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Audi TT vs. BMW Z4 & Porsche Boxster: Roadster-Vergleich

Stürmische Zeiten

Es muss nicht immer ein S oder ein M am Kofferraumdeckel kleben, bevor die Post abgeht. Auch mit den eher „braven“ Varianten von TT Roadster, Z4 und Boxster ist gute Laune programmiert. Vergleichstest

Schnittige Scheinwerfer-Schlitze, fetter Kühlergrill, große, kantig eingerahmte Kühlluft-Schlünde: Das ist kein Rückspiegel-Auftritt einer der bärenstarken quattro-Kanonen aus Neckarsulm, sondern der des Audi TT Roadster mit 230 PS starkem Einstiegsbenziner und Vorderradantrieb. Die Überholspur-Optik passt also schon mal, doch wie sieht es mit dem Gesamtpaket aus? Wie viel Platz bleibt für den Wochenendtrip zu zweit, reist man im Roadster auch ausreichend komfortabel?

Kann er mit den Platzhirschen in seinem Segment fahrdynamisch mithalten, wie viel Sprit schluckt der Turbobenziner, und was kostet der ganze Spaß überhaupt? Um diese und noch viele Fragen mehr im direkten Vergleich zu beantworten, bekommt der Stoffkapuzen-TT Besuch vom BMW Z4 sDrive28i mit Klapp-Hardtop (245 PS) und dem ebenfalls textilbedachten Porsche Boxster (265 PS). Unser Test klärt, ob die beiden etablierten Roadster den Angriff des Neuen abwehren können.

TT Roadster vs. Z4 & Boxster: FAHRDYNAMK

In puncto Fahrdynamik ist gegen den Porsche Boxster kein Kraut gewachsen, dafür machen die Zuffenhausener ihren Job einfach schon zu lange. Selbst ohne den teuren Schnickschnack wie mechanischem Sperrdiferenzial, tempoabhängiger Servolenkung oder adaptiven Dämpfern mit zehn Millimeter tiefergelegter Karosserie (PASM) würde der Boxster der Konkurrenz aus Bayern locker um die Ohren fahren. Das Mittelmotor-Konzept ist einfach zu sehr auf Kurven-Carven ausgelegt.

Und die Torque Vectoring-Funktion (PTV, Verteilung der Antriebskraft an das Hinterrad mit der besseren Traktion) ist dabei nur eine willkommene Hilfe, um den Audi und den BMW auf dem Rundkurs und beim Slalom zu deklassieren. Der Boxster folgt auf jede Volantbewegung willig und berechenbar – egal, ob zackig oder weich eingelegt, egal, ob in die Kurve hineingebremst oder bereits vor dem Knick verzögert wird. Ein Sportler eben, auch wenn es hier nur die Basis aller Trainingsgeräte von Porsche ist.

Apropos verzögern: Kalt und warm steht der Schwabe schon nach 32,8 respektive 32,7 Metern, und auf dem Rundkurs bleibt das Pedalgefühl auch noch nach knapp 15 Kilometern am Limit konstant. Da können die Rivalen nicht mithalten. Erstens brauchen TT und Z4 weit über einen Meter mehr für die Standard-Bremsung aus Tempo 100 bis zum Stand, zweitens fällt der Audi bereits nach zwei schnellen Runden mit teigigem, dann langem Bremspedal auf.

Und der BMW wirkt beim Anbremsen aus hohem Tempo leicht nervös, weil der ABS-Impuls die Zangen einen Tick zu lange schließt und die vier Reifen deshalb immer wieder und zu unterschiedlichen Zeiten kurz blockieren. Eine Domäne des TT Roadster ist dafür sein stoischer Geradeauslauf – trotz wuchtiger 19-Zoll-Breitbereifung. Spurrinnen, Querkanten oder andere Unebenheiten bringen ihn nicht aus der Ruhe – im Gegensatz zum Z4.

Wenn die Fahrbahn nicht topfeben ist, wird die Karosserie des BMW immer wieder durch Wellen oder Teerflicken angeregt, was ihn um die Längs- und Querachse etwas taumelig erscheinen lässt und sein Traktionsvermögen einschränkt. Auf dem makellosen Rundkurs-Asphalt hingegen setzt der Münchner seine Leistung erstaunlich effizient um, Lastwechselreaktionen zeigt er erst bei übertrieben brutaler Fahrweise. Letztere sind dem TT völlig fremd, er baut dank serienmäßig elektronischer Differenzialsperre (EDS) für einen Fronttriebler enorm viel Traktion auf.

Paul Englert