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Skoda Superb 2015 gegen Mondeo, Mazda 6 & Passat

Gleich, aber anders

Gleiche Basis macht gleiches Auto? So einfach ist die Rechnung nicht. Wir untersuchen die Unterschiede zwischen dem taufrischen Skoda Superb und dem technisch nahezu identischen VW Passat im Detail. Die beiden treten gegen Ford Mondeo und Mazda 6 an. Vergleichstest

Es ist schon traditionell eines der spannendsten Testduelle: Der größere Skoda Superb trifft auf den komfortableren VW Passat. Meist hatte der Passat das bessere Ende für sich. Auch in der neuen Generation teilen sich die beiden Limousinen aus dem Volkswagen-Konzern wieder eine Plattform, werden mit gleichen Motoren und Getrieben angeboten. Wie geht das Duell diesmal aus?

Schafft es der günstigere tschechische Herausforderer, seinen teureren Konzernrivalen zu überholen? Um das herauszufinden, bestellten wir Passat und Superb inklusive 190 PS starker Turbodiesel-Motoren, passend dazu den Ford Mondeo 2.0 TDCi mit 180 Pferdestärken und den Mazda 6 mit 2,2-Liter Bi-Turbo-Selbstzünder und 175 PS.

Skoda Superb vs. Passat, Mondeo & Mazda 6: KAROSSERIE

Wir wissen zwar nicht, welcher Vorstand im Superb chauffiert wird, doch bemitleiden muss man ihn deshalb nicht. Im Gegenteil: Wie eine Luxuslimousine bietet der Tscheche hinten geradezu verschwenderisch viel Platz um die Beine lang zu machen, und wenn der Direktor sich mal so richtig lässig hin äzen will, dann fährt er den Beifahrersitz einfach von hinten aus elektrisch nach vorn (60 Euro extra) oder klappt die Lehne gleich ganz um (90 Euro).

Auf dem Weg zur Aktionärsversammlung bleibt im Kofferraum genug Platz für die Bilanzordner der letzten zehn Jahre (620 Liter Volumen, 508 Kilo Zuladung). Und damit der Chauffeur nicht abgelenkt wird, kann man das Multimedia-System via iPad auch von hinten aus steuern. Doch allzu viele Ablenkungsmöglichkeiten gibt’s vorne nicht. Alle Knöpfe, Schalter und Tasten sind in direkter Reichweite und eindeutig markiert, die Bedienung ist intuitiv.

Sehr gut ist auch die Sicherheitsausstattung, zum Beispiel mit serienmäßiger Autonombremsung oder Crash-Früherkennung (440 Euro). Die Qualität der Materialien sowie deren Verarbeitung ist solide. Allein der Plastik-Ledermix-Geruch des Testwagens passte nicht zum guten Qualitätseindruck. Am Ziel parkt der Chauffeur mit serienmäßigen Parkpiepsern hinten – das Heck ist durch die steil abfallende Scheibe und voluminöse C-Säulen schlecht einsehbar – und steigt völlig entspannt aus den serienmäßigen Sitzen, denen man nur die einen Tick zu hohe Positionierung vorwerfen kann.

Im VW Passat sitzt man vorn tiefer und eine Nuance mehr umschlossen (Komfortsitze: 1180 Euro). Die Bedienung unterscheidet sich praktisch nicht vom Superb, auch das Raumangebot vorne ist gefühlt gleich. Doch obwohl der VW etwas weniger Platz fürs Gepäck unter der Stufenheck-Klappe bietet (586 Liter Volumen) und ein paar Zentimeter weniger Luft zwischen Rücksitzbank und vorderer Lehne hat, weist er dem Superb im Detail die Grenzen auf.

Zum Beispiel mit der besseren Rundumsicht auch dank Einparkhilfe vorn und hinten ab Werk, der höheren Variabilität mit Durchreiche zwischen Fond und Kofferraum oder mit der umfangreicheren Sicherheitsausstattung (Müdigkeitswarner, integrierte Kindersitze, Reifendruckanzeige, selbstversiegelnde Reifen). Auch die Qualitätsanmutung im Wolfsburger ist besser, mit geschäumten Verkleidungsteilen an Stellen, die man ohne Rückenverrenkungsgefahr kaum erreicht.

Deutlich mehr Hartplastik verbaut Ford im Mondeo. Zudem wirkt der Kölner nicht so solide verarbeitet wie seine Wettbewerber. Vorn und hinten bleibt genug Platz, und der Kofferraum mit großer Fließheck-Öffnung (wie im Superb) offeriert 550 Liter – genügend Platz für lange Reisen zu viert. Die gigantische Zuladung von 649 Kilo wird man wohl kaum ausreizen.

Kritik gibt’s für die schlechte Übersichtlichkeit der 4,87-Meter-Karosse mit der wuchtigen Motorhaube. Akustische Parkhilfen rundum kosten extra (550 Euro). Seitenairbags hinten bietet Ford nicht, dafür aber Gurtairbags (300 Euro).Trotz moderner Sicherheitstechnik wie dieser verliert der Mondeo Punkte, weil viele Ausstattungsfeatures extra bezahlt werden müssen. Zum Teil verschachtelt sind die Menüs auf dem zentralen Touchscreen und im via Lenkradtasten bedienbaren, in die Instrumenteneinheit integrierten Display. Lob verdient allerdings die per Knopfdruck dimmbare Instrumentenbeleuchtung. In den Wettbewerbern muss man sich dafür durch diverse Untermenüs arbeiten.

Der Mazda 6 wurde konzipiert für Fahraktive, die ins Auto integriert sitzen wollen, denen Ladevolumen und Variabiliät nicht über alles geht, die allerdings nicht auf eine hochwertige Verarbeitung verzichten und sicherheitsmäßig auf dem neuesten Stand unterwegs sein wollen. Hinten hat man im Vergleich spürbar weniger Platz als im Ford, Skoda und VW, die Karosserieübersicht aber passt – unterstützt von serienmäßigen Parksensoren. Die Bedienung ist gut – Multimedia via Dreh-/Drück-Steller oder im Stand auch über den Touchscreen. Teils kleinteilige Menüansichten erfordern jedoch etwas Eingewöhnung.

Paul Englert