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Lada Kalina 1117 16V im Test

Auto, einfach

Billigautos kommen nicht nur aus China oder Rumänien. Der Lada Kalina 1117 16V ist ein kompakter Kombi mit Platz für vier für nicht einmal 9000 Euro

Eckdaten
PS-kW90 PS (66 kW)
AntriebVorderrad, 5 Gang manuell
0-100 km/h12.50 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit165 km/h
Preis8.990,00 €

Zerbrechlich und fast liebenswert altbacken steht der kleine Lada zwischen den anderen Autos auf dem Testwagenparkplatz. Obwohl er Baujahr 2008 ist, wirkt er wie ein Überbleibsel aus der Zeit, als noch nicht jeder Premium sein wollte. Als Bluetooth und Kurvenlicht, Man-Machine-Interface und Toter-Winkel-Warnung noch die Vision einiger Techniker waren. Weniger als die sehr schnörkellose Form weckt der Preis des Lada Kalina 1117 Interesse: 8990 Euro kostet er mit dem neuen, 90 PS starken 1,4-Liter-16V. Der übertrifft den weiterhin angebotenen 1,6-Liter 8V zwar nur um neun PS, liegt aber im Normverbrauch um 0,7 Liter besser (6,4 statt 7,1 Liter Super) und rechtfertigt damit den wirklich milden Aufpreis von gerade einmal 200 Euro.

Was bekommt man für die knapp 9000 Euro? Einen im Detail kaum einmal passgenau, aber durchaus klapperfrei montierten Viermeter-Kombi mit mindestens 350 Liter Gepäckraum, der als graue Maus im Verkehr mitschwimmt und seinem Fahrer Nichtbeachtung beschert – oder, wenn es schlimm kommt, mitleidige Blicke. Vom Clever-Kauf-Status eines Dacia, dessen gigantisch geräumiger Kombi in der Basisversion nur 8500 Euro kostet, ist der Lada weit entfernt.

Die Türen schließen leicht blechern, man rutscht in sehr weich gepolsterte, ordentlich dimensionierte Sitze, die sich auch für große Fahrer weit genug einstellen lassen. Es gibt bequem Platz für vier Erwachsene. Die sollten aber unempfindliche Nasen haben, denn der gerade einmal 1500 Kilometer junge Testwagen verströmt unangenehm strenge Gerüche. Die Kunststoffoberflächen sind überwiegend hart, die Textilien in Farbe und Dekor blasse Zeugen des Chics vergangener Jahrzehnte. Die Instrumente mit dem großen Tacho in der Mitte imitieren den Stil des letzten Opel Omega, auch das Armaturenbrett kommt einem bekannt vor. Bis auf das tief montierte Radio liegt alles gut zur Hand und im Blick.

Der Motor zeigt mit zwei oben liegenden Nockenwellen und vier Ventilen pro Zylinder ein modernes Layout, entpuppt sich allerdings als mürrischer Kaltblüter. Bis etwa 3000 Touren läuft er unter Last rau und schickt Vibrationen in die Sitze, lange vor dem roten Bereich bei 5500 Umdrehungen verfällt er in stumpfes Dröhnen. Das Getriebe fordert eine entschlossene Hand am widerspenstigen Schalthebel.

Die Fahrleistungen sind dennoch manierlich: Von lautem Knurren untermalte 12,5 Sekunden (0,5 Sekunden unter Werksangabe) bis 100 km/h sind aller Ehren Wert, und auch 165 km/h Spitze sind ein zeitgemäßer Wert in dieser Klasse. Der Testverbrauch von 7,6 Litern zeigt allerdings Optimierungspotenzial.

Das offenbart auch die bis zur Gefühllosigkeit servounterstützte, mit mehr als vier Umdrehungen von Anschlag zu Anschlag sehr indirekt übersetzte Lenkung. Selbst augenscheinlich ebene Pisten lassen den Kalina hin- und hertigern, und Kurven, insbesondere lange Autobahnbögen im Bereich der Höchstgeschwindigkeit, werden zur Fahrt ins Ungewisse mit ständigen Kurskorrekturen. Die stark wankende Karosserie, das Wissen um die überschaubare Brems-Performance (gut 45 Meter Bremsweg) und die schüttere Sicherheitsausstattung (nur zwei Airbags, keine Kopfstützen hinten) tut ein Übriges, etwaige Speed-Ambitionen des Fahrers zu dämpfen.

Der Federungskomfort hingegen ist passabel mit manierlichem Schluckvermögen auf Querfugen, allerdings auch starkem Nachwippen auf Bodenwellen. Die Heizung bollert wie erwartet sibirientauglich los, ist aber schlecht zu dosieren auf dem schmalen Grat zwischen lauem Lüftchen und geschmolzener Schuhsohle. So ist der Lada Kalina gekennzeichnet von fehlendem Feinschliff im Detail sowie eingeschränkter aktiver und passiver Sicherheit. Von Fahrspaß ganz zu schweigen.

Fazit

Sich für den Lada Kalina zu erwärmen, fällt schwer. Zu offensichtlich ist, dass der technologische Fortschritt der letzten Jahrzehnte ihn links liegengelassen hat. In Anbetracht der vielen Schwächen verliert auch der Preis an Strahlkraft. Ein gebrauchter Kompakter mit Garantie ist in der Regel der bessere Kauf.

Michael Harnischfeger

Inhaltsübersicht

Autos im Test

Lada Kalina 1117 16V

PS/KW 90/66

0-100 km/h in 12.50s

Vorderrad, 5 Gang manuell

Spitze 165 km/h

Preis 8.990,00 €