Mixes in Deutschland des Jahres 2009 beim Elektrofahrzeug um 35 bis 70 Prozent niedrigere CO2-Werte ergeben.

Bei der Entwicklung von E-Autos gibt es Probleme – etwa bei der Reichweite, der Batterie und dem Preis. E-Autos sind bislang noch viel teurer als Fahrzeuge mit einem herkömmlichen Antrieb. Serienmäßige E-Autos sind derzeit noch rar. Die Autoindustrie setzt zudem auch auf andere alternative Antriebe wie die Brennstoffzelle.
dpa

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