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Audi A2 1.4 TDI

Bruder Leichtfuss

Über 100000 Kilometer bewies der Alu-Mini mit dem 75-PS-Diesel erstaunlich vielseitige Qualitäten und überzeugte sogar als vollwertiges Reiseauto

Eckdaten
PS-kW75 PS (55 kW)
AntriebFrontantrieb, 5 Gang manuell
0-100 km/h14.00 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit173 km/h
Preis18.500,00 €

Mit der Leichtigkeit des Seins tat sich der Audi A2 im Dauertest ganz schön schwer. Das schmale Aluminium-Auto wurde mit seinem Dreizylinder-Dieselmotor und mageren 75 PS beharrlich als halbe Portion eingestuft.

Von "zu lahm" bis "zu eng" lauteten die Vorurteile: Sie wurden schnell durch ein weiteres ergänzt: "Zu teuer", befanden viele angesichts der Preiskalkulation für den Neuwagen. 22830 Euro verlangte Audi laut Preisliste für den mit Breitreifen, Klimaautomatik, Metalliclack, Kassettenradio und großem Glasschiebedach komfortabel, aber nicht luxuriös ausstaffierten Testwagen.

Dagegen anzukämpfen war keine leichte Aufgabe. Die gute Ausstattung half dabei, das Ansehen des kleinen Audi innerhalb des Redaktionsteams zu verbessern. Der dank Glasdach von Licht durchflutete Innenraum wirkt wohnlich und gediegen, die bequemen Sitze und die problemlose Bedienung laden dazu ein, auch längere Strecken zurückzulegen, zumal der A2 trotz Innenstadt-kompatibler Außenmaße über ein sehr beachtliches Transportvolumen und hohe Variabilität verfügt.

Wer die leicht zu entfernenden Rücksitze ausbaut, erhält sogar einen praktischen Mini-Lkw, der selbst sperriges Ladegut problemlos aufnehmen kann. In Fahrt kristallisieren sich rasch die Stärken und Schwächen des konsequent auf gute Aerodynamik ausgelegten A2 heraus. Sein Van-artiges Hochformat beschert den Insassen eine erhöhte Sitzposition mit guter Rundumsicht, die aber hinten vom Heckspoiler und vorn von den breiten A-Säulen eingeschränkt wird.

Speziell im Winter tritt ein weiteres ergonomisches Manko in Erscheinung: Mehrere A2-Fahrer beklagten den Umstand, dass zwischen Mitteltunnel und Bremspedal zu wenig Platz für einen breit besohlten Gasfuß bleibt. Abgesehen davon sitzen Fahrer und Beifahrer, aber auch die Fondpassagiere sehr bequem, doch die Kombination aus hoher Sitzposition und relativ kurzem Radstand führt auf welliger Fahrbahn zwangsläufig zu unangenehmen Vertikalbeschleunigungen, die sich auch durch eine straffe Dämpfung nicht unterdrücken lassen.

Dabei erweist sich die Vorderachse des A2 als noch zu weich abgestimmt, denn beim Überfahren kräftiger Querfugen schlägt die Federung mit zunehmender Laufleistung des Autos oft bis auf die Anschläge durch. Das für dieses Wagenformat agile und präzise Handling ist da nur ein schwacher Trost. Ergo benutzten wir den Ingolstädter mit Vorliebe auf kurzen Strecken. Mit jugendlichen 14000 Kilometern auf dem Tacho erlitt er einen kapitalen Motorschaden, den Audi nach eingehender Untersuchung auf einen Montagefehler zurückführte: Demnach setzte eine zu locker angezogene Befestigungsschraube für eine Umlenkrolle im Ausgleichstrieb den Kettenspanner außer Funktion. Dadurch sprang die Kette über, die Ausgleichswelle klemmte fest, und das verursachte einen Kolbenfresser in zwei von drei Zylindern.

Der Motortausch erfolgte auf Garantie. Das neue Aggregat absolvierte die restlichen 85000 Kilometer ohne weitere Störung, aber mit hohem Ölverbrauch von gut 0,8 Litern pro 1000 Kilometer. Auch der Kraftstoffverbrauch fiel höher aus als erwartet. Bei sanfter Fahrweise waren Werte unter fünf Liter auf 100 km realisierbar, doch die meisten A2-Benutzer bevorzugten eine sportliche Gangart und schöpften die Reserven des kleinen Dieselmotors auf der Autobahn voll aus.

Dabei ließen sich mit nur 75 PS erstaunlich flotte Reisedurchschnitte erzielen, aber der Verbrauch kletterte auf 6,5 bis 7,0 Liter für 100 km. Vom Spritsparpotenzial des Leichtbaukonzepts war dann in der Praxis nichts Positives mehr zu merken, im Gegenteil: Die für Dröhngeräusche anfällige Alu-Karosse und der unter Volllast kräftig vibrierende Dreizylindermotor erinnerten ständig daran, dass weniger nicht unbedingt mehr sein muss.

"Vorsprung durch Technik" erlebten wir also eher selten, und auch in einem anderen Punkt erfüllte der kleinste Audi nicht die an diese Marke gestellten Erwartungen: Anders als der fast zeitgleich im Redaktionsfuhrpark befindliche A4 TDI wurde der A2 mit zunehmender Laufleistung immer öfter von kleineren Störungen und Defekten heimgesucht und war gegen Ende des Dauertests ein Stammgast in der Vertragswerkstatt. Mal klemmte das Schiebedach, mal fielen einzelne Leuchten aus, mal ließ sich der Aschenbecher nicht mehr schließen, und auch die Arretierung der Serviceklappe funktionierte nicht einwandfrei.

Gegen Ende des Dauertests brach beim Ausklappen der Sonnenblende die Halterung ab, und als das reparierte Fahrzeug gerade aus der Werkstatt zurückkam, schlich sich der Fehlerteufel im Blinkerrelais ein. Insgesamt elf unplanmäßige Werkstattbesuche regis-trierten wir, mit deutlich steigender Tendenz gegen Testende. Aber auch im störungsfreien Zustand zeigte das Auto Spuren des Verschleißes, die beim A4 selbst mit der Lupe nicht zu entdecken waren: Von den häufig benutzten Tasten für Fensterheber und Gebläseregulierung war mittlerweile der Softlack abgeblättert, und einzelne minderwertige Kunststoffoberflächen wiesen irreparable Kratzer auf.

Kurzum, von der unerschütterlichen Langzeitqualität des A4 trennt unseren A2 mehr als nur eine Ziffer im Namen.


Inhaltsübersicht

Autos im Test

Audi A2 1.4 TDI

PS/KW 75/55

0-100 km/h in 14.00s

Frontantrieb, 5 Gang manuell

Spitze 173 km/h

Preis 18.500,00 €