Neuer VW Passat Variant mit 240-PS-TDI im Fahrbericht Jetzt Premiumqualität?

Der neue VW Passat 2014 soll in der Premium-Businessliga spielen - hält er den Anspruch? Erste Kilometer im neuen Variant-Topmodell mit 240 Diesel-PS. Fahrbericht

Noch ein Volkswagen oder schon etwas Besseres? Die Wolfsburger streben mit dem neuen Passat mit aller Gewalt in eine höhere Liga. Konzernchef Martin Winterkorn spricht gern von einem „Auto mit Premium-Anspruch“, das eine „neue Ära in der Mittelklasse“ eröffnet. Das erhöht die Spannung vor der ersten Ausfahrt. Es ist soweit. Vor uns steht der neue VW Passat Variant in der Sonne, verführerisch glitzernd in feinem Harvard Blue Metallic.

 

VW Passat Variant 2014: toller Federungskomfort

Gleich das Topmodell der Baureihe in der üppigen Highline-Ausstattung, motorisiert mit dem neuen 240 PS starken Biturbo-TDI, serienmäßig ausgerüstet mit VWs gängigem Allradantrieb 4MOTION und dem siebenstufigen Doppelkupplungsgetriebe (DSG) inklusive Schaltwippen am Lenkrad. Einstiegspreis: mindestens 46.300 Euro plus 590 Euro extra für die schicke Sonderfarbe.

Richtig, das sind zumindest Premium-Preise, denn ab 45.696 Euro gibt es bei Mercedes bereits das dieselnde C-Klasse T-Modell mit dem 204 PS starken Topdiesel. Zurück zum Passat, der auch optisch viel hermacht: Sein großer Quergrill hat nun eine ziemlich massive Präsenz, die Seitenlinien sind an Schärfe kaum noch zu übertreffen, und das nun schrägere Heck erinnert beinahe an den Stil der BMW Touring-Modelle.

Tür auf, einsteigen. Auch das Cockpit könnte als feine Eintrittskarte in den exklusiven Business-Club durchgehen: Die großen, bequemen Nappa-Ledersitze (bei Highline 665 Euro) in der hier serienmäßigen ergoComfort-Ausführung offerieren neben den nach vorn ausfahrbaren Kopfstützen sogar eine Massagefunktion. Herrlich: kribbelndes Wirbelkneten von unten nach oben, durchaus empfehlenswert.

Und fürs Cockpit gibt es hier (wie im Audi TT) gegen 500 Euro statt klassischer Instrumente das digitale „Active Info Display“, das zum Beispiel auf Wunsch die Navigations-Routenführung  groß  (12,3 Zoll) und direkt ins Fahrerblickfeld holt und dabei gleichzeitig die Anzeigen für Drehzahlmesser und Tacho verkleinert. Das will man haben!

Genauso wie das neue ausfahrbare Head-up-Display des Passat (noch keine Preisangabe), das aber erst ab Sommer 2015 verfügbar ist. Fest steht: Das neue Cockpit mit dem schicken horizontalen Lüftungsband gefällt garantiert. Anderseits: Bei der Konzerntochter Audi – etwa im A4 und besonders im A6 – wirkt manches noch wertiger und ästhetisch ausgefeilter.

Im  Fahrzeugmenü blättern wir auch gleich im üppigen Angebot an neuen Assistenzsystemen. Vieles dürfte bei der Passat-typischen Business-Klientel (75 Prozent der Kundschaft!) auf Interesse stoßen, zum Beispiel „Area View“ inklusive Rückfahrkamera für den elektronischen Rundumblick (siehe Foto) – Preis: stolze 850 Euro. Oder der sichernde Front-Assistent mit City-Notbremsfunktion, der auch Fußgänger erkennt.

Dann wäre da noch der Emergency-Automat, der den eingeschlafenen Außendienstler rettet, weil er den Wagen im aktuellen Fahrstreifen zum Stillstand bringt. Der gehört zum Paket Plus (Highline mit DSG-Getriebe, 1945 Euro), das unter anderem auch die automatische Abstandsregelung ACC beinhaltet.

Zudem gibt es einen automatischen Einparker für den Gespannbetrieb (Trailer Assist), bei dem der Spiegeleinsteller zum Joystick für die gewünschte Fahrtrichtung wird – dann sind nur noch Gas und Bremse zu bedienen. Auch der kostet extra, in diesem Fall 620 Euro. Generell ist hier vieles zusätzlich zu bezahlen – die achte Generation des Passat hat definitiv Premium-Angewohnheiten.

Wir drücken aber erst  mal den Startknopf und erwecken den neuen Zweiliter-Biturbo zum Leben. Ab auf die Autobahn und gleich auf die Überholspur. Hier zeigt der Biturbo-Variant, was in ihm steckt: Viel Kraft schon bei niedrigen Drehzahlen, Sprintreserven auch oberhalb von 150 km/h. Dabei ist der VW bemerkenswert leise, wenig Wind- und Abrollgeräusche – das Telefonieren  geht mit Zimmerlautstärke. Ja, eindeutig premium.

Ein Lob auch für die Arbeit der DSG-Automatik, die stets zuvorkommend zackig den richtigen Gang wählt. Das Ganze funktioniert hier besonders gut, weil der 240-PS-TDI serienmäßig die adaptive Dämpferregelung (DCC) an Bord hat – inklusive der dazugehörigen Fahrprofilauswahl: Comfort, Normal, Sport, Eco und Individual. Speziell im Sportmodus bleiben keine Wünsche offen, mehr Speed braucht man selbst bei brandeiligen Terminen nicht. Für den Stammtisch: Tempo 100 soll nach 6,3 Sekunden anliegen.

Auf der Landstraße ist zu spüren, dass das neue Fahrwerk im Bund mit der feinfühligen Lenkung und der Allrad-Technik selbst in engen Kurven viel Potenzial hat – so sportlich war noch kein Variant unterwegs. Nur der Sound des Top-Diesels könnte eleganter sein – bei niedrigem Tempo stören die VW-typisch knurrigen TDI-Töne das Klangbild. Der Bordcomputer zeigte uns übrigens Verbrauchswerte zwischen gut sechs und rund elf Litern an, Genaueres wird der erste Test zeigen.

Und die Kombi-Eigenschaften? Alles gut, die Hecklappe öffnet auf Wunsch elektrisch (505 Euro), die Fondlehnen  lassen  sich jetzt wie bei BMW und Mercedes im praktischen Verhältnis 40:20:40  umlegen. Ein Griff – auch vom Laderaum aus – genügt, dann ergibt sich eine ebene Ladefläche. Große Ablagefächer finden sich hinten ebenfalls, gegen 127 Euro extra zudem solide Gepäckraumteiler mit Edelstahl-Ladekante.

Kritik am Rande: Das reizvolle Mirror Link-System (ab 170 Euro), das Smartphone-Inhalte fix ins Fahrzeugdisplay transferiert, arbeitet nur mit Android-Geräten, aber noch nicht mit Apples iPhone. Übrigens gibt es den dieselnden Passat Variant auch günstiger: mit 150 PS in der Basisausstattung  ab 31.325 Euro, als Highline dann für 36.875 Euro. Auch mit diesem Modell ist man nicht untermotorisiert.

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TECHNIK
 

VW PASSAT VARIANT 2.0 TDI
Motor 4-Zylinder, 4-Ventiler, Biturbodiesel, Partikelfilter
Hubraum 1998 cm³
Leistung 176 kW / 240 PS bei 4000/min
Max. Drehmoment 500 Nm bei 1750 - 2500/min
Getriebe 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe (DSG)
Antrieb Allrad
L/B/H 4882/1832/1477 mm
Radstand 2791 mm
Leergewicht 1660 kg
Kofferraum 650 - 1780 l
MESSWERTE  
0-100 km/h 6,3 s1
Höchstgeschwindigkeit 238 km/h1
Verbrauch 5,4 l D/100 km1
CO2-Ausstoß 140 g/km1
Grundpreis 46.300 Euro2
1 Werksangabe
2 als Comfortline ab 44.625 Euro

Unser Fazit

Der neue Variant ist eine Empfehlung. Mit dem neuen Topdiesel setzt er Maßstäbe, ebenso mit den neuen Assistenzsystemen. Aber viele kosten extra, und nicht alles ist schon perfekt.

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